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Die Wahrheit · 1899-11-21 · Heft 36 (21.11.1899) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 36 (21.11.1899)
Date
1899-11-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Gesterr.-11ngar. Acrntoren-Ieilung. Hr. 36. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit". 19. gahrg. Der Vorsiingerdienst der Israeliten nach seiner geschichtlichen Entwicklung. VI. Die Art Emuillation, die wir beim Recitiren der Gebete und der Thoravorlesung anwenden, ist wohl ein Neberbleibsel der alten gottesdienstlichen Vortragsweise, worauf wir später nochmals zurnckkommen. Wie bei Den heutigen, ' so war auch bei den alten Inden, die mehr sangen als sprachen, kein rednerisches Vortragen der Gebete, sondern mehr musikalische Declamation. Auch die in der katholischen Kirche üblichen Psalmenmelodien und Anthiphonien (Wechselgesänge), die den unserigen ähnlich sind, erhärten meine Ansicht, dass unser singender Gebetsvortrag seine Entstehung den ersten Zeiten des jüdischen Nationallebens verdankt; denn Jndenchristen waren es, die in die christlichen Kirchen gedachte Melodien verpflanzten. Aus der Klrchen-Versammlnng Laodocea„364 wurden mehrere dieser Melodien den Psalmen beigefügt, i\itb bei religiösen Feierlichkeiten gebraucht, später durch Ambrosius und Gregor den Großen modificirt. Es bliebe uns nur noch, bevor wir den Leser von dem ersten Theile dieser Abhandlung sich verabschieden lassen, der Vollständigkeit wegen übrig, von ben in der Bibel zum Gebrauche des Gottesdienstes angeführten musikalischen Instrumenten einige Notizen zn geben. Auch über die Form, Construction und Gebrauch der zum hebräischen Gottesdienste verwendeten Instrumente sind zuverlässige Nachrichten nicht vorhanden und müssen wir uns auch hier mit Conjucturen helfen. Joel Löwe hat in der Einleitung zu seinem schon gedachten Psalmcommentar, ebenso Forkel in dessen schon angeführten musikalischen Geschichtswerke und Munk in seinem „Palästina" (Paris 1845) Abbildungen der in Rede stehenden Instrumente nebst Beschreibung derselben geliefert, die indessen bezüglich der Form und Erläuterung von einander bedeutend abwcichen. Die Israeliten hatten drei Elasten von Instrumenten: Saiten-, Blas und Schlag-Instrumente, von denen wir nun das Nothwendigste mittheilen. Saite n-J n st r u m e n t e 2'3'2 gab es verschiedene Arten, übrigens sind es zwei, von welchen ein besonders starker Gebrauch gemacht wurde. 1. Das “1132. Dies Instrument stand vorzugsweise bei den Hebräern im Ansehen und wurde bei der Tempelmusik sehr stark gebraucht. Nach Josephns (Alterth. 12, 3) war es zehnsaitig, der Form nach einer Lyra, dem Delta (/X) ähnlich. Einige vergleichen es mit unserer Harfe, so der Verfasser der Schilte haggiborim (C. 9); Andere geben ihm die Form der ägyptischen Harfe, so Forkel, und wieder Andere (Saalschütz und Pfeifer Seite 31) halten es für eine Art Guitarre, welches Instrument die Araber nach Spanien brachten und dessen Namen der corrnmpirte Kinor sei. St. Jeremias lässt es 24saitig sein und die Form eines griechischen Delta haben (ZY). Wahrscheinlich gab es Harfen mit verschiedener Anzahl Saiten mit» scheint es eine Art mit acht Saiten gegeben zn haben, die 2'3'22'n b$ T132 (Ziiher zur Octave eingerichtet) hieß. Wie Hengstenberg in seinem Buche: „Die Bücher Moses und Aegypten" S. 136 anführt, bemerkt man auf ägyptischen Monumenten noch heute achtsaitige Kinor. Uebrigens sind die Exegeteu über die Bedeutung des n'3'2i?n nicht int Einverständnisse. 2. Das P23, ein dem vorigen ähnliches und von den Griechen N a b l a genanntes Instrument, wurde mit der Hand gespielt. Nach Schilte haggiborim C. 8 glich cs der Laute. Andere gaben ihm die Form der Lyra, die auch aus makkabäischen Münzen abgebildct ist; St. Jeremias und Andere gaben ihm die Form eines umgekehrten Deltas und hielten es identisch mit dem Instrumente, dessen Gebrauch und Zeichnung Nicbuhr in seiner Reisebeschreibung I. S. 179, Tas. 26, angibt. Das Nebal hat fünf Saiten und muss man von diesem gewöhnlichen Nebal das niDV bzs unterscheiden, welches zehnsaitig gewesen, Ps. 33, 2, 144, 2. Nur die genannten beiden Saiten-Jnstrumente können den Israeliten mit Gewissheit zugeschrieben werden, und war deren Gebrauch ein sehr vielseitiger, in und außer dem Gotteshause. B l as- I nstrumeitte sind vorzüglich vier bemerkenswenh. Erstens das z:rj, dessen Form unbekannt ist, das nach alten Versionen eine Flöte oder eine Art Orgel war. Einige halten es für eine Art Sackpfeife (Schalmei), Dudelsack, die zwei durch einen ledernen Sack gesteckten Pfeifen, die oben und unten gleichweit hervorstehen, soviel als das rrastt*® des Daniel (ital. Sampogna); nach Anderen sei es die Panpseise, soviel als das sn-pi-iira des Daniel, aus mehreren, an einander gereihten Rohrpfeisen von verschiedener Länge bestehend und noch jetzt im Oriente bei den Hirten gewöhnlich. (Dan. 3., 5., 7., 10. 15.) L aal schütz behauptet aus dem Umstande, dass 2-32 neben 231? steht, Ps. 150, 4, da>s, weil 2'3*a die Gattung der Saiten-Jnstrumente anzeige, das 23*2? auch keine Art der Sailen- oder Blas-Jnstrumente, sondern als Gegensatz die Gattung der Blas- Jnstrumente andeuten müsse. Dies passt auch aus die übrigen Stellen der heil. Schrift. Denn 1. Mos. 4, 21, wo 23127 dem ^132 entgegengestellt ist, steht das letztere offenbar nicht für ein einzelnes Saiten-Jnstrument, sondern für die Gattung überhaupt (da Jubal ohne Zweifel als der Erfinder der Instrumental- Musik im Allgemeinen und nicht einiger einzelner Instrumente genannt wird). Ebensowenig kann man bei Hiob 21, 12 an drei einzelne Instrumente denken, da hier offenbar die drei Gattungen der Schlag-, Saiten- und Blas-Jnstrumente gemeint sind. Bei Hiob 30, 31, wo dies Ugaf ebenfalls dem Kinor entgegensteht, wird sein Ton mit der Stimme Weinender (2'2i2 Pip) in Vergleichung gebracht, was vielleicht auch aus den gedehnten Ton eines Blas-Jnstrumentes besser paffen mag, als aus den Klang der Saiten, obschon man auch von diesen sagt, sie klagen tpi "132^>282. Nach Schilte haggiborim wäre es eine Art Violine gewesen. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Fräulein Fela v. Rapoport, Tochter des Reichsraths-Abgeordneten Dr. Arnold Rapoport, Edlen von Porada, hat sich Mittwoch, den 15. d. M. mit Herrn Heinrich Ritter von Kuh, k. k. Ingenieur im Eisenbahnministerium und k. u. k. Lieutenant in der Reserve, vermählt. Der Vater des Bräutigams war e'n sehr verdienstvolles Vorstandsmitglied der israelitischen Cnltnsgemeinde in Wien. Wien. Fräulein Käthe Gintl, Tochter der Frau Regierungsrath Fanny Gintl, hat sich mit dem Hot- und Gerichts - Advocaten Herrn Dr. Berthold Reif verlobt Wien. Sonntag, den 19. d. M. fand im türkischen Tempel die Trauung des Fräulein Mathilde Bauer, Tochter des Schuhfabrikanteu Hermann Bauer, mit Herrn Siegmnnd Lazarus statt. Unter den zahlreichen Hochzeitsgüsten bciuerkte man Frau Baronin Charlotte Königswarter, Herrn Baron Wllhelm Königswarter. Frau v. Pfeifer, Herrn Dr. Bloch. Vorsteher Bondp, Fabrikant Neurath und viele Andere. Die cantorale Function versah der Onkel der Braut, Ober-Cantor Bauer, den Trauact vollzog Rabbiner Papo. Die überaus s! wangvolle Trauungsrede hielt ein Bruder des Bräutigams, Herr Rabbiner Dr. Lazarus aus Göding. Wien. Der vor Kurzem im Amtsgebäude der Wiener Cultusgeineinde von einem Schlaganfalle betrosiene Rabbiner Josef Breuer ist Sonntag, den 19. d. M. gestorben. Dcr Verblichene stand mehr als zwanzig Jahre im Dienste der Wiener Cultusgemeinde und war im Lehrfache und im Rabbinate erfolgreich thätig. Das Leichenbegängnis findet Dienstag, den 21. d. M. statt.

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