Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 7 (23.2.1900)
- Date
- 1900-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rrbaction u. Slbminifhatioti: Wien. II/l, Novaragasse 27. K kösterr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 848.251. Inserat«: 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. ^abhängige Keilschrift für jüdische jtrfmfen. Erscheint jeden achten Tag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Ganzjährig . . . . St. 18.— Halbjährig . ... St. 6— Für Lultusbeamte: Ganzjährig .... St. 10.— Für Ausland: Ganzjährig .... 2 Mark 6 Rubel oder 16 Frcs. Ar. 7. Wien, 23. Februar IM. Inhalt r Die Schächtfrage. — Zur Besetzung der Obercantorstelle am Leopoldstädter Tempel in Wien. — Der Antisemitismus im ungarischen Parlamente. — Ludwig Börne. - Litteratur. — Feuilleton: Heimweh. — „Awodas Jisroel“. — Jüdische Realpolitik in Oesterreich. Moses Montefiore und Adolf Cremicux. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen nm Einsendung der Abonnementsbeträge, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleidet. Me Administration. Die Schachtfrage. Kritische Beleuchtung des in der Sitzung der Vereinsleitung des Wiener , Thierschutzvereines am 9. December 1899 vorgetragenen und angenommenen Referates des Magistrats-Vicedirector M o r i tz P r e y e r. Von Herm Berliner „Mit Zuschrift vom 26. November 1899, Z. 197081,! „hat der Wiener Magistrat aus Grund Stadirathsbeschlnffes ■ „vom 8. November 1899 den Wiener Thierschutzverein ersucht, j „gegen das Schächten der Thiere Stellung zu nehmen, jedenfalls * „aber behufs Abstellung der hierbei vorkommenden Thierquälereien „die erforderlichen Schritte bei den competenten Behörden zu „unternehmen." Mit diesen Worten beginnt das in Brochürenform her-! ausgegebene Referat des Herrn Magistrats-Vicedirector Preyer. Am Schlüsse wird beantragt, „das vorliegende Referat in Form der Vereinszeitung und in Form einer Brochüre sofort durch den Druck zu vervielfältigen und auch den sämmtlichen öffentlichen staatlichen und commnnalen Behörden, den Mitgliedern des Reichsraths, Landtags, den Genossenschaften der Fleischhauer,; Selcher, Gastwirthe, Geflügel- und Fischhändler, ferner den Verbandsvereinen und den hervorragenden ausländischen Thierschutz-! vereinen zur Kenntnis zu bringen, „n m im Sinne der „darin enthaltenen A n s s ü h r n n g e n in ihren Be-! „k a nnt e n kreisen zu wirken" und — diese Bitte wurde an! die k. k. n i e d e r ö st e r r e i ch i s ch e S r a t t h a lt e r e i und z an den Wiener Magistrat gerichtet — „die in dem Re- „ferat enthaltenen und sonst geeignet erscheinenden Vorschriften j „innerhalb ihres Wirkungskreises ehestens erlassen zu wollen, „nöthigensalls dem k. k. Ministerium des Innern, bezw. dem „Stadtrathe zur Genehmigung zu empfehlen." Als wir die Brochüre einige Male durchstndirten, legten wir uns die Frage vor, ob nicht die Spitze eher gegen die Angehörige einer christlichen Consession gerich et sei, denn gegen die jüdische Glaubensgemeinschaft. Herr Preyer verlangte nicht die Aushebung des „Schächtens", sondern nur eine Eini chr ä n k n n g. Er will, dass nicht mehr Vieh geschächtet werden soll, als pro Rata der jüdischen Bevölkerung nöthig sei. Es sind aber in dem Referate eine Anzahl Behauptungen ansgestellt, die nicht ohne Widerlegung bleiben dürfen, wollte die jüdische Eonsession nicht durch Schweigen sie als thatsächlich begründet erscheinen lassen. Ueberhaupt hat sich Herr Preyer die Sache ziemlich leicht gemacht. Er ignorirt alle die zahlreichen Gutachten, welche im Lause der Zeit in der Schächtfrage abgegeben sind. Er ignorirt Thatsachen, die aller Welt bekannt sind und wahrscheinlich auch ihm selbst — das Gegentheil anznnehmen käme fast einer Beleidigung gleich. Er führt sogar an einer Stelle (Seite 7) den berühmten Physiologen Pros. Du Bois-Re ym o n d an. Aber mit allen seinen Behauptungen b e w e i st e r n u r, d a s s e s s ü r dieselben keinen Beweis gibt! Und das werden wir b e w e i s e n! Doch bevor wir an die Beleuchtung und Widerlegung des Referates gehen, halten wir folgende kurze Bemerkung für nöthig: So sehr die Wahrscheinlich'eit dasü'- vorhanden, so liegt es uns absolut fern, Herrn Preyer antisemitische Tendenzen zu impntiren. Wir wollen zur Ehre des Herrn — nicht seiner Auftraggeber — annehmen, dass lediglich ethische Momente sein Urheil beeinflußt, lediglich die Todesqualen des zu lödtenden Thieres zu mildern oder abznkürzen, ihm die Feder in die Hand gedrückt haben. Von unserer Seite sollen ihm keine Angriffe bevorstehen, die eine consessionelle Färbung haben. Wir wollen, genau wie Herr Preyer es ans Seite 4 verspricht, „streng objectiv" sein. Vielleicht sogar werden wir in dieser Hinsicht mehr leisten, als er selbst, denn auch wir wollen „für die gute Sache mit voller U e b e r z e n g n n g e i n t x e t e n." I. Mit Bezug aus den zu Wien im Jahre 1883 stattgehabten IX. internationalen Thierschntz-Congress hält der Wiener Thierschutzverein noch heute an dem Grundsätze fest, „daß bei Vornahme der Tödtung der zur menschlichen Nahrung dienenden Thiere in jedem Falle die Betäubung der eigentlichen