Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 664 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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9k ^Stimme V. b. b. 20 8 Nr. 664 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 30. Juü 1937 %%• Aw 3697 10. Janrang i.lLLIUE UNO UGQJEMB FERIEN FAHRTEN 1 MIT DEK „CZERNOWITZEK AULG. ZEITUNG“ NACH [ POLEN u CZERNOWITZ Abfahrten; 1. u. 8. Aug. AUSKÜNFTE und ANMELDUNGEN: ausschließlich Im nEISEBÜRO „MARI-N- BiüC*E“, WIEN, I., ROTEN TURM- STRASSE 28 I» TELEPHON R 24-2-88/87 Die Kossgreßbeilage der „Stimme“ enthält: Direktor Moritz Reichenfeld: Sokolow und Herzl. Eine unbekannte Rede Herzls. Dr. Egon Michael Zweig: Der treue Sohn. Drei Briefe an Georg Brandes. M. C. Glenn: Als Herzl in mein Städtchen kam... Notizen Herzls aus dem Jahre 1895. Dr. Erwin Samstag, Znaim: Jüdisches Selbstbestimmungsrecht. Alfred Werner: Gott spricht zu Israel. Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische allerbilligste Preise Größte Auswahl I Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. Zeit spart, wer kauft im SCHULBDC H E R ANTI Q U AR IAT HERMANN TUCHNER Wien, II., Ecke Taborstraße 52 Telephon R 41-4-20 Dem Kongreß und seinem Schöpfer England gibt das Mandat nicht auf London, 28. Juli (JTA.). Der liberale Abgeordnete Geofi’rey Mander richtote im Unterhaus an den Premierminister Neville Chamberlain die Frage, ob die britische Regierung im Hinblick darauf, daß sie nicht länger bereit sei, das PaUistinamandat zu verwalten, einem eventuellen Vorschlag des Völkerbundes zustimmen würde, das Mandat an die Vereinigten Staaten von Amerika abzu treten. Ministerpräsident Neville Chamberlain erwiderte: Da die im erstou Teil der Anfrage gemachte Feststellung nicht richtig sei, erübrige sich die Beantwortung des zweiten Teiles der Frage. Auf die weitere Frage Manders, ob angesichts des Mißlingens der britischen Mandatsverwaltung es nicht angebracht wäre, einem anderen Land diese Aufgabe zu übertragen, gab Neville Chamberlain keine Antwort. Protest Im USA-Repräsentantenhaus Washington, 28. Juli (JTA.). Der Abgoordneto Leon S a c k brachte im Repräsentantenhaus der USA oino Resolution ein, in der gegen den Plan der Teilung Palästinas protestiert und England ersucht wird, die ihm aus dem Palästinamandat erwachsenden Verpflichtungen „voll und fair“ zu orfüllen. Italien wird in der Mandatskommission erscheinen Rom, 28. J.uli (JTA.). Der italienische Sonder in Bari kündigte an, daß Italien, wolchos bisher zum Plan der Teilung Palästinas nicht Stellung genommen habe, seinon Standpunkt in der am Freitag, 80. Juli, in Genf beginnenden Session der Mandatskommission bökanntgobon werde. In einer arabisch gehaltenen Ansprache fügte der Radiospree her hinzu, daß Italien in dieser Sache ein kräftiges Wort milreden werde. Der 20. Zionistenkongreß tritt am Dienstag in Zürich zusammen. Er beginnt seine Session inmitten einer von weltpolitischen Spannungen erfüllten Welt, in einer Situation, in der das Palästina- Problem erneut in den Vordergrund gestellt worden ist. Eine neue Phase in der zionistischen Entwicklung hat begonnen, der Zionis’tenkongreß hat Entscheidungen zu treffen, deren Ausstrahlungen weit in die Zukunft reichen. Für den politischen Zionismus besteht die Pflicht, unter voller Wahrung des Judenstaatsgedankens das jüdische Recht auf Land und Siedlung nach jeder Seite hin und für jede Eventualität zu sichern, es vor inneren und äußeren Belastungen zu schützen. Er hat die Anschläge der Assimilation, die sich wieder regt, zurückzuweisen, die Parteigegensätze auf die Mittellinie der Vernunft zu führen und im übrigen für die innere Ordnung im Jischuw zu sorgen. Er hat ein außerordentlich gewichtiges und umfangreiches Programm zu bewältigen, diesmal mehr als je unter den Augen der Welt, wieder wie vor 40 Jahren, als der erste Kongreß sein Wort an die Welt richtete. , Der Kongreß, diese von Herzl aufgerichtete höchste Tribüne des jüdischen Volkes, ist eine Einrichtung, wie sie keine andere Nation besitzt. Es ist ein Parlament, das seine Befugnis nur aus dem Vertrauen einer Organisation schöpft, die alle aufbauenden Kräfte des jüdischen Volkes zusammenfaßt und leitet — ohne irgend welche Exekutive, ohne eine tatsächliche, real greifbare Macht, ohne die Attribute und die Immunität anderer Parlamente. Der zionistische Kongreß ist der reinste Ausdruck demokratischen Willens, der Exponent der Souveränität einer Nation, die sonst keine Souveränität, keine Eigenstaatlichkeit und keine öffentlich-rechtliche Satzung besitzt. Das jüdische Volk, zerstreut über die ganze Erde, den verschiedensten Staatsformen und Rechtsnormen untertan, hat aus sich heraus diese Körperschaft erwählt, die einfach durch ihren Bestand ihren Rechtstitel errungen hat und durch die Anerkennung ihrer Leitung, der „Jewish Agency“, ihren festen Platz in dem im Völkerbund sich verkörpernden internationalen System erhalten hat. Der Zionistenkongreß ist eine rein geistig-politische. Macht, hinter ihm steht nichts als das bewußte jüdische Volk. Aber es ist das bewußte jüdische Volk, das hinter .ihm steht. Was das jüdische Volk erreicht hat, seine internationale Anerkennung, seine Siedlung in Erez Israel, das Mandat und selbst dessen letzte Entartung, die aber doch den Gedanken des Judenstaates in sich schließt — das hat der politische Zionismus erreicht, der vor 40 Jahren nichts als eine Idee war. Den Kongreß und die Organisation hat am. Ausgang des 19. Jahrhunderts Herzl gezimmert,' das große Geschenk eines Dichters, der in die dürre Atmosphäre lethargischer Massen den heißen Atem einer sich auf ihre große Geschichte, auf ihre geistige Kraft und auf ihre Ehre besinnende Nation hineintrug. Das Volk lernte wieder hoffen und fordern. Es proklamierte sein Recht auf Geltung, auf Freiheit, auf die Sammlung seiner Kräfte. Dieses Volk proklamierte auf dem ersten Kongreß seinen Willen, sich einen Platz in der Völkerfamilie zu schaffen, seineu Entschluß, als Volk gleichwie andere Völker zu loben. Diese Forderung ist von der Welt verstanden und gewürdigt worden. Die Eintritt in die weltpolitischen Beziehungen den Weg geöffnet. Aber der politische Zionismus hat nicht nur eine politische, sondern auch eine seelische Wirkung erzielt. Er hat das Ansehen des Volkes nach außen gehoben und er hat den psychischen Habitus geändert. Tausend verschüttete Brunnen hat er geöffnet, die jüdische Seele begann sich zu fühlen. Eine ganze Nation wachte auf und sie bildete in sich einen Staat, der, ohne Territorium und ohne materiellen Untergrund, ein eigenes Leben begann. Eine Welle idealistischer, selbstlosester Hingabe ging über diese Nation hin, die neues Selbstvertrauen faßte und in einem grenzenlosen Optimismus den Weg in die Zukunft an trat. Die einzelnen Stadien dieser Entwicklung können wir heute übersehen. Vom Herzischen Charterismus über die Wolffsohnsche Synthese des politischen und praktischen Zionismus bis zum Mandat und. der heutigen Phase führt ein geradliniger Fortschritt. 60.000 Juden waren in Palästina, als der Weltkrieg ausbrach. Heute steht eine halbe Million fest verankert im Boden der altneuen Heimat. Wir glauben wieder — und der alte jüdische Trotz, der sich nicht von Torquemada, nicht von Chmelnicki, nicht von Hitler und Cuza imponieren läßt, baut das Land von neuem v?uf.: , Die Bewegung, die Herzl ins Leben gerufen und beschwingt hatte, stieß auf schwere Widerstände. Zunächst im Judentum selbst, dessen bisherige Repräsentanten und Notabein sich im Gleichmaß ihrer Tage gestört sahen und im satten Behagen ihrer Würden das Werden einer Nation nicht zulassen wollten. Die politische Welt wünschte keine Komplikation. Man stand 1897 inmitten der sich immer weiter dehnenden Krisen und 4. Woche I Nur mehr bis 3. Augustl Der große ErfoSgsfilm! La belle Equipe! (Pariser G’ichlcten) mit Jean Gabln, Charles V«nel Regie; Duvivler Ab Mittwoch, 4. August: Premlöre des Russentonfilms »Station Nordpol rult!« der aktueliste Spielfilm des Jahtes BURG r. IMPERIAL I. der Nationalitätenkämpfe. Die jüdische Frage, die die Verhältnisse aller Staaten an sich und der Staaten zur Türkei berührte, war in dieser neuen Form nicht willkommen. Aber man faßte sehr rasch Verständnis für ihr Wollen und Streben. Und es war England, das dem Judenvolk Sympathie zeigte und bewies. Die Uganda-Affäre, die aus Gesprächen Joe Chamberlains mit Herzl entstand, war ein Ausdruck der politischen Reflexion und sie war der Ausgangspunkt für Balfour. In der Folge hat England, das sich um das Mandat und um das Vertrauen des jüdischen Volkes beworben hat, uns eine Enttäuschung nach der anderen gebracht. Unsere Sache ist ein Teil der britischen Auslandspolifcik geworden. Aber, das englische Volk, die englische Demokratie wollen bei dem gegebenen Wort bleiben. Freilich sind auch wir stärker geworden. Unsere Position in Palästina gründet sich auf die Arbeit des neuen jüdischen Menschen und sie. ist heute auch schon eine Machtstellung. Der politische Zionismus sieht mit Stolz auf den Weg von 40 Jahren zurück. Er blickt voll Sorge auf die nächste Zeit. Aber wir durchfahren jetzt eine Kurve und die ist immer unübersichtlich. Ist sie vorbei, dann zeigt sich , ein anderes Bild. Es war schwerer, als Herzl auf trat. Er .hatte das erste Wort zu. sprechen und das Tor zu öffnen. Wir müssen weiter gehen im Vertrauen auf die Sittlichkeit der zionistischen Idee, die für uns die innere und äußere Freiheit bedeutet. f l” Ferienreisen nach Polen Billig / bequem / D-Zug / Platzkarten /Abreisen Jeden Sonntao Leitung: Dr. TOCKER Auskünfte und Anmeldungen: „IN DIE WELTL W. M. RENNER, Wien, IX., Liechtensteinstraße Nr..2, Telephon A 14-5-04. (Nächst Schottenring) Völkerbund und Mandatskommission Um die Palästinafrage Genf, 28. Juli. (Priv.) Der englische Kolonialsekretär Ormeby- Gore trifft morgen in Genf ein und wird sofort mit den Mitgliedern der Mandatskommission Fühlung nehmen. Diese sind auf Grund des Artikels 22, Absatz 9, der Völkerbundsatzungen eingesetzt worden. Sie werden vom Völkerbundrat ernannt. Es ist aber ausdrücklich, festgestellt, daß eie nur als Sachverständige und nicht als Vertreter ihrer Regierungen tätig sind. Den Vorsitz führt derzeit der Belgier Orte. Stellvertretender Vorsitzender ist der bekannte Schweizer Gelehrte Prof. William Rappard. Der Japaner Sakenote ist, obgleich Japan aus dem Völkerbund ausgetreten ist, Mitglied der Kommission geblieben. Weitere Mitglieder sind: der Engländer Lord H a i 1 e y, der Franzoso Girod, der Spanier P a 1 a c i o s, der Portugiese Graf de Pen ha Gar eia und die Norwegerin Fräulein Dannevig. Außerdem ist ein Mitglied des internationalen Arbeiteamtes der Kommission als beigeordneter Sachverständiger zugeteilt. Im englischen Lager hofft-man, daß die Mandatskommission zu deu Einzelheiten der Vorschläge der Königlichen Kommission über eine Teilung Palästinas auf Grund des ausführlichen Referates des englischen Kolonialsekrotärs gutachtlich Stellung’ nehrneu wird, obzwar das englische Parlament diese Vorschläge noch nicht als endgültig ansieht. Dio Engländer hoffen, die Kommission werde ihr Gutachten an den Rat ähnlich wie das englische Parlament selbst g r u n d s ä t z- 1 i ch in positivem Sinne abgeben, so daß für die Erörterungen des Völkerbund- _ , , rate« im September immerhin auch dieses Klarheit des Baseler Programms hat zum Gutachten eine Grundlage liefern könnte. | Nur die erste Sitzung der Mandatskommission, in der lediglich Formalien erledigt worden, ist öffentlich, dagegen sind alle übrigen Verhandlungen dieser Kommission, wie die aller beratenden Kommissionen des Völkerbundrates streng vertraulich und gerade die Mandatskommission ist dafür ■bekannt, daß es in ihren kurzen Communiques nur wenig Anhaltspunkte über den Inhalt der Erörterungen gibt. Von der Jewisb Agency wurde der Kommission ein ausführliches Memorandum zum Berichte der Royal Commission überreicht. Aiber auch von den Beratungen des Völkerbundrates im September erwarten die Engländer schon eine prinzipielle Stellungnahme. Zu den Ratsverhandlungen wird in Genf eine große englische Delegation mit einer Anzahl besonderer Palästina-Spezialisten eintreffen. Im Rate ist allein vom Vertreter der Sowjetunion, als deren Wortführer abermals der Kommissar des Äußeren L i t w i n o w auftreten dürfte, von vornherein eine gegnerische Haltung zu erwarten, denn die Sowjetregierung steht dein Zionismus unbedingt feindlich gegenüber und erlaubt auch keinem russischen Bürger die Teilnahme an dem Zionistenkongreß. Es ist aber anzunehmen, daß Litwinow Zurückhaltung üben wird, wie dies Sowjetrußland gegenüber allen Problemen tut, die vor s e i n o m E i n t r i 11 i n den Völker!) u n d aufgerollt worden sind, insbesondere gegenüber allen Bestimmungen der Friedensverträge, an denen Rußland ja nicht beteiligt war. Ebenso dürften eine neutrale Haltung die Mittel-