Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 12 (3.4.1900)
- Date
- 1900-04-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12. Die Wahrheit. Seite 11. ivarmen, ergreifenden Worten der Vorzüge der Dahingeschiedenen gedachte. Er schilderte sie als „fromme Sangesfreundin", deren höchster Stolz es Ivar, dass sowohl ihr verstorbener Gatte, als auch ihr Sohn ihr Leben und Wirken dem Sange Gottes, dem Cantoren-Bernfe, widmeten. Wien. Fräulein Rosa K l e b i n d e r, Tochter des Herausgebers und Chefredacteurs des „Wiener Tagblatt", Herrn Ferdinand K l e b i n d e r, hat sich mit Herrn Carl L e ch n e r, Beamten der Ersten österreichischen! Actiengesellschaft für öffentliche Lagerhäuser, verlobt. Wien, 27. März 1900. (Eine merk w ü r d i g e Part e.) In den heutigen Ausgaben der Tagesblätter war eine Parte enthalten,! die wohl geeignet erscheint, nicht nur unsere Aufmerksamkeit, sondern noch i in viel größerem Maße unseren Uninuth und die gerechteste Verwunderung j hervorzurufen. Die Stylistik dieser Todesanzeige ist derart, dass sie wohl! nicht Anspruch auf Nachahmung machen dürfte. Die Parte enthält nämlich j nur mit wenigen Worten den erfolgten Tod des Familienoberhauptes,! ohne auch nur anzudeuten, wann und wo das Leichenbegängnis stattj stndet. Die Freunde und Bekannten des Verblichenen können demnach! demselben nicht die letzte Ehrenpflicht erw-isen und bei der Bestattung! anwesend sein. Es ist das ein Vorgang, der sich bei Juden nicht ereignet : und scheint cs auch der Sohn des Verstorbenen zu sein, der sich I Dielleicht deshalb von der gewöhnlichen Form absentirt, weil ihn! her nun dahingeschiedene Vater zu solch' angesehener, socialer Stellung! erziehen ließ und er von der Religion seiner Ahnen nichts mehr wissen! will. Da der Sohn noch bei Lebzeiten des Vaters einen Glaubenswechsel; vollzogen hat, braucht uns diese Pietätlosigkeit nicht zu wundern. Das! Leichenbegängnis durste auch über Anordnung des liebevollen Sohnes i kein jüdisches Gepräge haben, selbst das Absingen der Psalmen durch j einen Chor im Trauerhause wurde untersagt; denn wie leicht hätten! Mindereingeweihte durch den Klang der jüdischen Psalm daran erinnert werden können, dass Herr N. ein Judenstämling sei. Wien. Am vorletzten Sabbat fand die Barmizwa-Feier des einzigen Sohnes Leopold, des Armenrathes, Herrn Nathan Königsberger, Sekretärs des Bethausvorstandes der Wiener Cultusgemeinde, in solenner Weise statt. Nach der Ceremonie im Leopoldstädter Tempel, wo der Confirmand zur Thora gerufen wurde, versammelten sich viele Freunde und Bekannte im Hause des Festgebers zur Gratulation und liefen auch von auswärts zahlreiche Glückwünsche ein. Der Confirmand j hielt eine tiefempfundene Rede, in der er auch seines Gevatters, des! seligen Leopold Kompert, pietäisvoll gedachte.! Wie» Der „Rudolfsbund", einer der größten Vereine zur Förj derung humanitärer Zwecke (Bekleidung armer Schulkinder), steht im j Renomme animirte Tanz feste abzuhalten. Samstag, den 17. März fand! im Hotel „Bairischer Hof" eine Masken-Redoute dieses Vereines statt. j Die an Animirtheit nichts zu wünschen übrig ließ. Eine reiche Anzahl | eleganter und origineller Masken hatte sich eingefunden, und der große, hichtgefüllte Saal bot ein farbenprächtiges Bild. Einen besonderen Reiz! des Festes bildeten die Concurrenzpreise, zu welchem Zwecke drei werth- > volle Gold- und Silberpreise für Damen, drei Flaschen Champagner für! Herren gestiftet wurden. Den ersten Damenpreis erhielt Fräulein Emma! Engel (Spanierin), den zweiten Fräulein Mizzi Bubesdinger (Zuavin),! heu dritten Fräulein Gisella Weiß (Griechin). Preiswürdige Masken! waren unzählige in den prächtigsten Costumen, und wollen wir nur! einige hervorheben: Frl. Rosa Sensky (Griechin), Josefine Pollak (Fanj taste), Frieda Warkany (Schneeballon), Gisella Friedmann (Harlekin), > Sitta Liebreich (Dirndl), Caroline Neuron, Jenny Poek, Jda Sonnen-! seid (Spanierinnen), Frau Sonnenschein (Frau Doctor), ferner Dominos I in den buntesten Farben und viele Andere. — Die Herrenpreise erwarben j die Herren Richard Liebesny, artistischer Leiter des Vereines, der.das! Tanzarrangement besorgte, Glanz und Riffel. — Die Musik der Tiroler! Kaiser-Jäger spielte ihre flotten Weisen bis in die Morgenstunden, es! herrschte das fröhlichste Treiben, nur ungern schied man vom „Rudolfsbund." — Das Fest hat dem Vereine einen ansehnlichen Reingewinn für den Kinderbekleidungsfond zugeführt. Wien. Sonntag den 1. April fand im Tempel der israel. Cultusgemeinde im XVI. Bez. eine Gedächtnisfeier für Herrn Ignaz Edlen von K u f f n e r s. A. statt, an welcher die Familie K u f f n e r, die Vertreter der verschiedenen Vereine, viele Vorstands- und Gemeindemitglieder theilnahmen. Die Gedächtnisrede hielt Herr Rabbiner Dr. Bach, die -cantorale Function versah I. Cantor Schlesinger. Wr-Zkeustadt. Unser Religionslehrer, Herr Landau, ist von -einem herben Schlage betroffen worden. Sein hoffnungsvoller, von der hiesigen Gremial-Handlungsschule zweimal mit der silbernen Medaille ausgezeichneter Sohn L e o, Buchhalter im Hause Wilhelm Wolf u. Sohn, ist am 17. d M. in Luffinpiccolo im 20. Lebensjahre verschieden. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag den 22. v. M. statt. Herr Rabbiner Dr. I. L. Landau, der Bruder unseres Religionslehrers, und Herr Obercantor Kläger, dessen intimer Freund, eilten aus Wien herbei,'um den tiefgebeugten Eltern und Geschwistern Trost zu spenden. Währ-Weißkirchen. Samstag, den 24. d. M. fand im hiesigen Tempel die Barmizwah-Feier des Sohnes unseres verehrten Cultusvorstehers, Herrn Bernhard Wolf, und seiner durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannten Gemahlin Jenny, geb. Bermann statt. Der Confirmand Fritz Wolf. Tertianer am hiesigen deutschen Ober-Gymnasium und Confirmationsschüler des Cantors und Religionslehrers 2. Jellinek, las die Haftorah mit laut vernehmbarer Stimme und als er dieselbe beendet hatte, richtete Herr Rabbiner Dr. Rabbinowicz an ihn eine aus die Haftorah bezugnehmende gemüthvolle Ansprache, welche auf alle Anwesenden, vornehmlich aber auf den Confirmanden und dessen Eltern großen Eindruck machte. Nach dem Mincha-Gottesdienste fand im Hause der Eltern eine Festtafel statt, an welcher viele Mitglieder der Gemeinde mit ihren Daneen theilnahmen. Der Confirmand hielt hiebei die übliche Barmizwah-Rede. Einen besonders erhebenden Anblick bot der große Speisesaal, in welchem der größte Theil der Studenten bis zur Septima reichliche Bewirthung fand, und wurden auch aus diesem Anlässe sämmtliche hiesige Wohlthätigkeiisvereine mit namhaften Spenden bedacht. C. I. Kohenau. Dienstag den 8. d. M. 1 ü*/2 Uhr Vormittag findet die Einweihung des hiesigen Tempels mit nach folgendem Fest-Programm statt: 1. Ma taiiwu. 2. Weihereden Sr. Ehrwürden unseres Herrn Bezirksrabbiners Dr. S. G e l b h a u s und Sr. Ehrwürden Herrn Bezirksrabbiners Dr. M. Rosen m a n n aus Floridsdorf. 3. Anzünden des ewigen Lichtes. 4. Psalm CL. 5. Kaisergebet. 0. Volkshymne. Der Tempelfeier geht voran die Ueberführung der heiligen Thorarollen in das Gotteshaus, wobei der Psalm XXIV. gesungen wird. Sämmtliche Gesänge werden von Herrn I. S ch l e i f e r, Obercantor in Floridsdorf, unter Begleitung eines Männerchores executiert. Abends 8 Uhr Tanz- Kränzchen in Martin Bammers Saallocalitäten. ^rag. Am 22. v. M. veranstaltete der Verein „Afike Jehuda" im Hotel Roubitschek ein Vortragsabend statt. Der neugewählte Präses, Landtagsabgeordneter Dr. Salud, begrüßte die Anwesenden, worauf er Herrn Dr. Emanuel Schwarz, Rabbiner in Eger, das Wort ertheilte zu seinem Vortrage: „Jehuda Halevi, ein nationaler Dichter". Der Vortragende zeichnete den Lebensgang dieses Dichters und vielbeschäftigten Arztes in fesselnder Weise. Stimmungsvoll vorgetragene Bruchstücke aus den Dichtungen Jehuda Halevi's ergänzten die getungenen Ausführungen, die den lebhaftesten Beifall der zahlreichen Anwesenden fanden. Snkovar. Sonntag, den 11. März feierte der Präses unserer Cultusgemeinde, Herr Viktor Baum, ein Chanukas-Habajis-Fest, an welchem fast die gesammte Gemeinde theilnahm. Nachdem Obercantor D. Schwarz den Psalm „Mismor sehir ehanukas“ vorgetragen hatte, hielt Oberrabbiner Dr. Diamant eine Festrede, und zum Schluffe wurde das Abendgebet verrichtet. Bei dem hieraus folgenden Festmahle fanden in den zahlreichen Tischreden die Verdienste des Gemeindepräies vielseitige Würdigung. Der Festgeber machte aus diesem Anlasse namhafte Spenden für humanitäre Institutionen, und auch die Armen der Gemeinde wurden bedacht und reichlich bewirthet. SnnfKirchen. Der verdienstvolle, langjährige Chordirektor der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Isidor Gold st ein, erhielt die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Stankskau Am 17. März veranstaltete der hiesige Verein der Handelsangesiellten „Erez Israel" eine Purimfeier, bei welcher Obercantor L ö w e n s o h n mit dem Chore schöne Leistungen bot. Diese wie die Begrüßungs- und Tendenzreden fanden allgemeine Acclamation. c>affy. Für den Tempel „Beth-Jakow" von Neuschatz wurde Herr Sal. H. G o l d st ei n aus Czernowitz als Obercantor accept rt und erfreut daselbst sich großer Beliebtheit. London. Herr Ludwig Berger, bisher Obercantor in Galatz. wurde für die hiesige Hambro-Synagoge als I. Cantor gewählt. Anlässlich des Amtsantrittes wurde der Neugewählte in einer Festsitzung vom Vorstande begrüßt, und Freitag Abends fand ein Festgottesdienst statt, an welchem die gesammte Gemeinde und viele Gäste theilnahmen. Für die erste officielle Funktion erhielt Cantor Berger eine Gratifikation von 50 Pfund Sterling und wurde sogleich definitiv mit Pensionsberechtigung angestellt. Correspondenz der Redaction. 9 in M. Besten Dank für Einendnn; der Adressen. Wir haben die Blätter abgesendet. Mo. in Sz. Wollen Sie sich an die Firma Gebrüder Rieger, k. k. Hof-Orgelfabrik in Jägerndorf, Schlesien wenden. 23. in tzsacza. Es ist in den Gemeinden üblich, bei Festlichkeiten einen Ki-müobsravü zu machen. Diesen Usus auch in privaten jüdischen Gesellschaften zu üben, entspricht nur altjüdischer Sitte und Tradition. Die Stellungnahme gegen eine derartige Function des Cantors ist vollkommen ungerechtfertigt.