Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 655 (27.6.1937)
- Date
- 1937-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 655 Wien, Sonntag, 27« Juni 1937 20. Tamils 5697 10. Jahrgang SStimme JÜDISCHE ZEITUNG wie die Resonanz unserer Forderungen ausfällt. Wir haben nur die eine Plattform: ein Palästina in den historischen Grenzen ungeteilt und unteilbar, ein Land, in welchem wir staatsbildend und geschichtsbildend wirken können, von dem aus wir in das Schicksal der verschiedenen „Judentümer“ ordnend, helfend und schützend eingreifen können. Vor der Gewalt dieses Strebens verschwindet all das, was sich Sozialismus und Kapitalismus nennt, was sich als fremdes Unkraut in Vaters Garten eingenistet hat. In der politischen, heißbewegten Atmosphäre dieser Zeit werden Projekte und Pläne entworfen, die mit unserer Zukunft Handel treiben. Der eine ist unser Freund, weil er die wirtschaftliche Kraft der jüdischen Staatszelle bereits erkannt hat und für sich nützen will; der andere ist unser Feind, weil wir im Bannkreis der englischen Sphäre stehen. Nach unserer Meinung, nach unseren Entschlüssen will keiner fragen, weil man uns für schwach und von Parteiunsinn zerfressen hält. Auf die Gefährlichkeit dieser unseren inneren Entwicklung haben wir Allgemeinen Zionisten immer wieder hingewiesen. Wir haben unzählige Male gesagt, daß bei allem Respekt vor den Interessen der Gruppen doch die Sorge um das Große, Gemeinsame, um das Volk innerhalb und außerhalb Palästinas an erster Stelle zu stehen hat und daß die gemeinsame Gefahr auch Separatismen und Eigenbröteleien nicht verschonen wird. Nach unserer, leider durch die Tatsachen selbst erhärteten Anschauung gehört Palästina dem jüdischen Volk, das heißt dem Juden, und nichts anderes darf in Betracht kommen* Wir haben immer daran erinnert, daß jeder Vorsprung in Palästina jüdisches Schicksal in der Galuth berührt, daß sich alles in Palästina unter den Augen einer mißgünstigen, uns feindlichen Umwelt vollzieht und daß in Palästina gar nichts geschehen darf, was uns irgendwie in Zusammenhang mit europäischen Wirren und Verwirrungen bringt. Wir hoffen, daß die zionistische Wählerschaft wenigstens bei diesen kommenden Wahlen nur die eine Parole befolgen wird, Per- Montag um halb 9 Uhr abends VORTRAGS-ABEND im Hotel Continental: Probleme des XX. Zionistenkongresses. Es sprechen: Rat der Stadt Wien Doktor Jakob EHRLICH, Staatsrat Dr. Desider FRIEDMANN, Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Oskar GRÜNBAUM, Präsident des Zionistisches! Landesverbandes für Österreich, Dr. Heiuty LICHTENSTE3N RAPPAPORT, Ing. Robert STRICKER, Vizepräsident der Kultusgemeinde» Aufruf der Liste „Nationaler Block“ (Zionistischer Landesverband — Verband der Judenstaats-Zionisten Österreichs) Die einzige Plattform des Zionisten Der Bericht der Royal-Kommission ist Ser Regierung zugegangen. Sie wird in der nächsten Woche darüber beraten und \ dann ihre Entschlüsse dem Unterhaus bekanntgeben. Wann dies erfolgt, hängt ""nicht zuletzt von der Gestaltung der allgemeinen politischen Lage ab, die sich jetzt wieder im Mittelmeer verschärft hat und gerade deshalb auf jede Phase eines mit dieser Gegend in Verbindung stehenden Problems drückt. Ein solches ist Palästina und seine Bedeutung ,wächst mit jedem Tage, da dieses Land das Mittelmeerbecken nach Osten ab- Sohließt. Durch die jüdische Arbeit ist Palästina in das Blickfeld der Weltpolitik gerückt worden. Es ist nicht nur ein Land, auf das drei Religionen schauen, sondern auch ein sich täglich .verstärkender wirtschaftlicher Brennpunkt und aus diesem Grunde werden weniger die Entscheidungen des englischen Kabinetts, als die der Mandatskommission des Völkerbundes bestimmendes Gewicht haben. Was England beschließt, ist nur ein Vorschlag, allerdings ein gewichtiger. Aber auch die Stimmeides von allen Plänen direkt betroffenen jüdischen Kompaziszenten wird gehört werden und ihr Einfluß wird um so stärker sein, als die gesamte zionistische 'Organisation als der Willensträger des jüdischen Volkes sich durch die Kongreßwahlen sozusagen in den Instanzenzug einschaltet. Und bei diesen Wahlen wieder kommt es darauf an, daß die Zionisten in der denkbar größten Zahl ihre feste Entschlossenheit auisdrücken, nicht ein Millimeter ihres Rechtes auf ein freies, ungeteiltes und selbständiges Palästina aufzugeben und die Unterzeichner von San Remo nicht aus dem Wort zu lassen. Leider sind die Giftstoffe der europäischen Parteipolitik, der Anbetung der [Macht der Zahl und der ins Politische abgebogenen Klassen, die ursprünglich mir wirtschaftliche Formationen sind, auch in das jüdische Leben eingednmgen und wir haben innerhalb des Zionismus auch Gruppierungen, die ihre Gegensätze mit Weltanschauung gleichsetzen. Aber Wie immer sie stehen und wie leidenisohaftlieh immer sie ihre Differenzen lieben, in der einen Forderung finden wir uns auf dem gleichen Boden: wir erstreben die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk. Und es ist die Zeit gekommen, dieses kardinale Postulat so la/ut zu verkünden, daß es nicht überhört werden kann, und es so stark zu betonen, daß ein Beschluß nicht ohne oder gegen unsere Willensmeinung Zustandekommen kann. Als die Botschafterkonferenz in San Remo in ihrer Tagesordnung bis zur Palästinafrage kam, fand sie Tausende von Telegrammen der zionistischen Verbände aus der ganzen Welt Vor, die an 'die Balfoutsche Erklärung erinnerjeii. ' Und’ diese,' Manifestation erzielte es,. daß die Konferenz ihren Beschlußbeschleunigte. Wenn die Mandatskommission Endo Juli sich versammelt, wird sie davon Kenntnis nehmen müssen, daß alle Zionisten, daß der eigenpolitiseh Und national eingestellte Teil des jüdischen Volkes, die Wahl seiner Vertretung vollzogen hat und daß diio Körperschaft gebildet ist, die dm Namen des Volkes zu sprechen befugt ist, im Aufträge eines Volkes von 17 Millionen, das ans der Hölle des Hasses zur freien Arbeit kommen will. Je größer die Zahl der Wähler ist, jo klarer ihr staatspolitischer Wille horaustritt, desto stärker wird die Wirkung sein und es liegt wieidetr an uns, aß dir, zionistisoh^ Wähler, Der für den 3. August nach Zürich einberufene XX. Zionistenkongreß findet in einer Zeit größter Bedrängnis des jüdischen Volkes statt. Aus aller Welt kommt die Kunde von grausamen Verfolgungen, die auf die moralische und materielle Vernichtung der Juden abzielen. Darüber hinaus, um das Maß voll zu machen, ist Erez Israel, das jüdische Nationalheim, in Gefahr geraten. Die jüdische Einwanderung ist tatsächlich gesperrt und Pläne einer in ihrer Wirkung vernichtenden Zerreißung und Zerkleinerung des durch die Abtrennung Transjordaniens bereits arg verstümmelten Landes werden wieder erwogen. Angesichts dieser katastrophalen Lage haben sich die Unterzeichneten Verbände zur Vermeidung eines Wahlkampfes der zionistischen Parteien gegeneinander um die Aufstellung einer Einheitsliste für die bevorstehenden Wahlen zum XX. Zionistenkongreß bemüht. Leider ist der Plan eines einheitlichen Vorgehens gescheitert, und zwar vor allem an der Haltung des Verbandes „Binjan Haarez“ („Arbeitendes Palästina“). Ein Wahlkampf wird also stattfinden. Um ihn nach Möglichkeit abzugrenzen, haben sich die beiden gefertigten Verbände (Zionistischer Landesverband und Judenstaats-Zionisten) entschlossen, eine gemeinsame Liste unter dem Titel „Nationaler Block“ aufzustellen. Beide Verbände, Allgemeine Zionisten und Judenstaats-Zionisten, sind dieses Wahlbündnis unter völliger Wahrung ihres Programms eingegangen und jeder von ihnen wird auf dem Kongreß für sein Programm einstehen und kämpfen. Den Wahlkampf selbst aber wollen sie gemeinschaftlich im Zeichen folgender Postulat« führen: Kampf um die restlose Erfüllung der Balfour-Deklaration und des Palästina- Mandates durch die britische Mandatsmacht; freie jüdische Einwanderung und Förderung der geschlossenen jüdischen Siedlung. Kampf für einen Judenstaat in den historischen Grenzen und gegen jeden Versuch einer Teilung Palästinas oder seiner Zerreißung in arabische und jüdische Kantone. Friedlicher Aufbau Erez Israels im Zeichen der nationalen Einheit. Ablehnung der Ideologie des Klassenkampfes, welcher das Volk in feindliche Lager spaltet und den Willen zu gemeinsamer Arbeit für das Land und zu gemeinsamer Abwehr des äußeren Feindes untergräbt. Ablehnung des Kulturkampfes, welcher die Atmosphäre im Lande vergiftet und die Grundfesten des jüdischen Volkstums erschüttert Meinungsfreiheit für den einzelnen, verbunden mit tiefster Achtung vor dem jüdischen Religionsgesetz, das in allen Einrichtungen der Zionistischen Organisation und ihrer Fonds zu respektieren ist. Das sind die Grundsätze, welche den im „Nationalen Block“ geeinten Verbänden gemeinsam sind und in deren Zeichen sie in die Wahlen zum XX. Zionistenkongreß eintreten, n Zionistischer Landesverband für Österreich. Verband der Judenstaats-Zionisten Österreichs, hach EREZ ISRAEL mit den vorzüglichen Schiffen „MARCO POLO“, „ESPERIAS „GAIILEA“ U. „GERUSALEMME“ Monatlich 8 Abfahrten von TRIEST und GENUA. Auskünfte und Anmeldungen: Generalagentur, Wien,!., Kärntnerring 6 Tel. U 47-5-60 u. Reisebüros. ..flrtrlatictT Billige und bequeme Ferienf ährten mit der „Czernowitzer Allg. Zeitung*1 nach Polen u. Czernowitz Abfahrten: 27. Juni, 4. und 11. Juli Auskünfte und Anmeldungen: ausschließlich im Reisebüro „Marlen* brücke", Wien, I., Rotenturmstraße 26 Telephon R 24-2-86/87 sonen zu wählen, die für das ganze Volk' denken und handeln wollen, und die nicht Sonderinteressen von Gruppen und Cliquen vertreten, sondern das Baseler Programm. Was jeder Wähler wissen muß! Wahltag: Donnerstag, den 1. Juli 1937/ von 5 Uhr nachmittags bis 10 Uhl1 abends. Als Wahldokumente gelten ausschließlich! eines der folgenden Dokumente: Ge-i burtsschein, Heimatschein, Trauungs^ schein, Reisepaß, Gewerbeschein, Netz-, oder Streckenkarte der Straßenbahn oder eine sonstige amtliche LegitL matiön. Meldezettel allein genügt nicht, die Mitnahme der Schekelquittung ist nicht notwendig, der Schekel allein ist kein Wahldokument. Wahllokale: Jeder wählt persönlich in dem Bezirke, in welchem er die auf die Kongreßwahl sich beziehenden Zuschriften erhält. — Wahllokale und Agitationslokale werden in der „Stimme“ verlautbart. Wahlzeit: Von 17 bis 22 Uhr. Wählen Sie nicht zu spät!! Sie ermögM liehen dadurch die rechtzeitige Er* fassung säumiger Wähler. Stimmzettel: Schneiden Sie aus diesem Blatt den Stimmzettel aus! Es ist der Stimmzettel der Liste: „Nationaler Block“ (Zionistischer Landesverband für Österreich -h Verband der Judenstaatszionisten Österreichs) Listenführer: Dr. Oskar Grünbaunt Ing. Robert Stricker. Ändern und streichen Sie nichts! Sons! ist der Stimmzettel ungültig. Beachten Sie alle diese Weisungen! Denn nur dann sichern Sie Ihr Wahlrecht! Die Hauptagitationsleitimg der Liste „Nationaler Block'*, Ein Untersuchungsaussdiuß der Mandatskommission? London, 23. Juni, Infolge der zahlreiches Proteste, die seitens der Araber sowie der Juden wegen des angeblichen Inhalts des Gutachtens der RoyaJ Kommission eingelaufen sind, rechnet man hier damit, daß eine endgültige Entscheidung des britischen Kabinetts kaum vor Ende des Sommers fallen wird. . Man rechnet sogar mit der Möglichkeit einer neuen Untersuchung. Jedenfalls werden die Vertreter der arabischen und der jüdischen Bevölkerung noch einmal gehört werden. Es geht auch da/s Gerücht, daß die Mandatskommission in ihrer Palästina-Session einen Antrag auf Entsendung einer eigenen Kommission nach Palästina verhandeln wird.