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Die Wahrheit · 1899-12-21 · Heft 39 (21.12.1899) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 39 (21.12.1899)
Date
1899-12-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 39. Die Wahrheit. Seite 11. endigt zwei Tage vor jedem Vortragsabende; sie erfolgt im im Bureau der Gesellschaft: I., Rathhausstraße 13, Hochparterre links, an Wochentagen von 2—4 Uhr Nachmittags, an Sonntagen von 10—12 Uhr Vormittags. Die Karten zu sämmtlichen Vorträgen sind kostenfrei. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der langjährige Administrator der „Oesterr. Wochenschrift", Herr Max Schwager, hat sich mit der Pianistin Fräulein Regine Kohn vermählt. Wien. (Requiem am israelitischen Blindeninstitute.) Dienstag, den 12. December, Nachmittags vier Uhr, fand im israelitischen Blindeninstitnte auf der Hohen Warte eine erhebende Gedächtnisfeier für die Heimgegangenen Präsidial- und Curatoriums-Mitglieder, und zwar für die Frauen Marie Tauber und Amalie Benedikt, sowie für die Herren Jonas Freiherr von Königswarter, Moriz Freiherr von Königsmarter, Stefan Freiherr von Schey, Dr. Ludwig August Ritter von Hochwart, Kaiserl. Rath Dr. Bernhard Wölfler, Dr. Philipp Ritter von Mauthner, Dr. Maximilian Engel, Gustav Simon statt. Das Mincha-Gebet und das hierauf folgende Requiem wurde durch Herrn Obercantor Singer, begleitet von seiner Schülerschaar, wirkungsvoll vorgetragen, worauf Herr Director Heller in überaus eingehender und prägnanter Ansprache die großen Verdienste jedes Einzelnen der oben angeführten Frauen und Herren klarlegte. Die zahlreich besuchte Feier machte auf alle Anwesenden einen ergreifenden und nachhaltigen Eindruck. Wien. Die Reihe der Probevorträge für die durch das Ableben Obercantor G o l d st e i n' s erledigte Obercantorstelle am Leopoldstädter Tempel wurde vorige Woche, Freitag Abends, durch Herrn Obercantor Ad. Kahn aus Mühlhausen eröffnet. Seine hier ungewohnte Recitationsweise und der Umstand, dass er die Eigenthümlichkeiten des Wiener Gottesdiestes, namentlich am Leopoldstädter Tempel, in den wenigen Tagen seines Hierseins naturgemäß nicht vollkommen erfassen konnte oder wollte, beeinträchtigten den Erfolg, den seine schöne und umfangreiche Baritonftimme, sowie der Nachweis seiner musikalischen Tüchtigkeit errangen. Letztere bewies er dadurch, dass er nach wenigen Proben den ihm fremden Gottesdienst musikalisch vollkommen beherrschte, Freitag, den 22. d. M. hält Obercantor D ü n m a n n vom VI. Bezirk in Wien seinen Probevortrag ab. Wien. Es ist gewiss ein überaus humanes Werk, in der strengen Winterszeit nicht nur an die armen Schulkinder, sondern auch an arme alte Leute zu denken unddieselbendurch Bescheerung mitwarmenKleidernvorden Unbillen des Winters zu schützen. Ein derartiges Bekleidungsfest fand Samstag, den 3. December im großen Saale der Restauration S o h r, II. Circusgasse 1, statt, woselbst 35 alte, jüdische Männer mit vollständiger Winterkleidung bedacht und hierauf reichlich bewirthet wurden. Es war ein erhebender Anblick, diese alten Leute mit beglückten Gesichtern und zumeist auch gutem Appetite an der reichgedeckten Tafel sitzen zu sehen, ein Kiddusch hascheni, wie er schöner nicht gedacht werden kann. Dank uitb öffentliche Anerkennung verdienen die Männer, die sich in den Dienst dieser guten Sache gestellt haben, besonders der mackere Obmann des Vereines, Herr I. Schwa r z, sowie die Herren Philipp Weiner, Michael Duldner, Elias Weis und der Cassier Herr B e ck m a n n. Die Feier wurde mit einem Männerchor unter Leiwng des Dirigenten L ö w i t eingeleitet. Im Namen der Beschenkten dankte ein alter Mann mit rührenden Worten. Wien. Am 14. December fand in Fischer's Restaurations-Localitäten, II., Schiffamtsgasse, die Kinderbetheilung vom Vereine „Fürsorge" statt. Der Obmann, Armenrath Raubitschek, hielt an die vom Vereine betheilten 50 Kinder eine warme Ansprache, worauf die Kleinen mit einer Jause und später.mit einem ausgiebigen Nachtmahl bewirthet wurden. Die Jause stellte Cafetier Löwy und das Nachtmahl Gastwirth Fischer gratis zur Verfügung. Bei dem nachfolgenden Unterhaltungsabende hielten die Herren Josef Feßler und Markus Vorträge aus dem alten jüdischen Leben und ernteten mit denselben vielen Beifall. Wien. Sonntag, den 17. d. M. fand im geräumigen Prachtsaale des Hotel „Bayerischer Hof" das zehnjährige Gründungsfest des humanitären Geselligkeits-Vereines „Rudolssbund" bei immenser Betheiligung der Mitglieder und Freunde des allgemein anerkannten Vereines statt, und zugleich am Nachmittag die diesjährige Bekleidung und Bewirthnng von 130 mindern. Vereinsobmann, Armenrath Josef P o l l a k, begrüßte die Erschienenen und hielt auch an die Kleinen eine gemüthvolle Ansprache. Den gesanglichen Theil der Feier versah Obercantor Bauer mit dem Chore des türkischen Tempels unter Leitung des Dirigenten L ö w i t. Hierauf sprachen Herr Hofrath Kar eis, dessen Gattin Ehrenpräsidentin des Vereines ist, und der Obmann des Ortsschulrathes, Redacteur K l e b i n d e r. Zum Schlüsse trug ein Knabe im Namen aller Beschenkten ein Dankgedicht vor. Prag. Die Makkabäerfeier, die der hiesige ncugegründete, zionistische „Jüdische Bolksverein" ani.8. Tage Chanukah im Saale der Prodnctenbörse veranstaltete, fiel glänzend aus und war von einem sehr zahlreichen, distingüirten Publicum besucht. Herr Architekt Marmorek aus Wien, der stark acclamirt wurde, hielt die gelungene Festrede. Dieser Verein gewinnt stetig an Ausdehnung. Prag. Am 14. d. M. verschied hier Herr David L. Schlosser im 87. Lebensjahre. Der Verstorbene, der sich ob seines Wohlthätigkeitssinnes und seines guten Charakters allgemeiner Werthschätzung erfreute, war Mitglied mehrerer Humanitätsvereine und war Ehrenvorsteher der Zigeuner- Synagoge, uin die er sich Verdienste erworben hatte. Prag. Der israelitische Freitischverein in Prag hielt am 7. d. M. seine 40. ordentliche Generalversammlung ab. Präses desselben ist J. F. Dr. W. Robitschek, 1. Präses-Stellvertreter 1. U. Dr. I. Duschenes, 2. Präses- Stellvertreter Herr H. Schütz. Cassier ist Herr J. U. Dr. Petschek, Geschäftsleiter Herr S. Angel und Geschästsleiter-Stellvertreter Herr Max Hirsch. Ausgeraubte Syuagogen. Aus Csaba wird gemeldet: Vorgestern Nachts wurden beide hiesigen Synagogen ausgeraubt. Der Thäter, der aller Wahrscheinlichkeit nach auch die jüngsten Synagogendiebstähle in Oroshaza uird in anderen Städten des Alsöld verübt hat, erbrach die Spendenbüchsen mit einer Hacke, die er im orthodoxen Tempel zurückließ. Die Untersuchung wurde eingeleitet, blieb aber bisher erfolglos. Literatur. Par-Kochba. Dichtung von Jaroslaw Prchlicky. Amor. Uebersetzung von B. Graf Boos-Waldeck. Dresden und Leipzig. E. Piersons Verlag. Preis 4 M. Der Name Vrchlicky gehört längst der europäischen Literaturgeschichte an. Männer wie Fried. Adler, Hofrath Prof. Albert, haben das deutsche Publicum mit seinen Dichtungen bekannt gemacht, die auch in den anderen Culturländern warme Bewunderer gesunden haben. Eine werthvolle Gabe verdanken wir diesmal einem feinsinnigen Poeten, dem Grasen Victor Boos-Waldeck, der uns das letzte Meisterwerk Vrchlickys, „Bar- Kochba", zugänglich gemacht hat. Eine der wichtigsten Episoden der jüdischen Geschichte, der große Ausstand unter Kaiser Hadrian, war schon so sehr der Vergessenheit verfallen, dass nur wenige Juden heute wissen, was der Name „Bar Kochba" zu bedeuten hat. Vrchlicky hat sich erst nach langjähriger, eingehender Forschung entschlossen, den Stoff, der schon seit geraumer Zeit seinen Geist beschäftigte, dichterisch zu verwerthen. Ursprünglich, in den Jahren idealer Jünglingsträume, trug er sich mit dem Gedanken, eine große Epopöe der Menschheit zu schreiben, in welcher der Geschichte des sagenumsponuenen „Bar Kochba" ein Platz eingeräumt werden sollte. Dieser große Plan wurde leider nicht zur Wirklichkeit, aber „Bar Kochba" hat nichtsdestoweniger seine Auferstehung gefeiert. Für das Judenthum ist die Dichtung geradezu ein Document. Das letzte Anfflackern des jüdischen Volksgeistes, die Begeisterung, mit der ein vom ehrlichsten Wollen beseelter Mann, wie Rabbi Akiba, die Befreiung seiner Stammesgenossen zu erringen suchte, die wuchttge Thatkraft, mit der der „Anserwählte des Herrn" — der Sternensohn — den Kamps gegen die übermüthigen Unterjocher aufnimmt, alle diese historischen Einzelheiten sind mit der dramatischen Kraft des Dichters wiedergegeben, der mit Recht zu den Meistern seiner Zeit gerechnet wird. Vakanzen K o st l (Mähren), Rabbinerstelle, Gehalt fl. 800, Wohnung und Nebeneinkommen. Nachweis über akad. Bildung. (Doctvrgrad) österr. Staatbürgerschaft. Gesuche bis 31. December. — Schüttenhosen (Böhmen). Rabbinerstelle. Gehalt 1800 Kr., 200 Kr. Wohnungsbeitrag und Nebeneinkommen. Gesuche bis 25. December an Dr. Ludwig Fürth. — H u l t s ch i n. (Ob.-Schlesien, Deutschland), Borbeter, Schochet, Religionslehrer Gehalt 1300 M., Nebeneinkünste 200 M. — K onitz (Westpreußen >, Cantor, Schächter, Religionslehrer. Gehalt 2400 M. Nebeneinkünfte circa! 500 M. Mohel und Balkore bevorzugt.

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