Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 658 (9.7.1937)
- Date
- 1937-07-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr« 658 Wien, Freitag, 9« Juli 1937 1« Aw 5697 10« Jahrgang ^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Wieder ein französischer Spitzenfilm! Der große Pariser Erfolg .Lobelle Regie: lullen Duvivier, mit Jean Gabln * Charles Vanel und der schönen Viviane ßomance Musik: Maurice Ywaln (der Komponist von „Unter den Dächern von Paris“). BURG» I. IMPERIAL, I. RIVIERA Woehen-Arrang. 8 Tage 8 135* DALMATIEN-S5 .^‘I 42* POL6N-8A°bnÄT.d.n Sonntag PARIS *Sonderzug (hin und zurück) S 86* Anmeldungent REISEBÜRO ADDIC^ Kärntnerstr. 41 5 9 \w »m C91 mß Telephon: R 21-5-78 tujiiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiriiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimuuiuiiiiiiiiiiiiiiiimirmim Stein statt Brot Die Kommissionsa.nträge auf Dreitei lung Palästinas sind am Mittwoch nach mittags in Jerusalem durch Rundfunk verlautbart worden. Die offizielle Mittei lung gab nur die Anträge wieder und wurde, entgegen allen Befürchtungen, in voller Ruhe angehört. Was die Kommission vorschlägfc, ist von der englischen Regierung akzeptiert worden und so hat man es von nun ab nicht mehr mit Gerüchten zu tun, sondern mit einem Regierungsakt, zu dem jetzt Juden, Araber das englische Unterhaus, die Mandatskommission, die Unterzeichner des San- Remo-Abkommens, der Völkerbund und die Vereinigten Staaten Stellung zu neh men haben. In welcher Weise das Londoner Kabinett seine Anträge auf Umformung des Mandates diplomatisch unterbaut hat, ist bisher nicht bekannt, BILLIGE UND BEQUEME FERIENFAHRTEN MITDERmCZERNOWITZER ALLO. ZEITUNG« NACH POLEN «.(ZERMOWITZ Abfahrten: 11«, 18. u.25. Juli AUSKÜNFTE und ANMELDUNGEN: ausschließlich im REISEBÜRO „MARIEN- BRÜCKE«, WIEN, I., ROTENTURM- STRASSE 26 TELEPHON R 24-2-80/87 bis auf die eine Mitteilung im Unterhaus, daß die Vereinigten Staaten in London keine Vorstellungen erhoben haben. Für die Weltöffentlichkeit besteht zunächst der optische Eindruck, daß ein souveräner jüdischer Staat errichtet wird, der von der Ostküste des Mittelmeeres bis an die transjordanische Nordwestgrenze reicht. Hinter ihm baut sich ein neuer transjordanischer Staat auf, der durch die Angliederung des arabischen Teiles Palästinas sehr stark vergrößert wird. Dazu gesellt sich ein ziemlich enger Korridor, der den arabischen Staat mit dem Häfen von Jaffa verbindet, und ein britisches Mandat, das eher als Protektorat anzusprechen wäre, und von Nazareth aus den Schutz der heiligen Städten der Araber und Juden besorgt. Die Städte Jerusalem und Bethlehem sowie die arabischen Städte im jüdischen Gebiet bleiben unter britischem Mandat, das für Akko, Safer, Tiberias und Haifa befristet ist. Dazu gibt es noch eine britische Enklave im Süden und eine jüdische Freihandelszone in der Gegend von Akaba. Es ist eine außerordentlich komplizierte Konstruktion, die, wenn sie in Tätigkeit gesetzt werden sollte, binnen kürzester Frist Handelsverkehr und Verwaltung vor schier unlösbare Probleme stellen muß. Das mag aber erst eine Sorge für _ morgen sein. Für heute haben wir es mit einem Experiment Englands zu tun, das uns einen Zwergstaat beschert, der zur See von britischen Kriegsschiffen beherrscht und an allen Landgrenzen von arabischen Staaten umklammert wird. Das Projekt ist tatsächlich, wie es in einer Erklärung der amerikanischen Zionisten heißt, „phantastisch, willkürlich, undurchführbar“. Das ist der neue Judenstaat, durch desson Gründung England glaubt» die Juden au das vom Zionis- - mus gesteckte Ziel geführt zu haben; wenigstens besagt dies der Schlußsatz des Kommissionsberichtes. In Wirklichkeit hat England die Kosten der Flankendeckung für den Suezkanal auf die Juden überwälzt, bleibt strategisch im Lande und hält die Juden durch das Gewicht des neuen arabischen Staates in politischer Hörigkeit. Wozu noch die Verpflichtung einer jüdischen Subvention an den arabischen Staat kommt und die Demütigung, daß den Juden ein Verzicht auf Jerusalem, die Stadt mit jüdischer Mehrheit, mit der hebräischen Universität und der jüdischen Geschichte, zugemutet wird. Und zu all dem noch als Druckmittel die Drosselung der Einwanderung auf 8000 Menschen bis März 1938. Glaubt England, daß die Juden bis dahin kirre gemacht sein werden? Der Judenstaat ist nicht zwei Drittel, wie es zuerst hieß, nicht ein Drittel, wie es jetzt heißt, sondern etwas über ein Sechstel. Er zählt zirka 4000 Quadratkilometer von 25.483 Quadratkilometern des ganzen westpalästinensischen Gebietes. . Das österreichische Burgenland zählt 3972 Quadratkilometer mit 298.700 Einwohnern. Fast genau so viel Einwohner hat dieser Staat nach der vorgeschlagenen Grenzziehung, Seine Aufnahmsfähigkeit darf mit etwa 2 bis 3 Millionen angenommen werden. Dieser Kapazität stelle man die Not der Juden in Deutschland, in Polen, Rumänien und den arabischen Ländern Nordafrikas gegenüber und man erkennt, daß dieser neue Staat von dem „Ziele des Zionismus“ weltenweit entfernt ist, daß seine Souveränität, die ohnedies nur formell bleibt, nicht imstande ist, uns darüber hinwegzutäuschen, daß wir das erste Ziel des Zionismus, eine Milderung des jüdischen Problems herbeizuführen, für sehr, sehr lange Frist vereitelt sehen. Die englische Regierung, die die Stimmung der Zionisten schon seit dem ersten Auftauchen des Planes kennt, will sie mit dem Sprichwort trösten, daß ein halber Laib Brot besser ist wie kein Brot. Hier wird uns aber statt Brot ein Stein geboten, den man unabhängigen Judensfcaafc nennt. Das Judentum muß dies zurückweisen. Ferienreisen noch Polen f! ■ Billig/ bequem /D-Zug/ Platzkarten /Abralstn jaden Sonntag I Leitung: Dr. TOCKER I Auskünfte und Anmeldungen< „IN DIE WELT“ ■ W. M. RENNER, Wien, IX., Lieohtensteinstraße Nr. 2, Telephon A 14-5-04. (Nächst Sohottenring) Judensta^t ab Jänner 1940 Der Vorschlag der Kommission, den die britische Regierung sich .zu eigen macht, bietet dem jüdischen Volk einen jüdischen Staat an, der bis zum 1. Jänner 1940 aufgebaut sein soll. Dieser Staat umfaßt 4000 km3. Der mit Transjordanien zu vereinigende arabische Teil würde als Staat etwa 15.000 km3 umfassen. Die Haltung der Palästina* Delegierten Die JTA. meldet aus Jerusalem: Die Palästinazentrale des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, hatte vor kurzem den Präsidenten des Keren Kajemeth, M. M. U s s i s c li k i n, aufgefordert, auf der Wahlliste des Weltverbandes zuin Kongreß zu kandidieren. Ussischkin erklärte sich hiezu unter der Voraussetzung bereit, daß alle übrigen, mit ihm um ein Mandat sich bewerbenden Kandidaten sich schriftlich verpflichten, auf dem Kongreß gegen den Teilungsplan zu stimmen. Sämtliche Kandidaten haben dies abg e 1 o h n t, Zu einer ähnlichen Auseinandersetzung kam es bei der Aufstellung dev Lista dar Allgemeinen Zionisten, Gruppe A, Die Verlautbarung der Kommisslonsanträge: Ruhe ln Palästina 1 cMW,eTM SO Km 4*i/t»** H Av> iss* i*o> Arb«<1 firbtf) NABlUi iMuUhfm) TtüAW JAFFA Dpa ShpmPA Aab&aTh Anno* Q £ •jüdischer STAAT »COflRjDOR Rtflfßah Jericho ERlJSALEM Andvnn Pot»±f> WorkJ Iptorh fiamafh Rar# nqdtlcfa Kühami ImGHi fiMfShthi nir ttojb itferak) * Jerusalem, 8. Juli. Die Bekanntmachung der Pläne für die Aufteilung Palästinas in drei Teile hat bis kurz vor Mitternacht nicht zu den befürchteten Unruhen geführt. Abgesehen von kleineren Kundgebungen vor den Lautsprechern, mit denen die Hauptpunkte des Berichtes der Palästinakommission verkündet wurden, verhielt sich die Bevölkerung ziemlich ruhig. Nichtsdestoweniger blieb die Alarmbereitschaft für die Polizei und das Militär die ganze Nacht zum Donnerstag aufrecht. In Jerusalem waren an besondere „Unruhekommandos“ der Polizei Gasmasken und Tränengasbomben verteilt worden, mit der strengen Anweisung, bei den ersten Anzeichen von Unruhen energisch vorzugehen. Wie verlautet, wird das arabische Oberste Komitee heute vormittags zusammentreten, um den Teilungsplan durchzubera ten. Die Juden werden zu diesem Plan jedoch nicht vor dem Zusammentritt des im August in Zürich tagenden Zionistenkongresses offiziell Stellung nehmen. Eine Ansprache des Oberkomtnlssärs Eine Zusammenfassung des Berichtes wurde in den drei Staatssprachen um 18 Uhr Ortszeit durch Rundfunk verbreitet. Im Anschluß hieran hielt der Oberkommissär Sir Arthur Wauchope eine kurze Rede, hi der er darauf hinwies, daß die Schlußfolgerungen des Berichtes n u r e i n e n T e u des Gesamtberichtes darstellten und später durch die ausführlichen Begründungen der sechs erfahrenen und unparteiischen Mitglieder der Kommission ergänzt werden würden. Der Oberkommissär schloß mit einem Appell an die Bevölkerung, sorgfältig zu überlegen, ob die vorgeschlagene Teilung nicht die Möglichkeit einer gerechten und praktischen Lösung der Schwierigkeiten darstelle, unter denen Palästina unglücklicherweise in der Vergangenheit habe ldden müssen. Er hege die Hoffnung, daß mit der Aufteilung nicht nur den Schwierigkeiten ein Ende gemacht würden, sondern daß sie auch den Ausgangspunkt eines neuen Zeitabschnittes für die Araber und die Juden bilden werden.