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Die Wahrheit · 1900-05-11 · Heft 16 (11.5.1900) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 16 (11.5.1900)
Date
1900-05-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rcdaction u. Administralion: Wien. II/3. Novaragaffe 27. A t. österr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 846.251. 1 n fetait: 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. irakhängige Aeitfchrifi für Mische Miere-sen. Erscheint jeden achten Tag. Molt,: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" LtzLgrßmir: Ganzjährig Halbjährig . St. 12.- . «. 6- Für Lultusbeamte: Ganzjährig .... St. 10.— Für Ausland: Ganzjährig .... >2 Mark 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 16. Mrn, 11. Mai 1900. Inhalt r Der zweite galizisch-jüdische Gemeindetag. — Wie man predigen soll, wie man predigt, und wie man gepredigt hat! — Aus jüdischen Aerztekreisen. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Litteratur. — Zur Organisationsfrage. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen nm Einsendung der rückständigen Abonnementsbeträge. Ire Administration. Der zweite galhisch-jüdische Gemeindetag. Endlich ist der zweite jüdische Gemeindetag nach einem Intervalle von 27 Jahren wieder in Erscheinung getreten. Nur wenige Theilnehmer des ersten Gemeindetages sahen den zweitten wieder, aber an der Spitze stand derselbe Präsident, Herr Dr. Emil Byk, durch dessen Energie, er war damals erst kurze Zeit Vicepräsident des Vereines ,.Schomer Israel", der erste Gemeindetag zustande kam. Die galizische Judenschast im allgemeinen, wie der Zionismus insbesondere haben alle Ursache, aus diesen Gemeindetag als eine neue epochale Erscheinung zu blicken. Der Präsident der Lemberger Cultusgemeinde, Herr Dr. Byk, begrüßte die erschienenen Vertreter, unter welchen sich 30 Vertreter von Gemeinden, 32 zionistische Vertreter, die beiden Landtagsabgeordneten, mehrere Gemeindevertreter, Herr Dr. v. Rappoport, der Schristsührer der österr. israel. Union, Herr S. Fleisch! ans Wien rc. rc. besanden, und eröffnete den Gemeindetag mit einem dreimaligen Hoch aus den Kaiser. — Hieraus schritt man zur Wahl des Bureaus, wobei Herr Dr. Heinrich Gottlieb zum ersten und Herr Dr. Schaff zum zweiten Vicepräsidenten gewählt wurde. Letzterer übte gegenüber seinem Gegenkandidaten, dem jungen orthodoxen Rabbiner Lewin aus Rohatyn, einen anerkennenswerthen Akt persönlicher Courtoisie, indem er aus das ihm zugesallene Ehrenamt zu Gunsten des Rabbiners verzichtete. Herr Dr. Gottlieb, sür die ihm erwiesene Auszeichnung dankend, bemerkte, dass in diesem Saale keinerlei Sonderbestrebungen, weder Assimilation noch Zionismus zu Tage treten sollen, damit hervorgehe, dass alle Anwesenden in gleicher Weise für das Judenthum beseelt sind. Der Zionismus seierte aber trotzdem, Dank seiner vortrefflichen Vertreter, wahre Triumphe und erwarb sich neue Freunde. Denkwürdige Worte sprach der edle Sohn des seligen Oberrabbiners aus Prag, Herr Dr. Rappaport v. Porady. Dieser Mann, welcher Jahrzehnte für die Hebung des Niveaus seiner arinen galizischen Glaubensgenossen thätig war und noch vor dem Baron Moritz Hirsch Fabriken in Krakau gründete, bekannte den wohlthuenden Einfluss des Zionismus aus das Judenthum. Was ihm und der Fortschrittspartei nicht gelungen sei, die jüdischen Massen zu heben, habe der Zionismus zu Stande gebracht, indem er eine Solidarisirung der Inden herbeiführte. Hieraus entspann sich eine eingehende Debatte über das Wesen des Zionismus, wobei die Herren Dr. Malz und Stand eine Resolution im zionistischen Sinne einbrachten, welche der ständigen Commission zugewiesen wurde. Nach diesem einleitenden Geplänkel schritt man zur Berathung des 1. Punktes der Tagesordnung „Die öconomische Nothlage der galizischen Juden," sür welchen folgende Anträge des vorbereitenden Comites Vorlagen. „Angesichts der stetig wachsenden Erwerbslosigkeit und der wahrhaft erschreckenden Ausbreitung von Noth und Elend unter der jüdischen Bevölkerung Galiziens, welche trostlosen Erscheinungen nicht blos durch die wirthschastliche Mißlage des Landes und seine Rückständigkeit aus dem Gebiete der Industrie, des Gewerbes und des Handels, sondern auch durch einen Complex von speciellen, blos die jüdische Bevölkerung betreffenden Ursachen hervorgerusen werden, unter denen leider ein stattlicher Theil mit zielbewusster Absichtlichkeit und mit einer gegen unsere Glaubensgenossen gerichteten feindlichen Tendenz geschaffen wurde, verwahrt sich der II. Tag der galizischen israel. Cultusgemeinden gegen jene Tendenzen und Organisationen, sowie deren offene oder bemäntelte Palronanzen, welche aus die Ausschließung oder Abdrängung jüdischer Bürger von mancherlei Erwerbszweigen und dem ehrlichen Wettbewerbe im harten Kampfe ums Dasein gerichtet sind, und beschließt überdies: I. Die Erwerbslosigkeit, sowie die Noth und das Elend der galizischen Juden sind durch folgende Mittel zu bekämpfen: 1. Durch Hebung der Cnltur, worunter in erster Linie die Verwirklichung der bestehenden allgemeinen Schulpflicht begriffen ist; 2. Durch Hebung und Kräftigung bestehender, sowie durch Schaffung neuer Erwerbsarten und Arbeitsgelegenheiten. Dieses Ziel wäre anzustreben: a) durch gründliche sachliche Vorbildung der Kausleute und Handwerker, b) durch Stipendien für jüdische Handwerkslehrlinge, wobei auch das besondere Augenmerk aus solche Handwerke zu richten ist, welche bis nunzu von Juden nicht betrieben wurden, c) durch ausgedehntere Betreibung des Ackerbaues, d) durch Organisation von Borschusskasse», welche den

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