Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 1 (1.1.1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Nr? 1. „Beilage- Mesterreichisch-uugMischr Lantoren-Ieitüttg'.^ 5 Seit^ 14. ' Wien. Am 27. und 28. Dezember fand unter reger Betheiligung der zweite Verbandstag der israelitischen Religionslehrer au den österreichischen Mittelschulen statt, welcher einen durchaus würdigen Verlauf nahm. Der Obmann Herr Dr. Adolf Weiß begrüßte die Erschienenen herzlichst, und schloß die Begrüßungsrede mit einer schwungvollen Kundgebung für Se. Majestät den Kaiser, die von der Versammlung begeistert ausgenommen wurde. Au den hierauf erstatteten Bericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Rabbiner Dr. Caro, Lemberg, Rector Schwarz, Dr. Bloch und Dr. Gustav Kohn, Vicepräsident der Wiener Cultus-Gemeinde, in hervorragender Weise bethciligten. Die drei Vorträge der Herren Rabb. Dr. Ion. Wolf, Wien, Rabb. Dr. Kisch, Prag und Dr. Ad. Weiß, Wien, fanden allscitigcn Beifall, und schloß sich an alle eine lebhafte Discussion. In ganz hervorragender Weise griffen iu dieselbe ein: Die Herren Oberrabbiner Dr. Güdemaun, Dr. Caro, Prof. Herzl, Brody, Dr. Feuchtwang, Nikolsburg, Lector Friedmaun und Dr. Gustav Kohn, der namentlich in Vertretung und im Namen der Wiener Cultus-Gemeinde seine Sympathie für die Bestrebungen der Religionslehrer ausdrückte und sie zu fördern versprach. Besonders erhebend wirkte auf alle Anwesende der Schluss des Vcrbandstages, welchen der Obmann, Herr Dr. Ad. Weiß, zu einer nochmaligen begeisterten Kundgebung für Sc. Majestät gestaltete. Für die würdevolle Leitung des Vcrbandstages seitens des Obmanns und des Herrn Dr. Feuchtwang sprach Prof. Herzl im Namen aller Teilnehmer diesen Herrn den wärmsten Dank aus. — Einen ausführlichen Bericht über die Verhandlungen sowie über die Vorträge behalten wir uns vor. Wien. Die Generalversammlung des Bcthausvereine „Am Volkert", II. Fugbachgasse, fand Montag, den 26. Dezember unter Vorsitz des Obmannes Ad. Schramck statt. Wien« Mittwoch, den 21. Deccmbcr fand in der Restauration ' Hatschek die vom Vereine „Edle Wiener-Herzen" veranstaltete Kinderbekleidung statt. Obmann Kurz begrüßte die Gäste und Mitglieder, worauf Oberlehrer Weber eine Ansprache an die Kinder hielt. Stanislau. Unser Zionverein „Ercz Israel" feierte am 14. Dezember in äußerst solenner Weise das „Makkabäerfest". Die Tendenzrede hielt Herr Dr. Schurr, die Festrede Herr Stand aus Lemberg. Den künstlerischen Theil des Programmes besorgten Frau Dr. David. Frau Malviue Ueberall und die Herren Cantor Salomou Broch, Haber und M. Jonas. vermischte Nachrichten. Perfonalnachrirtzken. Sonntag den 1. Jänner Nachmittag, findet im türkischen Tempel die Trauung des Herrn Emil Russo, Sohn des Herrn Lico M. Rufio, Präses der Chewra-Kadischa der türkischen Gemeinde, mit Frl. Jeanette A s r i e l, Tochter des rerstorbenen Großhändlers Herrn S. D. Asriel statt. — Fräulein Margarethe Bloch, Tochter des Herausgebers der „österr. Wochenschrift", Dr. Josef Bloch, hat fich mit Herrn Dr. Max Grunwald, Rabbiner in Hamburg, verlobt. Wien. Anlässlich des Geburtstages Sr. Majestät des Sultan Abdul Hamid Kan fand am 29. Deccmber im Tempel der türk.-israel. Gemeinde ein Fegstottesdienst statt, an welchem Se. Excellenz der Botschafter Mahmud Neddim Bcy mit den Botschaftsräthen, Herrenhausmitglied Geheimrath Nicolaus Dumba, Reichsrathsabgeordneter Hofrath Kareis, Gemeinderath Theodor Ritter v. Goldschmied, Consul Thalberg, Polizei- Bezirksleiter Kenda, der Präses der griechisch-orientalischen Gemeinde Chilaiditi Koimzuglo und zahlreiche Gemeindemitglieder theilnahmcn. Der Botschafter wurde von den beiden Präsidenten der Gemeinde, Marcus M. Rufio und Lico L. Adutt, und dem Vorsteher Rudolf M. Mazliach unter Orgel- und Harfenklängen in die festlich beleuchtete Synagoge geleitet. Nach Aufführung einer Fest-Hymne von H. Elias hielt Rabbiner Papo die Festrede. Hieraus rccitirte Obercantor Bauer das Gebet für den Sultan, und mit Abfingung der türkischen Volkshymne schloß die erhebende Feier. DerBotschafler sprach sowohl dem Vorstande als auch den Funktionären seine besondere Anerkennung aus. Eine Deputation aus Palästina. Die östcrreichisch-galizischen Jsraelitengemcinden in Palästina widmeten aus Anlass des fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers eine Huldigungsadreffe. Die Uebcrreichung derselben erfolgte vor einigen Tagen durch eine Deputation, mit dem Führer der conservativen Juden in Galizien und dem Curator der österreichischen Jsraelitengemeinden in Palästina, Herrn Ignaz L. Schreiber in Drohobycz, und dem Rabbiner S. Fürst an der Spitze. Der Ministerpräsident Graf Thun empfing die Deputation in sehr liebenswürdiger Weise. Er gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass der Kaiser sich über diesen Beweis der Loyalität der so weit vom Heimatlande entfernten israelitischen Unterthanen freuen werde, und ließ sich den Inhalt der hebräischen Adresse und die Bedeutung der Reliefs erklären. Mit der Zusage, die Adresse dem Monarchen zu unterbreiten, entließ der Ministerpräsident die Deputation. Die Adresse ist ein Meisterwerk der Kalligraphie und Holzschneidekunst. Sie besteht aus einer Pergamentrolle, auf Seide aufgezogen. Den Rand schmücken feine Federzeichnungen. Der Text ist ein Hymnus in classischer hebräischer Sprache. Die Anfangs- und Endbuchstaben der Zeilen ergeben viermal den Namen des Kaisers. Prag. Sonntag, den II. d. M. versammelte sich in der Mcisel- Synagoge ein ungemein zahlreiches Publicum, um der Trauung des Frl. Gertrud, Tochter des Herrn Moritz Wallerstein, Obercantor und Regenschori derselben Synagoge, mit Herrn Max Tauber aus Kolin, anzuwohnen. Die cantorale Function versah Herr Gruschka, Obercantor in den Kgl. Weinbergen bei Prag, in sehr dankbarer und würdevoller Weise. Mit dem üblichen Minchagebcte unter Assistenz des ausgezeichnet geschulten Chores und Orgelbegleitung wurde der feierliche Act eröffnet, worauf ein vom Vater der Braut eigens zur Trauung seines Kindes verfasster Mi addir, Cantorsolo mit Orgel-, Harfe- und Violinbegleitung, folgte. Die Begleitung mit letzterem Instrumente besorgte die als Opernsängerin und Violinvirtuosin bekannte Schwester der Braut. Das „Heil Brautpaar Dir", Musik und Text ebenfalls vom Brautvater verfasst, bildeten eine feierliche Einleitung zu der nun folgenden Trauungsrede, welche von Herrn Rabbiner Dr. Kisch mit viel Wärme und Innigkeit gehalten wurde. B, Gr. Tvoppau. Beim Jubiläumsgottesdienste wurde zum erstenmale die Orgel gespielt, die einzig und allein aus diesem Aulaffe von der Gemeinde augeschafft worden war. Sie stammt aus dem berühmten Etablissement der Herren Gebrüder Ricger, k. u. k. Haforgelfabrikanten, und ist ein dieser Firma würdiges Instrument. Im byzantinischen Stile gehalten, ist es ob seiner Ausstattung eine Zierde des Tempels. Der Ton der Orgel, welche 13 Register, zwei Manuale und ein Pedal aufwcist, ist ein geradezu glänzender und bis ins Detail streng charakteristisch ausgearbeitet. Die. Mechanik geht, wie bei allen Rieger'schen Orgeln, überraschend leicht und ist demnach auch bei vollem Spiele leicht zu regieren. Als die „Kaiserhymne" mit Orgelbegleituug ertönte, da merkte man deutlich, wie viel der Gesang durch das herrliche Instrument gewann. Neln-Hork. Für die arme Loreley hat sich jetzt nach all' der rauhen Behandlung, die ihr an dem „gastlichen" Gestade der „Neuen Welt" zu Theil geworden, endlich eine Ruhestätte gefunden. Auf der Plaza des Grand Coucourse im Borough Broux an 161. Str. und Mott Ave. wird der viclumstrittene Brunnen seine Aufstellung finden. Die Enthüllung des Heine-Denkmals dürfte im Mai vor sich gehen. Aphorismen. von Nahida Ruth Lazarus. Der Fromme lebt mäßiger als der Unfromme, fröhlicher in seinem Goltvertrauen, also widerstandsfähiger gegen die Unbill des Schicksals. Mäßigkeit, Fröhlichkeit und Widerstandsfähigkeit erhalten das Leben. Man denke an die Zeiten der Autodafes. Wie bequem haben es doch heute die Bekenner des E i u e n - E i n z i g e n, ihrem Gotte treu zu bleiben. Wenn alle Bekenner des Einen-Einzigen Gottes zu Grunde gegangen wären . . . nimmer hätten die Weisen des Morgenlandes . bdn Stern erblickt, der sie gen Bethlehem führte. Der Glaubensmuth und die Religionstreue der Makkabäer ist vorbildlich für'Christen und für Juden.