Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1937-07-06 · Heft 657 (6.7.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 657 (6.7.1937)
Date
1937-07-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3054338-3054413--6783-3062676
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

5Stimme JÜDISCHE ZEITUNG WILLIGE UND BEQUEME FERIENFAHRTEN MITDER„C*sRNOWITZER ALLG. ZEITUNG» NACH POLEN u. CZERNOWITZ ABFAHRTEN: 11. u. 18. JULI AUSKÜNFTE und ANMELDUNGEN: ausschließlich Im REISEBÜRO „NIARIeN- BftüCftE», WIEN, I., ROTEN TURM- STRASSE 26 9 TELEPHON R 24-2-86/87 in Nr. 657 Wien, Dienstag, 6. Juli 1937 37* Tatnus 5697 io. Jahrgang Der Plan für die Teilung Palästinas Oesterreich Am 1. Juli ist in Wien und im österreichischen Bundesgebiet die Wahl zum 20. Zionistenkongreß durchgeführt worden. Infolge der vielen Wahl orte konnte die Stimmenzäh- Jüdischer Staat und arabischer Staat hing noch nicht vollkommen abgeschlossen werden. Doch wird sich an dem Gesamtergebnis kaum etwas ändern. Für den Nationalen Block wurden Die jüdische Tageszeitung „Haboker“ in Jerusalem veröffentlicht die folgenden, wie sie behauptet, vollständige Einzelheiten über den Plan der Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen S t a a t: Der jüdische Staat wird sich dieser Darstellung zufolge von Ägypten bis an die Grenzen Syriens und Libanons erstrecken. Er wird alle Ebenen und Täler umfassen, den Emek Jesreel, den Emek Hajarden (von Naharajim bis Degania), das Huie- Gebiet, ganz Ober- und Untergaliläa, den Karmel und die ganze Küstenebene. Die Westgrenze des jüdischen Staates wird das Ufer des Mittelländischen Meeres in der Ausdehnung des heutigen Palästina bilden. Im Nordosten wird sich die Grenze von Metulla bis zu den Jordanquellen hinziehen, so daß der Oberlauf des Jordan im jüdischen Staat liegen wird. Von dort geht die Grenze zum Kineret-See. Auch das Ostufer des Sees wird jüdisch sein, damit die dort liegenden jüdischen Siedlungen einbezogen werden. Weiter wird die Grenze verlaufen über Ejn Hakore, Massada und Naharajim und wird Bet Joseph einschließen. Beisan soll ebenfalls, als Hauptstadt des gleichnamigen Gebietes, zu dem jüdischen Staat gehören. Von Beisan wird die Grenze in westlicher Richtung bis Tulkarem und an Dschenin vorbei, das gerade an der Grenze liegen wird, verlanfen, so daß der Karmel und die Siedlungen Mischmar Haemek, Jokneam und ihre Umgebung auf jüdisches Gebiet zu liegen kommen. Tulkarem wird an der Grenze des jüdischen und des arabischen Staates liegen. Von dort verläuft die Grenze am Fuße des Gebirges entlang nach Kalkilia, weiter nach Migdal Zedek und Lydda, das sich auf jüdischem Gebiet befinden wird, während Ramie im arabischen Staat liegen soll. Es wird 'dann die Chaussee Jerusalem-Jaffa überquert. ln Sarafend soll sich ein kleines englisch-militärisches Zentrum für das jüdische Gebiet befinden, in der Nähe voii Jerusalem ein solches für den arabischen Staat. Zwischen Lydda und Ramie geht die Grenze dann weiter am Fuße des Gebirges (Hartuf und Hulda sollen im jüdischen Staat liegen). Nach Süden soll die Grenze bis zum Suez-Kanal verlaufen. Eine britische Zone im Süden Die Kreise Beer Solle wa und Akaba werden unmittelbar unter britischer Hernsobaft stehen. Diese britische Zone wird ein Dreieck mit der Südgrenze des arabischen Staates als Basis und der Spitze in Akaba bilden. Die Juden sollen sich verpflichten, in diesem Gebiete 100.000 bis 150.000 Menschen z/u kolonisieren und so eine Mehrheit gegenüber den Beduinen zu schaffen. Nach der Durchführung dieser .Kolonisation soll die Zone mit Ausnahme von Akaba, das britisch bleibt, an den Judenstaat angeschlossen werden. Internatiosialislerung von Jerusalem Jerusalem soll nach dem Vorbilde von Alexandrien zu einer internationalen Stadt unter britischer Kont r o 11 o erklärt worden. Nazareth soll dem jüdischen Staat cinverleibt werden, jedoch unter Garantie der christlichen Rechte auf die heiligen Stätten, Bethlehem dagegen soll zu dom arabischen Staat gehören, wobei ebenfalls Garantien für die christlichen heiligen Stätten zu leisten sind. Das Gebiet der Omar-M oscheo in Joriusalo m wird unter der Aufsicht des muselmanischen Religiojisfonds (Wakl) stehen. Nach Jerusalem wird freie Einwanderung nicht zugelaasen; zur Einwanderung werden besondere britische Genehmigungen erforderlich ©ein. Jüdische Kolonisationsgebiete Daß Tal von Jericho und die Umgebung der Kali-Werke (Novomejskiß T o t e- M e e r-Konzession) werden unter Aufsicht des jüdischen Staates stehen. Es wird eich dort ein britischer, strategischer Punkt be-* finden. Ferner sollen 50.000 Juden in landwirtschaftlichen Kolonien an derGrenze zwischen Trans Jordanien und dem Irak angesiedelt werden. Als Entschädigung hioftir werden die Juden auf eigene Kosten 1. eine Chaussee von diesem Siedlungsgebiet bis zum Anschluß an die Straße Beisan-Haifa und damit einen bedeutenden Teil der Chaussee Haifa-Bagdad anlegen, 2. eine Eisenbahn in dieser Gegend bauen, und 3. dem arabischen Staat eine An- Die Regierung des Hauptstadt des jüdischen Staates wird Haifa. Auch der Hafen von Haifa wird jüdisch. Ein bedeutender Teil des Emek Sebulun wird unter unmittelbare britische Verwab tung gestellt und eine militärische Basis dort errichtet. In Haifa werden sich difc zentralen Institutionen des jüdischen. Staates befinden. Di« Regierung wird folgende Ministerien umfassen: t. für Einwanderung und Kolonisation, 2. für Arbeit* 3. für Verkehrswesen, 4. für innere Angelegenheiten, - 5. für Finanzen, 6. für auswärtige Angelegenheiten, 7. für Sicherbeitsangelegenheiten (Polizei imd Militär). Der Vorsitzende der Regierung ist gleichzeitig Staatschef. Die Hauptstraßen, die den jüdischen mit dem arabischen Staat verbinden, sollen unter britischer Aufsicht stehen. Für die Erhaltung, Ausbesserung und Erneuerung haben die beiden Staaten zu sorgen. England hat das Recht, auf den Straßen militärische Posten zu unterhalten. Da befürchtet wird, daß in der ersten Zeit nach der Teilung Unruhen ausbrechen werden, wird jüdisches Militär in angemessener Zahl aufgestellt. Die jüdische Legion wird unter der gemeinsamen Aufsicht des jüdischen Sicherheitsministeriums und des Stabes der britischen Militärbehörden stehen. Die Polizei — Offizierskorps und Mannschaft— wird vollständig jüdisch sein und dem Sicherheitsministerium unterstellt. Dio arabische Regierung wird dieselben Ministerien haben wie die jüdische. Auch das arabische Siehorheitsministerium wird von England mit Rat und Tat unterstützt werden. Die Einzelheiten hängen ab von der künftigen Föderation, in die der arabische Staat eingegliedert wird. Zwischen dem jüdischen und dem arabischen Staat werden wirtschaftliche Abmachungen, insbesondere über den g ege ns e i t i g o n Warenaustausch, getroffen. Eino noch ungelöste Frage ist die der Pica-Böden in Transjordan i e n. Es ist möglich, daß diese Böden an den jüdischen Staat angesohloesen werden, wenn dio Juden dio Kolonisierung schnell vollziehen. Die Einwa n der u n gs politik des jüdischen Staate« soll planmäßig gestaltet leihe gewähren. Das Kolonisationsgebiet an der transjordanisoh-arabischen Grenze wird an der Irak-Petrol©Umleitung liegen. Der arabische Staat wird das Gebirge Ephraim, das Gebirge Juda und das Jordantal von Naharajim bis zum Tal von Jericho, sowie ganz TransjoTd a n i e n umfassen. An seiner Spitze wird EinirAbdulla stehen. Es ist noch nicht bekannt, ob der Araberstaat mit dem Irak oder mit Syrien ein Bündnis schließen wird. Diese Frage bildet einen Streitpunkt. Daß aber eines der beiden Bündnisse Zustandekommen wird, ist bekannt. Durch eine Vereinigung mit dem Irak würden die dortigen ständigen inneren Reibungen beseitigt, durch eine Vereinigung mit Syrien das Problem eines „selbständigen Syrien“ gelöst und der dauernden Abtrennung von Einzelgebieten Einhalt geboten werden. Der arabische Staat soll zwei Hauptstädte erhalten, im Westen Nablus, im Osten Amman. jttdischen Staates werden: Im ersten Halbjahr sollen alle Chaluzim der landwirtschaftlichen Hachscharah-Kibuzzim (mehrere zehntausend) aus der ganzen Welt einwandern. Dann soll eine Alijah der Facharbeiter folgen, später eine Kapitalisten-Alijah. Die Kontrolle der jüdischen Einwanderung wird vollständig in den Händen der jüdischen Regierung liegen. Der Hafen von Haifa wird, wie erwähnt, zum jüdischen Staat gehören. Auch der Hafen von Jaffa soll unter jüdischer Aufsicht stehen, doch sollen dort den Arabern besondere Rechte eingeräumt werden. Gaza wird jüdischer Hafen ohne besondere Rechte für die Araber. Tel-Aviv soll daß Handels- und Industriezentrum des jüdischen Staates sein, Haifa das administrative Zentrum und die Hauptstadt; der Abschnitt des Emek Sebulun, der als Indu&triezone vorgesehen war, soll zum größten Teil ein britisches, militärisches Zentrum werden. Alle Kolonien in der Küstenebene sollen landwirtschaftliche Siedlungen sein, der Orangenexport soll die Vorzüge des Imperial Preference System genießen. Nata-nia wird ein großes städtisches Zentrum und mit einem Kranz von Kurorten umgeben. Der Kreis von Natania soll in ein Zentrum d e 6 Weinbaues und der Gemüsezucht umgeiwanidelt werden. Sitz im Völkerbund Es soll die Möglichkeit geboten werden, arabischen Bodenbesitz innerhalb des jüdischen Territoriums und umgekehrt im Laufe von fünf bis sechs Jahren auszutausehen oder gegen Geldentschäcligung zu übernehmen. Die im jüdischen Gebiet verbleibenden Araber werden trotzdem Bürger des arabischen Staates. Sowohl der jüdische wie der arabische Staat werden Mitglieder des Völkerbundes. Peel-Bericht und Regierungs- Politik Es muß hinzugefüigt werden, so schließt „Haboker“ seine Mitteilungen, daß der Boricht der König'liehen Kommission nur noch mit der Unterschrift der britischen Regierung und der Feststellung verseilen werden wird, daß die Regierung den Bericht erhalten und seinen Inhalt zur Kenntnis genommen hat; die endgültigen Beschlüsse der englischen Regierung worden aber nicht gleichzeitig mit dem Bericht veröffentlicht werden, sondern erst, nachdem die Regierung wissen 6007 Stimmen (vier Mandate), für den Binjan Haaroz 2800 (2 Mandate), für die Weltvereinigung Allgemeinen Zionisten 1319 (1 Mandat) abgegeben. Der Misrachi erhielt 744 Stimmen, bleibt demnach ohne Mandat. Die gewählten Delegierten des Nationalen Blocks sind: Dr. Oskar Grünbaum, Oberbaurat Robert Stricker, Frau Sabine Paß weg und Dr. Nachman Frey. An die Zionisten Österreichs! Ein häßlicher Wahlkampf liegt hinter uns. Dank der Arbeitsfreude und Opferwilligkeit von vielen hunderten freiwilliger Mitarbeiter konnte er siegreich beendet werden. Der Zionistische Landesverband dankt seinen brav®n Mitarbeitern in Wien und in der Provinz, insbesonders ‘ seinen Mitgliedern in der Hauptwahlkommission und in der Zentraiwahlleitung, den Herren Dr. Grünberg, Ignaz Müller, Dr. A. Groß, Jehuda Schmidt und Dr. Pickholz, die eine ungeheuere Arbeit bewältigten. Besonderer Dank gebührt auch den Funktionären in den Ortsgruppen und Sektionen und vor allem der mit prächtigem Elan arbeitenden Jugend. Dank auch den Beamten des Landeskomitees und der „Stimme“! Zionisten! Wenn dieser Wahlkampf gute Folgen haben soll, dann gibt es nur eines: Werbet, agitieret und kämpfet weiter für den Zionistischen Landesverband! Niemand wird es dann mehr wagen, uns mutwillig herauszufordern! Arbeitet weiter bis zum endgültigen Sieg! Nur so werdet Ihr erreichen, was der Wunsch von uns allen ist, den innerzionistischen Frieden. Zionistischer Landesverband für Österreich: Dr. Pokorny, Dr. Grünbaum, S. P a ß w e g, Dr. Berger. wird, wie die Vorschläge der Königlichen Kommission ausgenommen werden. Das letzte Wort hat der Völkerbund „Times“ meldet: Eis verlautet, daß die Empfehlungen der Königlichen Kommission von der Regierung in ihrer Sitzung am 30. Juni im großen und ganzen bereits angenommen worden sind; die Entschlüsse der Regiierung werden zugleich mit der Veröffentlichung’ des Berichtes in der nächsten Woche bekanntgegeben werden. Großbritannien wird als Mandatarmacht Palästinas seine Vorschläge, betreffend die künftige Verwaltung des Landes, dem Völkerbund unterbreiten. Die Bestätigung durch das Unterhaus, die natürlich erfolgen muß, um dem Regieningisentschluß erst Wirksamkeit zu geben, wird kaum vor der nächsten Paria meutssession erfolgen; nichtsdestoweniger wird das Unterhaus zweifellos den Wunsch haben, die Diskussion über den Bericht so bald wie möglich abzuwickeln. Schüsse in Bethlehem Jerusalem, 2. Juli (Palcor). Heute abends wurden auf das Haus des Bürgermeisters von Bethlehem, Issa B e n d a k, Schüsse abgefeuert, die ihn verfehlten, aber seine Frau trafen und sie lebensgefährlich verletzten. Ebenso wurden seine beiden Töchter schwer verletzt. Die Angreifer entkamen. Es wurden schon wiederholt Anschläge auf das Leben des Bürgermeisters gemacht. Er ist der Besitzer der Zeitung „bowt Esshaab“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.