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Die Wahrheit · 1899-07-21 · Heft 24 (21.7.1899) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 24 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24. Die Wahrheit. Seite 11. er: Kinder, es wird spät, ich denk' wir machen Nacht! Du wirst dach heul' nicht mehr zurückgeheu, Joffes? — wendete er sich an diesen — Wenn Ihr mir Nachtquartier anbietet, Meister Niederhuber, so werde ich Euer Anerbieten nicht zurückweisen — antwortete der Gefragte. Ein höhnisches Lachen erscholl bei dieser Antwort, so dass Alle zu Honza, der dieses Lachen ausstieß, .verwundert aufblickten. Gut Nacht — ehrsame Ruh! — sagte Honza dann plötzlich ganz trocken und entfernte sich. Was hat der Satan denn heut'? — fragte Brigitte, nachdem der Geselle von dannen gegangen war.— Lass' ihn geh'n — sagte Meister Niederhuber — er hat so seine wunderlichen Possen, ein eigener Kerl das! meint's aber nicht schlecht. Die vier Personen, die sich inzwischen von der steinernen Bank erhoben hatten, gingen nun in das Haus hinein. Der Fleischhauer ließ dem Gast den Vortritt und zupfte Marie am Kleid. Das Mädchen blieb stehen. Während Jossef in die Stube trat und Brigitte drinnen Licht anzündete, sagte draußen im Vorhause der Vater zu seiner Tochter: Marie! Jetzt hör' mich eine Minut' an. Sein plötzliches Ankommen hat einen Grund, das ist nicht umsonst; sein Schweigen und sein scheues Wesen kündigt mir's an, dass etwas vorgeh'n muss. Ich Hab' so meine Gedanken, sei gescheidt und mach Dich auf etwas gefasst; Du weißt, ich Hab' Dir's ja oft genug gesagt. Einmal wird die Sach' ein End' haben. Wart' hier, bis die Brigitte herauskommt; Geh' dann hinein zu ihm und hör, was es gibt. Mir brauchst es nicht zu sagen, denn ich weiß es so. Ich Hab' das vorausgesehn. Merk' Dir nur das Eine: Sei gescheidt und vergiss nicht, dass Du meine Tochter bist! Das Mädchen zitterte an allen Gliedern. So zittern musst Du mir nicht, Kind — sagte der Vater, der bei den letzten Worten die Hand des Mädchens ergriffen hatte. Brigitte kam heraus. Niederhuber rief sie, um sie im Gespräche festzuhalten, und Marie trat in die Stube. Was ist Dir Jossef? — fragte sie, indem sie zu ihm in die Fensternische trat. Ach Marie! ich bin sehr unglücklich! Was ist Dir? — wiederholte das Mädchen. Was mir ist! Wie soll ich es Dir sagen? Ich möcht' am liebsten sterben! Sei gescheidt, Jossef — sagte Marie und ergriff zärtlich seine Hand — wer wird denn so sündhaft reden? geh', vertrau' Dich mir an! Dir mich anvertrauen! — sagte er — ja freilich, ich bin ja deswegen hergekommen! Nun also, so sprich! es wird ja so arg nicht sein! So arg nicht? es ist so arg, dass, wenn Du es erfährst, Du mich verfluchen wirst! Kennst Du mich von dieser Seite? — fragte sie vorwurfsvoll — ich weiß es, Du hast keine Niederträchtigkeit begangen, kannst keine begehen! wenn Dir was ist, so haben Andere die Schuld daran! Ach' die Schuld Hab' ich allein! — rief er — es wird mich Niemand davon freiiprechen. Ich — sagte Marie bestimmt. Du? Ich, ich spreche Dich frei — wiederholte sie. Du? — fragte Jossef — Du. die ich in's Unglück stürze? Also ist es das? — fragte Marie. Das? weißt Du denn schon. Mußt' ich denn das nicht voraus wissen? Hat mir's der Vater denn nicht oft genug vorgehalten? Hat er das? und Du hast mich dennoch nicht von Dir gestoßen? Von mir stoßen? ich Dich von mir stoßen? ich werde weichen, einer Andern Platz zu machen, wenn die Stunde da ist. Und wenn die Stunde da wär'? Und wenn die Stunde da ist, so sag' mir's g'rad heraus, Jossef, und wir wollen in Frieden und ohne Groll im Herzen von einander scheiden, wenn es denn sein muss. Muss es denn sein! Leider Gottes! der Himmel will es so! Nein, Marie — schrie Jossef auf und ein heftiger Thrünenstrom entquoll seinen Augen — Marie! ich kann nicht! ich kann Dich nicht verlassen! Heftig umschlang er sie mit beiden Armen, presste sie an seine Brust und bedeckte ihr Gesicht mit tausend Küssen. Wenn der verfluchte Kerl — rief es in diesem Augenblicke auf der Gasse — die Courage hat, ein Christenmädel gern zu haben, so soll er sich taufen lassen! Es war Honza, der dies gerufen hatte, und Görg, der mit ihm war, antwortete darauf: Und wenn er sich hundertmal laufen lässt, ein Jud' bleibt er doch immer, und ich möcht' sehen, ob der alte Niederhuber einen Juden mir vorziehen möcht'; morgen früh gleich geh' ich zu ihm und die Geschichte wird abgemacht. Der alte Niederhuber, der mit Brigitten im Vorhause von gleichgiltigen Dingen gesprochen hatte, hätte auf diesen Ruf hinausgehen und den unberufenen Schreiern seine Meinung sagen können; aber er zog es vor, sich stille zu halten und sagte nur zu Brigitten: Hast Du das gehört? Ja — sagte die alte Brigitte. (Fortsetzung folgt.) K. k. priv. Oesterreichifche Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Infolge Beschlusses des BerwaltungSrathes vom 4. Juli 1899 finvet Dienstag, den 22. August l. I, Vormittags 10 Uhr, im großen Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Bereines (I., Eschenbachgasse 9) eine außerordentliche General-Versammlung der Actionäre der k. k. Oesterreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe statt. Gegenstand der Verhandlung: Antrag auf Erhöhung des Grundcapitales der Gesellschaft von 40 Millionen auf 50 Millionen Gulden durch Ausgabe von 62.500 auf den Nominalbetrag von 160 Gulden lautenden Actien, aus die damit zusammenhängende Aendernng der 10, eventuell 15, Absatz 1, der Statuten, und Beschlussfassung über die näheren Bestimmungen der Hinausgabe der Actien (ß 13 der Statuten), sowie über die Einräumung von Bezugsrechten. Die Ungarische Agrar- und Rentenbank-Actieu-Gesellschaft-emittirt 12 Millionen Kronen viereinhalbprocentiger Pfandbriefe zum Course 99'80. Die Subscription findet am 25. d. M. bei der Union-Bant in Wien statt. Curort Sauerbrunn. In diesem Curorte, der von Glaubens genossen zahlreich besucht ist, erfreut sich die streng rituell geleitete Pension und Restauration Zöllner durch ihre comfortable Einrichtung und ausgezeichnete Küche großer Beliebtheit. Dieselbe übernimmt auch Hochzeitsdiners zu billigen Preisen. Reichenberger Tuchfabrikslager. Die Sommerszeit rückte in's Land, und gleichzeitig dannt die Sorge um Sommerkleider. Gleichwie sich um diese Zeit die Erde in frisches Grün hüllt, so hat der Mensch gleichfalls das Bedürfnis, sich neu zu kleiden. Ja, wenn nur das liebe Geld nich wäre! Es ist aber nicht so arg. Man versuche nur und lasse sich von dem Reichenberger Tuchfabrikslager Franz Rehwald Söhne Muster kommen,und man wird staunen über die Billigkeit und Güte der Stoffe. Dieser Nummer ist eine Correspondenzkarte beigelegt, die man bei Bedarf gütigst ausfüllen und absenven möge. Cßrogim. Mit Rücksicht auf die kommenden Herbstfeiertage machen mir unsere Leser auf das renommirte Agrumen- und Südfrüchten-Export- Geschäft Hermann Roth in Triest aufmerksam, welches durch seinweitverbreiteten Verbindungen in der Lage ist, Eßrogim, Lulewim und Hadassim in bester Qualität und billigst zu liefern. Die Reellität der Firma bürgt für ausgezeichnete Bedienung.

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