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Die Stimme · 1937-06-22 · Heft 653 (22.6.1937) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 653 (22.6.1937)
Date
1937-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 653. — Wien, Dienstag, 22. Juni 1087. Oll ITIMMI Saite 3 Hutd-laUt&eä iu du Etappe* Von Dr. E. M. Zweig-Jerusalem, Anfänge 1917 wurde loh soeben als Land Stürmer zu meinem Olmützer Hausregiment eingezogen, nach Opoczno, einem Land Städtchen, in dem von unserer Armee be setzten Teil Russisch-Polens, beordert und dort dom „K. u. k. Militärgericht des Kreis kommandos“ als Schriftführer zugewiesen Dieses amtierte in den hocligewölbten Räumen der „Esterka“, das vormals — oh Wandel der Zeiten — das Lustschloß der Ge liebten König Kasimir des Großen ge wesen... Wie ein Lauffeuer drang es in die Juclengasee, der Riohterstab habe sioh um einen jüdischen „Hof- und Gerichtsadvo katen“ aus der Kaiserstadt Wien vermehrt, Und alsbald meldete sich bei mir ein junger Mann namens W. und stellte sioh stolz als der „Ortskommissär“ vor. Freilich hatte ioh selbst ihn noch kürzlich kraft meiner zioni stischen Funktion als Leiter der Landes sammebtelle des Jüdischen Nationalfonds für Österreich ernannt, gleich all den andei im Okkupationsgebiet tätigen Kommissäre W. gab mir ausführlich Bericht über die ach so bedrängte Lage des Zionismus in unserem Kreis; hatten ja die Anhänger des „Gerar Rebben“, des Wunderrabbi von Gora Kalwarya, weitaus die Oberhand und suchten jede Regung des nationalen Judentums niederzuhalten... Sofort schlossen wir da, der Landeskundige Bachur und findige Kaufmannssohn und ich, der nach dem Osten versprengte, von exotischem Nimbus umwitterte Organisator, einen festen Bund und führten fortab durch ein volles Jahr — bis zu meiner Abkommandierung aus Polen — eine planmäßige Propaganda, um dem Zionismus gegen alle Widerstände, voran jene der Chassidiim, in der Judengasse Opocznos Bahn zu brechen. Leider jedoch bekleidete ich trotz bürgerlichem Beruf und Titel und trotz der Würde meiner vierzig Jahre als am Beginn der militärischen Karriere nur den sohofeln Rang eines „Gemeinen“, welcher von der Laune jedes „Höheren“ abhängig, keine Einmengung ins Politische riskieren konnte. Darum hieß es, meine Aufklärungs- und Erziehungsarbeit maskieren und den jugendlichen Freund W, möglichst vorschieben. So hatten wir besprochen, er solle zu Herzls Jahrzeit eine Feier vorbereiten. Der 20. Tamus, ein glutheißer Soramertag, war angebrochen. Ich ruhte nach frugalem Mittagmahl ein wenig auf dem Eisenbett meiner „Ubikation“ und grübelte, was nur aus unserem Plan geworden sei, als mein Mann eintrat. Alles sei parat, die Jugend alarmiert und der bewußte Ingenieur aus dem nahen Tomaszow, der von den Deutschen besetzten Fabriksstadt, welcher als Festredner zugesagt habe, werde mit dem nächsten Zug erwartet; jetzt gelte es nur noch, sioh den Gemeindetempel, die große Sohul', zu sichern, denn das sei das einzige, genug geräumige und dabei vor Anschlägen der Behörde ziemlich gefeite Lokal. Ich müsse sofort zum „Dosor“ (Kultusvorsteher) F., der den Schlüssel zur Schul* verwahrt halte, raitkommen und durch meine Autorität als Krieger der österreichischen Armee und gar als Träger einer Art Hoftitel eventuellen Widerstand überwinden helfen. Richtig trafon wir in seinem muffigen Laden den hochmögenden Dosor an. Wie erstaunt war ioh nun, als W. schlicht für sich und noch paar Bachurim die Bitte vortrug, für einen verstorbenen Freund in Schul* zu einer vom öffentlichen Gebet freien Stunde stille Seelenandacht verrichten zu dürfen. Der Dosor, voii der frommen Pietät der jungen Leute schier ergriffen, sagte, auf kein Detail erpicht, glatt zu und stellte den Schulsohlüssel, der leider augenblicke nicht zur Hand, sondern irgendwo beim Schamasch sei, für fünf Uhr nachmittags in bestimmte Aussicht. W.-strahlte über die anscheinend gelungene List und ioh, dem ca erspart geblieben, meine Autorität zu erproben, eilte ins Gericht zur Amtspflicht zurück- Punkt sechs Uhr verließ ioh dann, am Militärposten . vorbei, die „Esterka“, überquerte den I-Iauptplatz und steuerte in hochgeschwelltem Gefühl dem Judenviertel zu, denn W. hatte mir verbürgt, man werde mit dem Beginn der Feier auf mich warten. Doch je näher ich der Schul* kam, desto mehr fiel auf, daß dio Juden da und dort, lebhaft diskutierend, beisammenstehen, und mir war, als werde aus mancher Gruppe, die schon ihre Tracht als Chassidira verriet, nach mir geschielt und gcspöttelt. Und den Platz vor clor Schul’ selbst fand ich schwarz von einer erregten Menge, die sioh jetzt dem nahen Häuschen des Ortsrabbiners zuwälzte. W, hatte, als ich ihn erspähte und herbeiwinkte, kaum Zeit, sioh in abgehackten Sätzen zu beklagen, der Dosor habe sein Wort gebrochen und die Schlüssel verweigert — mit der Ausflucht, sie seien in Verlust geraten. Der böse Wille der Chassidim, die nationale Feier zu vereiteln, sei offenbar; nun hätten sie gar noch die Entscheidung des OrtsrabbineTS — ihres Parteigängers — angerufen. Aber die zionistische Jugend sei entschlossen, nicht zu weichen... Wie nun des weisen Rabbi Urteil ausfallen werde, schien auch mir kaum zweifelhaft, denn unter seiner turmhohen Pelzmütze wußte ich mittelalterliche Ideen nisten. Hatte er es ja vor Wochen unternommen, den verheerenden Einbruch der Flecktyphusseuche in die Gasse dadurch abzuwehren, daß er auf dem Friedhof die Mizwah der Trauung eines ältlichen Mädchens mit dem Gemeindetrottel arrangierte. Freund W. seinerseits zeigte eich jedem Zuspruch, er möge in dieser judenfeindlichen Umwelt einen Fiklat vermeiden, unzugänglich. Was blieb mir übrig, als die kaiserliche Uniform, die Ich trug, dem drohenden politischen Streit zu entziehen! So marschierte ich in Wahrung meiner Neutralität, doch Über die Vereitlung unseres schönen Planes tiefbetrübt, mit großen Schritten auf der Landstraße von Sitowa zu, um ein Halbetündchen darauf im Abendsonnenschein nach der Stadt umzukehren. Da liefen mir zwei Judenburschen, am Kaftan blau-weiße Bändchen angesteckt, entgegen und riefen mir schon von weitem zu, mich zu sputen; man suche mich überall, die Schul* stehe?;elobt sei Gottl — offen und die Feier müsse eden Moment beginnen... Wie das kam?! Je nun, der alte Rabbi habe, von beiden Par teien regelrecht an die Wand gedrückt, lange geschwankt; doch auf das Ultimatum der Die Juden im neuen Spanien Von Dr. Israel Zwi Kanner (1. Fortsetzung.) Über die Juden des neuen Spanien sind nur sehr, wenige Angaben vorhanden. Dies bängt damit zusammen, daß sie erat im letzten Vlerteljahrhundert nach Spanien kamen und sich als Gemeinschaft noch im statu nascendi befinden, in dem sie noch kein bestimmtes Gesicht haben. Vor Beginn de® Bürgerkrieges lebten in Spanien zirka 20.000 Juden, die eine Hälfte davon sind Aschkenasim und die andere Hälfte Sephardim. 14.000 von ihnen wohnen in Barcelona. Ein großer Teil ergriff während des Bürgerkrieges die Flucht ins Ausland. Die Sephardim stehen auf einer hohen Kulturstufe; sie sind untereinander einig und nehmen die jüdischen Flüchtlinge sehr wohlwollend auf. Dagegen leben die deutschen Flüchtlinge mit den nichtdeutschen in Unfrieden. Die ersten nennen sich Emigranten, die zweiten in richtiger Erfassung der Lage, Flüchtlinge; die deutschen fühlen sich irgendwie höher und bezeichnen alle nichtdeutsohen Flüchtlinge als „Polisohe“. Dieser Zustand äußert sich besonders im Unterstützungswesen. Die Deutschen werden bevorzugt, während für einen. „Polischen“ bei einem Gottesdienst das Geld zusammengeschnorrt werden muß. Der Verwalter des Unterstützungsvereines „Esra“ ist ein ■ Konfessionsloser, der mit einer Christin verheiratet ist. Er erhält ein Monatsgehalt von-600 Pesetas. Das erregt den Unwillen vieler. Manche sagen, sie würden die Stelle einer solchen Wbhlfahrtsanstalt unentgeltlich versehen. Mit der Religion nehmen es die deutschen Flüchtlinge nicht nur nicht genau, sondern sie respak tierem sie gar nicht.- Sie erscheinen am Sabbath mit der Zigarette im Mund m Tempel. Die geringste Jutdenzahl wird für Bar celona mit 7000 angegeben. Die richtige Ziffer wird in der Mitte liegen. Eingetragen sind in der Baroelonaer Kultusgemeinde im ganzen 151 Familien. Der Vorstand legt es allen Juden zur Pflicht, sich bei ihr schleunigst zu melden. Die meisten melden sich nicht an, weil sie nicht wissen, ob sie dableiben oder bloß durchfahren werden. — '>ie Gemeinde von Barcelona konstituierte sich 1907, wurde 1913 anerkannt und richtete im Parterre einer gemieteten Schule ihre Synagoge ein. Am Almemor befinden sioh zwei aohtröhrige Mienoroth, also ein Versehen des Architekten, da doch das Symbol des Judentums die siebenröhrige Menorah ist. Bevor die Gemeinde eich eigene Funktionäre (1 Kantor, 1 Schächter und zwei Schamaschim) leisten konnte,, mußte ein Mo hol eigens von Paris hierherkommen und oft eine ganze Reihe von Be- 8chneidungen vornehmen, darunter an bereits sechs Monate alten Kindern. — Die Synagoge befindet sich in der Neustadt, Calle de Provenca 250. Von außen ist sie weder durch einen Zions-Stern noch durch oine hebräische Aufschrift erkennbar, sie ist von einom Palmengarton verdeckt. Man wird keinen Juden finden, der seine M e s u s a von außen befestigt hat. Ich fragte, warum die Juden sich so unsichtbar machen und erhielt die Antwort, man darf noch nicht wissen, daß hier Juden sind. Das Volk ist nicht dafür. Hier werden sich die Juden nicht halten. Bei der Straßenkolportage prangen Überall die hebräischen Baükenlettern des „Hajnt“. Warum versteckt sich dieser nicht? I Wieder wird den Juden Religionsfreiheit gewährt, von der sie auch weitestgehenden Gebrauch machen. Was geheim geübt wurde, wird nun wieder öffentlich. So zum Beispiel hat die Judengemeinde von Barcelona sich an die Regierung mit der Bitte gewendet, ihr die offizielle Erlaubnis zum Schächten zu erteilen, das bis jetzt inoffiziell ohne irgend welche Störung ausgeübt wurde,. Wie könnte auch der Spanier das Schächten verbieten, der inder Kampfarenä dem Stier drei lebende Pferde vorsetzt und ihm dann unter Freudenbrüllen des Publikums das Messer in den Nacken sticht, nachdem er ihm schon vorher einige giftige Pfeile hineingeschossen hat! Vor einigen Wochen erschien in der „Estampa“ eine Photographie des Schächters während der S ch 1 a c h t u n g einer Henne. Manche leugnen jede antisemitische Tendenz — die Zeitung habe den Lesern bloß einen Juden vorführen und sie an das Aussehen eines solchen gewöhnen wollen. Der Spanier habe nämlich bis jetzt geglaubt, daß ein Jude Hörner habe, und pflegte sich, wenn er einem Chudio begegnete, zu bekreuzigen und oft sogar den Jüdenkopf abzutasten. *. . . Das- .Wohnviertel der Sephardim ist P a r a 1 e 1 o im Pueblo Seco. Ich besuchte dieses Viertel. Toll versuchte, mit den Juden zunächst Jiddisch zu sprechen. Sie verstanden kein Wort. Sie sprachen nur Hebräisch und Spanisch, streng genommen A.ltkastdlisch, Ihre Ahnen flohen aus Spanien, aber die Sprache nahmen sie mit. Zusammen mit der Sprache blieben literarische Erinnerungen lebendig, Hausgebräuche, Gebet und Liturgie. Wenn ein spanischer Gelehrter die kastilische Sprache studieren will, muß er zu diesen Juden kommen. Sie haben ihre eigene, spanische Zeitung. Sie halten sich für vornehmer, denn ihre Ahnen waren Märtyrer. Der Sephardi hat aristokratischen Stolz und pflegt — ohne überheblichen Eigendünkel — den anderen Juden gegenüber auf seinen spanischen Ursprung. als Adelssiegel zu verweisen. Die Sephardim sind bis jetzt mit den aschkenasiscken Juden nicht verschmolzen. Erst in der letzten Zeit bahnt sich durch gemeinsame Interessen (Zionismus, Emigrantenfüraorge usw.) eine gewisse Annäherung an. Schließlich hat die Katastrophe, die seit 1933 über die deutschen Juden herednbrach, das Gefühl der jüdischen Schicksalsgemoinechaft wieder etwas geweckt. Als Judenviertel der Aschkenasim gilt die Provenca. Hier, wohnen die meisten Juden. Hierher werden sie von den Einwandorungskomitees geschickt. Ein Jude zieht dahin, wohin der andere zieht. In der Provenca 850 sind noch untergebraoht: der Hochaluz, der J. I. B. (Juventud israelita Barcelona), ein neutraler Jugendbund, dessen Tätigkeit sich auf Veranstaltungen von Tänzen und Vorträgen erstreckt, der Unterstützungsverein „Esrah“, Subkommission Para Aguda „A g u d a t h A o h i m“, eine sephardische Organisation zwecks Veranstaltung von Gottesdiensten anläßlich der hohen Feiertage, die auch . zugleich eine Chewra Kadischa bildet, und eine kleine Bibliothek. (Fortsetzung folgt.) zionistischen Jugend hin, sie werde, wenn man ihr jetzt nicht den Zutritt gönne, die Schul* nie wieder betreten, schließlich die Bewilligung erteilt. „Die Newere af Eich!!“ waren seine höchsteigenen Worte. Indes aber hatte schon ein gojischer Schlosser, von paar Heißspornen herbeigeholt, das Tor der Schul’ aufgesprengt und die Zionisten, und weil sonst ihre Ordner zuließen, seien drin versammelt ... Wirklich sah ich auf unserem hastigen Gang durch die Gasse die Chassidim — von der vollzogenen Tatsache überwältigt — sich murrend abseits halten. Nun waren wir an und in der Schul* angelangt; ein Pfad durch die Menge klaffte und ich fühlte mich zur ersten Reihe vorgeschoben. W. trat zum Almemor und gab dem Festredner das Wort. Der spielte auf allen Saiten der Volksseele. In herzbewegendem Jiddisch schilderte er die jahrtausendelangen Leiden Israels in der Verbannung, seine krausen Irrwege und nun die erlösende Sendung des Führers, dessen Opfertod sioh heute jähre... Atemlos hingerissen lauschte der „Ojlem“. Krieg und Kriegsnot schien vergessen. Nur hoffnungsstarke Begeisterung verklärte die hunderte, dem Almemor zugewandten Gesichter. Jetzt löste sich die Spannung im Zauberchor der „Eatikwah“ und die Menge, durch Herzls Vorbild gestählt und geadelt, ergoß sich in die nachtdunkle Gasse. Wie man nächster Tage erfuhr, hatten sich ähnliche Kämpfe in vielen änderen' Städten und Städtchen Polens abgespielt, wo überall die Zionisten wie auf eine Parole um das Recht rangen, Herzls Jahrzeit an geweihter Stätte zu feiern. Doch nicht immer war die Entscheidung so friedlich gefallen als hier in Opoczno; zumal in jenem Orte nicht, wo die von verstiegenen Assimilanten uns zu Trotz veranstaltete und just in dem Tempel verlegte Kosciuszko-Feier mit starker Hand zer-. sprengt worden war. Woher aber kam diese tiefe Erregung der Juden, die sich für sie selbst bedrohlich genug unter dem kritischen Blick einer fremden Okkupationsmacht auswirkte?. Man muß eben wissen, daß die polnische Judenschaft — der amtlichen Nachrichtensperre ungeachtet — von der bestimmten Erwartung beherrscht war, in dem fernen, von Djemal Pascha und General Allenby umkämpften Palästina bereite sich die Entscheidung über das Geschick des jüdischen Volkes vor. Die Chassidim glaubten sie als Menschenwerk ablehnen zu müssen, die Zionisten jedoch bebten ihr freudig entgegen. Wenige Monate später schien durch die Balfour-Deklaration die Erfüllung verbürgt. Seither gab es manchen Rückschlag und auch heute droht uns ein solcher, 33 Jahre nach Herzls Hintritt. Da möge denn, am Jahrzeittag, das Andenken an diesen unverzagten Helden unsere Zuversicht stärken. Für Herzls Jünger gilt bloß der feste, unverbrüchliche Wille der Nation und der führt — über alle Hemmungen hinweg — vorwärts und nur vorwärts! rniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiüuiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiihiiiuiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiRiiuiiiiin Erna Fischmann s. A* Die WIZO und die zionistische Bezirkssektion beklagen zutiefst den Verlust von Frau Erna Fischmann, die am 27. Mai. d. J. den Folgen einer Operation erlegen ist. War haben in Frau Fischmann, die Organisationsreferentin der WIZO XVIII war, nicht nur eine tatkräftige Mitarbeiterin verloren, wir sind auch um einen guten, lieben Kameraden, um einen durch und durch anständigen Menschen ärmer geworden. Erna Fischmann hatte die WIZO-Arbeit als Vermächtnis von ihrer verstorbenen Schwester Gisela Blauer übernommen und brachte nicht nur eine ungeheure Summe an Arbeitseifer mit, sondern gleichzeitig auch eine Reihe neuer Mitglieder. Mit ihrer Eaiengie und ihrem Optimismus wirkte sie belebend und erfrischend auf uns alle bis zu ihrer schweren Erkrankung vor fast zwei Jahren. Kaum aber von der ersten schweren Operation erholt, stürzte sie sioh wieder mit Feuereifer in die Arbeit, „Ich habe viel nachzuholen“, sagte sie damals. Bald aber mußten wir schweren Herzens den neuerlichen Verfall ihrer Gesundheit mitansehen, diie Operation mußte wiederholt werden, und ihre letzten Worte an uns „ich weiß, diesmal werde ich’s nicht überstehen“ fanden traurige Bestätigung. Es scheint, als hätte sie immer schon dio Kürze ihres Daseins geahnt, denn oft pflegte sie au sagen: „Steht es dafür, sich aufzuregen, das Leben ist ohnedies so kurz!“ Sie war auch immer der „Soholemmaoher“, immer hatte sie Verständnis und Nachsicht für die Fehler ihrer Mitmenschen, suchte als Gegengewicht doren Vorzüge hervor und duldete nie, daß irgend jemand Unrecht geschah. Alle diese Eigenschaften stempelten sde zu einer idealen Mitarbeiterin und machen uns ihren Verlust um so sohmeraliolier fühlbar. Mit Frau Fischmann verliert Frau Dr. Amalie Kantor ihre Schwester. Das zionistische Wien nimmt herzlichen Anteil an der Trauer dieser braven, hingebungsvollen Gesinnungsgenossiin. Um das Andenken Erna Fischmanns in würdiger Weise zu ehren, wollen wir ihren Namen durch Eintragung in das Silberne Buch des Keren Kajemetb mit Palästina verbinden, dem ihr Interesse bis zum letzteu Augenblicke galt. Q. W*

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