Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1899-11-03 · Heft 34 (3.11.1899) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 34 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3062973-3063007--00498-3067010
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 84. Die Wahrheit. Seite 11. Palestrina auf dem Gebiete der katholischen und Joh. Seb. Bach auf dem der protestantischen Kirchenmusik, das sei Sulz er für den Synagogengesang. Von modernen Meistern in Deutschland hob Redner unter Andern besonders Kirschner-München und Rosenhaupt-Nürnberg hervor. Mit einer bis in die Details sich erstreckenden Beleuchtung des Cantorates und der ihm verwandten Begriffe schloss Herr Zivi seine vortrefflichen Ausführungen. Großer und wohlverdienter Beifall von Seiten des zahlreichen Publicums zeigte, wie sehr der Vortrag gezündet hatte. Bukarests In einem Interview mit dem Cvrrespondenten des„Gaulois" äußerte sich der rumänische Staatsmann I. Filipescu über die Lage der Juden in Rumänien folgendermaßen: „Der Rumäne hasst den Juden so intensiv, dass an ein Zusammenleben dieser Beiden nicht zu denken ist. Es ist ja gewiss ungerecht, wenn man dem rumänischen Inden den Vorwurf macht, er beute die ländliche Bevölkerung aus. Dazu mangelt es ihm ja, abgesehen davon, dass ihm die meisten Erwerbszweige verschlossen bleiben, auch an Gelegenheit, da er in den Dörfern doch gar nicht wohnen darf. Aber der Hass besteht nun einmal und man muss mit ihm rechnen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass zumindestens 40 Procent der rumänischen Juden über kurz oder lang zum Wanderstabe werden greifen müssen. Hiervon kann man sich übrigens nur sehr wenig versprechen. Selbst wenn von den 300.000 Juden Rumäniens 100.000 auswandern sollten, wird sich die Lage der Zurückgebliebenen nicht bessern. Denn wenn 50 Juden aus Rumänien auswandern, pflegen in der Regel anstatt dieser 100 andere aus Galizien und Russland einzuwandern. Wohin das führen wird, kann man heute noch nicht wissen." London. Mit ihren Bekehrungsversuchen kommen unsere Missionäre manchmal an den Unrechten. Ein angesehener Jude hat kürzlich eine Nummer der Misstonszeitschrift „Lust London Church Chronicle" mit den „Empfehlungen des Bischofs von Stepney" zugeschickt bekommen, und da er schon wiederholt derartige Zusendungen erhalten, hat er endlich die Geduld verloren und an den Bischof von Stepney folgenden Brief gerichtet: „My Lord! Der Secretär der Lust London Otinrell-Stiftung hat die Kühnheit gehabt, mir die beiliegende Zeitschrift zuzuschicken, nachdem er wahrscheinlich aus meinem Namen, und mit Recht, den Schluss gezogen, dass ich Jude bin. Da diese Zeitschrift hauptsächlich dem Zweck dient, Ihre Geistlichkeit, besonders einen von ihnen, einen getauften Juden, in der Bekehrung von Juden im Ostend zu unterstützen, betrachte ich die Zusendung dieses Blattes an mich als eine unberechtigte Beleidigung von Seiten Ihres Secretärs oder derer, die. für sein Vorgehen verantwortlich sind. Ihrer Zeitschrift zufolge sind die Juden, unter denen Ihre Agenten mit Aussicht auf Erfolg ihre Versuche anstellen, unwissend, bigott und arm. Diese Sachlage mag zum Theil die von ihnen erreichten Erfolge erklären, denn das Fleisch ist schwach, und ein verhungerter, ungebildeter Kerl, den Ihre Agenten als feine Beute erachten, gibt vielleicht in einer schwachen Stunde sein Erstgeburtsrecht für einen Topf Suppe hin. Ich bin aber überzeugt, dass in solchen Fällen Gott zwischen dem Versucher und dem Versuchten, dem Käufer und dem Verkauften gerecht urtheilt. Ich nehme Ihnen nicht übel, dass Sie mir dieselben Aufmerksamkeiten erweisen, wie den „ungebildeten, bigotten, armen Juden" des Ostend, obgleich es eine überflüssige Beleidigung war; aber ich möchte doch anheimstellen, das Geld, das unnützerweise für die Verbreitung der Missionsschriften an solche Juden ausgegeben wird, die nicht in diese Kategorie fallen, lieber zur Christianisirung der Trunkenbolde, Frauenmisshändler und Mörder Ihrer eigenen Konfession zu verwenden, deren Ihre Diöcese übergenug hat. Der Rest mag zur Vermehrung der zeitlichen Güter des Predigers Michael Rosenthal, „eines ehemaligen Juden" und jetzigen Geistlichen und eifrigen Proselytenmachers Ihrer Kirche dienen, denn wenn irgendwer das Anrecht auf alle für Geld zu habenden Güter dieser Erde hat, so ist er es sicher. Ihr ergebener C. E." New-Aork. Einer der hervorragendsten Juden Amerikas, Cyrus Adler in Washington, richtet unterm 24. September folgendes Schreiben an die Redaction des „American Hebrew": „Mit Bezug auf die Discussion über die Colonisation Palästinas am 3. Baseler Congress möchte ich hierdurch ernstlich davor warnen, im gegenwärtigen Momente weitere Juden nach Palästina zu schicken. Ich erfahre aus unzweifelhafter Quelle, dass das Elend, namentlich unter den Neuangekommenen, geradezu erschreckend ist. Die Schritte der türkischen Regierung, welche sich gegen eine weitere Colonisation richten und die Steuern und sonstigen Maßregeln, welche die Einwanderung betreffen, sind zweifelsohne im Interesse der in Palästina ansässigen Juden selbst. Die türkische Regierung hegt kein Vorurtheil gegen die Juden als solche, aber sie hat gegen zwei Nebel zu kämpfen: gegen ein mögliches weiteres Anwachsen der Fanatiker und mehr noch, gegen ein weiteres Anwachsen des schrecklichen Elends, der Armuth und der Hnngersnoth, die unter den Juden herrschen. Es ist die höchste Zeit, diesem Nebel Halt zu gebieten und eine weitere Nebervölkerung der heiligen Stadt zu verhindern. Weitere Bemerkungen dazu überlasse Ihnen." Kimberley (Südafrika). Unsere Stadt, die jetzt zum Mittelpunkt erbitterten Kampfes zwischen Engländern und Buren geworden ist, steht mit großer Begeisterung auf Seiten der Engländer. Nicht weniger als 2000 Freiwillige sind hier und in der Nachbarschaft zu den Waffen geeilt und bilden mit einer gleichen Anzahl regulärer Truppen die Besatzung von Kimberley. Die Freiwilligen werden befehligt von Colonel David Harris, der dieselben schon in verschiedenen Kämpfen commandirt hat und jetzt, obwohl er eigentlich in den Ruhestand getreten war, der Regierung wieder seine Dienste angetragen hat. Colonel Harris, der jetzt erst 47 Jahre zählt, dient schon seit 21 Jahren unter den Freiwilligen. Damals focht er in der Diamantfeldreiterei unter Sir Charles Warren gegen die Criqua-Kaffern und wurde für seine im Felde bewiesene Tapferkeit zum Offieier ernannt. Vor mehreren Jahren commandirte er die Kimberley-Schützen, die zu den besten freiwilligen Truppen in Südafrika gehören. Zum letzten Mal war er activ thätig. als vor ungefähr zwei Jahren 600 freiwillige Schützen gegen die aufständischen Eingeborenen in Popuana 80 Meilen von Kimberley führte. Es gelang ihm, diese Expedition glänzend zu beendigen, und der Verlust der Engländer bestand nur aus drei leicht Verwundeten, unter denen sich freilich Oberst Harris selbst befand. In dieser freiwilligen Truppe von Kimberley dienen diesmal noch die beiden jüdischen Lieutenants W. S. Harris und E. H. Moseley, sowie eine Anzahl von Unterofficieren und Soldaten unseres Glaubens. Oberst Harris ist ein ausgezeichneter Schütze, der wiederholentlich bei Wettschieben Preise davongetragen hat. Vor .zwei Jahren gewann er einen solchen bei 103 Treffern auf 105 Schuß. In seinem Civilverhältnis ist Oberst Harris Director der de Beers- Minen und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Kimberley. Seine Frau ist außerordentlich vertraut mit allen jüdischen Dingen, versteht sehr gut hebräisch und bekümmert sich eingehend um das jüdische Schulwesen in unserer Stadt. Oberst Harris, der auch Mitglied des Cap-Parlaments ist, vereinigt so in seiner Person eine Anzahl von Würden, die sich wahrscheinlich nicht zum zweiten Mal zusammen finden. Er ist Oberst, Meisterschütze, Abgeordneter, großer Finanzmann und dabei Vorsteher der jüdischen Gemeinde und freiwilliger Spender für alle wohlthütigen Sachen. Man darf mit einiger Spannung abwarten, ob er bei den neuen Kämpfen neue Lorbeeren ernten wird. Vakanzen. Ledenburg (orthodoxe Gemeinde). Chasan, der zugleich Schochet ist, am 1. Februar 1900 zu besetzen. Gehalt 1400 K., halbe Schechita und Nebeneinkommen. Offerte bis Ende November an Edmund ulaber, Präses. —ZnRatibor (Preußisch-Schlesien» gelangt die Stelle eines I. Cantors zu Besetzung. Meldungen an den Vorstand. — Mys owitz. Semin. ums. u. gesangl. geb. Rel.-L., C. 1800 M. Ansangsgeh. Meld. an Kuznitzky. — Kobylin. C., Balk., Sch., 900 M. Geh., fr. W-, 750 bis 900 M. Nebeneink. Meld. an Siegfried Kall mann. — Nieder hagent h a l, Ober-Elsass. Relg.-i!., Vorb., Sch., ledig, 1200 M. Eink. Meld. an Rabb. vr. S. Schüler in Hegenheim, Ob.-Els. — Frankenau. Rel.-L. 900 bis 1000 M Eink., fr. W. Meld. an Prov.-Rabb. vr. Munk.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.