Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 12 (3.4.1900)
- Date
- 1900-04-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit # ■ 4 Redaction u. AdministraUon: Wien, II/J, Novaragaffe 27. St I. österr. Postsparcasia Unabhängige Seitschrift für Msche Lezngspreit: Ganzjährig . ... St. l*.— Halbjährig ....*. I Check-Cimto Nr. 846.251. Interessen. Für Lultusbeamte: *? n serate: Ganzjährig .... St. 10.— 26 Heller per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden achten Tag. Für Ausland: Abonnementsnnd Jnsertions» Ganzjährig ....!2 Mark betrüge find in Wien zahlbar. Kalk«: „Das Ziegel Gottes ist Wahrheit 6 Rubel oder >6 Frcs. Nr. 18. Wien^ 3. ÄpriL MH Inhalt r Stellung der Juden zum Ministerium Koerber. — Josef Wertheimer. — Aus dem glaubensstarken Tirol. — Heinrich Heine. — Moses Montefiore und Adolf Cremieux. — Gemeinde- und Bereinsbote. — Die Entwickelung des jüdischen Cantorates von" der Mitte des achtzehnten bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. — Awodas Jisroel. Verschiedene Nachrichten. — Correspondenz der Redaction S;f? Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der Abonnementsgebühr für das mit 1. April begonnene II. Quartal. Zur Einsendung der Beträge wolle man die beigelegten Postchecks benützen. Gleichzeitig richten wir an alle unsere Freunde hie Bitte, uns Adressen von Glaubensgenossen mitzutheilen. welche noch nicht Abonnenten unseres Blattes find, und ihren Kreisen sür die Förderung unserer Bestrebungen, die den Interessen des Judenthumes dienen, einzutreten. Die Administration. Stellung der Juden;um Ministerium Koerber. Im politischen Denken und Fühlen eines großen Theiles der jüdischen Staatsbürger Oesterreichs, und namentlich der Wiener Judenschaft, scheint sich ein heilsamer Umschwung zu vollziehen. Während srüher politische Tagessragen und besonders die Stellung zu den jeweiligen Regierungen immer nur vom Standpunkte der deutschliberalen Partei beurtheilt wurden, bricht sich jetzt allmählig die Erkenntnis Bahn, dass nicht das völlige Aufgeheit in der einen oder anderen politischen Partei, sondern nur die Rücksichtnahme aus das, was uns frommt und nützt, die bedrängte Lage der österreichischen Juden verbessern könne. Nicht als ob die Juden den Ideen des Freisinnes und Fortschrittes untren werden wollten, sie werden jederzeit Männern von wahrhaft liberaler Gesinnung, die diese Gesinnung auch öffentlich bethätigen, treue Gefolgschaft leisten; aber sie haben schon lange genug ihre Haut für die verschiedenen politischen Parteien, und besonders für die dentschliberale, zu Markte getragen, uitd es ist gewiss au der Zeit, endlich einmal sich aus die eigenen Füße zu stellen und durch die Wahrung der eigenen Interessen practische Erfolge altzustreben. Dieser Umschwung in der politischen Haltung hat auch in der Beurtheilung der jüngst sanctionirten, sogenannten „Wiener Wahlreform" Ausdruck gesunden. Die Einen, die noch immer der liberalen Partei mit Leib und Seele angehören, erblicken in dem Umstande, dass sich das Ministerium Koerber veranlasst sah, das erwähnte Gesetz der allerhöchsten Sanktion zu unterbreiten, eine offene Parteitmhme desselben für die gegenwärtigen Machthaber in Wien und empfinden dies als einen Schlag nicht nur gegen die libe- | raten, sondern noch viel mehr gegen die jüdischen Wählerkreise; i Andere hingegen sind der Ansicht, dass die Lueger'sche Wahl-! reform, wenn sie auch nicht so harmlos ist, als sie von offi- \ ciöser Seite dargestellt wird, dennoch nicht den Juden als Ani lass dienen soll, gegen die Regierung in Opposition zu treten. Die Anhänger der letzteren Richtung stützen sich imt»? Nnvevenr I auf die beruhigenden Erklärungen, welche der Ministerpräsident! vor einigen Tagen einer Deputation jüdischer Glaubensgenossen! gegeben hat, und als erster practischer Erfolg wird verlautbart.! dass der Ministerpräsident an den Bürgermeister Dr. Lueger ' die Forderung gestellt habe, die jüdischen Magistratsbeamten! von nun ab im Sinne der Staatsgrundgesetze zu berücksichtigen.! Wie wir vernehmen, soll diese 'Angelegenheit auch in der Audienz, i die der I. Vice-Präsident der Wiener Cultusgemeinde, Gemeindej rath Dr. Alfred Stern, wohl nicht in ersterer, sondern leider i nur in letzterer Eigenschaft, beim Ministerpräsidenten hatte, > erörtert worden sein, und es ist zu bedauern, dass Herr Dr.! Stern, dem ein Dankschreiben des Ministerpräsidenten sür die l eingehende Veröffentlichung der Audienz in den Wiener Blättern > zugekommen ist, über diesen gewiss nicht nnwesentlichen Erfolg! nicht berichtet hat. , Ein Zweifel daran wäre dann wohl aus-! geschloffen. > Diese getheilten Anschüttungen kamen auch in einer; Samstag den 31. März vom „Politischen Bolksverein" abge- I haltenen Versammlung zum Ausdrucke, in welcher der BereinSj obmann, Herr Dr. Herrmann F i a l l a, über „Die S t etil u n g d e r I u d e n zum M i n i ft e r i u m K o e r b e r"! referirte. Das gegenwärtige Ministerium, so führte der Redner j aus, unterscheide sich schon dadurch von seinen unmittelbaren! Vorgängern, dass ihm eine längere Dauer beschieden zuzsein scheint, j und während frühere Regierungen den Widerstreit der Nationa- I litäten schürten und anregteu, müsse man an der Hand der wichtigsten officiellen Kundgebungen dieser Regierung (Erlass an die Landeschess, Programmrede des Ministerpräsidenten im Parlamente rc.) zu der Ueber,zeugung gelangen, dass diesem Ministerium und zumal dem Ministerpräsidenten nicht blos der volle sittliche Ernst, sondern auch der energische Wille und die staatsmännische Begabung innewohne, die nationalen Kämpfe im Wege gegenseitiger Verständigung friedlich abj zuschließen, die Erstarrung c>es öffentlichen Lebens und die Erlah- ' mung des productiven Schaffens zu beheben. Eine Regierung,