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Die Stimme · 1937-08-20 · Heft 670 (20.8.1937) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 670 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Wien, Freitag, 20. August 1937. — Nr; 670. Seite 7 PIMTIMMi I RUNDSCHAU | DIB ü. V. A. 0., dio Nachfolgerin des „Phönix“, bietet sich in einem Inserat, der „Austria-Nachrichten“, des Organs des betontnationalen Deutschen und österreichischen Alpenvereines, dem Leserkreis dieses Blattes folgendermaßen an: „österreichische Versiehe* rungs-A. G., die größte bodenständige Versicherungsgesellschaft Österreichs.“ Das Inserat. ist, in Folge 7 auf Seite 113 der genannten Zeitschrift erschienen. Das Vorgeben dieser Gesellschaft gegenüber den jüdischen Angestellten des ohemaligen „Phönix“, von denen nur soviel übernommen wurden, wie der „Prozentnorm“ entsprach, und ihre weitere Pcrsonalpolitik, die sich in der Richtung eines konsequenten Abbaues auch dieser wenigen jüdischen Angestellten bewegt, rechtfertigt den Text des Inserats schon zu 99 Prozent. Diese Gesellschaft ist tatsächlich 'bodenständig in dom Sinn, wie man das Wort in den Kreisen verstellt, an dio sich das Inserat wendet. Es haben gerade jetzt wieder drei festangestellte jüdische Inkassanten die Kündigung bekommen, so daß höchstens noch fünf „Nichtbodenständige“ bei der ö. V. A. G. in festem Angestelltenverhältnis sind. Aber das Unternehmen sollte nun endlich doch auch nach einer anderen Seite die Konsequenz aus seiner Bodenständigkeit ziehen — den Kunden gegenüber. Es tut das Gegenteil. Die Werbung in jüdischen Kreisen wird gerade jetzt besonders lebhaft betrieben, wobei man den Leuten erzählt, es sei gar nicht wahr, daß die ö. V. A. G. in ihrem Botrieb judenfeindlich sei, im Gegenteil, es seien noch immer Juden, sogar als Filialleiter, angestellt. Man nennt bereitwillig sogar auch die Namen dieser Filialleiter. Das Malheur ist nur, daß diese Herren aus dem Judentum längst ausgetreten sind. Also nicht» einmal echte Parade-Juden hält man. Der Vollständigkeit halber sei Übrigens noch erwähnt, daß die drei Inkassanten — wir nennen auch ihre Namen: Herzberg, Kneller und Mahler — gleichzeitig mit der Kündigung die Mitteilung erhalten haben, es stehe ihnen frei, als Werber gegen Provision weiter für die Gesellschaft tätig zu sein. Für dio Bearbeitung des jüdischen Publikums braucht man nämlich wirkliche Juden. Wir glauben, eine solche Politik ist eines Unternehmens, hinter dem der Staat steht, zumindest unwürdig. IN NÜRNBERG hatte der Warschauer Universitätsprofessor Glaser ein aufregendes Erlebnis. Glaser, ein bekannter Strafrechtslehrer, benützte dib Reise zum Haager Kongreß für vergleichende Rechtswissenschaft zu einem Be-, such verschiedener deutscher Städte. Als er nach Nürnberg kam, fand dort gerade ein Prozeß gegen zwei junge katholische Geistliche wegen angeblicher Sittlichkeitsverbrcohen statt. Glaser wollte der Verhandlung beiwohnen und obwohl er dies, da die Öffentlichkeit nicht ausgeschlossen war, ohne besondere Formalität hätte tun können, wandte er sich an den zuständigen' Gerichtsbeamten, einen Landgeriehtsrat, doch um besondere Erlaubnis. Er bekam sie, ja man wies ihm höflich sogar einen besonderen Platz Im Guriehtssaal an. Kaum hatte er sich gesetzt, wurde er durch einen Aufsichtsbeamten hinausgerufen. Man führte ihn in ein .Zimmer, in dem sich ihm oin sonderbarer Anblick bot. Längs der Wand standen in Reih und Glied eine Anzahl Geriehtsbeamte, etwa ein Dutzend. Kurz darauf erschien noch oin Herr im Zimmer.. Der fuhr wütend, mit rollenden Augen auf Glaser los: „Ich bin Julius Streicher. Sie kennen mich wohl?“ Das war die Einleitung zu einer Soliimpfszene ohnegleichen. Fast eine halbe Stunde ging das ohne Unterbrechung, bald gegen den Professor, bald gegen die Beamten. Glaser sei nichts als ein Spion wie jene amerikanische Juristin, die vor wenigen Tagen bei einem Prozeß erschienen sei und die. Frechheit gehabt habe, gegen die Art der Führung der Verhandlung zu protestieren, „diese amerikanische H . . Die Gerichtsbeamten, die Glaser in den Saal gelassen hätten, würden die Folgen zu tragen haben. „Wenn es“, so sagte Streicher, „noch ein Italiener gewesen wäre, aber ein Pole!“ Nachdem' Streicher sich aq^getobt hatte, ließ er Polizeibeamte rufen, damit sie Glasers Papiere prüften. Das geschah, so betonte 'Glaser .in seinem Bericht über den Vorfall, den er auf dem klaager Juristenkongreß erstattete, mit ausgesuchter Höflichkeit. Seine Papiere waren natürlich in Ordnung. .Man brachte ihn in einem Polizeiauto in &6ih Hotel und fragte ihm, was er nun zu tun beabsichtige. Glaser verlangte als Antwort die Hotelrechnung. Mit dem nächsten Zug verließ er Deutschland. DER TISZA-ESZLARER-PROZESS hat, wie wir jüngst berichten konnten, in dem Neffen des Untersuchungsrichters Bary einen neuen dramatischen Bearbeiter: gefunden. Es lmt sich aber noch ein zweiter Ungar, ein Herr Josef Erdöiyi, durch die Wiedererweckung der Erinnerung an diesen Fall, den die Ungarn wirklich im eigenen Interesse der Vergessenheit überantworten sollten, zu einer dichterischen Schöpfung inspirieren lassen. Das Machwerk hat in Ungarn — nicht nur bei den" Juden — helle Entrüstung hervorgerufen. Die jüdische Wochenschrift „Egyenlösßg“ aber wartet jetzt mit einer besonderen Pikanterie auf: Seit einiger Zeit befinde sich in der Redaktion des Blattes ein gleichfalls vön Erdölyl stammendes Gedieht, betitelt: „Der Gesang Moses“, das aus — Platzmangel bisher nicht. veröffentlicht Worden sei, ■ nunmehr aber nicht länger dem Publikum vorenthalten werden könne. Es ist 'ein literarisch wohl mehr als mangelhaftes, iaber wirklich begeistertes und begeisterndes Gedicht von dem jüdischen Führer, der mit .seinem Volk aufgebrochen ist, um die Ewigkeit izu erobern ...; WÜRDIG dieses Erdelyi Ist Frau Margit jlzsdki,. die jüngst in der antisemitischen Zeitung „Magyarsäg“ einen von Widerwärtigkeiten strotzenden Bericht ttbeT die jüdischen iGäste eines Plattensee-Bades veröffentlichte. •Auf das Pamphlet antwortete ein Klausenburger Jude, Gberingenieur Bela Hexner, mit einem offenen 'Brief, in dem erzählt wurde, daß Frau Margit Izsäky’ die Tochter einer gutjüdischen Klausenburger Familie sei, die ein- 5698 Neujahrsgratulationen in der SVUMML Die Neujahrsnummer der „Stimme? erscheint Freitag, den 3. September 1937 . in verstärktem Umfang mit interessanten Festbeiträgen Der Preis der Einschaltungen: S 6.—, in doppelter Größe S 10.— fach Isaak heißt. Durch magyarische Orthographie und Hinzufügung eines y, das im Magyarischen ein Hinweis auf adeligen Rang ist-, hat sie sich bodenständig getarnt, Jehuda. Wiener KINDER-LIDO 25 Minuten vom Zentrum, hochgelegen. Belm Hause: Schwimmbad, kalte u. warme Duschen, Sport- und Spielplatz, Llegewtesen. Heller,; 180 m1 großer Saal bei Schlechtwetter. Inkl.. reichl. Mittagessen, Jause und Fahrt S 18*50 pro Woche. Sorgfältige Aufsicht.' Aaftknntt:' Telephon U 14-908 nur von 8 bis 9 Uhr abends. DIE KINDER-STIMME REDIGIERT VON LILIAN GRÜNWALD Was ich in den Ferien tue Liebe Dodah Lilli! Ich will der „Kinderstimme“ gerne erzählen, wie ich meine Ferien verbringe. loh bin nämlich in einem Ferienheim. Zuerst wollte ich nicht gerne hinfahren, aber jetzt tut es mir leid, daß es nicht das ganze Jahr dauert. Wir haben nämlich jeden Tag eine große Hetz. Wir machen aber auch nützliche Sachen. Da ist zum Beispiel in unserer Nähe ein verfallenes Häuschen, es schaut so aus wie ein Hoxenhäuschen von Häusel und Grefcel, und drin wohnt auch so eine uralte Frau, die wie eine Hexe ausschaut. Aber böse ist sie nicht. Ihr Häuschen und ihr Garten ist ganz verwildert und verfallen und sie ist schon zu alt, um es zu richten. Da haben wir eines Tages Ordnung gemacht. Wir haben Bosen und Sohaufol genommen, die Wege gesäubert, das Reisig auf einen Platz zusammengetragen und dann haben wir eine Anzahl Stufen erneuort, die ganz hin waren. Wir haben in die Erde rechtwinklige Stufen gegraben und sie mit Steinen gestützt und belegt. Kaum hatten wir mit der Arbeit begonnen, kam der Flurwächter, er glaubte, wir wollten etwas anstellen. Aber dann sah er unsore Arbeit und lobte uns. Als wir fertig waren, waren wir recht müdo, aber auch zufrioden. Den größten Spaß habe wir an Regontagon. Da wird Theater gespielt. Wir haben aber keine langen, schweren Rollen. Es wird ein Witz orzählt und dor wird dann gespielt und oft etwas dazugediohtet. Oft mllsson wir so lachen, daß auch die Schauspieler lachen und frisch zu spielen beginnen müssen. Auch beim Essen lachen wir sehr viel. Da passiort immer was Komisches. Vor allem, wenn wieder Kürbiskraut uns angekündigt wird — das können nämlich allo nicht leiden — und dann kommt doch etwas andores, sehr Gutes. 'Samstag bekommen wir immor Schnitzel. Und da ist os passiert, daß unsere Leiterin ankündigto: Ja, aber heute kommt wirklich Kürbiskraut, allerdings in Form von Ivürbis- Botinltzoln. Also, die Schnitzeln wurden still verzehrt. Einigo Tage später meldet sich einer von uns: „Bitte, Frau Leiterin, meine Muttor läßt um das Rezopi von Kürbissehnitzoln bitten/’ „Kürbisschnitzeln kouft’ ich nicht?“ „Aber wir haben sie doch Samstag gehabt,“ „So, du hast das wirklich gelaubt?“ Nun ging ein Gelächter los und mit en Kürbisschnitzeln wird der Arme noch oft verulkt. Bei uns ist es auch so, daß die Kinder, die sich anständig aufführen, ihr Lieblingsgerioht bestellen können. Und wer noch nie eine Strafe bekommen hat, kanh Schöffe beim Schülergericht werden. Unangenehm ist nur die Liegestunde. Wir dürfen zwar im zweiten .Teil, der Liegestunde,: wenn wir brav waren, lesen, aber.schrecklich; ist cs doch. W7ir lesen in der Liegestunde sehr oft die Zeitschrift „Die jüdische Jugend“ und auch die „Kinderstimme“. Auf die Liege-, stunde haben wir gedichtet: Dio Liegostund’ ist a Tierquälerei — Man geht dran zugrunde —- und lacht noch dabei! Mit vielen Grüßon i Dein 1 Fritz Popper; MH» spielet* und lernen dabei etwas Hebräisch i 25. Spiel: I Wer fürchtet sich vorm Satan? Auf einem größeren Platz zu spielen.- Zwei Parteien bilden wir, die an den entgegengesetzten Seiten reihenweise, einander gegenüber, Ihre Aufstellung nehmen. Der Satan steht an der einen Seite) des Platzes allein. Er stürzt der Reihe ent-,» gegen mit dem Rufe: ‘ Text I. Text n. Text III. Wer fürchtet mi jar« et baßden Satan? ßatsn - tty •«* •; Niemand! Kf echttd Art TV Die Kinder suchen, seine Seite zu gewinnen; während er ihrer Seite zuläuft, sucht er, das oino oder das andere zu hasoheu. Wen er berührt hat, gehört nun zu seinen Gefangenen und muß ihm nun fangen hölfen. Wer als einziger übrig bleibt, wird Satan,; Du bist gofangen aßir attäh hin# TD Hi) ich hjrtm dich nagä-ti. b'cba , |& *$ja) Hans Christian Andersen und die Joden (Aus 'einem demnächst erscheinenden Buch: „Juden im Spiegel nordischer Dichtung“ von : j ‘ Lilian Grünwald.) Glückspeter (12. Fortsetzung.) Es verging indessen eine länge, lange Zelt, bevor die ersten Proben begannen. Es. hätte keine Eile: mit, seinem Auftreten, meinte sein Meister; endlich kam es heran. Er war nicht nur Sänger, sondern er war auch Schauspieler, und seine ganze, Persönlichkeit war für die Rollo geeignet. Chor und Orchester jubelten ihm den ersten großem Beifall zu; mit der höchsten Erwartung sah man dem Vorst&llungsabend entgegen.. „Man kann daheim im Schlaf rock ein großer Schauspieler 6ßin“, sagte ein „wohlwollender“ Kollege, „man kann sehr groß beim Tageslicht sein, aber sehr mittelmäßig vor den Lampen im vollen Hause. Jetzt wird es sich zeigen!“ Peter verspürte keine Angst, nur., eine glühende Sehnsucht nach dem entscheidenden Abend. ,. ... Der Gesangameister hingegen war außerordentlich febril; Peters Mutter hatte nicht den Milt, ins Theater zu gehen; sie würde krank werden vor Angst um ihren geliebten Jungen; Großmutter war krank,;' sie solle zu Hause bleiben,' hatte, der Arzt gesagt, aber die treue Freundin, Madam Hof, versprach hoch am selben Abend Nachricht zu bringen, wie es gegangen sei. Sie wollte und mußte Ine Theater, und wenn .sie in den letzten Zügen läge. Wie lang der Abend doch war! Wie dehnten sich die drei, vier Stunden in die Unend- Rätselecke Magisches Quadrat 1. Bibi. Männergestalt. 2. Unbest. Zahlwort. 3. Reitersoldat; 4. Frühling (poet.). liebkeit. Großmutter sang einen Psalm; betete mit Mütter zusammen zu dem gütigen Gotte für den lieben Peter, daß er auch an diesem Abend Glückspfeter sein möge. Die; Zeiger auf der Uhr drehten sich so langsam* „Jetzt fängt Peter an!“ sagten sie. „Jetzt ist er mitten drin! Jetzt hat er es Überstanden!“ (Fortsetzung folgt.} In unserem Land ICtCtWWtttttttttttWCCCMI Ein Markenalbum Mehr als 40.000 Kinder in Erez Israel loerben für Tozereth Haarez, für die Erzeugnisse ihres Lundes. Die Kinder bitten ihre Eltern, daß daß sie nur Landeserzeugnisse (Tozereth Haares) verwenden. Denn die Waren und Früchte aus anderen Ländern müssen dorthin bezahlt werden — und um so viel weniger Geld, das heißt Arbeit und damit die . Möglichkeit zu leben bleibt im Lande. Bel jedem Einkauf van Tozereth- Ilaarez-Artikeln gibt der Kaufmann eine besondere Marke. Die Kinder sammeln und kleben diese Marken' in hfafür bestimmte Markenalben ein. Bei diesem Mafkehsammeln lernen ' die Kinder auch etwas: denn auf den Marken sind die verschiedensten Landes- und Industrieprodukte abgebildet, und so erfahren die Kinder, auf welchen^ Gebieten ihr Land herstellungsfähig ist. Die Tätigkeit des Markensammm ist mit dem Gebet: den Boden des Landes zu erlösen verknüpft; jedes Kind, das drei Alben voll Marken gesammelt lmt, erwirbt damit ein "Anrecht auf einen Setding 7TÜ1 lih K’mderwdld des Keren T Kaj'emeth in Kirjath Änawim und es erhält auch darüber ein Zeugnis vom K. K. In den Schulen werden diese Zeugnisse verteilt. Bis Ende dieses Jahres hoffen wir, daß wenigstens j e d e s. Kiiid einen Setzling im Kindenoald erworben haben wird. Und was können wir — in der Golah — für Tozereth Haarez tun?

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