Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 669 (17.8.1937)
- Date
- 1937-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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9k 'Stimme V. b. b. 20 g JÜDISCHE ZEITUNG i Nr. 669 Wien, Dienstag, 17. August 1937 . X«. Elul *697 io. Jahrgang Vor den Schluß des XX. Kongresses Die Wahl der neuen Exekutive Völkerbundrat 1$. September bis 15. Oktober gestern abends in der Permanenz-Kommission geltend machte, als Stephen W i s e in einer sehr scharfen Rede ßich gegen die Linke wandte und ihr verwarf, daß für eie zuerst die Hietadruth und dann erst Erez Israel käme. Der Kongreß wird jedenfalls heute zu Ende gehen, zumal auch das Theaterge-bäude heute abends nicht mehr zur Verfügung steht. Eine Erklärung von 60 Jasagern Im Kongreß hat gestern abends der palästinensische Anbeiterdelegierte M e reminsky im Namen von 60 Mitgliedern seiner Fraktion eine Erklärung verlesen, in der es heißt, daß diese Delegierten mit ihrem Ja für die Mehrheitsresolution nicht auch zugleich für die Teilung gestimmt hätten, die sie vielmehr verwerfen. Eine solche Erklärung im nachhinein kann natürlich nicht verwischen, daß die 60 Delegierten einfach umgefallen sind. Material für das Aktionskomitee Wahrscheinlich wird das gesamte von den Kommissionen bereitgestellte Material nicht mehr vom Plenum behandelt, sondern dem Aktionskomitee zur Beratung und Beschlußfassung überwiesen werden. die Lage an Ort und Stelle in Palästina nochmals prüft. Diese letztere Eventualität wird nur erwähnt, doch ist sie kaum plausibel. Nach dem Beschluß des Völkerbundrates, also um Mitte Oktober, wird wieder die englische Regierung ihre definitiven Anträge formulieren und diese dem Unterhaus und dem Oberhaus vorlegen. Es ist demnach für die Bemühungen der Jewish Agency genügend Zeit, um mit allen maßgebenden Faktoren in Verbindung zu kommen. Die Revisionisten Aus Kreisen der Exekutive wird lanciert, daß der nächste Kongreß nicht mehr als 300 Mitglieder zählen soll. Es heißt auch, daß die Revisionisten sich an den Wahlen für diesen nächsten Zionistenkongreß beteiligen wollen, um auf diese Weise seine Beschlüsse mitbeeinflussen zu können. Verhaftungen in Jerusalem Jerusalem, 16. August. (Tel.) Während des Wochenendes ist es zur Verhaftung zahlreicher arabischer Führer gekommen. Die Verhaftungen wurden vorgenommen, da sich in der letzten Zeit mehrere Überfälle auf Juden ereignet hatten. Unter den Verhafteten befindet sich der Sekretär des arabischen Komitees. Die Arbeiterzählung in Palästina Jerusalem, 12. August (JTA.). Am 2. März hat der Allgemeine Arbeiterverband „Hist adrut“ unter Mitwirkung des Hapoel Hamisracbi, der Poale Agudat Jisrael und des Verbandes der jemenitischen Juden eine Zählung der jüdischen Arbeiterschaft aller Kategorien durchgeführt. Es wurden 104.159 Arbeiter (72.699 Männer und 31.460 Frauen) gezählt. Außerdem erfaßte die Zählung 35.431 im Haushalt tätige Frauen sowie 59.793 Arbeiterkinder. Insgesamt wurden 19 9.3 83 Personen als Angehörige der Arbeiterschaft erfaßt. Die jüdische Gesamtbevölkerung Palästinas betrug anfangs März 410.000 bis 415.000 Seelen. Die Arbeiterschaft einschließlich der Frauen und Kinder machte somit 48% des Jischuw aus. In den Städten wurden 63.283 Arbeiter und Arbeiterinnen (607%), in den Kolonien 26.812 (25‘8%) und im Haushalt (135%) gezählt. Der Waffenschmuggel nach Palästina Jerusalem, 12. August („Daily Telegraph“). Einige der Araberbanden, die in den Palästinaunruhen eine so verhängnisvolle Rolle gespielt haben und später über die Grenze geflohen sind, machen nach einem Bericht des Korrespondenten des „Daily Telegraph“ den Versuch, ihre Tätigkeit in Palästina wieder aufzunehmen. Einer der Führer, Karfri Adel Hadzi, der im Irak Zuflucht gesucht hatte, soll mit 50 seiner Anhänger zunächst nach Syrien zurückgekehrt sein. Geheimagenten sollen, wie der Korrespondent weiter berichtet, regelmäßig zwischen Palästina, Syrien und dem Irak reisen und den Kontakt zwischen den einzelnen Bandenführern aufrechterhalten. Aus dem Hauptquartier in Damaskus werden trotz schärfster Wachsamkeit der britischen Grenzbehörden ständig Waffen und Munition nach Palästina geschmuggelt. Propaganda gegen die Teilung in Transjordanien Jerusalem, 13. August. (JTA.) In Transjordanien hat die Polizei Aufrufe beschlagnahmt, in denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, ihr Leben aufs Spiel au setzen, um die Einheit Palästinas zu retten. „Davar“ meldet, daß jugendliche Araber alle Dörfer aufsuchen und die Fellachen auffordern, ihre Waffen gut zu verwahren, da die kommenden Unruhen einen viel größeren Umfang haben würden als die letzten. Jeder, der an die Fellachen mit dem Ansinnen horantreten sollte, Waffen zu verkaufen, müsse geschlagen und vertrieben werden. In Jaffa haben vier bewaffnete Araber das Haus des bekannten arabischen Rechtsanwalts El Imam nachts überfallen, seine 60jährige Schwester erschossen und seinen 14jährigen Sohn verwundot. Der Rechtsanwalt hatte in letzter Zeit zahlreiche Drohbriefe erhalten. Paßzwang zwischen Transjordanien und Palästina. „Havas“ meldet aus Aman: Die transjordanischo Regierung' hat angeordnet, daß im Verkehr zwischen Transjordanien und Palästina Reisepässe zur Anwendung kommen. Durch diese Maßnahme beabsichtigt die transjordanischo Regierung dio Kontrolle über die Verschiebungen lästiger Elemente und über dio Einwanderung palästinensischer Tenoristen au erhöhen. Zürich* 16. August. (Eigenbericht.) Der Kongreß hat gestern eine Nachtsitzung äbgehalten, in der die Wahl der neuen Exekutive hätte vorgenommen werden sollen, doch wurde die Sitzung um Mitternacht abgebrochen, da biß dahin noch keine Einigung unter den Parteien zustande gekommen war. Der Kongreß setzte seine Arbeiten heute um 10 Uhr vormittags fort und es besteht die Hoffnung, daß er noch mittags wird geschlossen weiden können. Die Exekutive dürfte in derselben Weise wie bisher zusammengesetzt werden, doch heißt es, daß an Stelle des Professors Brodetsky als Leiter des Politischen Departements Herr Namier, Professor der englischen Geschichte an der Universität Manchester, vorgeschlagen werden soll. Im übrigen verlangt die Opposition, daß fünf Mitglieder der Neinsager in die Exekutive gewählt werden, deren Sitz in London sein soll, um dort jederzeit an den Verhandlungen mit der britischen Regierung und dem Unterhaus teilnehmen zu können. Die Linke, hinter der Professor Weizmann steht, will jedoch nur eine aus neun Mitgliedern bestehende Ankunft empfing Ormsby Gore den Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agence, Professor Chaim Weizmann. Kurz danach teilte Minister Ormsby Gore mit: Dr. Weizmann, mit dem ich hier zusammengetroflfen bin, übergab mir die vom XX. Zionistenkongreß angenommene Resolution; er ist der Meinung, dafi diese Entschließung des Kongresses die Tür für Verhandlungen geöffnet habe. Unmittelbar nach Schluß der Tagung des Völkerbundrates im September werden die Verhandlungen über die Durchführung der Empfehlungen der britischen Königlichen Kommission aufgenommen werden. Ormsby Gore fügte hinzu, er glaube nicht, daß d ieRegierungdes Irak auf der Septembertagung des Völker- Minister Ormsby Gore wohnte einer Sitzung der Mandatskommission bei, in der er sich wiederum für den Teilungsplan einsetzte. Nach einer Information des Korrespondenten des „Daily Telegraph“ hat Ormsby Gore die Unmöglichkeit dargelegt, daß das Mandatssystem in seiner jetzigen Form weitergeführt werde. Die Mitglieder der Kommission bestürmten den Minister mit Fragen über die Unruhen in Palästina 1936 und die Methoden ihrer Bekämpfung seitens der Administration. Diese Methoden wurden einer sehr scharfen Kritik unterzogen. Ormsby Gore wurde insbesondere gefragt, ob eine Verwirklichung des Teilmigsplanes der Peel-Kommission durchführbar wäre, ohne daß es zu weiteren Zusammenstößen kommen würde. 14 064 (Politische Kommission zugestehen, Da man aus früheren Erfahrungen weiß, daß eine derartige Kommission nur einberufen wird, wenn es der Exekutive so genehm ist, so weigern sich die Neinsager au* dieses Kompromiß einzugehen' Jedenfalls herrscht eine gereizte Stimmung, die sich Die ganze Aufmerksamkeit der Delegierten ist nunmehr der Frage gewidmet, wie der weitere technische Fortgang der Teilungsangelegenheit sein wird. Die Mandatskommission wird ihren Bericht am Mittwoch oder Donnerstag fertigstellen und ihn an den Völkerb u n d r a t leiten, der vom 15. September bis 15. Oktober in Genf tagen wird. Wahrscheinlich wird der Völkerbund in der Palästinafrage denselben Vorgang beobachten wie bei dem türkisch-französischen Konflikt über Alexandrette. Es wird eine Subkommission gebildet werden und sie dürfte unter dem Vorsitz des schwedischen Außenministers Sand, ler stehen. Ihre Anträge werden dann vorn Plenum des Völkerbundrates behandelt werden. Der Rat wird entweder sofort beschließen — was der wahrscheinliche Fall ist — oder er wird wieder eine Kommiißsion bilden, die Weizmann bei Ormsby Gore: Die Verhandlungen im September Genf, 13. August (JTA.). Der britische I bundrates eine scharfe Opposition gegen Kolonienminister Ormsby Gore ist am Don- Teilungsplan einnehmen werde, nerstag hier eingetroffen. Sofort nach seiner Gegen die Politik des Verxichts Zürich, 13. August. Mit 300 gegen 158 Stimmen hat der Kongreß die von der Exekutive vorgesohlageme Resolution angenommen, durch die die Exekutive ermächtigt wird, Verhandlungen über die zukünftige Gestaltung Palästinas zu führen. Eine rührige offiziöse Propaganda war und ist am Werk, um der jüdischen Welt einzureden, die zur Annahme gelangte Resolution bedeute gar nicht die Zustimmung zur Teilung Palästinas und erst der nächste Kongreß werde engültig über Teilung oder Ablehnung der Teilung entscheiden. Das ist ein gefährlicher Trugschluß. Richtig ist zwar, daß die angenommene Resolution nicht ausdrücklich von der Teilung spricht. Es heißt nur: „Der Kongreß bevollmächtigt die Exekutive in Verhandlungen einzut.reten, um die genauen Bedingungen der britischen Regierung für die Errichtung des Judenstaates festzustellen.“ Nun hat sich die englische Regierung bereits für die Teilung ausgesprochen, und Ben Gurion und Weizmann haben dasselbe im Plenum des Kongresses und in der Politischen Kommission getan. Weiters haben sich die Vertreter der „Jasager“ in der Debatte für die Teilung in aller Öffentlichkeit ausgesprochen. Es kann daher kein Zweifel darüber herrschen, daß die angenommene Resolution die grundsätzliche Annahme einer Teilung mit einigen Verbesserungen gegenüber dem Plan der Königlichen Kommission bedeutet. Die geschickte Stilisierung kann darüber nicht hinwegtäuschen. Auch die Bestimmimg, daß die Exekutive weder sich noch den Kongreß binden kann, ist kaum mehr als eine Phrase. Weizmann wird wegen einer Teiltmg des Landes verhandeln, genau so, wie er seit dem Jänner 1937 yerhandelt hat, ohne die Exekutive zu befragen. Aber auch dann, wenn er im Einvernehmen mit der Exekutive verhandeln wird, muß zwangsläufig die Tendenz zur Teilung unverändert bleiben. Denn die Jasager sind eine erdrückende Mehrheit in der Exekutive, und der Kongreß hat der Exekutive eine Vollmacht zu Verhandlungen gegeben. Verhandeln kann nur heißen: Vorschläge machen, Gegenvorschläge entgegennehmen und eine Abmachung unter der Bedingung der Annahme durch den nächsten Kongreß treffen. Man sieht also, daß die Klausel, daß sich die Exekutive nicht banden darf, kaum von besonderer Bedeutung ist. Man stelle sich vor, in welcher Lage sich der nächste Kongreß, der im nächsten Jahre zusammentreten soll, befinden wird! * Ist aber alles verloren? Keineswegs. Der Druck der Neinsager war schon auf diesem Kongreß sehr stark, obwohl die Exekutive alles getan hat, um die zionistische Öffentlichkeit über den Stand der Dinge im unklaren zu lassen. Hätte die Exekutive, was ihre Pflicht gewesen wäre, für eine rechtzeitige Information der Öffentlichkeit gesorgt — seit Jänner war Zeit genug dazu —, dann wären die Kongreßwahlen unter der Devise „Für die Teilung“ oder „Gegen die Teilung“ geführt worden, und dieser 20. Kongreß hätte entscheiden können. Das wollte aber offenbar das Politische Departement der Exekutive nicht, weil man dort eine Majorität von Neinsagern befürchtete. Trotz allem mußte aber die Exekutive erkennen, daß ihr Überraschungsmanöver nicht gelungen ist. Die Zahl der Neinsager wuchs von Tag zu Tag. Unter diesem Druck mußte die Exekutive viel Wasser in ihren Wein gießen. Obwohl die Neinsager in der Politischen Kommission jede Diskussion über die von der Exekutive vo~geschlagene Resolution ablehnten, wurden fortwährend Verbesserungen eingefügt, die dem Standpunkt der Neinsager Rechnung trugen, so daß die Punkte 1 bis 6 bei einer punkteweisen Abstimmung vielleicht auch die Zustimmung der Neinsager hätten finden können. Für die letzten beiden Punkto aber, die eine versteckte Zustimmung zu einer Teilung Palästinas bedeuten, war diese Zustimmung nicht zu erzielen. Hier schieden sich die Geister. Seit