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Die Wahrheit · 1899-09-11 · Heft 29 (11.9.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 29 (11.9.1899)
Date
1899-09-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ais Wahrheit Redaction u. Administration: Wien, H/j, Novaragaffe 27- K. k. österr. Postjparcassa Check-Conto Nr. 846.251. Inserate 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Aboniiements- und Insertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Unabhängige Heitschrift für jnöische Interessen. Erscheint jeden achten Tag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.fl. 3.— Für Lultusbeamte: Ganzjährig.fl. 5.— Für Ausland: Ganzjährig.12 Mark 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 29. Wien, 11. September 1899. Inhalt: Das Volksthümliche im Judenthum. — Antisemitische Thesen. — Jonathan Eibenschitz. — Elsass-Lothringen und die Affaire Dreyfus. - Wochenschau. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Eingesendet. — Der Borsängerdienst der Israeliten nach seiner geschichtlichen Entwicklung. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Nihilist. Au unsere geehrten Herren Abonnenten! Da zahlreiche Abonnenten während der Sommermonate von Wien abwesend waren, haben wir die Einhebung der fälligen Abonnementsbeträge bei denselben unterlassen. Wir ersuchen darum jetzt alle unsere geschätzten Abonnenten in Wien und in der Provinz um gefällige Einsendung der Abonnementsbeträge, da wir sonst gezwungen wären, dieselben per Postaustrag einheben zu lassen. Are Administration. Das ‘M.im Zudeuthittn. „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk!" Mit diesen bedeutungsvollen Worten wurde dem Volke Israel gleich bei seiner Volkswerdung am Fuße des Sinai schon vor Jahrtausenden seine Bahn durch die Geschichte der gesammten Menschheit vorgezeichnet, und das jüdische Volk hat bis auf den heutigen Tag diese seine schwerwiegende Bedeutung in der Culturgeschichte der Menschen nie aus den Augen gelassen. Weder Hierarchie noch Oligarchie konnten im Judenthum platzgreifen, das ganze Volk als solches, als Träger der heiligen Gottes-Idee war berufen, unter der Aegide der Gotteslehre diese zu lernen und zu lehren, sie zu beobachten und ihr allgemeine Geltung zu verschaffen. So finden wir bis auf den Opferdienst, der einzig und allein dem Stamme Aaron's Vorbehalten blieb, ganz Israel zur Beobachtung der Thora und der einzelnen religiösen Ceremonien berufen. Kein Würdiger wurde ausgeschlossen, vielmehr jedem Israeliten vom vollendeten 13. Jahre angefangen, die Mitwirkung bei Allem, was die Thora vorschreibt, zur Pflicht gemacht. — Wir feiern jetzt die hohen Festtage. Zwei halbe Tage und zuletzt ein ganzer Tag werden im Gotteshause der gemeinsamen Andacht gewidmet. In frommen Gemeinden legt jeder verheiratete Mann sein weißes Festgewand — wir nennen es nicht das „Sterbekleid" — das dem priesterlichen Gewände in Stoff, Schnitt und Farbe ähnlich ist und jeden Einzelnen an seinen Priesterberuf erinnert, im Goiteshause an, hüllt sich in einen blendend weißen Tätlich, und wer eine solche im Priestergewande gekleidete andächtige Gemeinde vor sich sieht, wird auch andächtig gestimmt und daran erinnert, auch sein Inneres „weiß wie Schnee" zu machen und jede Sünde zu entfernen. Warum man in den modernen, sogenannten fortschrittlichen Tempeln das alte, traditionelle weiße Festgewand ausschließt und selbes nur den beim Gottesdienste Fungirenden gestattet (Und was für Kappe mit deutlich ausgeprägtem nichtjüdischen Symbol sieht man da sehr häufig!), ist uns nicht recht verständlich. Warum muss man den ganzen oder zuvor je einen halben Tag im hart anliegenden Cylinder — es soll ja ein Festtagshut sein — dastehen und soll nicht das traditionelle, leichte, weißseidene, gold- oder silberverbrümte Käppchen aufsetzen dürfen! Sollte das, was jüdische und nichtjüdische Künstler von den „Jomim nauroiin“ in so herrlicher, vielbewunderter Weise auf die Leinwand gezaubert, heute aufgehört haben — um uns nur so auszudrücken — „salonfähig" an heiliger Stätte zu sein? Schreiber dieser Zeilen wohnte in Hamburg-Altona einem herrlichen kosell - llasetioiwll - Gottesdienste bei. Lauter gebildetes Publicum war anwesend, herrlicher Gesang und feierliche Predigt wurde vernommen, und Alles, was von Männern verheiratet war, stand in weißem Festgewande, in blendend weißen Tallis gehüllt. Der Anblick war ein überwältigender, der Gottesdienst ein sehr feierlicher. Mit dem lieblichen Suckothfeste schließt der Festmonat Tischri. „Ihr —das ganze Volk nämlich — sollt Euch die vier Festpflanzen nehmen und Euerem himmlischen Vater huldigen", so ungefähr heißt es im Gesetze. Genügt es dann, wenn statt einer ungezählten Menge von Feststräußen blos drei, der Anzahl der gottesdienstlichen Functionüre entsprechend, in Gebrauch sind? 94642293

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