Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 34 (3.11.1899)
- Date
- 1899-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3062973-3063007--00490-3067002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Wahrheit Rcdactio» it. Adininistration:!vien, Il/t, Novaragasse 27. K. k. östcrr. Postsparcassa Chkck-Conto Nr. 846.251. Inserate 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Aboimcinents- und Jnsertiousbeträge sind in Wien zahlbar. naöhangige Aeitschrift für jüöische Erscheint jeden achten Tag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.fl. 3.— Für Lultusbeamte: Ganzjährig.fl. 5.— Für Ausland: Ganzjährig.12 Mark 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 34. Wien, 3. November 1899. Inhalt: Der österreichische Gemeindebund. — Nur immer höflich sein! — Die Existenzfrage der Judeuheit. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Eingesendet. — Verschiedene Nachrichten. — Vakanzen. Wir ersuchen unsere geehrten Herren Abonnenten in der Provinz um Einsendung der fälligen Abonnementsbeträge, da wir sonst dieselben in den nächsten Tagen mittelst Postausträge einheben lassen müssten. Are Administration. Der österreichische Gemem-ebnnd. Nach jahrelangen Vorbereitungen hat sich endlich der österreichische Gemeindebund unter dem officiellen Titel „Allgemeiner österr. israel. Bund" constituirt. „Der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" sind 150 jüdische Gemeinden dieser Vereinigung beigetreten, die auch in minder gefahrvollen Zeiten einem vielfach zu Tage getretenen Bedürfnisse entspricht und bei richtiger Erfassung der Aufgaben des Bundes dem jüdischen Gemeindewesen zum Segen gereichen könnte. Hoffen wir das Beste, wiewohl die verhältnismäßig geringe Theilnahme der Provinzgemeinden unsere Erwartungen nicht allzu hoch stimmen darf. Die constituirende Versammlung, in welcher über hundert Vertreter aus Wien und der Provinz anwesend waren, fand Dienstag, den 31. October, 5 Uhr Nachmittags, im Sitznngssaale der Wiener Cultusgemeinde statt. Der Vorsitzende vr. Alfred Stern, I. Vicepräsident der Wiener Cultusgemeinde, dankte zunächst den Anwesenden für ihr Erscheinen und zeichnete hierauf die Entstehung und die Zwecke des Bundes mit folgenden Worten: „Nach dem Statute, welches Ihnen vorliegt, ist der Verein, der heute hier definitiv constituirt werden soll, nicht etwa ein einfacher Verband physischer und moralischer Personen, ein Verband, zu welchem Jeder ohneweiters den Zutritt hat, der irgend einen bestimmten Jahresbeitrag erlegt. Der Verein ist, ich möchte sagen, ein qualificirter Verein, indem nämlich als dessen Mitglieder nur ausgenommen werden können einerseits die Cultusgemeinden, anderseits als Einzelpersonen nur solche, welche Vorstände einer Cultusgemeinde oder einer Gemeinde-Institution sind, oder sich durch ihre literarische, wissenschaftliche Bedeutung, oder im öffentlichen Leben um das Judenthum verdient gemacht haben. Unter der Voraussetzung eines den gehegten Erwartungen entsprechenden Beitrittes kann sonach dieser Verein für sich das Recht in Anspruch nehmen, als Repräsentanz der österreichischen Judenschaft angesehen zu werden, und dies umsomehr, als alle rituellen, politischen und sonstigen Divergenzen, wie sie in den Anschauungen unserer Glaubensgenossen bestehen, statutarisch und in praxi für jetzt und für alle Zukunft bei Seite gelassen, Erörterungen nach diesen Richtungen vollkommen ausgeschlossen sein sollen. Obgleich das Bundesstatut, welches unter Mitwirkung der Repräsentanzen der hervorragendsten Cultusgemeinden Oesterreichs ausgearbeitet wurde, bereits vor mehr als Jahresfrist die Genehmigung der Staatsregierung erhalten; obgleich seit dieser Zeit von der Vereinsleitung eine intensive Propaganda geübt wurde, konnte doch bisher die leider nur zu bekannte Indolenz unserer Glaubensgenossen nicht bewältigt und konnte nicht früher an die erste ordentliche Tagung des Bundes gegangen werden. Nun aber haben, durch die Ereignisse gedrängt, bereits nahezu 150 Cultusgemeinden formell ihren Beitritt erklärt, zahlreiche andere Gemeinden ihre Zustimmung zu den Zielen unseres Bundes und schon im Vorhinein zu den heute von uns zu fassenden Beschlüssen uns mitgetheilt, und auch ihren formellen Beitritt in Aussicht gestellt. Und eine ganze Reihe von Glaubensgenossen, welche, den statutarischen Voraussetzungen entsprechend, Mitglieder des Vorstandes der Gemeinden oder Gemeindeanstalten sind, oder sich sonst aus literarischem, auf wissenschaftlichem Gebiete, im öffentlichen Leben um unsere Glaubensgenossenschaft verdient gemacht haben, drängt sich zum Beitritte. Aus Böhmen sind dem Bunde bisher 52 Gemeinden beigetreten, aus der Bukowina 5, aus Galizien 30, aus dem Küstenlande 2, aus Mähren 24, aus Niederösterreich 11, aus Oberösterreich 2, aus Schlesien 6, aus Steiermark und Tirol je 1. Große Aufgaben hat der Bund auf sich genommen. Sie finden dieselben im Paragraph 1 des Statutes verzeichnet: Förderung der Verwaltungs-, Bildungs- und Wohlthätigkeits- Angelegenheiten der israelitischen Cultusgemeinden Oesterreichs; Sammlung und Mittheilung von Erfahrungen auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung; Förderung jüdischer Geschichtsschreibung und Verbreitung von Kenntnissen über Wesen und Geschichte des Judenthums; Förderung des Religions-Unterrichtes u. s. w. Alle diese Dinge lassen sich aber nur successive nach Maßgabe der vorhandenen Mittel erreichen, alle die sich hieran knüpfenden Fragen müssen und werden dem Bundestage seinerzeit vorgelegt werden, sie erfordern eine reifliche Vorberathung und Vorbereitung im