Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1900-04-12 · Heft 13 (12.4.1900) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 13 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063013-3063026--00725-3067254
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Redaction u. Administiaiion: Wien, II/], Novaragaffe 27. Ä k. österr. Postsparcaffa Check-Conto Nr. 816.251. r n f«rat,: 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und JnsertionS» betrage find in Wien zahlbar. «abhängige für Mfche Erscheint jeden nchten Tag. Mott«: «Das Siegel Gottes ist Wahrheit >" Lezagspriir: Ganzjährig . . . . it. iS.— Halbjährig . ... 9t. s— Für Lultusbeamte: j Ganzjährig .... St. 10.— Für Ausland: Ganzjährig .... >s Mark j; 8 Rubel oder IS FrcS. Ar. 13. Vien, 12. Äpril 19(M> ♦ Uebtv Predigt und Prediger. National und Jüdisch. — Der Statthalter über die Nitualmordhe^e. — Eonferenz der in Palästina thätigen Vereine. — Heinrich Heine. — Moses Montefiore und Adolf Cremieux. — Feuilleton: Heimweh. _ Die Sittenlehre der Juden — Gemeinde- und Vereinsbote. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Nihilist. — Notizen. IMF' Mit Rücksicht auf die Pessach- Feiertage erscheint die nächste Nummer unseres Blattes am 26. April. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten um Einsendung der Aboiiiiemeiithgebähr für das mit 1. April begonnene LI. Quartal. Znr Einsendnng der Beträge wolle man die in voriger Nummer beigelegten Postehecks benützen. Gleichzeitig richten wir an alle unsere Freunde die Bitte, uns Adressen vou Glaubensgenossen mit' zntheilen. welche noch nicht Abonnenten unseres Blattes find, und ihren Kreisen für die Förderung unserer Bestrebungen, die den Interessen des Judenthumes dienen, einzutreten. Die Administration. Aeber Predigt und Prediger. Dass das Amt eines Kanzelreduers in unserer Zeit überhanpt und in der Großstadt insbesondere ein schwieriges ist, braucht wohl ilicht erst umständlich erörtert zu werden. Gleichwohl drängt sich dem „stillen Beobachter/' der unsere Synagogen besticht und unsere Kanzelredner hört, nicht selten die traurige Erkenntnis auf, dass diese in der Theorie gewiss unbestrittene, weil unbestreitbare Thasache weder jenen, welche Stellen zu vergeben haben, noch jenen, welche sie bekleiden, in der'Wirklichkeit immer zum vollen Bewusstsein gekommen ist. Nur so erklärt es sich, dass einerseits bei der Vergebung der Stellen so oft arge Misgriffe geschehen und die Wahl auf Personen fällt, die entweder überhaupt keine Eignung;um Prediger besitzen oder höchstens den Anforderungen einer kleinen Provinzgemeinde genügen könnten, und dass andererseits auch Prediger, die die Fähigkeit hätten, ihren Znhörern mitunter Reden bieten, die ein Hohn ans das Amt sind, das sie bekleiden. Zn dem einen Falle ist es mitleiderregendes Unvermögen, in dem anderen kommt eine Misachtnng des Publikums und des heiligen Ortes zum Ausdruck, die nicht strenge genug gerügt werden können. Wir sind uns dessen wohl bewusst, dass wir mit der Hervorhebung dieser Uebelstände den Finger an eine klaffende Wunde legen, a i der unser Gemeinwesen krankt. Es ist eine i nnbestriltene Thatsache, dass, abgesehen von den wenigen aner-! kannten Rednern, das Predigtwesen unserer vormals auch j in dieser Hinsicht mustergiltigen und tonangebenden Gemeinde nicht j mehr ans der Höhe steht, und es kann ohne Uebertreibung i gesagt werden: die Zeiten der Mannheimer und Jellinek! sjMs^Lngst dahin.^ So betrübend es ist. es müssen einmal diese^^unge zur Sprache gebracht werden, und wir erfüllen, nur, unserer Devise getreu, unsere pnblicistische Pflicht, mrd wir unbekümmert um Gunst und Ungunst der Wahrheit öte Ehre geben; es handelt sich uns dabei nicht darum, den Einzelnen an den Pranger zu stellen, sondern die Rechte der Syuagogenbesucher zu vertheidigen. Wir wollen daher fortan nufer Augenmerk dem Wiener Predigtwesen znwenden und bitten schon jetzt mtsere Leser, uns ihre Wahrnehmungen gelegentlich mitzutheilen. Wir halten diese öffentliche Controtle umsomehr für nöthig. weil wir es unseren Kanzelrednern zum Beivnsslseill bringen wollen, dass sie, was ja im Wesen ihres Berufes liegt, nicht nur vor ihren jeweiligen Zuhörern, sondern vor der breitesten Oeffentlichkeit sprechen. Es ist kein weithergeholter Vergleich, wenn wir die Thäj tigkeit und Stellung des Predigers der des Lehrers gleichsetzen:! wie dieser ein Lehrer der Jugend, soll jener ein Lehrer des j ganzen Volkes sein, wie dieser, soll jener lehrend erziehen, wie; dieser, soll jener durch sein Lebeit und Verhalten vorbildlich j wirken. Wie der Lehrer, muis auch der Prediger seine Rede dem Verständnis des Durchschnittes seiner Hörer anpassen, für! ihn gilt die Mahnung, nicht zu hoch und nicht zu niedrig den Tenor seiner Rede zu halten. So wie es ein Fehler ist,! durch Erörterung tiefsinniger philosophischer Fragen und Spej culationen sich die Verständigung mit seinem .Hörerkreis zu erschweren, so ist es ein noch größerer Fehler, allzusehr auf das mitunter tiefstehende Niveau eines Theiles, und sei es auch des! größeren, hinabzusinken: der Prediger soll vielmehr seine Hörer; zu sich emporzieheu, er soll sie sittlich lautern und durch den j Ernst des Tones und die Würde des Gegenstandes erbauen, j Vor allem muss er sich jederzeit die Heiligkeit des Ortes, an! dem er spricht, vor Angen halten. Es ist ein Unfug, die Kanzel! zum Tummelplatz schaler und geschmackloser Witze zu machen, um das behagliche Schmunzeln einiger verständnisinniger Hörer zu erzielen und in den Ruf eines geistreichen Redners zu gelangen. Es ist aber auch ein ebenso beklagenswerther Mis-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.