Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1900-03-18 · Heft 10 (18.3.1900) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 10 (18.3.1900)
Date
1900-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063013-3063023--00686-3067212
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Wahrheit Redaktion u. Administration: Men, II/i, Novaragaffe 27. Kk. vsterr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 846.251. Inserat,: 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Unabhängige Aeitfchrift für Mische Interessen. Erscheint jeden achten Tag. Molto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit! Ganzjährig . ... St. 12.— ' Halbjährig . . . . L. 6—;j Für Lultusbeamte: I Ganzjährig .... fl. i0.— j Für Ausland: | Ganzjährig .... 2 Mark i| 6 Rubel oder iS ^rcs. Ar. 10. Wie», 18. Mörz 190«. Loses Werlheimer. Wer das vornehme, wolwollende, entgegenkommende Wesen, das selbstlose, hingebungsvolle, ans das Wol der Gesammtheit und insbesondere das seiner Glaubensgenossen und engeren Gemeinde gerichtete Streben und Wirken des Mannes kennen zu lernen Geleaenbeit rnnd w»*».. *• o--?---» dankbare Gemeinde sich soeben an'chickt, wird weitaus mehr als seine Leistungen und Schöpfungen die Art zu würdigen wissen, . wie er dieselben zuwege gebracht. Wie die Klarheit des Gedankens unschwer den dafür entsprechenden an- und abgemessenen Ausdruck finden lässt, so vcrhals das Joses W e r th e i m e r bei allen seinen Bestrebungen innewohnende Zielbewusstsein leicht zur Auffindung der Mittel und Wege, die geeignet waren, das was er beabsichtigte, in die That umzusetzen. Ein Meister der Rede und des Styls, fand er für seine, aus einem ausgeklärten, für alles Gute, Schöne und Edle empfänglichen Sinne stammenden Ideen die Zauberworte, welche Zuhörer und Leser gefangen nahmen und sie zu deren Aposteln machten. Die Elite, nicht nur der Wiener, sondern auch der Judenschaft anderer Metropolen folgte willig seiner Fahne. Selbst in nichtjüdischen, hervorragenden Kreisen hatte er warme Anhänger. Die Minister Berger, Hye, Brestel, Schriftsteller Bauernfeld rc. fanden sich gerne und oft im Hause Josei W e r t h e i m e r's ein. Sie tauschten mit Vorliebe ihre Meinungen und Ansichten mit ihm aus. So häusig auch neue der allgemeinen Wolfahrt dienende Projecte in ihm auftauchten, so wusste er sie doch in beschränkende Grenzen zu bannen, „Nicht allzuviel a u f e i nmal", war seine Maxime, „Eines nach dem Anderen." Er war ein Mann, der rechnete. Nicht nur die Kosten und deren Beschassungsmöglichkeit waren für ihn Gegenstand besonnenen Nachdenkens, sondern auch der Zeitpunkt bildete für ihn ein schwer in die Wagfchale fallendes Moment. Er wusste, dass ein für welches Unternehmen immer glücklich gewählter Zeitpunkt nicht selten die Bürgschaft des Gelingens in sich trägt. Thatsächlich hatten seine Bestrebungen zumeist immer günstigen Erfolg. Trotzdem er bereits im Jahre 1828 den Gedanken propagirte, zur Hintanhaltung der Verwahrlosung der kleinen Kinder armer Eltern Kinderbewahranstalten zu gründen, verwirklichte er ihn eigentlich erst Jahrzehnte später in unserer Gemeinde. Auch der W a i s e n v e r e i n, d i e i s r a e l itis ch e Allianz i n W i e n wurden lange nach ihrer Projecrirnng von ihm ins Leben gerufen. Praktisch wie Joses Werl heim er vom Haus aus war, liest er sich zu Allem Zeii.^ „Kommt Feit, kommt Rath uns auch — Geld", ^W^eckisreislkiigl,'6Ye''it)ueif öer emörvoiuiche Instand gewahrt. Sie gehen nicht zu Grunde, auch wenn dieser längere Heit währt. Die Thätigkeit Josef Wert hei me r's machte sich auf verschiedenen Gebieten geltend. Als Schriftsteller trat er durch historische, volkswirtschaftliche, schöngeistige, wozu auch dramatische Arbeiten gehörten, hervor. Den letzteren öffneten sich auch die Pforten des Burglheaters. Bezeichnend ist es, dass er zur Feier seines 80. Geburtstages ein Drama, dessen Stoff dem elastischen Boden Griechenland's entlehnt ist, veröffentlichte. Mit seiner ganzen, großen Individualität gehörte Josef W e r t h e i m e r den Interessen seiner Glaubensgenossen an. Er trat in den Kampf für deren Gleichberechtigung und übernahm ihre Bertheidignng, als sie den bodenlosen Angriffen ihrer Gegner ausgesetzr waren. Sein Werk „Die Juden in Oesterreich", wie seine späteren Denkschriften geben Zeugnis von der Schärfe der Waffen, die er alis dem Arsenale seines reichen Wissens und productiven Geistes holte, uin im offensiven, wie im defensiven Kampfe seinen Mann zu stellen. Die von ihm gegründete „Israelitische Allianz" in Wien war ihm ein Behelf, auch für die Glauben-brüder im Auslande wacker einzutrelen. Die Verfolgungen der Faden in Rumänien u»rd Rußland, die Blutbeschuldigungen, und wie diesen Gräueln Abhilfe und Abwehr zu schaffen wäre, nahinen sein Sinnen und Trachten unaufhörlich in Anspruch. Die Anwesenheit der damaligen Fürsten Carl von Rumänien und Milan von Serbien, des Schah von Persien während des Ansstellnngsjahres musste benützt werden, um durch Vertreter der Allianz warme Fürsprache für die in deren Staaten lebenden Juden einzulegen. Dieser, man könnte sagen, heilige Eifer Josef W e r t- Heime r's für die Angelegenheiten der Inden erwarb ihm auf- ' richtige Bewunderer im In- und Anslande. Auf diese Weife bildete sich ein inniger Contact zwischen der hiesigen Allianz und deren Schwesterverfinen in Pa r i s und Land on, welcher! seinen Ausdruck in der Hilfsbereitschaft fand, die sich jederzeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.