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Die Wahrheit · 1899-10-01 · Heft 31 (1.10.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 31 (1.10.1899)
Date
1899-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Wahrheit Nedaction n. Administration: Wien, Uj\, Novaragaffe 27. ^imßhäNMe Aeitschrift fix jnöffche Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.fl. 3.— K. k. österr. Postsparcassa Chcck-Conto Nr. 846.251. Interessen. Für Lultusbeamte: Inserate 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. * Erscheint jeden achten Tag. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertions- Ganzjährig.12 Mark betrüge sind in Wien zahlbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 81. Wien» 1. Orkober 1899. Inhalt: An die Erwählten in Israel. — Professor Masaryk über Antisemitismus. — Aufruf. — Zur Bermiethung der Tempelplätze. — AuS der ungarischen Hauptstadt. — Der erste Priester-Ornat im Talmud. — Feuilleton: Heimweh. — Der Vorsängerdienst der Israeliten nach seiner geschichtlichen Entwicklung. — Gemeinde- und Bereinsbote. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Der Nihilist. An unsere geehrten Herren Abonnenten! Wir ersuchen um freundliche Zusendung des Abonnementsvetrages für das IV. Quartal und Begleichung der Rückstände. Die Administration. An die Erwählten in Israel. Das jeden denkenden und fühlenden Menschen empörende Treiben der Antisemiten in aller Herren Länder, die, um die großen Volksmassen für ihre dunklen Ziele zu gewinnen, die Affaire Dreyfus zu einer Anklage gegen das Judenthum benützten und nach dem schmählichen Fiasco in dieser Angelegenheit nun aus dem Mädchenmord in Polna einen „Ritnalmord" fabriciren wollen und hiemit einen frechen Angriff auf die jüdische Religion unternommen haben, hat nicht nur innerhalb des Judenthums tiefgehende Entrüstung, sondern erfreulicher Weise auch in nichtjüdischen Kreisen lebhaften Protest hervorgerufen. An anderer Stelle veröffentlichen wir einen Aufruf des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus, der zu energischem Kampfe gegen die niederträchtige Verleumdung auffordert und in dem beherzigenswerthen Appell an die Großen in Israel ausklingt, an dem Unglücke der Kleinen nicht achtlos vorüberzugehen, und auch aus der Gelehrtenwelt ertönt eine gewichtige Stimme gegen die Blutlüge. Der bekannte Sociologe Dr. Masaryk, Professor der Philosophie an der ezechischen Universität Prag, geißelt in einem Schreiben an die „Neue Freie Presse" die judenfeindlichen Aeußerungen eines Theiles der ezechischen Presse anlässlich der Processe in Rennes und Kuttenberg, und indem er mit dem scharfen und unparteiischen Blicke des Gelehrten den Antisemitismus als „moralische Seuche" diagnosticirt, an welcher Europa gegenwärtig leidet, fordert er zur Bekämpfung des Blutaberglaubens auf, der von den Antisemiten in böswilliger Absicht verbreitet wird. So erfreulich auch derartige Ennnciationen aus nichtjüdischen Kreisen erscheinen, so dürfen wir es dennoch im Kampfe gegen den Antisemitismus bei diesen nicht bewenden lassen, sondern wir Juden müssen selbst in die Bresche treten, um unsere menschlichen und staatsbürgerlichen Rechte zu vertheidigen und den frechen Angriff auf die Heiligkeit und Ehre unserer Religion abzuwehren. Ein kleiner Anfang ist bereits gemacht worden, indem unter Vorantritt der Wiener Cultusgemeinde und des Wiener Rabbinates mehrere jüdische Gemeinden und Vereine gegen den neuesten antisemitischen Anschlag laut und entschieden protestirten. Aber diese papiernen Proteste und Resolutionen können, wie die bisherigen Erfahrungen es lehrten, nur sehr wenig nützen; um wirkliche Erfolge zu erringen, muss sich die Gesammtheit der Glaubensgenossen wie ein Mann zuenergischer Abwehr und entschiedener That erheben und mit allen gesetzlich gestatteten Mitteln jene Verleumder verfolgen, die in Wort und Schrift ihre bürgerliche Ehre und die Heiligkeit ihrer Religion in den Koth zerren. Und an der Spitze dieser Bewegung wollen wir nicht nur die Gewählten erblicken, sondern auch die Erwählten des Volkes, jene Männer, die durch wissenschaftlichen Ruf, durch hohe sociale Stellung, durch geistige Capacität, durch materielle Macht, durch den Adel der Geburt und Gesinnung zu den wahren Führern des Volkes von der Vorsehung designirt erscheinen. Mit einsichtsvollem Rath müssen sie unsere Schritte lenken, mit ihrem weitreichenden Einfluss unseren Kampf unterstützen und auf diese Weise ihre Solidarität mit dem Judenthum offen bekennen. Lange genug sind die meisten derselben, welche sich mit ihrem Judenthum höchstens durch ein von Zeit zu Zeit gnädig gewährtes und von kriechenden Byzantinern mit lautem Hallelujah aufgenommeneS Almosen abgefunden haben, fernab vom jüdischen Gemeinwesen gestanden, und sie haben dadurch nicht geringen Antheil an dem Niedergang desselben genommen; lange genug haben diese Männer, deren geistige oder wirihschaftliche Macht gerade dem Judenthum so oft zum Vorwurfe gemacht wurde, mit der-

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