Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 653 (22.6.1937)
- Date
- 1937-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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9k “Stimme V. b. b. 20 g Nr. 653 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienstag, 22. Juni 1937 * 13. Tarnus 5697 10. JaB&r&ang Billige und bequeme Ferienfahrten mit der „Csernowitzer Allg. ZeiSung“ nach Polen u. Czernowitz Abfahrten: 27. Juni, 4. und 11. Juli Auskünfte und Anmeldungen: ausschließlich im Reisebüro uMarien« brücke“, Wien, I., Rotenturmstraße 26 ® Telephon R 24-2-86/87 es im Jerusalem, 20 Juni. (JTA.) „A Difaa“ meldet, daß High Commiseioner Sir Arthur W anchope noch im September sein Amt niederlegen und in den Adelsstand erhoben werden wird. Die Zeitung glaubt, die Information bestätigen zu können, daß die Königliche Kommission den Plan einer Teilung Palästinas fallen gelassen und die endgültige Lösung des Palästinaproblems verschoben habe. Die Kommission wird angeblich nur die Errichtung eines Legislative Council mit erweiterten Vollmachten empfehlen, doch solle der Kolonienminister ein Vetorecht haben. Die jüdische Einwanderung soll beschränkt werden. * Jerusalem, 16. Juni. Wie offiziell bekanntgegeben wird, hat der High Commissioner, um dringende Agenden in Palästina zu erledigen, seine Abreise auf den Nachmittag des 21. Juni verschoben. Eir beabsichtigt, anfangs Juli zurückzukehren. Kleines A. C. einberufen Jerusalem, 17. Juni. Das Kleine Aktionskomitee wird am 20. Juni in Jerusalem zu einer. Beratung zusammentreten. Zwei Bomben in Jerusalem Jerusalem, 20. Juni. (JTA.) In der Nähe des Tores der Jerusalemer Altstadt explodierten zwei Bomben, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Die Polizei vermutet, daß die Attentäter arabische Terroristen sind. Terrorist zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt Das Strafgericht in Jerusalem hat unter dein Vorsitz des Oberrichters Tröster einen Araber, der an einem Feuerüberfall auf eine englische Militärtruppe teilgenommon hatte, zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt. Außer vereinzelten Todesurteilen, die jedoch bekanntlich in keinem Fall vollstreckt wurden, ist dies das erstemal, daß ein Araber zu einer so hohen Strafe verurteilt wird. Die Suche nach den Attentätern Spscers Im Zusammenhang mit dem auf Generaiinspektor Spicer verübten Anschlag hat die Polizei zahlreiche Araber verhaftet. Sämtliche Automobile, die nach Jerusalem abgehen, werden streng durchsucht. Mehrere als Terroristen bokannte Araber wurden nach verschiedenen Gegenden des Landes zwangsvorschickt. Wer stört den Frieden? Ende einer Blutfehde Jerusalem, 20. Juni. Die Siedler von Beth Joseph und der in der Nähe der Siedlung lagernde Beduinenstamm haben die feiorliche Schließung eines Versöhnungspaktes gefeiert. Auf diese Weise wird die Blutfohde, die aus der Tötung eines Beduinen durch jüdische Hilfspolizisten während einer Schießerei sonst hätto entstehen müssen, aus der Welt geschafft worden. Die Ablehnung der vom Zionistischen Landesverband vorgeschlagenen Einheitsliste zum 20. Kongreß durch die Vereinigung Binjan Haarez („Arbeitendes Palästina“) hat in allen zionistischen Kreisen große Empörung hervorgerufen. Die allgemeine Diagnose „Friedensstörer“ veranlaßt nun das Organ des Binjan Haarez „Der Jude“ zu einem Rechtfertigungsversuch, der jedoch, wie nach den Umständen nicht anders zu erwarten ist, kläglich mißglückt ist. Eine ganze Druckseite wird dazu verwendet, um den Nachweis zu führen, warum die so mutwillig heraufbeschworene Kongreßwahl angeblich notwendig ist. Es ist ein müßiges Herumreden um die nicht eingestandene Tatsache, daß bei Binjan Haarez der radikale Flügel die Oberhand gewonnen hat. Es wird nun den Herren nicht gelingen, ihren inneren Kampf und den in den Kreisen der eigenen Anhänger bedauerten Beschluß dadurch zu rechtfertigen, daß der Versuch gemacht wird, den Spieß umzudrehen und den Zionistischen Landesverband als den Friedensstörer hinzustellen. Dieser Versuch der Verteidigung einer schlechten Sache durch das „Arbeitende Palästina“ wird überall nur Heiterkeit erwecken. Wieso hat nun der Landesverband den Frieden gestört? Weil er auf einen Mandatsgewinn verzichten wollte und in dieser ernsten Zeit eine Einheitsliste als das Gebot der Stunde angesehen hat? Nein. Der Landesverband ist der Friedensstörer,1 weil er sich — gegen den Territorial verband ausgesprochen hat. Sehr richtig, das hat er getan. Wenn es aber noch irgend einer Begründung bedurft hätte, den Territorialverband abzulehnen, so findet man sie in dem mutwilligen Vorgehen des „Arbeitenden Palästina“ in der Angelegenheit der Kongreßwahl. Ein Territorialverband, wie ihn die „Progressiven Zionisten Österreichs“ wollen — wir sind nämlich die Bourgeois, die Arbeiterfresser, die Reaktionären — wäre nichts anderes als ein Tummelplatz für parteipolitische Leidenschaften, für deren Vorhandensein dieser mutwillig heraufbeschworene Wahlkampf ein Musterbeispiel ist. „Der Jude“ versucht nun das „Arbeitende Palästina“ damit reinzuwaschen, daß er ein Lamento darüber anstimmt, daß der Zionistische Landesverband für Österreich den Kongreßbeschluß betreffend Einführung des Territorialverbandes nicht durchgeführt hat. Dazu ist zunächst zu sagen, daß das Aktionskomitee verpflichtet war, die Ausführungsbestimmungen zum Kongreßbesohluß zu erlassen und das bis heute nicht getan hat. Es war daher schon aus diesem Grunde vom Landesverband nichts zu unternehmen. Nun hat kürzlich das Organisationsdepartement der Zionistischen Exekutive den Schriftenwechsel veröffentlicht, den es in der Frage des Territorialverbandes mit allen Landesorganisätionen geführt hat. Aus diesem Dokument ist zu ersehen, daß sich der Zionistische Landesverband für Österreich mit seinem ablehnenden Standpunkt, der von der letzten Landeskonferenz einstimmig gebilligt wurde, in einer nach Ansicht des „Arbeitenden Palästina“ sicher sehr guten Gesellschaft befindet. Es haben nämlich Landesorganisationen, die von sehr zahmen A-Zionisten geführt werden, die Einführung des Territorialverhandes abgelehnt oder dilatorisch behandelt, so zum Beispiel England, Bukowina usw. Es ist sicher ein interessantes Detail, daß gerade die Delegierten dieser Länder heim letzten Kongreß für den Territorialverband gestimmt haben. Wahrscheinlich sind ihnen seither die Augen aufgegangen. Übrigens — eine Frage: Warum hat der Chef des Organisationsdepartements der Zionistischen Exekutive, der radikale Zionist Herr Jizchak Grünbaum, den Territorialverband in seiner eigenen Landesorganisation Kongreßpolen nicht eingeführt? Er wird schon wissen, warum, und die österreichischen Zionisten wissen, daß hinter der Forderung nach dem Territorialverband die von Binjan Haarez und den Radikalen Zio nisten (Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten) ständig erhoben wird, nicht der Wunsch zu intensiver gemeinsamer Arbeit, sondern nur der Wunsch steckt, eine Plattform zu finden, von der aus man statt zionistische Propagandaarheit unter den jüdischen Massen zu leisten, die Politik ewiger Nadelstiche gegen den Landesverband führen kann. Dazu wird sich der Landesverband nie mißbrauchen lassen. Ein Territorialverband sfetzt unter vielen anderen Dingen eine Änderung jener beklagenswerten und in dieser schweren Zeit nicht genug zu verurteilenden Mentalität voraus, die bisher unter den österreichischen Zionisten — wir verweisen nur auf die Vorgänge in der jüdischen Gemeinde und auf die Angelegenheit dieser Kongreßwahl —- so viel Unfrieden gestiftet hat und so viele Kräfte lahmlegt, die sich, angewidert von diesem häßlichen Treiben, von der Mitarbeit fernhalten. Es gibt nur einen Weg, der in Zukunft zu einem Territorial verband führen kann. Das ist der Weg, den der Zionistische Landesverband seit vielen Jahren geht, der Weg beharrlicher zionistischer Kleinarbeit, der unermüdlichen zionistischen Propaganda und der Verbreiterung der Reihen der Mitglieder. Der Zionistische Landesverband ist daher auch als einzige zionistische Organisation in Österreich in der Lage, auf große Erfolge hinzuweisen. In seinen Bezirkssektionen und Ortsgruppen konzentriert sich heute das jüdische Leben, während die anderen zionistischen Organisationen stagnieren. Für den Kongreßwähler steht es daher eindeutig fest, welcher Liste er am 1. Juli seine Stimme geben wird. Nicht denen, die immer nur nörgeln und Unfrieden stiften, sondern nur dem vom Zionistischen Landesverband geführten NATIONALEN BLOCK (Zionistischer Landesverband für Österreich — Verband der Judenstaatszionisten Österreichs) LISTENFÜHRER: DR. OSKAR GRÜNBAUM, ING. ROBERT STRICKER. Reklamieret das Wahlrecht zum Kongreß! Die Wählerlisten liegen im Büro des Zionistischen Landeskomitees und in allen Bezirkssektionen und Ortsgruppen nur bis zum 24. Juni auf. Reklamationen müssen bis 24. Juni im Büro des Landeskomitees eingelangt sein. Jeder sehe nach, ob sein Name und der Name seiner Freunde richtig in die Wählerliste aufgenommen ist, damit keine Stimme verloren gehe! Vor Entscheidungen Wir haben bereits berichtet, daß der Oberkommissär von Palästina nach London beschieden worden ist, um dort an den entscheidenden Verhandlungen teilzunehmen, in denen die englische Regierung ihre Beschlüsse zu dem Bericht der Königlichen Kommission formulieren wird. Die Veröffentlichung des Berichtes soll, gutem Vernehmen nach, schon für die nächsten Tage bevorstehen, und es wird sich dann erkennen lassen, inwieweit die vielen Meldungen über Teilung, Judenstaat usw. begründet waren. Wenn sie der Wahrheit entsprechen sollten, dann würde tatsächlich eine tragische Situation geschaffen sein, die an die politische Entschlußkraft der zionistischen Organisation die härtesten Anforderungen stellt. Sie wird bedingungs- und vorbehaltslos die Haltung des Aktionskomitees akzeptieren, das, obschon ohne authentische Information über die Projekte, sich negativ eingestellt hat und für das, wie für jeden Zionisten, die Balfour-Erklärung die einzige Richtschnur sein muß. Gewiß ist seit der Errichtung des Völkerbundes und seines Statuts vieles geschehen, was den Glauben an die Heiligkeit von Verträgen schwer erschüttern mußte. Schließlich sind auch Pakte nur Menschenwerk, und die allgemeine Entwicklung erzwingt Revision und grundstürzende Umformung selbst von Abkommen, die nach dem Wortlaut ihrer Einbegleitung „für ewige Zeiten“ geschlossen worden sind. Aber es ist — für uns wenigstens — keine Frage, daß die in Palästina herangereiften Verhältnisse keinen Anlaß zu einem derartigen Umbruch bieten, wie er angeblich geplant sein soll. Das Ziel des Zionismus, ist der freie und über sich selbst bestimmende jüdische Staat, den eine ihrer Zahl und Wirtschaftskraft nach ausreichende jüdische Bevölkerung auf einem für die Notwendigkeiten der Zeit ausreichenden Territorium bilden soll. Es ist für jeden Unvoreingenommenen klar, welche Notwendigkeiten für ein 17-Millionen- Volk, von dem die große Mehrheit — die Juden in Deutschland, in Polen, in Rumänien, in Rußland, in Nordafrika — in einem politischen und wirtschaftlichen Verelendungsprozeß stehen, der Zionismus zu berücksichtigen hat. Ihre Einschränkung auf Grund politischer Bedürfnisse der Mandatsmacht kann für uns nicht in Frage kommen, da für uns nur das jüdische Interesse maßgebend bleibt, und in den 40 Jahren politischer Arbeit hat der Zionismus niemals einen anderen Standpunkt eingenommen. Er ist seinen Weg allein gegangen und die Kritik der Assimilation hat ihn niemals dazu gebracht, auch nur auf einen Punkt seines Programmes zu verzichten. Diese- Geradlinigkeit war die Bedingung des Erfolges, und nur sie hat das Werk in Palästina sichern können, indem sie die Garantie des Völkerbundes herbeiführte. Die Assimilation hat für uns nie Verständnis gezeigt, immer nur bitterböse Negation und Kritik. Jetzt ist ihr eine neue Zeit gekommen, und der Berichterstatter aus Genf, der in den letzten Wochen immer wieder sich an dem kommenden Judenstaat berauschte — der Herr ist der getaufte Sohn eines Juden, kann also Unbefangenheit mimen — hält mit seinem Urteil nicht zurück. „Die Situation“, sagt er, „ist die, daß es eine einzige Stelle gibt, die die Gründung des Judenstaates verhindern kann: Der Kongreß der Zionisten. Die Zionisten kämpfen verzweifelt gegen die Schaffung eines selbständigen Staates!“ Das ist natürlich nicht wrahr, wir kämpfen gegen die Schaffung eines Zwei-Millionen- Staates, w7eil wir für mindestens sechs Millionen Raum haben müssen. Der Mann sieht allerdings nur diesen einen Punkt, von dem aus er uns politische Ratschläge geben kann und uns bekrittelt. Aber das jüdische Volk ward so entscheiden, wie es seine Situation in der Galuth und im Erez erfordert; unbeirrt von dem Bedürfnis von Herausgebern und Reportern verschiedener Zeitungen, für die plötzlich der Zionismus „Sensationen“ liefert. Ir» <edes indische Haus „Die Stimme“