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Die Wahrheit · 1899-05-24 · Heft 18 (24.5.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 18 (24.5.1899)
Date
1899-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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AieWaßrtzsit Redaction u. Administration: Wien, 11/(, Novaragasse 27. Unabhängige Keilschrift fnr Mische Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.fl. 3.— K. k. vsterr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 84«.251. Interessen. Für Lultusbeamte: Ganzjährig.fl. 5.— Inserate 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden achten Tag. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertionsbetriige sind in Wie» zahlbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit?" Ganzjährig.12 Mark G Rubel oder IG Frcs. Nr. 18. Wien, 24. Mai 1899. Inhalt: Die Institutionen der Wiener Cultusgemeinde. — Aus dem Wiener Rabbiner-Seminar. — Ein Hilferuf für Boryslaw. — Hur Organisation des Armenwesens. — Napoleon I. und die Juden. (Fortsetzung.) — Eine Reise im Heiligen i!ande. — Feuilleton: Heimweh. (4. Fortsetzung.) — Jüdische Melodien. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Verschiedene Nachrichten. — Eingesendet. — Der Nihilist (13. Fortsetzung.) Jene geehrten Aöonnenten, welche Sommerfrischen oder Kurplätze anfsuchen, werden öehufs regelmäßiger Zusendung des Blattes um Bekanntgabe der Adresse gebeten. Gleichzeitig ersuchen wir um freundliche Zusendung der Abonnementsbeträge, da uns die Kinhebnug derselben in entfernten Bezirken große Kosten und Muhe verursacht. Bost-Khecks stehen zur Merfügung. Are Administration. (Die Institutionell der Wiener Cnltnsgemeinde. II. Der in der letzten öffentlichen Plenarsitzung des Cultusvorstandes durch den Obmann der Finanzsection, Herrn kaiserl. Rath Moriz Hirsch, erstattete Rechenschaftsbericht für das Jahr 1898 constatirte die nicht mehr neue und darum auch nicht mehr überraschende Thatsache, dass das Jahr 1898 mit einem Deficit von 40.000 fl. abgeschlossen habe, und bis zum ■ Ende des laufenden Jahres, selbst ohne Ueberschreitung des festgesetzten Budgets, eine weitere Steigerung des Deficites auf circa 1 92.000 fl. angenommen werden müsse. Wenn man diesen Ziffern, die in der Sitzung vom 12. März l. I. aufgestellte Berechnung entgegenhält, die das voraussichtliche Deficit auf ungefähr 140.000 fl. calculirt, so muß man zu der Annahme gelangen, dass entweder der damalige Berichterstatter in Anbetracht der geforderten Steuererhöhung in allzu düsteren Farben aufgetragen hat, oder der nunmehrige Referent sich zur Schönfärberei verleiten ließ. Beides ist bei der Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten, die naturgemäß unter strengerer Controle als die private Wirthschaftsführung steht, nicht am Platze und kann in Anbetracht einer so kritischen Finanzlage, wo Wahrheit und Klarheit allein auf den richtigen Weg zur Besserung leiten, nicht gebilligt werden. Allein sei dem wie immer, mag die höhere oder niederere Ziffer die authentische sein, die finanzielle Lage der Wiener Cultusgemeinde ist eine so trübe, dass sie z. B. einem Privatmanne unter gleichen Verhältnissen zu ernster Besorgnis für die llüchste Zukunft Anlass gäbe. In der Verwaltung der Cultusgemeinde vertritt der Vorstand gewissermaffen die Stelle des Familienoberhauptes, ihm obliegt die Sorge für die Gesammtheit, und seine Pflicht ist es, die Finanzen der Gemeinde in geordnete Verhältnisse zu bringen. Von dieser Sorge ist in dem erwähnten Berichte sehr wenig zu entdecken, und was er verräth, das beruht auf einem offenbaren Widerspruche. Seit ungefähr einem Jahrzehnte sind die Ausgaben der Cultusgemeinde auf das Doppelte gestiegen, während die Einnahmen fast auf gleichem Niveau blieben, oder sich nur sehr mäßig nach aufwärts bewegten. Die Vereinigung der Vorortegemeinden mit der Cultusgemeinde kann nicht die alleinige Ursache sein, da die Summirung der früheren Einzelbudgets eine viel niedrigere Zahl im Ausgabsconto ergibt, und auch d i e Annahme wäre statistisch hinfällig, dass in so verhältnismäßig kurzer Zeit die Bevölkerungszahl der unbemittelten Schichten sich verdoppelt habe, und in Folge dessen eine doppelte Belastung der Cultusgemeinde entstanden sei. Am wenigsten scheint der Vorstand sich darüber klar zu sein oder klar sehen zu wollen, wo die Ursache des Uebels zu suchen ist. Der letzte Bericht und auch die unmittelbar vorangegangenen Berichte erklären die Entstehung des Deficites zum größten Theile mit nothwendigen vorübergehenden Ausgaben. Wenn diese Annahme aber richtig ist, dann wäre das vorgeschlagene Mittel zu Sanirung, nämlich die Steuererhöhung, ein administrativer Fehlgriff, und es könnte nicht gutgeheißen werden, für vorübergehende Auslagen die Gemeindemitglieder dauernd zu belasten. In der Pathologie unterscheidet man acute und chronische Leiden, deren Bild genau auseinandergehalten werden kann. Wenn aber auf ein Organ fortwährend neue Reize ausgeübt werden, kann man sich leicht zur Annahme einer chronischen Erkrankung verleiten lassen, wo eigentlich eine acute Erkrankung sich an die andere reiht. Von einem derartigen Leiden sind die Finanzen der Wiener Cultusgemeinde heimgesucht. Aus einmaligen Ans-

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