Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 27 (21.8.1899)
- Date
- 1899-08-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9h. 27 Die Wahrheit. ■Beite 11. freund des Verewigten, Cantor Stiaßny aus Retz, worauf der zweite Cantor und Religionslehrer E. Rosenseld im Namen der Schuljugend, im Namen des Chorpersonals und im Namen sämmtlicher Angestellten der Cultusgemeinde von dem Verklärten den letzten Abschied nahm. Hiemit fand die Leichenfeier ihren Abschluss. Prag. (Stellen-Veränderung.) Herr Bernhard Löwensohn aus Wottitz wurde zum Obcrcantor für den neuerbauten Tempel in Stanislan ernannt. — Sonntag, den 13. August fand die Trauung des Herrn Löwensohn mit Fräulein Marie Kominik aus Wottitz im Tempel zu Selcan statt, welcher ein zahlreiches Publicum beiwohnte. Die Tran-Function versah Herr Rabbiner Joachim Katz. Frankfurt a. M. Der Sohn unseres allseits geschätzten Obercantors Herrn Groß köpf ist als Capellmeister an das Apollo-Theater in Mannheint berufen worden. Der „General-Anzeiger" in Ludwigshafen a. Rh. schreibt hierüber Folgendes: „Seit einigen Tagen hat das Ensemble in der Person des jungen Capellmeisters Großkopf vom Stadttheater in Frankfurt einen außerordentlich tüchtigen Dirigenten gewonnen, der mit sicherer Hand als Leiter der Geschicke waltet, und dem es überraschend glückte, die Massen zusammenzuhalten, flott zu begleiten, im gegebenen Falle nachzugeben und über Entgleisungen hinwegzuhelsen." Vacauzen. K l a g e n f u r t. Mufsaph - Vorbeter. Zuschriften an Max Stößl. — Wien-Simmering. Schachris-Borbeler. — Franzensbad. Geschulter Cantor wird für die Feiertage ausgenommen. Der Nihilist. Ein Z e i t r o m a n aus dem russisch-jüdischen L e b e n. Von Moritz Scherbel. (Nachdruck verboten.) (18. Fortsetzung.) Um aber wieder auf den Punkt zurückzukommen, von welchem wir ausgegangen sind, — ich meine auf die ruhmreiche Geschichte der Makkabäer — ist es ein großes Unglück, dass das Gros unserer russischen Juden von diesem Glanzpunkte seiner nationalen Vergangenheit nichts weiß, oder doch zu wenig Kenntnis davon hat. Man feiert zum Beispiel das Chanukahfest mehr in dem Sinne des Wunders, das mit dem Oelkrüglein geschehen, als in dem des Heroismus, der von einem Theil unserer Glaubensgenossen damals in der Vertheidigung von Glauben und Religion an den Tag gelegt wurde. Die großen politischen Ereignisse dieser Zeit werden mit Einschaltung eines kurzen Gebetes — das meist unbewusst gesprochen wird — abgethan. Mehr historisches Wissen von Seiten unserer Juden in dem, was ihren Stamm angeht, mehr Kenntnis von der geschichtlichen Vergangenheit ihrer Nation — und die Zugehörigkeit zum Judenthume wird bei dem gebildeten Theil unserer Glaubensgenossen nicht mehr als eine gesellschaftliche Degradation betrachtet werden. Das sei die Lehre, die wir aus unserer Betrachtung geschöpft haben wollen. Nun aber zum gemüthlichen Theil unseres Festes zurück." „Nicht aber, bevor wir die Abendmahlzeit hinter uns haben," sagte Frau Glanzberg, der, wie allen Hausfrauen, daran lag, sich der wirthschaftlichen Obliegenheiten erledigt zu sehen. Ihr Wort wurde in Ehren gehalten. Das Abendessen vollzog sich unter heiteren Gesprächen, und als das Tischgebet beendet war, . theilte sich die Unterhaltung in Gesang mit Clavierbegleitung, beides von der jüngsten Tochter des Hauses ausgeführt, und in dem beliebten Skatspiel, wozu sich noch einige Nachbarn eingefunden hatten. Während die Männer spielten und Frau Glanzberg die wirthschaftlichen Angelegenheiten für den morgigen Tag in Behandlung nahm, zogen sich Clara und Fremma nach dem Zimmer der ersteren zurück. Als die Lampe daselbst in Ordnung gebracht war, fasste Clara ihre Schwester an der Hand, zog dieselbe mit sich auf das Sopha nieder und sprach: „Gestehe Fremma, dass etwas bei Dir nicht geheuer ist. Es fiel mir bereits vorgestern bei meiner Ankunft auf, dass irgend ein Schatten auf Deiner früher so heiteren Stirn lagerte, — sprich, Schwester, was beschwert Dir das Gemüth?" „Du bist, liebe Clara, wie sonst immer, auch hier sehr scharfblickend" — antwortete die Angeredete nicht ganz ohne Befangenheit, und fuhr dann fort: „Du findest heraus, was selbst den Eltern an mir nicht aufgefallen ist — oder solltest Du Dich vielleicht getäuscht haben?" „Nicht getäuscht," erwiderte Clara mit einer Bestimmtheit, die der Schwester imponirte. Und in der That. wenn auch Clara nur drei Jahre älter als Fremma war, so hatte sie von jeher doch schon ein solches Uebergewicht über diese besessen, dass für Fremma das Nrtheil der älteren Schwester immer bestimmend war. Nicht etwa der strengen Autorität einer herrschsüchtigen Schwester räumte sie dabei ein gewisses Recht über sich ein, sondern jenem Seelenadel, den sie oft an ihr kennen gelernt, jener Klarheit und Nichtigkeit im Urtheilen, welche selbst von den Eltern hochgeschützt wurde. Außerdem kannte sie die Liebe Clara's zu ihr nur zu gut, um zu wissen, dass nicht bloße Neugierde, sondern zärtliche Besorgnis um sie jene Frage ihr eingegeben hatte. Sie zur Vertrauten ihres geheimen Kummers zu machen, hatte sie längst beschlossen, und sie nahm daher die Gelegenheit hiezu alsbald wahr. „Du hast Recht, Clara," begann sie jetzt, indem sie sich der älteren Schwester so zuwandte, dass die Blicke Beider sich begegneten und in einander aufgingen. „Du hast Recht — ick bin nicht mehr Dieselbe, die ich bei Deiner letzten 'Anwesenheit bei uns gewesen. Ich kann es nicht mehr sein, weil ich nicht mehr mir selbst angehöre, sondern mein ganzes Wesen in den Besitz eines Mannes übergegangen ist, den ich für werthvoll genug halte, um mein Schicksal mit dem seinigen für immer zu verknüpfen." — Clara fuhr überrascht von ihrem Sitze auf. „Das ist eine Mittheilung, Fremma, dass ich beinahe versucht bin, an ihrer Richtigkeit zn zweifeln. Wenn ich auch auf die Offenbarung eines Geheimnisses, vielleicht auch eines kummervollen, gefasst war, so Hütte ich es doch niemals in dieser Gestalt erwartet. Ich kenne Deinen gesunden Sinn für das Paffende und Schickliche, dem der Leichtsinn so vieler Mädchen-Charaktere fremd ist; aber eben weil ich Dich für zu vernünftig, für werth und würdig unserer Familie halte, werden mir die von Dir vernommenen Worte so lange räthselhaft erscheinen, bis Du mir mitgetheilt hast, wie diese verhängnisvolle Leidenschaft über Dich gekommen ist, bis ich erfahren, wer der Mann ist, der Dein Herz so schnell gefangen zu nehmen verstanden hat." „Gerne theile ich Dir Alles mit, Schwester. Ich selbst habe das Bedürfnis dazu; das Geheimnis, das ich in mir trage, würde mich mit der Zeit erdrücken. Also vernimm!" Und Fremma rheilte ihrer Schwester die erste Begegnung mit Alexander mit, berichtete ihr auch von der Zusammenkunft mit ihm und verhehlte ihr auch nicht, dass sie sich jetzt in lebhaftem Briefwechsel mit ihm befinde. (Fortsetzung folgt.) Wir ersuchen höflichft um Einsendung der restlichen Abonnements-Beträge. Die Administration. Zur Beachtung. Hauslehrer (Correpetitoren, Jnstructoren), Hofmeister (Erzieher), Vorleser, Schreiber (Stenographen), Zeichner, Musiker, durchwegs israelitische Studirende an Wiener Hochschulen, empfiehlt bereitwillig und unentgeltlich auf schriftliche Anfragen hin l)r. Friedrich S. Krauss, Wien, I., Weihburggasse 10, I. Stock.