Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 656 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Donnerstag-, 1. Juli 1937. — Nr. 656. DII 8TIMMI Seite 3 Unerwünschter Erfolg B. H. Das Paulus-Wenk hat die vier Mi/sedon6 vorträge, dlie wir vor einigen Wochen in Wien hören konnten, jetzt gedruckt veröffentlicht. Wir halben seinerzeit zu jedem dieser Vorträge ausführlich unsere Meinung gesagt. Drei dieser Vorträge waren in ihrem Inhalt so gestaltet, daß wir — unter Beiseitelaß'SUBg ihres rein theologischen Teiles — uns mit ihnen auseinandersetzen konnten. Der vierte (er war in der Reihe der zweite), nämlich der Vortrag des polnischen Professors Pant, konnte aber nur unseren schärfsten Protest auslösen, weil der Redner in seinen Ausführungen auf die schlimmsten Talmudverd rehungen zurtiekgriff. Mit Genugtuung stellen wir fest, daß der gedruckte Text diese Stellen nicht enthält. Eis war Professor Pant noch vor seinem Vortrag das Buch seines Landsmannes Taddäus Zaderecki „Der Talmud im Feuer der Jahrhunderte“ zur Verfügung gestellt worden, das mit den uralten und immer wiederholten Talmud-Fälschungen objektiv und gründlich aufräumt. Pant ließ sich aber von Zaderecki, obzwar dieser ein anerkannter Gelehrter und gläubiger Katholik ist, nicht beeinflussen. Erst nach seinem Vortrag scheint er sich über den wirklichen Inhalt des Talmuds informiert zu haben, so daß nun immerhin der gedruckte, also bleibende Text von diesen Irrtümern gereinigt ist. Interessant ist in dieser Schrift, mit welcher Konsequenz — aber ohne in Eintönigkeit zu verfallen — die Redner das eine Thema aibwandeln: Die Juden sind Menschen wie alle anderen Menschen, und es ist ungerecht, sie zu verfolgen — aber wenn sie auch unschuldig sind, sind sie doch schuldbeladen: nämlich mit der Schuld, sich nicht zu Jeschu bekehrt zu haben, und daher kommt letzten Enäes ihr ganzes Unglück. Sie geißeln die Welt, weil sie die Juden verfolgt, sie begründen aber gleichzeitig die Verfolgungen. Ein Redner ging sogar so weit, die Juden zu beschuldigen, daß sie durch ihre Halsstarrigkeit gegenüber der christlichen Kirche das Kommen des „Reiches Gottes“ verhindern. Im wesentlichen haben diese Missionsredner Argumente nicht für, sondern gegen die Bekehrung geliefert. Dr. Pant zum Beispiel, dessen Rede sozialpolitischen Charakter hatte, sprach über gewisse unschöne Funktionen, die die Juden im Laufe ihres Diaspora-Lebens ausüben mußten, wie sie von den Vertretern der herrschendem Schicht zur Ausbeutung des Volkes mißbraucht worden seien und wie — im Gegensatz zu ihren Vorfahren, die in ihrem Land musterhafte soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen verstanden — die Juden des ausgehenden Mittelalters und der Neuzeit zum Teil geradezu Repräsentanten aller Entartungen der- Zeit gewesen wären. Diese Welt soll der Jude als Erfüllung der göttlichen Gesetze anerkennen, diese Welt soll ihm erlöst und von der Erbsünde befreit gelten? Muß er nicht vielmehr dableiben, in seiner Sonderstellung als Jude, als Hüter jener göttlichen Gesetze, gerade durch sein entsetzliches Leiden und in seinem grauenvollen Schicksal ein Beweis, daß die Welt noch weit entfernt ist von der Erlösung, und als Mahner an die ewigen göttlichen Wahrheiten, die man ihm nachspricbt, die man aber im Leben in ihr Gegenteil verkehrt? Der schlechte Jude repräsentiert aktiv die Schlechtigkeit der Welt, die leidende, unglückliche Masse der Juden klagt sie an. Das ist unser Schicksal, das ist heute noch unsere Funktion. Die Welt wird erlöst sein: wenn es keine schlechten und keine leidenden Juden mobr geben wird. In dem erwähnten Buch Zadoreckis wird BAD ISCHL Pension Lehner FTTIÖH 7» mnob Streng rituelle Küche mit eigenem Schächter Großer schattiger Garten, schöne Balkons, erstklassige Küche Voll« Pension von 7 bis 10 S pro Tag Ausk.: Wien, IX., Glasergasse 4a/5, Tel. A 10-0-72 (1-3 in der Darstellung einer der ersten Talmuddisputationen erzählt, wie Rabbi Nachmani die Anerkennung Jesclius als Messias mit dem einfachen Argument ablehnte, das nach der Meinung der Propheten das Erscheinen des Messias eine allgemeine Hebung der Sitten, vor allem aber das Aufhören der Kriege und des Blutvergießens bewirken werde, statt dessen aber führten die Christen weiter Krieg, und zwar nicht nur gegen Hei de n... Die Missionar edn er des Pauluswerkes haben sich noch viel krasser ausgedrückt. Ihre Reden hätten uns, wenn es notwendig gewesen wäre, in unserem Judentum nur bestärken können. — Für WEEKEND und REISE bMtbakanntan /IAeisen \ J FEINWURST I UND SELCHWAREN Zentrale und Poatweraand ^**“*^^ II., Rotensterngasae 12 Eine Kopie des Telegramms wurde der Allgemeine Zlonistenl Lallt Euch nicht Irreflihren! Die wahrhaften Allgemeinen Zionisten kandidieren unter Führung von Dr. Oskar GrUnbaum, Sabine Passweg und Dr. Frey nur auf der Liste „Nationaler Block“ Romanisierungsgesetz gefallen Bukarest, 28. Juni. (JTA.) Das viel erörterte Romanisierungsgesetz, das die Einführung des Numerus clausus in Handel und Industrie Rumäniens bezweckte, ist, wie der JTA-Vertreter erfährt, im Minis terrat fallen gelassen worden. Der Beschluß des Ministerrates dürfte darauf zurückzuführen sein, daß es anscheinend nicht für ratsam erachtet wurde, ein Gesetz zu erlassen, das die Liberale Partei, die gegenwärtig an der Macht ist, um die Stimmen der nationalen Minderheiten in Rumänien bringen könnte, die mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung des Landes ausmachen. Der Vorsitzende der Liberalen Partei, Constantine B r a t i a n u ist ein Gegner des vom Handelsminister Valer Pop beantragten Gesetzes. Seiner Meinung nach darf man die Minderheiten, die einen bedeutenden ökonomischen Faktor in Rumänien darstellen, nicht derart diskriminieren. Das „Czernowitzer Morgenblatt“ meldet, daß Minister Pop demissioniert hat. Restaurant Stefanie II., Taborsfr. 12 — Tel. R 48-4-46 Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner Erstklassige renommierte Küche O Große Auswahl, reichhaltige Menus von S 1.60 aufw. « Exakte Bedienung, schöner schattiger Garten 0 Angenehmer Aufenthali Die Cuzistisdie Propaganda Vor kurzem äußerte sich der Vizepräsident der Nationalen Bauernpartei, Dr. Nicolae Lupu, in einer Wahlversammlung der National-Zaranisten in Kischinew zur Judenfrage in Rumänien. „Die Cuzistische Propaganda“ — sagte Dr. Lupu nach der Czernowitzer „Allgemeinen Zeitung“ — „ist eine große Gefahr. So hat auch im Jahre 1907 der Aufstand begonnen, indem die Bauern zur Plünderung gegen jüdische Pächter aufgestachelt wurden ... Zu spät haben die Liberalen einen Frontwechsel gegen die Rechtsextremisten vollzogen... Wir verstehen das nationale Problem und wir stellen fest, daß für sämtliche Intellektuellen, ohne Unterschied der ethnischen Abstammung, in diesem Lande Beschäftigung gefunden werden kann. Wir haben 10.000 Dörfer ohne Ärzte, wir haben viele Gegenden ohne Weg und Steg. Wir haben also Arbeit für alle und haben es nicht nötig, Chauvinisten zu sein — am wenigsten gegenüber den Juden. Die Juden sind diedenRumänennächststehende Minorität und absolut ungefährlich.“ Goga besucht Hitler und Mussolini Der Führer der antisemitischen Christlichnationalen Partei Rumäniens, Octavian Goga, hat sich über Einladung des jugoslawischen Ministerpräsidenten Stojadinovic nach Belgrad begeben. Nach seinem Besuch in Jugoslawien wird Goga nach Italien und Deutschland reisen, wo er von Mussolini und Hitler empfangen werden wird. b u n d e s in Genf zugesandt. Die Ukrainer für Koalition mit den Juden Warschau, 28. Juni. (JTA.) Das Hauptorgan der „Undo“, der größten bürgerlichen Partei der Ukrainer in Polen, die Lemberger Tageszeitung „D i 1 o“, schlägt im Leitartikel die Schaffung einer ukrainisch-jüdischen politischen Koalition vor. Das Blatt spricht den Juden das Mitgefühl anläßlich der jüngsten traurigen Vorfälle aus und schreibt: j,Wir Ukrainer sind vorläufig noch in besserer Lage als Ihr, Juden, aber morgen kann uns dasselbe geschehen. Wir wollen uns mit euch verbünden, und unsere Politik wird die eines Drittels der Bevölkerung des Staates sein. Wir wollen einen unabhängigen Weg gehen. Wir Ukrainer sind auf das Bündnis mit euch nicht angewiesen, aber unsere künftige Politik sollte auf diesem Bündnis beruhen, das in erster Linie aus Motiven der Menschlichkeit und der Kultur geboten erscheint.“ Bankgeschäft Dr. Offenberger, Wien, I., Freyung I Tel. U 27-2-11, U 28-2-55, während der Börse U 28-2-79. — Durchführung sämtlicher Bank- und Börsetransaktionen. Die Hakenkreuz-Propaganda in Bulgarien Sofia, 28. Juni. (JTA.) Eine Delegation des Zentralkonsistoriums der Juden Bulgariens ist vom Unterrichtsminister empfangen worden und unterbreitete ihm ein Memorandum über die jüngsten Vorfälle in Varna. Die Delegation lenkte auch die Aufmerksamkeit des Ministers auf die neue antisemitisch - nationalsozialistische Organisation. Der Minister, der die Ausführungen der Delegationsmitglieder mit großer Aufmerksamkeit anhörte, versprach, daß die Polizei alle Anstrengungen machen werde, um die Urheber der Attentate auf die Bank Aavat Ahim und auf das Haus des Herrn Pelossov zu ermitteln. Was die Wirksamkeit des Nationalsozialismus in Bulgarien betrifft, so versicherte der Minister der Delegation, daß Organisationen, die die Aufreizung eines Bevölkerungsteiles gegen einen anderen zum Ziele haben, niemals geduldet werden würden. Dag Gesetz werde mit aller Strenge angewandt werden. Die jüdische Bevölkerung Bulgariens könne ruhig sein. Die Regierung wache über die Sicherheit der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied der Rasse und Religion. schüre antisemitischen Inhalts beschlagnahmt. In der bulgarischen Stadt Varna sind vergangene Woche kurz hintereinander zwei Bomben zur Explosion gebracht worden, die eine in dem Hause des Juden Pelossov, die zweite in der jüdischen Kooperativbank „Aavat Arnim“, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. fiBeittfrittfer bedangen ein 2ld)tel mit ^tcblauct Sauctbtutttt au§ ber Dttginalflafdje. Antisemitische Propaganda in Bulgarien verboten Sofia, 24. Juni. (JTA.) Das Innenministerium hat die Statuten einer von Prof. K a 1 a e dj 1 e v in Sofia ins Leben gerufenen neuen antisemitischen Organisation nicht genehmigt. Auf Grund einer Regierungsverordnung wurde eine von der Vereinigung bulgarischer Nationalsozialisten herausgegebene B r o- “"'"•"'""'Herz-u.Froueiiiißlllina TATZMANNSDORF Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäure Sprudelbäder. Elektro Kardiographisches und Röntgen-Institut. Reduzierte Preise. Auskilnfta und Prospekte durch Kurkommission, Kurbad A.-G., Gemeinde, Verschönerungsverein und Fremdenzimmervermteter in Bad Tatzmannsdorf, Heilbäderverband, Wien, I., Nibelungengasse 1, und Reisebüro .City“, Wien, I., Kohlmarkt 8. Telephon U 26-4-29 Bulgarische Judenschaft an Chamberiain Sofia, 28. Juni. (JTA.) Das Zentralkonsistorium der J u d en « B u I gar i e n 8 hat an den englischen Premierminister Chamberiain folgendes Telegramm gerichtet: Das Zentralkonsistorium, die auf Grund allgemeiner Wahlen gebildete oberste Vertretung der bulgarischen Judenheit, gibt seiner Erbitterung über den Plan einer nochmaligen Teilung des kleinen Palästina Ausdruck. Es appelliert an die edle englische Nation, die ihm durch die Geschichte zugewiesene heilige Mission zu erfüllen. Sollte aber die Teilung beschlossen werden, so bringt die bulgarische Judenheit ihren Protest zum Ausdruck und erklärt, daß sie keinerlei Teilung oder Kantonisierung Palästinas annehmen wird. Der Fall Doboszynski Warschau, 26. Juni. In dem großen politischen Prozeß gegen den rechtsradikalen Ingenieur Doboszynski, welcher im Vorjahre die galizisehe Stadt Myslenice mit seinen Anhängern besetzte, den Bezirkshanptmann mißhandeln, den Ortspolizisten festnehmen und das Judenviertel verwüsten ließ, fällte heute das Krakauer 'Schwurgericht einen überraschenden Spruch. Unter dem Eindruck der politischen Rede des Angeklagten verneinten die Geschworenen sämtliche Schuld fragen. Der Vorsitzende Berufsriehter verweigerte daraufhin die Fällung eines Urteils und legte prozeßrechtliche Verwahrung gegen die Stellungnahme der Geschwornen ein. Der Oberste Gerichtshof h'at den Freispruch a u f g eh o b e n und eine neuerliche Verhandlung vor dem Schwurgericht von Krakau angeordnet. bei Kauf einer Werbepackung aber nur bis 31. Juli 1. J. Daher kau ft Jedermann — der es sich leisten kann: nur eine SWING Die Juden in der Messe-A. G. Auf Grund dier Mitteilung der JTA. veröffentlichten wir in unsierer letzten Nummer einen Bericht, wonach die Messe-A. G. sämtliche Juden entlassen habe. Von der Leitung der Messe-A. G. erhalten wir demgegenüber folgende Information: Es wurde bei der Messe-A. G. ein Personalabbau vorgenommen, der durch das Doppelverdienergesetz und durch die Erreichung des Höchstdienstalters bei verschiedenen Angestellten veranlaßt worden war. Es wurden 12 Personen abgebaut. Unter ihnen waren 6 Juden. In allen 6 Fällen waren die gesetzlichen Notwendigkeiten für den Abbau gegeben. Es arbeiteten bei der Messe-A. G. zwei jüdische Ehepaare, dornen auheimgestellt wurde, sich selbst zu entscheiden, welcher von den Partnern austreten wolle. In dem einen Fall trat die Frau, im anderen trat der Mann aus. Ferner ist eine Frau aus dem Dienst geschieden, die einen tschechoslowakischen Staatsbürger geheiratet hatte, der ein Einkommen hat. Sowohl nach dem Gesetz über die Beschäftigung ausländischer Staatsbürger wie nach dem Doppelverdienergesetz fiel sie also unter die Abbaumaßnahme. Ein Jude wurde abgebaut, weil er über 60 Jahre alt war; Ein weiterer Jude Der Zionismus sieht vor neuen historischen Entscheidungen. - Der Kongreß 1937 ist ein historischer Kongreß! - Wählen ist historische Pflicht! - Keiner fehlt heute um 5 Uhr an der Urne! - Wahlzeit bis 10 Uhr