Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 38 (11.12.1899)
- Date
- 1899-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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reMayvysu Redactio» «. Administration: Wien, v/l, Novaragasse 27. Unabhängige ftlt jnö siche Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.ff. 3.— K. k. österr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 846.251. Inserate Interessen. Für Lnltusbeamte: Ganzjährig.fl. 5.— 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden achten Tag. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Ganzjährig.12 Mark 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 38. Wien, 11. Derember 1899. Inhalt: Ern Wort Jellinek's s. A. — Ein drastisches Mittel gegen Verbreiter der Blntliige. — Der Nationalgott und Univcrsalgott der Juden. — Die katholische Presse Englands über den Ritualmord. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Feuilleton: Heimweh. — Gemeinden und Cultusbeamten. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Nihilist. Ein Wort Zellinck's s. X (Zu den Aufgaben des österr. Gemeindebundes.) Von vr. Ignatz Links, Freistadtl (Ungarn). Weit entfernt davon, meinen österreichischen Glaubensbrüdern bezüglich der in diesem Blatte jüngst discutirten Frage: „Was nun?" einen Rath ertheilen zu wollen, sei es mir gestattet, die Gemeinden des „Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes" auf eine ihrer zahlreichen Aufgaben aufmerksam zu machen. Der Bund hat'gewiss die Aufgabe, nach Außen den Antisemitismus zu bekämpfen, aber eine noch wichtigere Mission erwächst ihm in der Erziehung des kommenden Geschlechtes, in der Pflege des jüdischen Selbstbewusstseins und in der Unterstützung der armen Cultusgemeinden. Diese letztere Aufgabe wäre sein eigentlicher Beruf. Eltern können ihre Kinder nicht stets begleiten, vermögen sie vor Donner und Blitz nicht zu schützen, auch sind sie nicht im Stande, die düsteren Wolken des Unheils zu verscheuchen. Der Erdensohn muss belehrt werden, wie er den Gefahren ausweichen könne, wie er seine Seelenruhe bewahre; mit der Harfe David's erwecken wir in den Seelen der Jünglinge den Muth, dass sie „selbst in dem Todesschatten den Bösen nicht fürchten", — den jüdischen Glauben geben wir in ihre Hand. Gleich unseren Vorfahren, die, als sie um Jerusalem eine Mauer aufführten, in der Linken das Schwert hielten, um sich gegen die Samaritaner zu vertheidigen, aber als eigentlichen Zweck ihrer Bemühungen die Errichtung der Schutzmauer betrachteten: so wird auch die zu Männern herangereifte Jugend das Heiligthum Israels zur Ehre Gottes aufbauen und mit starkem Arme die Feinde besiegen, wenn wir sie zu frommen und gebildeten Juden erziehen und sie für die Geschichte und Literatur unserer Ahnen begeistern werden. Nichten wir daher in erster Reihe die drei Säulen auf, auf denen das Judenthum ruht: das Thorastudium, den Gottesdienst und die Wohlthätigkeit. Und da will ich denn auf eine mit goldenen Buchstaben geschriebene Seite in den Predigten des verstorbenen vr. Jellinek (II. Th., S. 224) aufmerksam machen. Sie lautet: „Die Judenheit zählt Hunderte von Gemeinden, die klein und arm, und deren Kräfte zu schwach sind, um würdige Gotteshäuser und Schulen zu erbauen, einen würdigen Gottesdienst zu erhalten und würdige Thoralehrer anzustellen. .... Warum, frage ich, sollen wir nicht einen Verein haben, um den Cultus und den Unterricht in kleinen oder armen Gemeinden zu unterstützen? Bedarf es etwa zur Gründung desselben großer Opfer oder der Freigebigkeit der Reichen in Israel? Genügt es nicht, wenn Jeglicher, reich wie arm, einen halben Schekel . . . beisteuert, damit überall der Gott Israels verherrlicht werde und seine Bekenner im Geiste der Thora herangebildet werden? Kann es uns denn gleichgiltig sein, wie das Judenthum in den kleinen Landgemeinden zur Erscheinung kommt und wie die Heranwachsende Jugend dort großgezogen wird? Uebertrügt ni cht das feindselige Urtheil unserer Gegner auf uns Alle die Schwächen und Fehler, die in kleinen jüdischen Gemeinden sich zeigen? Soll denn gar kein Band alle Jene umschlingen, welche in Glauben und Lehre einig sind?" Diese Worte verkündete Israels Lehrer, der Stolz der österreichisch-ungarischen Monarchie, vor beinahe 40 Jahren! Was er schon damals gewünscht, schuf erst jetzt die Rothwendigkeit, da die Fluthen drs Antisemitismus uns bis an das Herz gedrungen sind. Es umschlingt nun ein Band die jüdischen Gemeinden Oesterreichs, doch ist bis jetzt die Oeffentlichkeit nicht davon unterrichtet worden, dass der Gemeindebund auch in Jellinek's Geiste wirken will. Die große Gefahr kann aber nur so beseitigt werden, und dann werden auch die Schlussworte jener Predigt Jellinek's in Erfüllung gehen, die da lauten: „Die Parascha vom halben Schekel wird einen freudigen Widerhall in allen jüdischen Herzen finden, dann wird Jeder in Israel von der Ueberzeugung bestärkt werden, dass die alten Gebote seiner Religion auf dem Boden