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Die Wahrheit · 1899-07-11 · Heft 23 (11.7.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 23 (11.7.1899)
Date
1899-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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AieIDahrchsit Redaction n. Administration: Wien, U/(, Novaragasse 27. Anabhängige Keitschrift für jüöische Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.fl. 3.— K.!. östcrr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 846.251. Inserate Interessen. Für Lnltusbeamte: Ganzjährig.fl. 5.— lü Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden achten Tag. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Ganzjährig.12 Mark 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 23. Wien, 11. Juli 1899. Inhalt: An unsere Leser! — Die Judenfrage in einem „Evangelischen Volkslexikon." — Bnei Brith und der Zionismus in Bulgarien. — Zur Geschichte der jüdischen Tradition. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Feuilleton: Heimweh. — Ueber das Cantorat der Gegenwart. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Nihilist. An unsere Leser! Mit \. 3iili hat „Die Wahrheit" das dritte Quartal des Jahrganges (899 angetreten und es sei uns bei diesem Anlasse gestattet, unserer Freude darüber Ausdruck zu verleihen, dass unser bisheriges publicistisches wirken, unser muthiges Eintreten für die Interessen des Iudenthumes und unser freies und objectives Urtheil in den verschiedenen Fragen des jüdischen Gemeinde- und Vereinslebens so vielfache Anerkennung gefunden hat. Indem wir nun die geschätzten Leser zum weiteren Abonnenient auf „Dir Wahrheit" einladen, ersuchen wir, den pränumerationsbetrag mittelst Post-Check» rrsp. Post-AnWrilUNg in den nächsten Tagen an uns einzusenden und richten zugleich an alle unsere Leser und Freunde die Bitte, uns Adressen von Glaubensgenossen mitzuthrilrn, welche noch nicht Leser unserer Zeitschrift sind. Möge es sich jeder Freund der „Wahrheit" angelegen sein lassen, in seinen Kreisen dahin zu wirken, dass unser Blatt in allen Familien Eingang finde, welche Sinn und Herz für das Iudenthum und Interesse an seinem Gedeihen haben. Die WeöcrcLiorr. Die Äudenfmge in einem „Evangelischen VoltrsteriKon". (Schluss.) Herr Karl Plath, der die „Indenfrage" im „evangelischen Volkslexikon" behandelt, weiß auch eine Lösung dieser Frage zu finden. Aber ehe er sie entwickelt, muss er beweisen, dass es eine sogenannte „Judenfrage." überhaupt gibt. Hier findet er nun alle Töne und Register, die aus der politischen Symphonie der letzten zwanzig Jahre so misstönend herausgeklungen haben. Bewiesen wird so ziemlich nichts, sondern der ganze Schutt antisemitischer Behauptungen: „Die Juden sind . . . ." wird auf einmal abgeladen: Die Emancipation hätte den Juden eine Menge neuer Wege eröffnet und nun hätten sie sich mit einer Gewandtheit und Kraftanstrengung dieser Wege zu bemächtigen gewusst, „dass ein stetiges Vordringen überall zu bemerken gewesen ist." Früher wären sie nur Geschäftsleute gewesen und hätten durch den mannigfachsten Handel, „öffentlich oder insgeheim, selbstständig oder dienend" es zu Vermögen und Reichthum gebracht. Jetzt am Schlüsse des 19. Jahrhunderts sei es anders. Schon hier möchte man dem Verfasser in's Wort fallen. Anstatt befriedigt zu sein, dass die Juden im Stande sind, nach und nach dem Handel zu entsagen und ihre Interessen anderen Erwerbszweigen zuzuwenden, schüttelt dieser Mann missbilligend den Kopf. Vielleicht zeigt er uns einmal ein paar hundert christliche Kaufleute, die ans Liebe zur Sache den Handel aufgegeben haben, um plötzlich Handwerker und Bauern zu werden. Dass es in der Erwerbsthätigkeit auch ein gewisses Gesetz der Trägheit gibt, dass gewöhnlich der Sohn das Metier des Vaters fortführt, dass fast jeder Stand wie jeder Einzelne die Tendenz hat, fortzukommen, wohlhabend zu werden, sich zu entwickeln, dafür hat der Verfasser kein Verständnis. Die Juden hätten jetzt überall offene Thüren gefunden und diese betreten sie nun, um in den verschiedensten Berufsarten und Aemtern zur Stellung zu gelangen. „Heer und Flotte, Justiz und Verwaltung, der Aerztestand, die Schule im umfassendsten Sinne des Wortes von der niedrigsten bis zur höchsten, die Literatur (Tagespresse), die Volksvertretung in den Communen oder in Parlamenten und was sonst noch hie und da hinzugezählt werden könnte, das Alles sind Gebiete, innerhalb derer, von geringen Einschränkungen abgesehen, Juden erfolgreich eindringen und in Berhältniszahlen, die ihren Minderheiten durchaus nicht entsprechen, Stellungen im Volksleben einnehmen, durch welche sie immer mehr Einfluss und Macht gewinnen." Man kann wohl sagen, dass dieser Satz sich durch völlige Unkenntnis und Uebelwollen auszeichnet, ja dass er so ziemlich in nn66 das gesammte Repertoire der antisemitischen Borwürfe

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