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Die Wahrheit · 1899-02-26 · Heft 8 (26.2.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 8 (26.2.1899)
Date
1899-02-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Are WayrHsit r - Redaction u. Administration Wien, II/(, Novaragaffe 27. K. k. österr. Postfparcasfa. Check-Conto Nr. 846.251. u Inserate U 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. |! jj Abonnements- und Jnfertionsj! betrüge sind in Wien zahlbar. , . , - -Oi MHängige Heitschrift fit jüöisHe Internen. Erscheint jeden achten Tag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— j| Halbjährig .... fl. 3.— I] - Für Lultusbeamte: I Ganzjährig . . . . ft. 5.— I; -!j Für Ausland: | Ganzjährig.12 Mark; 6 Rubel oder 16 FrS. Nr. 8. Wien, 26. Februar i&m. 3nl$ält: Der Sieg der Gerechtigkeit. — Seid einig! — Wochenschau. — Zur Bekämpfung der Wanderbettelei. — Ungedruckle Briefe von Moses Mendelssohn. — Zur Geschichte der jüdischen Tradition. (Fortsetzung.) — Gemeindebote. — Vereinsbote. — Verschiedene Nachrichten. — Litteratur. — Feuilleton: Versöhnung. (Fortsetzung.) — Zur Cantorenfrage. — Ein Hinweis für den Cultusgesang. — Feuilleton: Der Nihilist. (Fortsetzung.) Der Sieg der Gerechtigkeit. Die unglückselige Wendung, welche die Afsaire Dreyfus in den letzten Wochen genommen hat, zeigte mit erschreckender Deutlichkeit, dass das Land, in dem zum ersten Male das Losungswort: „Freiheit, Gleichheit. Brüderlichkeit!" zur Grundlage eine modernen Staatsverfassung wurde, einer schweren inneren Krise entgegerigehe. Nach jahrelanger Verblendung war in der großen Mehrzahl des französischen Volkes die Ueberzengung zum Durchbruche gekommen, dass mau dem Rechte und der Gerechtigkeit Gewalt angethau hatte und dass ein unschuldiger Mann sür die Sünden Anderer büßen musste. Dieser Umschwung in der öffentlichen MeillNllg lvar jedoch nicht nach dem Geschmacke der Dunkelmänner, die es verstanden hatteil, die „große Nation" so lange zu täuschen, und von Neuem begannen sie ihre Wühlarbeit. „Nieder mit den Juden!" „Es lebe die Armee!" ertönte es neuerdings durch die Straßen von Paris, alle Leidenschaften wurden angefacht und die verderbliche Agitation in die bisher geheiligten Hallen des höchsten Rechtsforums geschlendert. Der bunt zusammengewürfelten Gesellschaft der Autirevisionisten gelingt es, einen Rath des Casfationshofes für ihre finsteren Zwecke zu gewinnen, der Allen voran die höchsten Richter Frankreichs, welche den Muth besaßen, für die Wahrheit einzutreten und das Lügengewebe der Militärpartei zu zerreißen, mit seinem Geifer überschüttet. Die ausgestrenten Verleumdungen bleiben nicht ohne Erfolg und veranlassen selbst das Ministerium und die Kammer zu einer gefährlichen Concessiou. Mitten in diese betrübenden Erscheinungen, die das Ansehen und die Unabhängigkeit der Justiz zu untergraben drohen, fällt wie eine Bombe die Kunde von dem plötzlichen Hinscheiden des Präsidenten der Republik, Felix Faure. Frankreich ist ohne Staatsoberhaupt, eine günstige Gelegenheit, mit der Person auch die Verfassung des Staates zu wechseln. Aber die Regierung hält strenge Wache und trifft schleunigst die nöthigen Vorbereitungen zur Präsidentenwahl. Seit dem Bestände der dritten Republik hat noch niemals unter so außergewöhnlichen Berhältnißen eine Präsidentenwahl stattgefunden, und auf aller Lippen schwebt die bange Frage: Wer wird das Oberhaupt Frankreichs werden? Zwei Männer treten in den Vordergrund: Mvline und Loubet. Um den ersten schaaren sich die Parteien der Rechten, offene und geheime Monarchisten, Boulaugisten, Nationalisten, die Männer der Patriotenliga, Pseudorepublikaner, kurz die ganze Sippe der Antirevisionisten. Sie wollen Meline auf den Schild erheben, der als Ministerpräsident sich so hartnäckig der Revision lvidersetzte, trotzdem ihm bekannt war, auf welche Weise das Uriheil gegen Dreyfus zustande kam. Auf der anderen Seite steht die Vereinigung aller ehrlichen Republikaner, ihr Candidat ist der Senatsprüsident Emil Loubet. Er hat sich nicht für und nicht gegen Dreyfus erklärt, er gilt nur als Mann der strengsten Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, ein aufrichtiger Anhänger der Republik. Das allein aber genügt schon, um die Wuth der natonalistisch-clericalen Meute gegen ihn zu richten. Sie verleumden und schimpfen, organisiren den niederen Pöbel und drohen mit der Revolution, aber feftgeschlossen steht die Phalanx der Republikaner, geeinigt durch das Bewusstsein, dass bei der Wahl nicht nm Personen, sondern um Principien, um das Sein oder Nichtsein der Republik gekämpft wird. Und mit überwältigender Majorität wird Loubet zum Präsidenten der französischen Republik gewühlt. Frankreich ist fürwahr zu beglückwünschen, es hat den Beweis erbracht, dass die hässlichen Erscheinungen an der Oberfläche des öffentlichen Lebens das Fundament seines republikanischen Staatsgefüges noch nicht angefressen haben und dass die Politik der Straße in ernsten Kreisen keine Berücksichtigung findet; doppelt zu beglückwünschen zu dem Präsidenten, der in seiner Botschaft an die Republik die denkwürdigen Worte gesprochen hat: „Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Frankreich stets

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