Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 656 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Oll trtMMI Seit© 5 Wten, Donnerstag, i, Juli 1937. Nr. 656. TTm?mf7TTfTT?fTTfT??f?fTTT Juden! Der Nasiräer vom Skopus Von Dr. Mayer-Ebner „Waren Sie schon im Laboratorium des Mosche Wilbusiewicz?“ Stecken Sie nur Ihre Hand hinein. Mein Freund Oskar tut es. Da sehen Sie die Emanationen Ihres Lebens. Zwei gläserne Äderchen füllten sich mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten und der Zeiger bewegt sieh. Alles ist mir viel zu tiefgründig, aber ich glaube an den Günuibeu unseres Dr. Paustus. Kommt alle zurWahl! Stimmt wie ein Mann für die Liste Wahllokale 1. Bez.: 3 Kommissionen: Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2—ä. 2. Bez.: 12 Kommissionen: A—0: Bayrischer Hof, II., Taborstraße 39, P—Z: Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Prater; 6 Kommissionen: Restaurant Lustig, H., Venedigerau 4. Schüttei: 1 Kommission: Caf6 Residenz, HL, Löwengasse 39. 3. Bez.: 3 Kommissionen: Cafe Lovrana, HI., Löwengasse 36. 4. Bez.: 1 Kommission: B. J. F.-Lokal, IV., Hauslabgasse 2. 5. Bez.: 1 Kommission: Tschechisches Restaurant, V., Margaretenpiatz 7. 6. Bez.: 2 Kommissionen: Cafö Palace, VI., Mariabilferstraße 99. 7. Bez.: 2 Kommissionen: Caf6 Helenenhof, VII., Siebensterngasse 42. 8. Bez.: 2 Kommissionen: Jüd. Invalidenheim, VHL, Daungasee la. 9. Bez.: 4 Kommissionen: Haganabheim, IX., Hörigasse 14. 10. Bez.: 2 Kommissionen: Rosensäle, Favoritenstraße 89. 11. Bez.: Gehört zur Kommission in. Bez., A—G, Cafe Lovrana, III., Löwengasse 36. 12. Bez.: 1 Kommission: Gasthaus Frierß, XII., Schönbrunnerstraße 186. Breitensee: 1 Kommission : Caf6 Breitensee, XIH., Hütteldorferstraße 117. 13. Bez.: 2 Kommissionen: Cafe Eietzingerhof, XHI., Ilietzinger Hauptstraße 22. 14. Bez.: 1 Kommission: Cafe Mariensäle, XIV., Sechshauserstraße 52. 15. Bez.: 1 Kommission: Gemeindetempel, XV., Turnergasse 22. 16. Bez.: 1 Kommission: Gemeindetempel, XVI., Hubergasse 8. 17. Bez,: 1 Kommission: Restaurant Sima, XVH., Kalvarienberggassö 12. 18. Bez,: 2 Kommissionen: Gemeindetempel, XVIII., Schopenbauerstraßo 39. 19. Bez.: 2 Kommissionen: Cafö Döblingerhof, XIX., Billrothstraße 49. 20. Bez.: 6 Kommissionen: Kindergarten, XX., Othmarstraßo 46. Zwischenbrücken: 1 Kommissiou: Restaurant Moser, XX., Dresclriorstraße 51. 21. Bez.: 1 Kommission: XXI., Bolzm&ietergasse 12. Jüdische Ellern I Meine bestrenommierte Pension habe ich erweitert. Ich übernehme Kinder zum Sommeraufenthalt unter Aufsicht einer Ärztin und gutherziger jüdischer Mädchen. Wenden Sio sich vertrauensvoll an Kohr», orth. Koscher-Penslon Balatonszemes, Ungarn. Sommerlager des Gdud Z’irim in Zell am See. Der Jugeimlbund Gdud Z’irim veranstaltet houer ein Lager in einem der schönsten Teile Österreichs a/m Zeller-See. Das Lager steht unter Aufsicht von pädagogisch geschulten Kräften. Neben der körperlichen Ertüchtigung legt der Jugendbund darauf Wert, daß die Jugendlieben sich mit jüdischen Dingen befassen. Dio Animoklungen linden täglich von 10 bis 1 Uhr im Sekretariate des Jugendlbundes Gdud Z’irim, II., Taiborsfcmße 1/15, statt. Mäßige Preise laut Vereinbarung. (Entgeltlich.) Diese Frage richtete an uns ein junger Dozent der Hebräischen Universität. „Wer ist WilbuSiiewicz?“ „Ein reicher Jude aus Litauen. Er betreibt biokümatiechie Psychologie, und hier auf dem Boden der Hebräischen Universität hat er auf eigene Kosten dieses Hans da errichtet. Ee nennt sich „Magbadiat Mosche“. Neugierig betraten wir die Schwelle dieses Hauses, welches aus nur wenigen Räumen besteht. Ein kleiner Raum mit einem einfachen Bett ist das Wohnzimmer des Manne«, der dieses Laboratorium gestiftet hat. Es öffnet seine Pforte. Seltsame Apparate. An den Wänden großmäohtige Bogen mit verschiedenen Zickzacklinien, mit allerlei Ziffern. An einem Pult arbeitet stehend ein Jüngling. Wir betreten den dritten Raum. Bibliothek. Bücher bis hinauf zur Decke. Am Fenster ein mächtiger Himmelsglobus. Auf ihm sind die Sterne und der Lauf der Planeten verzeichnet. Von einem mit Papieren bedeckten Tisch erhebt sich eine Gestalt. Wo bin ich? Ist dies nicht der leibhaftige Dr. Faustus, wie er aussah, ehe er sich von Mephisto Jugend und Schönheit erkauft hatte? Der alte Mann reichte uns seine schmale, zarte Hand. Eher klein, als mittelgroß, steht er vor uns da. Keine Figur für eine Modeschau. Einmal vor Zeiten hatte die Hose eine Falte gehabt. Der schmächtige Oberkörper steckt in einer dunkelblauen Bluse. Ein Gürtel umspannt die Hüften und Hosenträger zeugen vom Pessimismus des Mannes, der Bich auf den Gürtel nicht verläßt. Der Kopf: Langes graues Haupthaar, langwallender weißer Vollbart. Ergrauende Wimpern umrahmen zwei junge, gütig blickende Augen. Herr Wilbusiewicz — er war es seihst — merkt, daß wir von seiner Erscheinung betroffen sind. Unsere Blicke haften an seiner ungeschorenen Löwenmähne und dem langen Bart. „Sie scheren nicht Ihr Haar?“ „Warum soll ich es scheren, wenn Er es wachsen läßt?“ „Was sind Sie hier, Herr Wil/busiewicz? tPro- Mit der Flinkheit eimSs Jünglings steigt Wilbustewioi die Wendeltreppe zum Dach hinauf. Wir sind in Wilbusiewicz« astronomischem Observatorium. Ein bescheidenes Fernrohr richtet seinen Bück zum Himmel. Die Decke dieses astronomischen Heiligtum« ist verschiebbar. Sehen Sie — dies ist, meine Sukkah, und da im Hintergrund mein Allerheiligstee. Ich «ehe einen in diie Wand gemauerten Torahschrein mit weißseidenem Paroohet. Dies ist meine Synthese: Die Wissenschaft hat die Wahrheit der Torah zu beweisen. Dat m ist da« Religionsgeeetz und Daat njn ißt die Wissenschaft; der Unterschied liegt also im Ain V . Das Auge sieht, was die Seele glaubt. * Oben auf der Dachterrasse ein wundervoller Rundblick. Ausgebreitet liegt vor dir da« alte und das neue Jerusalem. Ich sehe den Tempelberg, auf ihm den Felsendom (OmaT-Mosohee), und alle anderen Baulichkeiten. Ich sehe das Weichbild der alten Stadt, die Mauer, die sie umgibt, das Tal Josafat und da« Tal Hinom, den Ölberg mit seinen Gräbern und über das blaue Tote Meer hinaus schweift der Blick hinüber zu den Bergen Moabs. * Ich sehe, Sie werden ein Feuilleton schreiben — so ganz oberflächlich nach kaum halbstündigem Besuche. Was wissen Sie von mir und meinem Werke? Kommen Sie zu mir für einen ganzen Tag, da werde ich Ihnen alles erklären und Sie werden mich verstehen. loh habe es ihm versprochen: Beschanah haboah be-Jeruechaiajim. £ Bürstenbindermeister wird als Fachlehrer des Bürstenbindens für eine Schuland Berufsbildungsanstalt aufgenommen. fessor?“ „Nein! Ich bin nur der Schames. Ich diene. Ich diene Gott und der Wissenschaft, und für mich besteht kein Gegensatz zwischen Glaube und Wissenschaft. Gott gab uns die Wahrheit der Torah und er pflanzte ewige« Leben in unserer Mitte (Segepespruch beim- Torahaufruf). Ich erzeuge in Haifa das Lechem chai, das Brot des Lebens.“ „Was ist Brot des Lebens?“ Wilbusiewicz hielt uns einen längeren Vortrag: Das Brot, das wir essen, ißt aus dem totem Kern des Weizens oder des Korns gemacht. Das Feinmehl entbehrt der in der Schale verborgenen Kräfte. Aber auch das mit der Schale vermahlene und verbackene Mehl ist tot, zumindest sind 50 Prozent des Lebens im Kern erstorben. Ich aber lasse den Kern keimen. Erst wenn er keimt, lebt der Kern, gleich dem Hopfen bei der Bierbereitung. Ich sammle die gekeimten Körner, wie sie noch vom Lehen erfüllt und weich sind. Sic werden zu einem Brei zerdrückt, zu Lechem chai verbacken und in den Handel gebracht. Alle lebendigen Kräfte der Natur sind in meinem Brot enthalten. Mir ging die Erinnerung an unser heimisches Vitaminbrot durch den Kopf. Wilbusiewicz arbeitet mit Vitaminen. „Und welche Erfolge haben Sie, Herr Professor?“ „Da« wird sich zeigen.“ Wilbusiewicz glaubt an sein Werk. * Er zeigt uns sein Laboratorium, da® Reich, in dein er regiert — oder wie er sagt — dem er als Schames dient. Da ist ein Apparat für kosmische Strahlen, die er einfftngt, bewertet, in Linien und in Tabellen verzeichnet. Ich verstehe nichts davon. . Und da ist ein Apparat für klimatische Beobachtungen, denn Mosche Wilbusiewicz treibt biokiimatische Psychologie. Da« Klima hat doch Einfluß auf unser Leben und auf unsere Seele. Was altes geschieht nicht in einer schwülen Sommernacht! Und was bedeutet dieser mit Wasser gefüllte Zylinder mit dem Zeiger, der über eine Scheibe läuft? ” r Zuschriften unter „Besonders tüchtige Kraft" an die Administration dieses Blattes. Agitationslokale des „Nationalen Blocks" 1. Bez.: Bauernmarkt 8 U 27-6-10 2. Bez.: Praterstraße 13 R 42-4-07 Praterstraße 30 R 45-1-60 U Rotensterng. 12 R 41-1-15 U Prater: Stuwerstraße 1 R 40-1-86 L Erlafstraße 5 Scbüttel: Schüttelstr. 67 B 57-2-46 3. Bez.: Löwengasse 45 U 18-6-76 4. Bez.: Hauslabgasse 2 U 40-1-89 Z 5. Bez.: Terrassen-Cafd, Margaretenplatz 4 A 30-0-30 6. Bez.: (Zentral-Agitationslokale für 6. und 7. Bez.) Marialiilferstraße 45 B 25-741 Millergasse 44 B 23-002 7. Bez.: Gasthaus Rosenheek, Lindengasse 34 B 35-0-84 8. 9. Bez.: Hörigasse 2 R 52-0-12 10. Bez.: Favoritenstr. 102 R 10-401 12. Bez.: Geschäft Josef Karp, Schönbrunnerstr. 191 R 30-3-67 13. Bez.: Cafe Hietzingerhof, Hietzinger Hauptstr. 22 A 56-5-34 14. Bez.: Schanzstraße 32 15. Bez.: Herklotzgasse 21 16. /17. Bez.: CaK Alt-Wien, Ottakringerstr. 45 A 22-4-28 18* Bez.: Weimarerstraße 7 A 20-1-54 L 19. Bez.: Hotel Zögernitz Osterleitengasse 3 (Ecke Döblinger Hauptstr.) B13-0-54 20. Bez.: Jägerstraße 30 A 41-101 Zwischenbrücken: Universumstraße 62 JÜDISCHES KINDER-FERIENHEIM „ATI D“ SfUtat CHto S&ntnecitofy (820 m) Inhaber u. pidagog. Leiter: A. Taglicht Modernst - Rituell - Erstrangig Glänzend« Erholungserfolge I - Ständige ärztliche Kontrolle! - Ärztereferenzen. Sekretariat: Wien, IX., Schwarzipanleritrafta 1t, Tel. A 26-3-73 Der Begründer der Jewsekzia gemaßregelt Die JTA. meldet aus Moskau, daß Abraham. Mereeehin nach Sibirien verbannt worden ist. Da« ißt eine Nachricht von besonderer Pikanterie, Mereschin ißt einer der Begründer der „Jewisekzia“ des jüdischen Departements im Innenministerium, der Abteilung, in der planmäßig die Entjudung des jüdischen Volke teil es betrieben worden ist. Auf Abraham Mereschin gehen alle Akte zurück, die die Unterdrückung alles innerjüdißchen Lebens zmm Zwecke hatten. Maraschin, ein fanatischer Antizionist, hat den Plan ausgestellt, die jüdische Masse a/ufznlöeen und zu teilen, um ihr so den inneren | Zusammenhang zu nehmen. Die mißglückte Maseensiedelung in der Krim und dann da« Birobidschan-Projekt, das mit aller marktschreierißcihen Propaganda als „autonome jüdische Republik“ . in Gegensatz zum zionistischen Palästinawerk herausge,strichen Heute um 5 Uhr! Alles zurWahl! wurde, sind, von Mereschin vongeschlagen worden. Von ihm ist das Sohlagwort vomgegenrevolutionären Zionismus als dem Werkzeug des englischen Imperialismus ausgegeben worden. Mereschin trägt die Schuld daran, daß tausende jüdischer Sozialdemokraten, die sich dem Bolschewismus gegenüber passiv verhielten, und Tausende von Zionisten nach den Eisfeldern des sibirischen Nordens deportiert wurden, wo sie zugrundegegangen sind. Für diese antijüdische Tätigkeit hatte er eich eine eigene Regierungiskoanmission, den „Komzet“ geschaffen. Jetzt ist Mereschm von dem neuen Kurs erfaßt worden. Er ist in den Verdacht trotzkistißcher Gesinnung geraten und „so wandert er in die Gegend ab, in der seine jüdischen Opfer ihr jüdische Bekenntnis haben büßen müssen. ■ii'ün o.-jAiinn 'sFr. 5.- XX. ZIONISTEN¬ KONGRESS Zürich, August 1937 KONGRESSPUBLIKATIONEN: 1. Berichte an den XX. Zfonistenkongreß! a) Bericht der zionistischen Exe-' kutive . (hebräisch, engl, oder deutsch) b) Bericht des Keren Hajesod . (hebräisch, engl, oder deutsch) o) Bericht des Keren Kajemeth Leisrael. (hebräisch, engl, oder deutsch) 2. Kongreßzeitungen offizielle Organe des Kongresses, erscheinen (in hebräischer und deutscher Sprache) während des Kongresses und der Tagung des Councils der Jewish Agency for Palestine täglich : Abonnements in der Schweiz . . sFr. 4.— „ in den übrigen Ländern sFr. 5.— 3. Stenographisches Protokoll des XX. Zionistenkongresses und der Tagung de« Council« der Jewish Agency for Palestine (in hebräischer Sprache . ßFr. 10.— Oeneralabonnement für alle drei Publikationen. . . sFr. 17.— Bestellungen an das Bursau des XX. Zionistenkongresses. Qeldsendungen an den 8ehwelzerlsohen Bankverein, ZUricn, fUr Rechnung des Bureaus des XX. Zionistenkongresses oder an das Postscheckkonto VIII 15598 per Adresse Bureau des XX. Zionistenkongresses, ZUrich. Die Kongreß-Zeitung und das Kongreß-Protokoll sind ein unentbehrliches Hilfsmittel jedes Zionisten, der lückenlose und authentischo Information Uber die gesetzgebende Körperschaft des Zionismus wünscht.