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Die Stimme · 1937-08-27 · Heft 672 (27.8.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 672 (27.8.1937)
Date
1937-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^Stimme Warner Bros, bringen Edward d. Robinson und Bette Davis SENSATION UM GALAHAD Hlotenturm-Klno I. Sdiottenrlng-Kino 1/ JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 671 Wien, Freitag, 17. Augiwt 1937 SO. Etat 5697 io. Jahrgang RIVIERA Woehen-Arrang. 8 Tage S 135'- DALM ATIEN-ÄÄ <hlS 42‘- POLEN "Abfahrt jaden Sonntag PARlS^Sonderzug (hin und zurUck) S 86" An moldungem REISEBÜRO ADDICif ■•/ Kärntnerstr. 41 fy^^VCDIa) Telephon: R21-5-78 Das Genfer Gutachten Die Mandatskommission hat ihr Gutachten dem Völkerbundrat zugeleitet. Sie spricht sich grundsätzlich für den Teilungsplan aus, befürwortet jedoch eine Übergangsfrist, innerhalb derer der zukünftige jüdische und der arabische Staat eine gewisse kantonale Autonomie unter britischem Kontrollmandat erhalten sollen. Diese Frist, die in dem Bericht. als „Lehrzeit“ bezeichnet wird, soll zum Nachweis der politischen Befähigung dienen. Es entstehen demnach an der Stelle des bisherigen einen Mandats, das undurchführbar geworden ist, zwei Mandate; die Mandatskommission würde einen Zustand herbeiführen, der noch viel gefährlicher wäre als der bisherige. Ihr Vorschlag wäre nur dann von Wert, wenn die beiden zu bildenden Staaten von einer national homogenen Bevölkerung bewohnt würden. Aber sowohl der jüdische wie der arabische Sektor weisen ansehnliche Minderheiten auf, so daß für eine weite Zukunft allen nur denkbaren Friktionen Tür und Tor offensteht. Der Plan der Peel-Kommission hatte die Umsiedlung der arabischen Bevölkerung aus dem jüdischen Land auf Kosten der Juden vorgesehen. Das ist so unausführbar wie der Genfer Plan und ist wieder ein Beweis für die Unmöglichkeit, von der Balfour-Deklaration abzuweichen, die sinngemäß die Einrichtung der Heimstätte im ganzen ungeteilten Land beabsichtigte. Die Mandatskommission sieht auch von der Festsetzung einer zeitlichen Grenze für die „Lehrzeit“ ab, sie spricht auch nicht aus, wer darüber zu entscheiden hat. Wahrscheinlich wünscht sie diese Funktion der Mandatsregierung oder, besser gesagt, den beiden Mandatsregierungen zuzuschieben. Es würde sich demnach das folgende Bild ergeben: Eine Kontrollbehörde für das jüdische Land, eine solche für das arabische Land, eine Behörde für die temporären Mandate über die vier arabischen Städte, eine Verwaltungsstelle für den Korridor und schließlich eine internationale Kommission für die heiligen Stätten. Diese Groteske läßt sich kaum überbieten. ’ Zwischen diesen Vorschlägen und den politischen Bemerkungen des Gutachtens ist ein scharfer Widerspruch. Die Mandatskommission erkennt genau, daß das Problem nur durch einen lebensfähigen, territorial ausreichenden jüdischen Staat zu lösen wäre. Sie erklärt, daß den Arabern riesige Ländereien zur Verfügung stehen, während den in aller Welt bedrängten Juden ihr Recht auf Palästina nicht beeinträchtigt werden soll. Diese These, die genau der jüdischen Einstellung entspricht, ist mit der Einrichtung eines jüdischen Kantons unvereinbar, der kaum eine Milderung der Frage horbeiführen kann. Allerdings stand die Mandatskommission der britischen Erklärung gegenüber, daß das Mandat unausführbar geworden ist. Es ist kein Zweifel, daß es bei gutem Willen der Mandatsregierung hätte ausgeführt werden können. Aber die britische Regierungsbotschaft, die dem Peel-Bericht bei- Die Anträge der Mandatskommission! Erst Kantomsierung, dann Teilung Genf, 23. August. (Schweiz. Depeschenagentur.) Heute abends veröffentlichte das Völkerbundsekretariat ein offizielles R esu me des Berichtes der Mandatskommission des Völkerbundes über die Palästinafrage zu Händen des Völkerbund- Tates. In seinen Schlußfolgerungen über die Unruhen in Palästina anerkennt die Kommission vollkommen die schwierigen Verhältnisse solcherart zu verhandeln. Sie erklärt sich indessen nicht überzeugt, daß es nicht möglich gewesen sei, früher entschiedenere Maßnahmen zur Niederdrückung des bewaffneten Widerstandes zu ergreifen. Eine gewisse Un s ch 1 ü s sigkeit, besonders in bezug auf die Verwaltungspolitik soll bei den Arabern die Überzeugung gefestigt haben, daß die jüdische Einwanderung durch Gewaltakte unterbunden werden könne. Die Kommission ist im übrigen der Ansicht, daß die Anwendung des gegenwärtigen Mandates heute fast unmöglich geworden ist, und zwar von dem Tage an, da die Königliche Untersuchungskonunission und die Regierung der Mandatsmacht seihst das Mandat als unerfüllbar erklärt haben. Die Mandatskommission betrachtet deshalb das Abwägen, der Vor- und Nacht e i 1 e einer neuen Lösung als angebracht. Der Gedanke die heiligen Stätten sowohl den Arabern wie den Juden zu entziehen und sie einem besonderen Regime zu unterstellen, würde in den Augen der Kommission dem allgemeinen Frieden nur dienen, dies unter der Voraussetzung, daß sich dieses Regime auf Artikel 28 des gegenwärtigen Mandates 6tütze. Wenn der Teilungsvorschlag verwirklicht werden sollte, hinge sein Erfolg nach Ansicht der Kommission noch mehr von seinen Folgen auf die Beziehungen zwischen Arabern und Juden als von der territorialen Lösung ab. Weiches auch die Umsicht und der Gerechtigkeitswille sein mögen, mit welchem die Frage der Festlegung der Grenzen gelöst würden, stünde man zahlreichen einander widersprechenden Forderungen gegenüber, die nach Ansicht der Mandatsmächte bereits zum Mißerfolg des gegenwärtigen Mandatsregimes geführt haben. Die Kommission glaubt deshalb daran erinnern zu müssen, daß die Lage der Juden nicht mit der der Araber verglichen werden dürfe, da ein ausgedehntes Gebiet des Orientes, das früher von einer zahlreichen Bevölkerung bewohnt Und die Wiege einer glänzenden Zivilisation gewesen sei, heute den Arabern angeboten werde, während sich die Welt den Juden immer mehr verschließt. Obwohl die Kommission den Gedanken einer Aufteilung Palästinas grundsätzlich zu prüfen gewillt ist, steht eie nicht auf dem Standpunkt, daß sofort zwei neue unabhängige Staaten geschaffen werden sollten, da diese Staaten, die vom Völkerbundrat im Jahre 1931 angenommenen Bedingungen für die Aufhebung des Mandates kaum von Anfang an erfüllen könnten. Würden diese Staaten kompetente Regierungen besitzen? Wären sie in der Lage, ihre Integrität und ihre politische Unabhängigkeit zu wahren, die erforderliche Ruhe und Ordnung zu gewährleisten, eine geordnete Rechtssprechung zu garantieren, und würden sie über die erforderlichen finanziellen Mittel verfügen, die für eine moderne Staatsführung notwendig sind? , Die Kommission betrachtet deshalb die Bestimmungen zur Erlangung der politischen Reife, wie sie das Mandat darstellt sowohl für den neuen arabischen wie für den neuen jüdischen Staat als unbedingt erforderlich. Diese „Lehrzeit“ r könnte in der einen 'oder anderen der Mer vorgeschlagenen Formen durchgemacht werden: 1. provisorische Tei- 5. bis 11. September IQ37 Technische und Landwirtschaftliche Messe bis 12. September BEDEUTENDE FAHRPREISERMÄSSIGUNGEN Messeausweise k S 6.— bei der Wiener Messe-A. G., Wien, VIL, Messepalast — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuche der Rotunde & S 340 oder des Messepalastes k S 3.—) bei den Kassenschaltern des betreffenden Messehauses gefügt war, macht es vollends unmöglich. Die Zurückweisung der Behauptung durch das britische Unterhaus, durch den Zionistenkongreß und jetzt auch durch die Jewish Agency sind nur mehr Feststellungen von archivarischem Wert. Das Mandat ist nicht ausgeführt worden und es wird nicht fortgesetzt, weil England nicht mehr will. Zureden hilft da nicht,, zumal die ganze Haltung Englands von seinen Sorgen im Mittelmeer und neuerdings im Fernen Osten bestimmt wird. England will sich einfach auf seine militärpolitischen Interessen an der Ostküste des Mittelmeeres zurückziehen. Es will in Palästina bleiben, dabei aber durch die temporären, nicht befristeten Mandate und durch seine Enklaven Pfänder sichern und den einen Staat durch den anderen in Schach halten. Der Völkerbundrat wird im September die Frage zu prüfen haben, aber es ist nicht anzunehmen, daß er die Empfehlungen seiner Kommission, die ihre Kritik der Mandatsübung mit einem Lob der Administration abschließt,:in den .Wind schlagen .wird. Aus dieser Sachlage entsteht für uns die Notwendigkeit einer friedlichen und freundschaftlichen Ordnung, unserer Beziehungen zu den Arabern. Eine außenpolitische Konzeption, die den Anschluß des Judenstaates an die arabische Föderation ins Auge faßt, ist heute nichts als Zukunftsmusik. Erst muß der Staat stehen, erst müssen seine finanziellen Grundlagen gelegt sein, muß eine staatlich denkende Beamtenschaft erzogen sein. Das sind Fragen, zu deren Behandlung Ruhe und innere Sammlung vonnöten sind, und die es ausschließen, daß wir uns in irgend einer Weise durch europäische Intrigen in die asiatischen Händel hineinziehen lassen. Wir haben Juden aus Europa und dem Orient zu repatriieren und aus ihnen eine einzige Nation zu bilden. Für etwa 20 Jahre — darin stimmen alle Berechnungen überein — haben wir mit den Anfängen eines staatspolitischen Problems zu tun. Die Kraft des ganzen jüdischen Volkes muß mobil gemacht werden, um eine Aufgabe zu lösen, .wie sie nie noch xsa £in&m Kolk go- 1 u n g, wobei die beiden Staaten, die in bezug auf die innerpolitische Regelung weitgehende Autonomie und in bezug auf die Regelung der Einwanderung vollständig freie Hand erhalten, in allen Fragen der Landesverteidigung, der äußeren Angelegenheiten, der Zollpolitik usw. ihrer Mandatsmacht unterstellt würden. 2. G esondertes Mandat für jeden der beiden Staaten bis zum Augenblick, da sie genügend Beweise für ihre Fähigkeit, sich selbst zu regieren, erbracht haben. Die Kommission würdigt in ihrem Bericht das Werk der Mandatsmacht, die sich fast 20 Jahre bemüht habe, die aufeinanderprallenden feindlichen Leidenschaften in Palästina zu beschwichtigen, und schließt mit den Worten: Ohne die britischen Bemühungen gäbe es beute zweifellos kein jüdisches Nationalheim, aber auch keinen freien arabischen Staat. Pierre Orts wird die Mandats* kommlssion vertreten Genf, 25. August. (JTA.) Die Permanente Mandatskommission hat ihren Vorsitzenden Pierre Orts zu ihrem Vertreter bei den nächsten Tagungen das Völkerbundsrates und der Völkerbunds Versammlung bestimmt. Zu ihrer nächsten ordentlichen Tagung tritt die Mandatskommission am 4. November zusammen. Englisches Ministerkomitee Sur die Palästinafrage London, 25.. August. (JTA.) „Daily Telegraph“ meldet, daß der Premierminister Neville Cha-niberlain, der soeben von seinem Ferienaufenthalt in Schottland nach London zurückgekehrt ist, außer mit Minister Eden auch mit Lord Halifax und dem Kolondenminister Ormsby Gore, über das Palästinaproblem Besprechungen zu führen beabsichtigt. Ein panislamitischer Kongreß? Jerusalem, 25. August. (Harns.) Der Mufti organisiert einen panislamiti-. sehen Kongreß, dessen Aufgabe es sein werde, das zukünftige Statut von Palästina und eine gemeinsame Pro-' testbewegung zu prüfen. Der Kongreß ist für den 8. September vorgesehen- und soll in Damaskus stattfinden. Bemerkt sei, daß der Korrespondent der Havas-Agentur in Jerusalem ein Sekretär des Arabischen Komitees ist. Jaffa eine tote Stadt London, 25. August. (JTA.) „Daily Telegraph“ meldet aus Jerusalem: Die Unsicherheit über das Schicksal Palästinas hat eine ungünstige Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Löhne fallen, die Baubewegung hat sich verringert. Jaffa ist eine tote Stadt. In Tel-Aviv ist die Zahl der Neubauten .um 50 Prozent zurückgegangen. standen ist. Aber was wir bisher geleistet haben, daß wir aus den Kolonien ein Mutterland geschaffen haben, — daß wir vom Kolonisieren bis zur Staatsfrage gelangt sind, das gibt uns die Hoffnung, daß wir unseren Staat auf bauen werden. Die Verwirrung, die der englische Plan hervorgerufen hat, zu lösen, ist nicht unsere Sache. Wir haben diese Situation nicht herbeigeführt, die aus dem inneren psychologischen Zwiespalt Englands zwischen Ruhebedürfnis und imperialer Sicherung entstanden ist. Wir haben den Judenstaat zu bauen von Dan bis Beerscheba, von Haifa bis zum Jordan. Erreichen wir dies jetzt nicht, so wird die Zukunft dies revidieren. Alles ist Frage der Zeit. Wir sind im Land und stehen fest auf seinem Boden. Dies erreicht ,zu haben, ist schon Lehrzeit genug. Aber auf ein paar Jahre kommt es in der jüdischen Geschichte nicht an. Wenn die zionistische Organisation einig ist und nur die Arbeit gelten läßt, dann wird sie auch das Werk zu vollenden und zu sichern .verstehen.

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