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Die Wahrheit · 1899-04-06 · Heft 12 (6.4.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 12 (6.4.1899)
Date
1899-04-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Administration: Wien, H/(, Novaragasse 27. K. k. öftere. Postsparcassa Check-Conto 4!r. 846.251. Inserate 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Unabhängige Heitfchrifi für Mische Erscheint jeden achten Tag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.fl. 3.— Für Lultusbeamte: Ganzjährig.fl. 5.— Für Ausland: Ganzjährig.12 Mark 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 12. Wien, 6. April 1899. Inhalt: Für die armen jüdischen Schulkinder. — Baronin Clara Hirsch. — Napoleon I. und die Juden. — Zur Geschichte der jüdischen Tradition. (Fortsetzung.) — Lazarus' Ethik des Jndenthums. (Fortsetzung.) — Rumänische Judenverfolgungen. — Kalmann's Amerikafahrt. (Schluss.) - Gemeindebote. — Bereinsbote. — Das Testament der Baronin Hirsch. — Feuilleton: Der Nihilist. (Fortsetzung.) — Adolf Grünzweig. — S. Müller's „Ein Buch für unsere Kinder" und „Ueberblick über die biblische und nachbiblische Geschichte". — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Die Versöhnung. (Fortsetzung.) Für die armen jüdischen Schulkinder. Unter den verschiedensten Gestalten des Elends, welche das Großstadtleben zur Erscheinung bringt, ist selten eines so sehr geeignet, das allgemeine Mitgefühl zu erwecken, wie die Thatsache, dass Tausende und Abertausende armer Schulkinder im buchstäblichsten Sinne des Wortes des täglichen Brodes entbehren, und so werden durch die mangelhafte Ernährung schon frühzeitig in die jugendlichen Organismen die Keime zu mannigfachen Erkrankungen gelegt. Die Noth kennt keinen Unterschied der Confession, christliche Kinder theilen das gleiche Schicksal mit jüdischen, aber trotzdem werden die letzteren von den kärglichen Brosamen der öffentlichen Wohlthätigkeit verhältnismäßig weniger bedacht, weil einerseits die judenfeindliche Strömung auch vor dem Jammer der unschuldigen Kinder nicht Halt macht, und andererseits Vielen derselben aus religiösen Rücksichten die Annahme nicht rituell bereiteter Kost versagt ist. Angesichts dieser traurigen Verhältniße erwächst unseren Glaubensgenossen eine umso größere Pflicht, das Gebot der Nächstenliebe an den jüdischen Kindern zu bethätigen, und es war ein guter Gedanke des Herrn Oberrabiners vr. Güdemann, als er am ersten Feiertage am Ende seiner Betrachtungen über das Pessachfest von der Kanzel herab die Aufmerksamkeit der zahlreich versammelten Gemeinde auf die vor einiger Zeit durch den Vorstand der Wiener Cultusgemeinde eingeleitete Action zur Ausspeisung armer jüdischer Schulkinder lenkte und an die Mildthätigkeit der Gemeindemitglieder appellirte. Die Bestrebungen des Vorstandes, armen jüdischen Schulkindern die Wohlthat einer warmen Mittagskost zuzuwenden, verdient gewiss Lob und Anerkennung, und in jedem Falle auch die Unterstützung aller Menschenfreunde, aber bei der Unzulänglichkeit der vorhandenen Mittel kann die eingeleitete Action nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn man es verstehen wird, das Interesse der weitesten Kreise für dieselben zu erwecken. 700 fl. hat der Vorstand für diesen Zweck im heurigen Jahre präliminirt, und bei der prekären Finanzlage der Gemeinde ist kaum ein erheblicher weiterer Zuschuss zu erwarten. Was sind aber 700 fl., wenn man bedenkt, dass in einem Theile eines einzigen Wiener Bezirkes sich nahezu 200 Kinder zur Ausspeisung angemeldet haben! Es muß also nach Mitteln gesucht werden, wie man der Noth der armen Kinder abhelfen kann, ohne die Gemeinde zu belasten. Der Ausweg ist ja eigentlich von selbst gegeben, und wer sehen will, der findet ihn auch. Der Vorstand ist, wie der Referent in der Sitzung vom 12. Februar d. I. betonte, zu der Erkenntnis gelangt, dass man bei derartigen Actionen die bestehenden Wohlthätigkeits-Organisationen in den Dienst der Gemeinde stellen müsse, aber er muß noch einen Schritt weiter auf der Bahn der Erkenntnis thun und die ganze Action in die Hände der Gemeindemitglieder legen. Es ist ja eine alte Erfahrung, dass die Gemeinde für derartige Zwecke viel schwerer die Unterstützung der Wohlthäter findet als ein privater Verein, in dem fast jedes einzelne Mitglied gewissermaßen ein Agitator für seine Bestrebungen ist. Und noch ein zweites Moment ist hier zu berücksichtigen. Von der Gemeinde, mag sie noch so viel leisten, wird man immer sagen: „sie thut ja nur ihre Pflicht!" Die freiwillig organisirte Wohlthätigkeit wird aber selbst bei geringerer Leistung volles Lob und Anerkennung und dadurch reichlichere und materielle Unterstützung finden. Man bedenke nur, wie unendlich viel in Wien von verschiedenen Vereinen und Hunderten von Tischgesellschaften aus dem Gebiete des Kinderschutzes geleistet wird, ohne dass diese segensreiche Thätigkeit die Gemeinde nur einen Kreuzer kostet. Es wäre somit die Aufgabe des Vorstandes, alle diese Vereine und Gesellschaften zu einer gemeinsamen Action zu veranlassen, oder falls dies auf Schwierigkeiten stoßt, die Gründung eines

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