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Die Wahrheit · 1899-02-18 · Heft 7 (18.2.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 7 (18.2.1899)
Date
1899-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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AieWahrPsit A- ~~ j Rcdaction u. Administration! Wien, H/^, Novaragasse 27. j i K. k. österr. Postsparcassa. > Check-Conto Nr. 846.251.! Inserate 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnsertions-! betröge sind in Wien zahlbar. - -- -V /r===--^ Bezugspreis: I i Ganzjährig.fl. 6.— j;j Halbjährig .... fl. 3.— j ^ür Kultus beamte: , Ganzjährig . . . . fl. 5.— : Erscheint jeden achten Tag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Für Ausland: Ganzjährig.12 Mark 6 Rubel oder 16 Frs. ^-- Nr. 7. Wien, 18. Februar 1899. Inhalt: Die Frage der confessionellen Schule. — Aus der Wiener Cultusgemeinde. — Das ungarische Judenthum. — Zur Geschichte der jüdischen Tradition. (Fortsetzung.) — Rubinstein und die jüdische Musik. —Gemcindebote.— Vercinsbote. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Nihilist. (Fortsetzung.) — Die Vorbildung der Cautoren. — Jüdische Synagogenmelodien. — lieber den Trov. — Feuilleton: Versöhnung. Die Frage der confessionellen schule. ii. (Die Ausbildung von R e l i g i o n s l e h r e r n.) Es ist bezeichnend, dass die chassidistische Partei in Galizien cs vorzieht, ihre schulpflichtigen Kinder, iusoferne für deren Unterricht überhaupt gesorgt ist, in die allgemeine, d. h. interconsessionelle, als in die jüdische Schule zu schicken. Sie fürchtet mehr einen verderblichen religiösen Einfluss jüdischer als nichtjüdischer Lehrer. Sie nimmt nämlich an, dass die rationalische Behandlung des Religionsgegenstandes seitens der Ersteren zersetzend auf die Gemüther der israelitischen Schuljugend wirkt, während die neutrale Haltung der Letzteren in jüdisch-religiösem Belange sie von dieser Fnrcht befreit. Weniger hyperoptimistisch als jener Neligionslehrer, der in der Versammlung der jüdischen Religionslehrer an den Mittelschulen sich von deren Wirksamkeit nichts weniger versprach, als die Regeneration des Judenthums, besorgt die in Rede stehende Partei das gerade Gegentheil von dieser Seite. Der jüdische Neligionslehrer müsste wahrhaftig aus dem Holze des Baumes inniger religiöser Erkenntnis geschnitzt sein, wenn von seinen Leistungen ein so erhebendes Resultat erhofft werden sollte. Wenn nun nach dem Stande der Dinge den jüdischen Lehrern so wenig Vertrauen entgegengebracht wird, nach welcher Richtung soll der Nutzen zur Geltung kommen, welchen die confessionelle Schule der israelitischen Jugend bringen soll? In Beziehung auf den profanen Unterricht erwartet man keinen größeren als den, welchen die allgemeine Schule bietet, und betreffs der zu erzielenden religiösen Erziehung fehlt das Vertrauen- Es ist daher nicht einzusehen, welchen Zweck diejenigen ans jüdischen Kreisen verfolgen, die nichts sehnlicher wünschen, als dass seitens der Gcmeindevorstände confessionelle Schulen gegründet werden. Um was es sichln dieser Angelegenheit zunächst und zumeist handelt, das ist, dass in der Qnalisication der an den Schulen wirkenden Religionslehrer die Gewissheit für die Ersprießlichkeit ihrer Lehrthätigkeit gelegen ist. Und zwar darf sich das nicht blos auf die wissenschaftliche Seite, sondern es muß sich auch auf das beispielgebende religiöse Leben beziehen. Ist einmal die Qualität der Religionslehrer von dieser Art, dann fehlt jedem Ruse nach einer confessionellen Schule die Berechtigung, da der damit beabsichtigte Zweck durch solch' befähigte Religionslehrer ohnedies erreicht ist. Leider scheint die Erkenntnis hiesür nicht überall^vorhanden zu sein. Das bekunden die Bestimmungen, die der Vorstand „für die Approbation zum Religionslehramte in der israelitischen Cultusgemeinde Wien" zu treffen, für gut befand. Ein geringeres Ausmaß für das Können und Wissen seiner Religionslehrer konnte er nicht stipuliren und -sanfter konnte er auch nicht über die nothwcndige Religiosität derselben sprechen. Wenn mau nicht annehmen will, dass das „Au s w e n d i g k ö n n e n" der vorgeschriebeneu Bibeltheile verlangt wird, was gewiss unbillig wäre, so ist es blutwenig, wenn von dem Religionslehrer nichts anderes gefordert wird, als dass er je nach seiner Verwendung in verschiedenen Classen und Schulen die Urtexte einzelner Bücher der Bibel zu übertragen verstehe. Auch ist es unverständlich. Denn ist er in der Lage, diese Theile zu übertragen, so vermag er es auch rücksichtlich des Urtextes der Gefammtbibel, und es können ihm höchstens manche Stellen, wie der aramäische Text in den Büchern Daniel, Esra, Nehemia einige Schwierigkeiten bereiten. Nach dieser Sachlage drängt sich die nicht niederzukämpfende Frage auf: Wie soll und kann der Noth an entsprechend qnalisicirten Religionslehreru abgeholfen werden? Als Radicalmittel wäre wohl die Creirung einer Lehranstalt zur Heranbildung von jüdischen Religionslehrern zu empfehlen. Es würde jedoch zu lange währen, ehe ein solches Project sich realisirt, und mittlerweile könnte das eintreten, was die Karthager den Römern so eindringlich vorhielten: „Ehe Rom

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