Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 13 (12.4.1900)
- Date
- 1900-04-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13. Die XDabrbeit. Seite 11. ividmen. Auch seine Familie sei höchstlich erfreut über die seltene Auszeichnung von Seiten des Vereines Die Vereinsmitglieder haben damit aber sich nur selbst geehrt, indem sie dem Ehre gaben, dem sie gebührt. Ute«. Sonntag, den 8. d. M., fand die Beerdigung des Religionslehrers der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Aron Schnürmacher, Besitzer der goldenen Verdienst-Medaille, früher Instituts-Inhaber in Eisenstadt, bei großer Betheiligung der Collegen und Freunde statt. Der Verblichene erreichte ein Alter von 64 Jahren und war wegen seiner strengen Religiosität und Pflichttreue allgemein beliebt und geachtet. Der Vorstand der Cultusgemeinde veranstaltete die Trauerfeier in großem Style und nach Recitation des Hazur tomim durch Obercantor Singer sprachen am Sarge Obcrrabbincr Dr. Güdemann, Jnspcctor Kanitz und -College Antscherl. Am Grabe würdigte Herr Director Philipp Brunner die Vorzüge des Verblichenen, dessen Andenken im Herzen seiner ihn verehrenden Schüler und Schülerinnen sicherlich nie erlöschen werde. Die Erde sei ihm leicht und sein Name sei gesegnet, wie es seine priesterliche Lehrtätigkeit gewesen! Mir«. Der „Jüdische V o l k s v e r e i «" veranstaltet für mittellose junge Leute und Studierende einen gratis Sederabcnd. Diejenigen Herren, die Theil nehmen wollen, mögen sich im Secretariat des „Jüdischen Volksvereines", II., Haasgasse 8 (Untere Augartenstraße 19), rechtzeitig anmelden. Ar«««. Donnerstag, den 5. d., ist hier Herr Cantor Adolf Kornitzer, der in der Gemeinde und unter seinen Collegen allgemeine Achtung genossen hat, gestorben. Zrapag«ps. Der hiesige Cantor Josef Sagher wurde als geprüfter Religionslchrcr bestätigt und erhielt auch das österr. Staatsbürgerrecht. Ä'rag. Der jüdische Volksverein in Prag veranstaltet anlässlich des Pessachfestes im Hotel Roubitschek 2 Seder-Abende. Ledige und verheiratete Personen, welche keine Gelegenheit haben, an diesen Festabenden im Familienkreise theilzunehmen, werden der Vereinsleitung gewiss für diese Einführung dankbar sein. Das Couvert kostet 2 Kronen, für Unbemittelte nach Maßgabe der Anmeldungen gratis. Z*atzau. Unter sehr zahlreicher Beteiligung fand am 10. d. M. das Leichenbegängnis des Herrn Leopold Weil, Lehrer der hiesigen Cultusgeineinde, statt. Der Verblichene. Besitzer der Ehrenmedaille für 40jährige Dienste, wirkte treu durch 45 Jahre in seinem Berufe und erfreute sich deshalb und wegen seines biederen Charakters allgemeiner Beliebtheit. Dies bewies, wie erwähnt, die rege Theilnahme an der Leichenfeier. Zn derselben erschienen der gesammte Cultnsvorstand, der Bürgermeister mit dem Stadtrath, die Geistlichkeit, zahlreiche Beamte, sowie sämmtliche Lehrer der Volks- und Bürgerschule mit der Schulbuter Jakoo Gvldstr.n aus Nir.u urg, i:r bewegten Worten. Die Traurrgeiange trug unser beliebter Cantor, Herr Heinrich Kühner, in weihevoller Weise vor. 1 Der Nihilist. ® * n Zeitroma n a rr s d e in russisch-jüdischen Leben Von Moritz Scherbel <Slachdruck vei boten.) <g». Fortsetzung.) „Hören Sie von meinem Sohne selbst, was er zu dem von Ihnen an ihn erhobenen Anspruch sagt," spracb der Vater Alexanders zu dem emtretenden Aronson. „Nun, ich finde es höchst komisch, wenn nicht gar lächerlich, mindestens aber sehr unvernün tig, dass Sie mich, so mir nichts dir nichts zum Schtviegersohn occupiren wollen, da ich ja doch meiuestheils wohl ar«ch ein Wörtchen mitzv.reden haben sollte. Ich habe gar nichts dagegen. Dass «le mich aber dabei zu dem künftigen Gemal erwählt, dagegen werde ich aus einleuchtenden Gründen stark protestiren," sagte Alexander mit lerchtem Humor. „Auch dann — wenn ich Ihnen sage, dass ich bereits ein diesbezügliches Versprechen Ihres Vaters besitze?" su »Auch dann noch. Wenn ich auch sonst meinem Vater ein gewisses •l "?-^^^d-Pkkst)tr"ernrällnie, so ist dasselbe doch kein so weitgeben. ^^--oasses dahin führen könnte, mich an irgend ein beliebiges Mädchen zu verheiraten, von den» ich kaum gewusst, dass es in der Welt vorhanden, wenn es mir in jüngster Zeit nicht der Zufall kund gethan hätte." „Ich frage weiter: Auch dann nicht, wenn Sie durch Ihre Weigerung Ihrem Vater und sich selbst schwere Verlegenheiten bereiten werden." „Ich sage Ihnen auch dann noch. Mein Vater, sowohl wie ich, werden sehen, wie sie sich mit diesen Verlegenheiten abfinden werden, und im klebrigen, will ich in dieser Sache das letzte Wort geredet haben." Hierauf verließ Alexander das Zimmer und Wandelowicz und Aronson standen sich gegenüber. „Sie sehen, wie die Sache liegt. Aronson, und werden schon, ob gutwillig oder nicht, von Ihrer Forderung abstehen müssen." „Abstehen? Nun, das kann geschehen," sprach Aronson mit verbissenem Grimm. „Aber rechnen Sie nicht darauf, dass, wenn es geschieht. Sie und Ihr Herr Sohn dabei leer ausgehen werden. Ich habe die Mittel in der Hand, ich werde Ihnen eine Suppe einbrocken, dass Sie zeitlebens daran zu zehren haben werden. Ja, darauf können Sie fest rechnen!" und ohne ein Wort weiter zu sagen, verließ er das Zimmer und bald daraus die Wirthschaft Jechiels. Wandelowicz kehrte in das anstoßende Zimmer zurück, wo er Alexander und Deborah vorfand. „Er ist fort," sprach er — „aber er wird Unglück und Verderben über uns Alle bringen." „Was vermag er gegen Dich, Vater? Du bist in Mita«, er in Gomel, er hat gegen Dich nichts auszuspielen." „Aber Du? Glaubst Du etwa, dass er die Häscher Dir nicht auf den Hals schicken wird, welche diese Wirthschaft durchstöbern und Dich, schließlich aufgefunden, verhaften werden?" „Doch aber — sie sollen mich hier nicht mehr antreffen. Noch heute gehe ich von hier fort" „Gehst fort — aber wohin, wohin, wo Dich die Polizei nicht aufheben wird?" „Sie wird mich dort nicht suchen, wo ich mich befinden werde, nicht suchen in einem Hause, das einen wohlbekannten Patrioten zu seinen» Eigenthümer hat." Und Alexander theilte seinem Vater seine Beziehungen zu dem Gutsbesitzer Winizew mit und gelangte auf dem Wege dieser Eröffnung auch dahin, ihn mit dem Verhältnis bekannt zu machen, das zwischen ihm und der Glanzberg'schen Familie obwalte. Sowohl sein Vater, als wie Deborah hörten ihm mit gespannter Aufmerksamkeit zu und als er geendet, rief der Elftere: „Das i st ein wahres Glück!" Deborah sprach: „Gelobt bist Du Gott, dass Du mein Gebet erhöret hast." „Du wirst also mit der Nihilistengesellschaft brechen?" fragte der Barer. „Ja, ich bin zu anderer Ueberzeugung geführt worden." Alexander wurde dafür von seinem Vater und Deborah umarmt. Zwei Stunden darauf verließ er die Wirthschaft Jechiels. Am andern Tage trafen Gendarmen aus Minsk daselbst ein. Sie durchsuchten Haus, Ställe und Scheunen, aber selbstverständlich erfolglos. Sie unterließen es indess nicht, Jechiel noch vor ihrem Abzüge 100 Rubel zu erpressen, um sie für die weitere Zeit ungeschoren zu lassen. Noch in derselben Nacht reiste Deborah nach Mitau zurück. (Fortsetzung folgt.) Notizen. Erster Wäd«ben-A«sstattungs-Aerein. Die 37. ordentliche Generalversommlung des Ersten Mädchen-Ausstattungs-Vcreines a. G. hat i am 25. v. M. unter Vorsitz des Präsidenten Armin Schwarz bei zahl-! reicher Betheiligung seitens der Mitglieder stattgefunden. Dem Generalberichte entnehmen wir, dass auch das Verwaltungsjahr 1899 ein günstiges j und erfolgreiches war. indem 14.271 Antheile neu eingeschrieben wurden, | was auch bei besseren wirthschaftlichen Verhältnissen als es diejenigen j waren, die im verflossenen Jahre allenthalben herrschten, ein ganz bedeu-; tendes Resultat genannt werden kann. Sowohl die neu beigetretenen! Mitglieder als auch die Begünstigten derselben gehören in stark über-! wiegendem Maße den jüngsten Altersclassen an, womit erwiesen ist, dass I der Anstalt in den erzielten Neueinschreibungen junges, lebenskräftiges! Element zugeführt wurde. Die Einnahmen des Jahres 1899, welche! eine Gesammtsumme von Kr. 2,030.452-96 ergeben, weisen in allen | Titeln, unter denen sie erzielt wurden, eine namhaft steigende Tendenz;! aus; die Ausgaben erforderten einen Gesammtbetrag von Kr. 861.882-18, j wobei wir die Summe von Kr. 529.750 76 für Ausstattungsprämien > besonders hcrvorheben, welche sich auf 206 Mitglieder mit 756 Begün-! stigren, einschließlich 19 Waisen vertheilte. Die kleinste Ausstattungsprämie war Kr. 600, die größte Kr. 10.360. Von dem erzielten Jahresresultate sind der mathematischen Prämienreserve Kr. 1,000.286'78 zuzuführen, womit sich dieselbe auf Kr. 5,120.373 78 erhöht, die statuten- : mäßige Dotation beobachtend, wurden ferner dem Prämienerhöhungsfond Kr. 82.632, der Specialreserve Kr. 33.056 80 und dem Beamtenpensionsfond Kr. 4000 votirt. Die Schlussziffer der Bilanz beträgt Kr 5,824.869-20 . und findet dieselbe in Sparcassaeinlagen von Kr. 1,610.943 82; in! Pfandbriefen erster Bonität im Betrage von Kr. 1,792.811, ferner in J zwei Anstaltsgebäuden, welche nach Abschreibung von Kr 15.214.48! bilanzmäßig mit Kr 1,496.353.76 bewerthet sind, ferner in Darlehen auf i eigene Polizzen und ausstehenden Prämienforderungen und in Baarcassa-! vorrath ihre Bedeckung. Der Generalbericht und die Bilanz wurden I beifällig zur Kenntnis genommen und über Antrag des Anisichtsrarhes; der Direction das Absolutorium ertheilt. Mit der Authentistcation des j Protokolles wurden die Herren Franz Steiner und Carl Ratsay betraut. Nachdem noch der Antrag des Mitgliedes, Oberingenieur Bela Kristinkovich der Direction, insbesondere dem Präsidenten Armin Schwarz, dem Aussig tsralhe und dem Ausschüsse Dank und Anerkennung zu votire», e uhellige Annahme und folgten die Neuwahlen und wurden in die Tir-clion mittelst Acelamation die Herren Armin Schwarz, Carl K o h n, Dr Moritz W i t l m a n n, Tr. Jo,es Reich, Josef Eisler, Sigmund H e r z s e l d, Alexander T s u t und Arnold K o h n mit sechsjähriger Mandatsdauer neuerdings gewählt. In den Aussichtsrath wurden ebenfalls mit Acelamation die Herren Dr. Alexander Bernat, Dr. Sigmund Simony, Josef Heger, Albert Weriheimer, David I. Weil und Joses Seifensieder (neu) aus die Dauer eines Jahres gewählt. Ebenso wurden, dem Wunsche der Generalversammlung entsprechend, über Vorschlag des Präsidenten, die zurückgetretenen Ausschussmitglieder wieder und die Herren Max Dietz, Sigmund Eisler, Johann Lachnit, Benö Leichtner, Josef Pruzsinsky und Armin Steiner neu in den Ausschuss gewählt.