Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 15 (30.4.1899)
- Date
- 1899-04-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 11. Nr. 15. Die Mahrheit. rührenden Worten von dem Dahingeschiedenen im Namen Aller, die ihm das letzte Geleite gegeben, Abschied genommen und ein kurzes Gebet gesprochen, erdröhnten die General-Dechargen, und der Zug setzte sich in Bewegung. . 8 Unter den vielen Liebesgaben, die dem Dahingeschiedeuen gewidmet wurden, seien nur erwähnt: Ein herrlicher Kranz vom Herrn Generalmajor Grafen Attems in Wien, Herrn Oberst Edlen von Fleischmaim und Gemahlin in Baden, Herrn Rittmeister Stöhle und Gemahlin, Herrn Oberlieutenant Rößler und Gemahlin, vom Osficierscorps des 7. Dragoner-Regimentes, von Baron Fritz Leitenberger und Gemahlin, von einzelnen Escadronen, Unterofficieren der verschiedenen Stationen und zahlreichen Privaten. Man kann wohl behaupten, dass in hiesiger Stadt noch nie eine so solenne und erhebende Leichenfeier stattgefunden habe, wie die des verewigten Hauptmannes Spira, der wegen seines biederen Wesens und seiner persönlichen Liebenswürdigkeit in allen Kreisen geachtet und beliebt war. Nun ruht er in seiner Heimat an der Seite seines greisen, erst vor 14 Tagen zur Erde bestatteten Vaters, an dessen Bahre er noch trauernd gestanden. Friede und Ruhe seiner Asche! Raudnitz, 19. April. Heute ist hier der pensionirte Oberlehrer Herr Lazar Reich im 79. Lebensjahre gestorben. Der Dahingeschiedene war jahrzehntelang in ersprießlichster und verdienstvollster Weise als Jugendbildner thätig und erfreute sich nicht nur in den Kreisen seiner nach vielen Hunderten zählenden Schüler der größten Verehrung, sondern auch allseits in der Bevölkerung der größten Achtung und Werthschätzung. Von Sr. Majestät dem Kaiser war er durch die Verleihung des Silbernen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet worden. Das Leichenbegängnis des Verblichenen findet Freitag, den 21. d., um halb 3 Uhr Nachmittags statt. Publikationen des österr.-ung. Cantoren-Bereines. Seit I. Jänner a. c. sind nachstehende Jahres- und Pflichtbeiträge eingelaufen: Freisinger, Pilsen fl. 3.—, Kohn, Maschau fl. 1.50, Jellinek, Weißkirchen fl. 3.—, Blum, Schlau fl. 1.50, Brunner, Jglau fl. 1.50, Saller, Breitenbrunn fl. 1.50, Kohn, Budwitz fl. 10.—, Friedländer, S.-Bolhas fl. 1.50, Neumann, St.-Pölten fl. 3.—,Bermann, B.-Leipa fl. 2.—, Lemberger, Wien fl. 1.50, Stern, Wien fl. 8.—, Schlesinger, Wien fl. 2.50, Singer, Wien fl. 1.—, D. L. Rotter, Wien fl. 4.—, Bassl, Wien fl. 1.—, A. Rotter, Wien fl. 3.—, Blum, Schlan fl. 1.—, Saller. Breitenbrunn fl. I.—, Grünfeld, Wien fl. 4.—, Lederer, Eger fl. 4.—, Brunner, Jglau 9 fl. 1.—, Rosenseld, Pisek fl. .1.50, Neumann, St.-Pölten fl. 1.—, Lebowitsch, Nachod fl. 4.—, Reiser, Neuern fl. 1.—, Jellinek, Weißkirchen fl. 1.—, Weiß, Tobitschau fl. 1.—, Rosenberger, Komotau fl. 2.50, Friedländer, S.-Bolhas fl. 1.—, Kohn, Budwitz fl. 1.—, Rosenseld, Pisek fl. 1.—, Popper, Eger fl. 4.—, Rosenseld, Nemetujvar fl. 3.—, Heymann, Amsterdam Mark 10.—, Freisinger, Pilsen fl. 1.—, Reiser, 'Renern fl. 6.—, Grünhut, Gran fl. 7.-, Weiß, Brandeis fl. 3.—, Rotter, Przibram fl. 3.—, Saller, Breitenbrunn fl. 1.50, Rosner, H. Mestec fl. 4.50, Haas, Szt.-Miklos fl. 3.—, Rausnitz, Gablonz fl. 5.—, Weiß, Tobitschau fl. 1.50, Kohn, Maschau fl. 1.50, Brunner, Jglau fl. 1.50, Jellinek, Weißkirchen fl. 1.50, Bermann, Laipa fl. 2.—, Lemberger, Wien fl. 1.50, Schönseld, Tab fl. 3.—, Rosenfeld, Pisek ft. 1.50, Blum, Schlan fl. 1.50, Hahn, Teschen fl. 4.—, Friedländer, S.-Bolhas fl. 1.50, Teltsch, Wien fl. 7.—, Schlesinger, Wien fl. 1.50, Hirsch, Wien fl. 4.—. M. Blatt, Cassier. Heimweh. Erzählung von Eduard Kulte. (1. Fortsetzung.) Wenn Reb Choneh irgendwo eintrat, so konnte man so ziemlich genau wissen, was er will, und war sein Besuch von einem günstigen Erfolge begleitet, so sprach man kurze Zeit darauf in der „Gasse" von einem Brautpaar. Ist Reb Wolf daheim? — fragte Choneh. Jittesch blickte von ihrem dicken Buche auf, sah nach dem Eintretenden und sagte: Des Gotts Willkommen, Reb Choneh! Guten Sabbath — sagte dieser und trat völlig in die Stube — Reb Wolf ist nicht daheim? Nein — sagte Jittesch. Un Jossef auch nicht? — fragte er weiter. Jossef ist mit dem Vater auf dem Ochsenmarkt — antwortete Finkele. Ach so! auf dem Ochsenmarkt sind sie — sagte Chone sich besinnend, als ob er es nicht gewusst hätte, und setzte fort: Nun, das muß man ihm lassen, ein „Barje" ist er! Wer? mein Jossef? — fragte die Mutter und fügte hinzu: Das glaub' ich; wenn man wissen will, wie ein guter Ochs .aussieht, muß man nur zu ihm gehn. Die Mutter-Leben meint — setzte Finkele hinzu, um den Ausdruck der Mutter zu verbessern — unser Jossef versteht sich auf Ochsen. Nu, was denn — sagte Choneh — wenn man von Kindheit auf bei dem Geschäft ist, wird man sich dann in seinen Jahren nicht auf Ochsen verstehen! Neulich Hab ich ein Paar Ochsen gesehen, Hab ich gleich an Reb Wolf und an Jossef gedacht. Denkt Ihr an unseren Jossefleben nur, wenn Ihr Ochsen seht? — fragte schnippisch Finkele. Bei mein Leben Finkel, Du hast ein fein Köpfele, — fagie Choneh — Du weißt ganz gut, dass ich an Jossef auch noch bei anderen Sachen denken thu'! Nun, Reb Choneh — sagte das Mädchen lachend — wenn Ihr vor mir nichts reden wollt, geh ich derweil hinaus. Ist es nur etwas, was sich sehen lassen kann? Bleib Du nur Da Finkel und sei gesund — erwiderte Choneh — ich seh doch schon, mit Dir braucht man nur kalbe Wörter zu reden. Du ziehst einem doch so wie so die Red' aus dem Maul heraus; alsdann was soll ich da lang hin und her reden, ich sag Euch etwas Feines! Von hier? Ja. Im Ernst? Was heißt im Ernst? kennst Du Reb Choneh als einen Spassmacher? Wer ist es? Und mußt Du denn gar so neugierig sein? — sagte die Mutter abwehrend. Ist das eine Neugierde, Mutterleben? — fragte die Tochter — wenn ich wissen will, wer unser Josseflebens Braut sein wird? Soll ich's errathen, Reb Choneh? Nein, rath' nichts! — warf dieser rasch dazwischen — bei mein Gesund, Finkele Diebsköpfel ist im Stand und thät's errathen und dann sagt sie, sie hat's zu Weg gebracht und nicht ich, und ich komm' um mein Verdienst! Du brauchst Dir darüber nicht Dein Kopf zu zerbrechen; was sagt Ihr zu Mirl Asrieles? Mirl Asrieles! — riefen Mutter und Tochter zugleich. Mirl Asrieles! — wiederholte Choneh und ergoß sich nun in einer langen Rede über die Vorzüge der angetragenen Partie: Wer mir Guts gönnt-, soll so ein Madel kriegen, wie Mirl Asrieles ist. Schön und gut und fein und fromm und Geld und alle Freud und Herz was begehrst Du. Eine einzige Tochter, Asriele möcht ihr das blaue Tellerl vom Himmel heruntergeben, wenn sies verlangt, ein Spass, was sie für Ausstaffirung bringen wird. Vom Brünner Markt hat er ihr schon wieder Sachen mitgebracht, die darf eine Prinzessin und eine Kaiserin tragen. Ein neuen Mantel auf die neueste Mode, wie man sie in Brünn jetzt tragen thut, und ein Hut mit lauter Federn, man kann ein ganzen Kopfpolster damit ausstopfen, und ein goldig Kettel und Ohrring! Bei mein Leben, es ist eine Freud, sich die Sachen alle nur anzusehen, wie schön das Alles ist. Und was sie für eine feine Wirthin ist. Alles spiegelt und leuchtet und glänzt nur an ihr. Wenn sie ein Kleid anthut, da darf kein Federl und kein bisserl Staub darauf zu sehen sein, und hinein gehn muß man zu ihr und muß sich ihren Wäschkasten ansehen, wie da die „Pünkelech" in lauter rothe Bändel gebunden im Kasten nebeneinander liegen geordnet, wie ein Regiment Soldaten. Und was Sie Alles zu erwarten hat! Ich will nichts reden von der „Nedan"! Asriele hat das Geld schon gezählt bis auf ein Kreuzer im Kasten liegen! Aber was sie sonst noch außerdem bekommen wird. Der Vetter Koppel wird sich nicht spotten lassen. (Fortsetzung folgt.)