Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 6 (13.2.1900)
- Date
- 1900-02-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 6. Die Mahrheit. Seite 11. Mergreifenden Ilespeck über die so früh Heimgegangenen Rabbiner Naftali WSzofer zu Petsch-Neudorf und über den Nestor des konservativen Juden- H thums s in Deutschland, Dr. Hildesheimer s. A. abhielt. Redner schilderte in D bewegten Worten die großen Verdienste der Dahingeschiedenen, worauf L Cantor Löwy das ^Ll Llol« Unvüamim" in erhebender Weise rezitirte. M IZreslau. Am 29. Jänner d. I. starb nach langem Leiden Frau M Obercantor Fanny Spiro aus Breslau im Alter von 62 Jahren. Mit ergreifenden Worten schilderte Rabbiner Dr. Rosenthal an ihrer -Bahre ihr edles, segensreiches, ausopserungsfähiges Wirken als Gattin Und Mutter, welchem ihre begabten' Kinder — der älteste Sohn ist der ^in Wien bekannte Tenor Jean Felix, der jüngste ein hervorragend be- £ gabter Portraitmaler — ihren künstlerischen Aufschwung verdanken. während der zu frühe Tod eines anderen Sohnes, eines jungen, begabten Componisten. vielleicht den Todeskeim in ihr legte. Die rege H Antheilnahme der ganzen Gemeinde gab ^Zeugnis von der Beliebtheit --r; der Verstorbenen. v. Atom. Der kgl. ital. Botschafts-Secretär Comte dr Corrobi ^Ding mit seiner Gemalin, geb. v. Gut m a n n, von London nach Rom, Zwo er im Grand Hotel Wohnung nahm. 'll Hdeffa In der letzten Generalversammlung der Odessa-Brodyer ^Gemeinde wurde einstimmig beschlossen, dem Obercantor P Minkowsky, '^der bisher ein jährliches Gehalt von 4000 Rubel bezog, eine jährliche Zulage von 1000 Rubel zu bewilligen. Von dieser Zulage werden alljährlich 600 - 700 Rubel bei einer Versicherungsgesellschaft deponirt zur , Erlangung einer Prämie von 10.000 Rubel, die Herr Minkowsky nach . löjähriger fernerer Dienstzeit erhält. Diese Fürsorge der allgemein als besonders human geltenden Odessaer Gemeinde für ihren Angestellten verdient Nachahmung seitens der übrigen jüdischen Gemeinden. Es darf aber auch nicht geleugnet werden, dass Herr Obercantor Minkowsky sich . m seiner Gemeinde einer seltenen Popularität erfreut. Emgesendet. Löbliche Redaction! Die Nummer 5 Ihres geschätzten Blattes bringt einen Artikel betitelt: „S u l z e r - F e i er im Rombach-Tempel zu Budap e st" unterzeichnet mit der Chiffre: Dr. S. P. Ich erlaube, mir Ihnen die Mittheilung zugehen zu lassen,! um deren Veröffentlichung ich in der nächsten Nummer Ihres geschätzt.'«! Blattes höflichst ersuche, dass eine Sulzer-Feier aus Initiative des! Obercantors Adolf Lazarus, im Einvernehmen mit dem Vorstande auch im! Tempel der Tabakgasse stattgefunden-hat, und in Bezug auf dieselbe im! „Pester Lloyd" auch vorher eine Notiz erschienen ist. Diese Feier, welche > dem Namen Sulzers in pietätvoller und verehrender Erinnerung^gerecht J wurde, nahm auch einen höchst würdigen Verlauf. Hochachtungsvoll Budapest, den 4. Februar 1900. Ar. <£. S Litteratnr. Aosef Btohn, der ilraelitisäie Religionsunterricht an Bürgerschulen. Selbstverlag. Wien, II., Blumauergaffe 20. Ein sehr geistvoll geschriebenes Werkchen, der Auffaffungskraft der Jugend besonders angepasst, hat soeben in zweiter Auflage die Presse verlassen und kann zum Gebrauche der Heranwachsenden Jugend empfohlen werden. Die Sprache ist eine schöne, gemüthvolle, der Inhalt reich und gewählt und liest sich die Schrift sehr angenehm. Diese ist belehrend und anregend zugleich und wünschen wir derselben allseitige Verbreitung. Der Verfasser, ein erfahrener und allbewährter Schulmann, hat die jüdisch-pädagogische Literatur wesentlich bereichert und ist ihm die Anerkennung Aller gewiss, die in dieses Schulbuch Einsicht nehmen. ...I. wähnen, und dass es längere Zeit für mich bedurfte, um mich als einen der Ihren zu erklären, und schließlich glaubte ich einer inneren Stimme folgen zu müffen, die mir sagte, dass nur aus dem Umstürze der jetzigen Regierung das wahre Heil Rußlands hervorgehen könne." „Wohl, mein junger Freund: Sie meinten. Sie hätten überlegt und geprüft — ich glaube es Ihnen. Allein Beides kann in jedem Falle und nur in dem Maaße geschehen sein, als Ihre Erfahrung, die Erfahrung der Jugend, reichte. Wenn Sie dabei von einer inneren Stimme sprechen, der Sie folgen zu müffen glaubten, so täuschen Sie sich selbst. Sie ist nicht aus Ihrem eigenen Herzen hervorgegangen, sondern nur der Widerhall jener Phrasen, die zu Ihnen tönen, die kaum irgend etwas Stichhältiges für sich haben. Die Nihilisten wollen, wie schon ihr Namen sagt, überall die Verwirrung, sie verfolgen eine Utopie, ein Wahnbild, sowohl auf politischem als religiösem Gebiete. Der Staatsmann soll noch geboren werden, der aus ihren Ideen etwas Lebensfähiges zu bilden vermag. Und nun erst der Krieg gegen Gort und Religion, die Perhorreszirung einer Jnstitrrtion, welche der Welt das erste Sittengesetz, die erste Cultur gegeben. Gott ist uns die Anregung zu allem Guten, Hehren und Erhabenen, die Religion die Lehrerin und Führerin zu den reinsten und edelsten Tugenden." „Aber sie hemmt jeden freien Aufschwung des Geistes," fuhr Alexander etwas ungestüm auf. „Ruhig, ruhig, mein Lieber" -- erwiderte mit feinem Lächeln Winizew. — „Sehen Sie, in diesem Augenblicke schon haben Sie gezeigt, dass Sie die Religion nicht kennen. Sie sind erregt worden, obwohl weder ich, noch ein Anderer Ihnen Veranlassung dazu gegeben hat. Die Religion will Gelaffenheit und Temuth, wenn wir uns auch gegenüberstehen und wie man uns auch gegenübersteht. Zorn und böser Eifer bringen den Menschen aus seiner natürlichen Verfassung und lassen ihn nicht das Nächste hören und sehen. Wo aber haben Sie die Fessel, die die Religion Ihrem Geiste anlegt?" „Sie lehrt uns, an etwas zu glauben, das wir nicht begreifen, nicht zu fassen vermögen, sie lehrt das Vorhandensein eines Gottes." — „Ist Ihnen denn schon Alles in der Welt so begreiflich und fasslich? Ist Ihnen die Weise begreiflich, wie das in der Schooß der Erde gelegte Samenkörnchen zu seiner Entwickelung kommt? Können Sie sich die dazu nöthige Kraft wohl aus der todten Erde herausstudiren?" „Doch, ich erkenne die Kraft aus ihrer Wirkung." „Sie erkennen sie aus ihrer Wirkung. Wenn nun auch die Religion lehrt, dass ein Gott vorhanden ist, warum wollen Sie nicht auch diesen Gott sich erklären aus seiner Wirkung, wie sie sich in so unendlich reicher Mannigfaltigkeit in der Schöpfung kund gibt? Warum wollen Sie nicht an einen Gott als die höchste Intelligenz glauben, welcher die Weltmaschine Dasein, Gesetz und Leitung verdankt?" Alexander sah den Redner schweigend an, er hatte Nichts auf dessen Ausführung zu erwidern. „Ich sehe, mein lieber Herr Wandelowicz," fuhr jener fort, „dass in Ihrer bisherigen Auffassung von Gott und Religion eine kleine Bresche gelegt, Ihr Denken beginnt eine andere Richtung zu nehmen." — „Jndess", wollte Alexander wieder beginnen,Hoch Winizew siel ihm ins Wort. Der Nihilist. > Ein Zeitroman aus dem russisch-jüdischen Leben! s Von Moritz Scherbe!.! * (Nachdruck verboten.) (2». Fo tsetzung.) i -H Die kleine Gesellschaft war bald in der gemüthlichsten Unter-; ,-A Haltung, und der Gutsherr verstand es mit großem Geschick, dieselbe! ’jL -endlich auf das politische Gebiet hinzuleiten. Man kam auf den Nihilismus! ,:;|3U sprechen, bei welcher Gelegenheit Winizew zu Alexanders sehr angej - mehmen Erstaunen bemerkte, dass ihm dessen Beziehungen zum Nihilismus /^nicht unbekannt seien. | „Ich kann mir wohl denken, mein lieber, junger Mann," fuhr! .Winizew darauf fort, „dass nur jugendliche Unbesonnenheit Sie in diese! ^-Htnsaubere Gesellschaft gebracht hat und Sie sich bei reiflicher Ueberlegung -Wvohl gehütet hätten, an dem gottlosen Treiben dieser Revolutionäre >>MAntheil zu nehmen." , lMk „Wie wohlgemeint Ihre Voraussetzung auch ist," erwiderte j Alexander, „so kann ich dennoch nicht umhin, der Wahrheit die Ehre Wk gebend zu bekennen, dass ich durchaus nicht ohne Ueberlegung dem Bunde! WNberer mich angeschlossen habe, die an einem edlen Werke zu arbeiten j „Lassen wir für heute diesen Gegenstand auf sich beruhen, auch Rom ist nicht an einem Tage erbaut worden, und ich selbst fühle mich nicht weise und gelehrt genug, um Sie im Handumdrehen zu einer andern Ueberzeugung zu bringen. Kommen Sie morgen und übermorgen wieder kommen Sie so lange wieder, als es Ihnen bei uns gefällt, und wir werden mehr über dieses Thema sprechen. Jetzt indess kannst Du, Paula, uns etwas aus dem Universitätsleben erzählen, und Sie, Fräulein Glanzberg, werden keine Mühe darin finden, meine Tochter hie und da ein Wenig abzulösen. Wollen Sie dies, mein Fräulein?" (Fortsetzung folgt.) _______ B. in St. Besten Dank für Zusendung der Adressen, haben Probeblätter abgesendet. Tr. in Vink. Ersuchen um Zusendung der Jnferalionsgebühr. Wegen Aufnahme in den Oesterr.-nngar Cantoren-Verein wollen Sie sich an den Vorstand desselben, I., Seitenstektengaffe 4, wenden. I. tztz. in Diak. Den gesammten Betrag haben wir für Rest 1899 gutgebucht. Sie schrieben irrthümlich nir's I. Quartal 1900. Zuschriften au die Revaction, welchen keine Antwortkarte oder Retourmarke beiliegt, werden im Briefkasten der Redaction beantwortet.