Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 667 (10.8.1937)
- Date
- 1937-08-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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&»Tt* 0 Oll ST1MMI Nr. 667. — Wien, Dienstag, 10. August 1937. Hinkel Diktator im jüdischen Pressewesen Berlin, 5. August. (JTA.) Der Reidisminisftier für Volksaufkläruug und Propaganda hat verordnet, daß alle Personen und Unternehmungen des jüdischen Pressewesens im deutschen Reichsgebiet. vom Sonderbeauftragten des Reichsministers, Reichskulturwalter Hinkel, erfaßt werden. Die in den Verlagen und Unternehmen der jüdischen Presse tätigen Personen werden in amtlichen Listen eingetragen und erhalten durch Bescheinigung oder Ausweis die Zitlassungsgenehmigung. Nach dem 1. Oktober 1937 dürfen Personen ohne Bescheinigung oder Ausweis im jüdischen Pressewesen nicht mehr tätig sein. Szalasy verhaltet Budapest, 8. .August (ITA.). Die politische Polizei hat auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft den Führer der in der aufgelösten Partei des Nationalen Willens konzentriert gewesenen radikalen Antisemiten, Major a. D. Franz Szalasy, festgenommen, nachdem im Verlaufe einer Hausdurchsuchung belastendes Material bei ihm beschlagnahmt worden war. Einer seiner Flugschriften enthielt ein Programm der vollständigen Entrechtung und zum Teil Enteignung d-er Juden in Ungarn. Der getaufte Jude als Naziführer Das „Grazer Volksblatt“ vom 1. August meldet aus Innsbruck die Verhaftung des bekannten Branntweinhändlers D u b s k y wegen nationalsozialistischer Umtriebe. Dubsky, der sich vor einem halben Jahr hat taufen lassen, erhielt sechs Monate Arrest als Polizeistrafe und wird sich noch vor dem Landesgericht zu verantworten haben. Grabsteiusetzung für Stefan Lux Genf, 8. August (ITA.). Anläßlich der ersten Jahrzeit von Stephan Lux hat die Jüdische Gemeinde Genf auf dem Grabe des Toten am Friedhof Veyrier einen Grabstein errichten lassen. Die religiöse Feier fand in Anwesenheit des Präsidenten der Gemeinde Armand Brunschwig und zahlreicher Mitglieder des Gemeindevorstandes statt. Nach den rituellen Gebeten gedachte Oberrabbiner Poliakof der Persönlichkeit des Verstorbenen. Lux' Opfertod, sagte er, sei nicht genügend verstanden worden. Er hat nur ein schwaches Echo, keine energische Antwort gefunden. Leider gebe es noch allzuviele, die sich in einer gefährlichen Ruhe wiegen. Diese mögen bedenken, daß auch für sie einmal weniger glückliche Tage kommen können. Viele Juden wollen nicht begreifen, daß Einigkeit und Solidarität allein imstande sind, die täglich wachsende Gefahr von uns abzuwenden. Ausstellung gegen den Nationalsozialismus Von befreundeter Seite wird uns geschrieben: Aus einer Mitteilung in deutschen Zeitungen ist zu entnehmen, daß Gauleiter Streicher die Durchführung einer Ausstellung plant, die in denkbar größtem Stile gehalten sein und sich mit einem einzigen Gegenstände befassen soll: „den verhängnisvollen Einfluß des Judentums in der Weltgeschichte plastisch darzutun“. Bei der propagandistischen Geschicklichkeit der maßgebenden Kreise ist zu besorgen, daß diese Ausstellung — wahrscheinlich eine einzig dastehende Gesohichtsverfälschung — internationale Zugkraft ausüben und die noch nicht infizierten Kreise auch m den Bannkreis des Nationalsozialismus ziehen soll oder ziehen kann. Argumente gegen eine solche groß aufgezogene Darstellung werden, der großen Masse wenigstens gegenüber, wirkungslos sein; meines Erachtens wird es nur eine einzige Möglichkeit geben, die Interessen der verleumdeten Judenheit tatkräftig wahrzunehmen und an Stelle trockener Argumente lebenswahre Argumente und Tatsachen der Welt vorzufübren: die Durchführung einer Gegenausstellung in einem der großen Zentren Westeuropas. Eine solche, im gleichen Ausmaße gehalten, würde der Welt plastisch die Unwahrheiten der nationalsozialistischen Theorien vor Augen führen. Anläßlich der Tagung des Zionistischen Weltkongresses möchte ich dies jetzt schon an regen. Die Anregung ist sehr erwägenswert. Es ist tatsächlich bisher jedweder aktive Schritt gegen die interpational«! Verhetzung de)* WIZO-Weltkonferenz geschlossen ZUricb, 8. August. (JTA.) Die leitenden Körperschaften ues Weltverbandes zionistischer Frauen wurden auf der 9. WlZO-Konferenz in der bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Nur in der Galuth - Exekutive tritt für Südafrika Frau Doktor R e i n h o 1 d an die Stelle des bisherigen Exekutivraitgliedes Frau Ethel Hayman. Der Galuth-Exekutive gehören an (mit dem Sitz in London): Olga Al man, Edith Eder, Olga Epstiein, Frederique Feldman, Roma na Goodman, Henrietta I rw e 11, Mirjam Sacher, Rebecca D. Sie ff, Dr. Celina Sokolow, Ethel Solomon, Sara Stein-Kitai und Dr. Vera Weizmann; als kontinentale und überseeische Mitglieder: Dr. Mirjam Scheuer - Goldes und Hanna Steiner (Tschechoslowakei), R. S. Polak van C1 e e f f (Holland), Reza Steindler (Jugoslawien), Lilian Freiman 0. B. E. (Kanada), Sophie Löwenherz (Österreich), Marie A p t e, Dr. Salomea L e v i t e (Polen), Selma M a r g u 1 i e s, Marianne Schapira (Rumänien), Dr. R e i n h o 1 d (Südafrika), Dr. Ilonka Roth (Transsylvanien). Die Palästina-Exekutive besteht aus den Damen: Jenny Blumenfeld, Anna Braudo, Ada Fischmann, Rose G i n s b e r g, Anna J a f f e, Dr. Helene Kagan-Hauser, Dr. Rahel K1 o m p u s, Nanny M a r g u 1 i e s, Rachel R u base h o w, Hadassa Samuel, Ohanna Meise 1-S chochat und Ester S m o i r a. Die Konferenz bat für die Arbeitsperiode 1937—1939 ein Unterhaltsbudget für die bestehenden Institutionen im Betrage von 27.216 Pfund jährlich angenommen. Das bedeutet eine Erhöhung des bisherigen Budgets um rund 4000 Pfund. Ein besonderes Budget wurde für die Rückzahlung der zum Ausbau der Institutionen aufgeuommenen Anleihen bewilligt; schließlich ein Zusatzbudget von 10.500 Pfund für Investierungen in Institutionen, Ausbildung von Instruktor in neu, organisatorische und soziale Arbeit in Palästina, für den Ausbau von Fachschulen für 14- bis 18jährige, städtische Fachkurse, einen Anleihefonds für Einwanderungen mittleren Alters zur Ermöglichung der beruflichen Eingliederung und für dio Erweiterung des Palästinapropaganda- und Touristendepartements. Der Palästina-Exekutive wurden weitgehende Befugnisse für die Verteilung des Zusatzbudgets eingeräumt. Angenommen wurde ferner der Antrag auf Errichtung eines Frauendepartements beider Jewish Agency, die Forderungen nach finanzieller Unterstützung des WIZO-Werkes durch Pa.lästinaregierung, Jewish Agency und Waad Leuini, nach Systematisierung der Hachscharah in der Galuth unter besonderer Berücksichtigung der Mädchen und nach Einbeziehung der Jugend Polens und anderer Notstandsgebiete in die Jugendalij a-A k t. i o n. Die für alle WIZO-Mitglieder bestehende Verpflichtung zur Zahlung des Schekels wurde bestätigt. Die Organisation der Jung-WIZO wurde neu geordnet. Aus dem regulären Budget der WIZO wurde ein Betrag von 500 Pfund für das Jugenddepartement bestimmt. Nationalsozialismus unterblieben. Es wäre sehr wichtig, in der Form einer Ausstellung nicht nur die nationalsozialistische antijüdische Literatur bekanntzumachen, sondern alle sonstigen Erzeugnisse dieser Lu?s vorzuführen: ihre Lese- und Jugendbücher, ihre Spitzel-Anweisungen, Boykottlisten, Dokumente über die Auslandorganisationen und ihre Leiter, Erlässe, Verordnungen, aus denen die Bösartigkeit der nationalsozialistischen Politik in Schrift und Tat hervorgeht. Eine solche Ausstellung würde unbedingt auch politische Wirkungen haben. Der Hafen von Tel-Aviv Jerusalem, 6. August. (JTA.) Einer Meldung des „Haarez“ zufolge hat die Palästina-Regierung beschlossen, der Stadt Tel- Aviv das unbeschränkte Recht zum Ausladen von Waten jeder Art an der Anlegestelle von Tel-Aviv einzuräumen. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer langen Unterredung zwischen dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope und dem Bürgermeister von Tel-Aviv Israel R o k a ch. Großfeuer in Tel-Aviv Tel-Aviv, 5. August. (JTA.) In der Nacht zum 5. August entstand in Tel-Aviv ein Gioßf euer, das ein Lebensmittelmagazin vernichtete. Der Schaden wird auf etwa 15.000 Pfund geschätzt. Der jüdische Friedhof in Hebron geschändet Jerusalem, 5. August. (JTA.) Eine jüdische Delegation, die anläßlich des Jahrestages der Massaker in Hebron vom August 1929 das Massengrab der Opfer auf dem Friedhof besuchte, fand das Grab entweiht und zerstört, die das Grab umgebenden Olivenbäume niedergebrannt und die Grabsteine zerschlagen. Die jüdische Religion in Rußland Ein russischer Jude, dem es vor kurzem gelungen ist, aus Rußland in Palästina einzuwandern, schreibt im „Dawar“: Nach der Errichtung der bolschewistischen Herrschaft spürten die Juden anfangs keine Bedrückung in Sachen der Religion. Später setzte die Regierungsprapaganda gegen die Religion ein. Zuerst abonnierten die Juden die Regierungszeitungen in jiddischer Sprache einfach nicht, später aber wurden sie dazu gezwungen. Die Propaganda erschütterte vielfach die Gläubigkeit, aber die Gewohnheit der religiösen Lebensführung war stärker als sie. Die Talmudhochsohulen hielten sich bis ins Jahr 1932 und standen zum Teil auf einem beachtlichen Niveau. Dann hörten sie freilich ganz auf. Auch die Tauchbäder bestanden damals noch. Iin Jahre 1929 wurden Schächten und Beschneiden verboten. Damals gelang es schon nicht mehr, in einer Stadt mit jüdischer Mehrheit, wie Minsk, mehr als 200 Unterschriften für eine Petition um Aufhebung dieses Verbotes zu bekommen. Die Regierung bediente sich wiederum dieser Tatsache und sagte den Petenten, es bestünde augenblicklich kein Bedürfnis für diese Einrichtungen. Anch Rabbiner ließen sich einschüohtern und veröffentlichten in der Presse Erklärungen, in denen sie ihren früheren religiösen Anschauungen aibschworen. Auch zwischen sich und den verfolgten Zionisten bemühten sich die Rabbiner, einen Trennungsstrich zu ziehen. Und dies alles, obgleich die eigentliche Verfolgung der Rabbiner noch gar nicht begonnen hatte. Erst später wurden viele von ihnen verhaftet und blieben auch in Gefangenschaft. Die größte Widerstandskraft bewiesen die Ghaas/iidiirn. Sie stärkten ihre moralische Position geradezu während der bolschewistischen Herrschaft. Goldbucheintragung auf Namen David Kofler. Frau Oiaa Kanner spendet anläßlich des Geburtstages des Gg. David Kofler 5 Schilling für seine Gold'buoheratragimg. KINOPROGRAMME Vom 10. bis 12. August IMPERIAL- KINO I., Rotenturmstraße I9 Telephon : U 22-1*12 Uraufführung I Der große russische Spielfilm .StotlonHordpidniftr Beginn: 3#t\ 5“. 7*°, 910 Uhr A 49-0-60 '/a7 u. 9 Uhr Paul Muni, Lulsa Rainer, Tllly Losch in: „DIE GUTE ERDE“ Vorverkauf ab ValO Uhr voris. Täglich 10 bis 18 Uhr : Lebende Zeltens» Kursfilme und Interessante Wochenschauen. AllelnauftUhrung f Organs Wie n, M. O« U. Tatsachenberichte NESTR0Y-T0N-KIN0 10. August: II., Praterstraße 34 Telephon R 41-707 „Herrin der Liebe“ 11. August: „Schluß mit den Frauen“ 12. August: „Liebe“ Beginn: Wo. B, ‘/» 8, •/, 10 Uhr. 8o. ab </, 4 Uhr Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich, Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5. — Verantwortlicher Redakteur: Robert Polo wer, Wien, I., Marc- Aurol-Straße 5.— Druck: Vernay A. G., Wien, I&, OsnMusgaue 8—10, Wiener KINDER-LIDO 25 Minuten vom Zentrum, hochgelegen. Beim Hause: Schwitnmoad, kalte u. warme Duschen, Sport- und Spielplatz, Ltegewiesen. Heller, 180 m1 großer Saal bei Schlechtwetter. Inkl. reicht. Miltagessen. Jause und Fahrt S 18*50 pro Woche. Sorgfältige Aufsicht. Auskunft: Telephon U 14-008 nur von 8 bis 9 Uhr abends. Der Bundeskanzler im Sommerlager des Brifg TYumpeldor. Wie aus >Sf. Gilgen gemeldet wird, hat der Bundeskanzler Doktor S c h u s c h n i g g dem Sommerlager des Brit,8 Trumpoldor einen Besuch abgestattet, Der Bundeskanzler wurde von den 180 uniformierten jungen Leuten festlich empfangen und äußerte sich mit großer Zufriedenheit über die musterhafte Ordnung im Lager. Familienfeier. Herr Emanuel Granitzer und seine Frau Fanny Granitzer feiern am 15. d. den 40jährigen Hochzeitßtag, sowie das 30jährig-e Jubiläum als Generalvertreter in- und ausländischer Fabriken. Herr Granitzer hat als Deutschmeister den Weltkrieg mitgemacht, besitzt die Kriegemedaillo mit den Schwertern und die Kaiser-Franz-Josef-Medaille. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, sucht dringendst Stellen für: A) Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Inkassanten, Verkäufer, Auslagenarrangeure, Kellner, Krankenpflegerinnen, Masseure, Bademeister, Nachhilfelehrer und -lehrerinnen für Mittelschulfächer, Musiker für Konzert-, Jazz- und Stimmungskapellen. B) Arbeit für gewerbliche Kräfte aller Art — darunter auch Chemiker, Elektrotechniker (Heizungstechniker), Installateure, Bau- und Maschineningenieure, Chauffeure — sowie ungelernte Arbeiter. C) Handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen für Knaben und Mädchen. — Im selben Verein sind derzeit offene Stellen für: Kinderfräulein mit und ohne Sprachkenntnisse für In- und Ausland. Erzieherinnen mit Mittelschulnachhiife und Fremdsprachen, gut eingearbeitete Konfektionsnäherinnen (Werkstätten- und Heimarbeit), sowie Hauspersonal jeder Art. Offene Auslandsposten. Männlich. Übersee: Fachmann für Erzeugung von Tennisbällen. 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Rumänien: Spezialist für die Erzeugung von Gärungszitronensäure aus Rübenzucker, Melasse und deren Derivaten. — Finnland: Werkmeister für die Erzeugung von Durchschlag- und Karbonpapier. — Weiblich. Ungarn: Direktrice aus der Blusen- und Kinderkleiderkonfektionsbranehe, selbständig, für Budapest. FILME _ _ Filme ohne Arier-Paragraph Die Glückspuppe. — Alle gegen einen. — Der geborene Verkäufer. — Lustige Sünder. -— Menschen im Hotel. — Die Polizei greift ein. —- Liebe eines Fremden. — Der kleine Kavalier. — Die Perlen der Krone. — Die Insel ohne Sünde. — Der geliebte Vagabund. — Kopf in der Schlinge. — Drei kleine Gangster. — Hochverrat. — Drei-Groschen-Oper. — Wien, Wien, nur du allein. — Land ohne Musik. — König des Lachens. — Motiv unbekannt. — Es geschah zu Silvester. — Safari. — Verfluchtes Geld. — Hokus-Pokus. — Liebe — nichtgenügend. — Susy. — Braddock gegen Louis. — La belle Equipe. — Tanz unter dem Galgen. - Die gute Erde. — Drei süße Mädel. — Menschen unter Menschen. — Paris. — Jazz- Kadetten. —- Samson. — Liebe macht blind. — Mord im Opernhaus. — Station Nordpol ruft. — Das öffentliche Ärgernis. — Die rote Robe. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—-, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50. Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Redaktion und Administration: Wien, I., Marc» Aurel-Straße 5- Tel.} U 22-3-91. Redaktions» Schluß Montag und Mittwoch vormittags. Postscheck Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.190, Tschechoslowakei Nb 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879«