Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 652 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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WÄen, Freitag, 18. Juni 1S87. —■ Nr. 650. DM ITIMMI Seite 7 Juden! Spendet anläßlich des Herzl-Grabganges am 20. Juni reichlichst für den Keren Kajemethi .. ———■——i— i I l —. I . . i I .— Wirtschaftsbeschlüsse der Jewish Agency Interpellation Im Se|m: Neue Kolonien, Export, Produktion, Bewässerung Judenhetze vom Ridltertisdl Jerusalem, 15. Juni. (Palcor.) Die JewiehJ von 8000 Pfund von der Jewish Agency, der Agency hat soeben wichtige Beschlüsse für die Belebung der Wirtschaft Palästinas ge faßt. Wie uns mitgeteilt wird, haben die Banken nach längeren Verhandlungen sich bereit erklärt, einen Kredit von 150.000 Pfund zur Verfügung zu stellen, um den Orangenzüchtern zu helfen. Die Angio-PaJeetine Bank und die Workere Bank haben sich bereit erklärt, eine Summe von 30.000 Pfund für die Diskontie rung von Wechseln jüdischer Farmer, die jüdische Arbeiter beschäftigen, zur Verfügung zu halten. Die Jewlsh Agricultural Bank, die vom Keren Hajessod und der Anglo-Palestine Bank gegründet wurde, wird ihr Kapital um 60.000 Pfund verdoppeln. Sowohl der Keren Hajessod als auch die Anglo-Palestine Bank teilen die Erhöhung des Kapitals unter sich. Dadurch wird eine Gesamtsumme von 200.000 Pfund für jüdische Orangenzüchter als Darleihonssumuie bereitgestellt. Das Kapital der industriellen Banken wird bis zu einer Höchst summe von 25.000 Pfund von seiten der Anglo-Palestine Bank erhöht werden, damit eine Belebung der Industrie herbeigeführt werden kann. Augenblicklich steht die Gründung einer jüdischen industriellen Export-Gesellschaft unter Diskussion, die mit einem Kapital Anglo-Palestine Bank und der Fabrikanten Vereinigung ins Leben gerufen werden soll. Es werden Schritte unternommen werden, um eine Beschleunigung der öffentlichen Arbeiten, sowie des Bauens sowohl in Stadt als auch in Landbezirken, herbeizuführen; dies mit Hilfe des Ritzur, der gemeinsam von der Jewish Agency und der Histadruth gegründet wurde. Das Kapital soll von 30.000 Pfund auf 40.000 Pfund erhöbt werden. Eine neue Bond-Auflage im Betrag von 50.000 Pfund soll in Umlauf gebracht werden, außer der bereits früher aufgelegten im Betrag von 100.000 Pfund. Die Jewish Agency wird aus dem Fonds des Keren Hajessod 5000 Pfund bereitsteilen, um gemeinsam mit dem Nir- Arbeitsfonds die Expansion der Arbeiter- Häuser-Kolonien zu ermöglichen, so daß mit dem Bau von 300 neuen Häusern begonnen werden kann. Die Mekoroth Water Company, die gemeinsam vom Keren Hajessod und der Jewish Agency (Deutsche Abteilung) ins Leben gerufen wurde, wird eine großzügige Bewässerungsflktion im Em ek durchführen, deren Kosten sich auf Über 60.000 Pfund belaufen werden. Dies wird gemeinsam mit dem Keren Kajemeth und dem Nir durohgeführt worden. Klub „Erez Israel" veranstaltet am 26. Juni im Cafe Konsfantinhügel ein mit Akademie, Tanz und diversen anderen Belustigungen „TheSwingingSerenade»" Entree: Schilling 1*50 Heue englische Mahnung an Polen Warschau, 14. Juni. (JTA.) Im Senat hat Oberraibbiner Prof. Moses Schorr eine Anfrage über den Prozeß gegen den zum Tode verurteilten Juda Leib Chatzkelewioz an den Ministerpräsidenten Skladkowski und den Justiizminister Grabowski gerichtet. Prof. Schorr lenkte die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Haltung des Staatsanwalts Zelenski und der nationaldemokratischen Anwälte Suchodolski und Wawrzinski, die das jüdische Volk und die jüdische Religion im Geriohtasaal beschimpft haben. Der Staatsanwalt habe erklärt, daß der Haß des Chatzkelewioz und der hinter ihm stehenden unbekannten Personen gegen den polnischen Staat das Hauptmotiv des Verbrechens gewesen sei. Advokat Suchodolski habe behauptet, die Juden lehrten ihre Kinder, Polen zu hassen. Er habe gesagt, das jüdische Volk habe Chatzkelewioz zu dem Mord aufgoj hetzt; die Religion der Juden gewähre Vergebung für Sünden, die gegen Angehörige anderer Völker begangen werden. Es wird die Aufmerksamkeit der Minister auch auf die von dem Vorsitzenden verlesene Urteilsbegründung gelenkt, in der gesagt wird, daß das Verbrechen hauptsächlich auf die feindselige Haltung eines bestimmten Teiles der jüdischen Bevölkerung und der jüdischen Presse gegenüber dem polnischen Staat und der polnischen Armee zuxüokzuführen sei. Diese Verleumdungen, heißt es in der Interpellation, sind geeignet, zu antijüdischen Exzessen zu ermutigen. Senator Schorr fragt die beiden Minister, welche Maßnahmen die Regierung gegen den Staateanwalt zu treffen gedenke, der die gesamte Judenheit für das Verbrechen eines einzelnen verantwortlich gemacht hat. Weiter fragt er, welche Schritte die Regierung gegen die nationaldeonokratiischen Anwälte zu unternehmen gedenkt, die die jüdische Religion beschimpft haben. Die Interpellation schließt: Was gedenkt die Regierung zu tun, um von dem jüdischen Volk die schändlichen Verleumdungen abzuwenden, die öffentlich und amtlich gegen es gerichtet werden? Welche Schritte gedenkt die Regierung zu unternehmen, um zu verhindern, daß das jüdische Volk in Zukunft von Gerichten mit der Schuld einzelner belastet wird? Feuer vernichtet 400 jüdische Existenzen Warschau, 14. Juni. (JTA.) In Baluty, einem jüdischen Vorort in Lodz, brach eine Feuersbrunst aus, der zahlreiche Häuser zum Opfer fielen. Eine Straße, die nach Berek Josselewicz benannt ist, wurde vollständig zerstört. 400 Familien, fast durchwegs Arbeiter, Händler und kleine Kauf- 1 eute, haben durch das Feuer ihr ganzes Vermögen verloren. Gesamtvertretung der Juden Polens Warschau,* 14. Juni. (JTA.) Die von dem Jüdischen Parlamentsklub einberufene Konferenz der jüdischen Parteien hat beschlossen, eine provisorische politische Gesamtvertretung der Juden Polens einzusetzen. An ihrer Bildung beteiligen sich der Weltverband der Allgemeinen Zionisten in ganz Polen, die Agudah, der Misrachi, der Verband Tora we Awodah, die Judenstaatspartei, die Revisionisten und der Verband der jüdischen Kaufleute. Es wurde ein Komitee gewählt, das die Arbeit der Vertretung organisieren und ihren Rahmen erweitern soll. London, 14V Jiwii. (JTA.)' Anläßlich einer Kundgebung des Verbandes der jüdischen Hilfeorganiiisafcionien in London gegen die judenfeimdliche Strömung in Polen hat Lloyd George die Erklärung, die er vor einiger Zeit, zu diesen Vorgängen abgegeben hat, in einem Schreiben, das er an die Vorsammlungeleitunig richtete, aufs neue bekräftigt. „Die polnische Republik“, schreibt Lloyd George, „verdankt ihre Existenz und Unabhängigkeit dem Sieg der alliierten und assoziierten Mächte im Weltkriege. Da die Mächte diesen furchtbaren Konflikt durchgehalten haben, uni internationales Recht und Gerechtigkeit zu sichern, waren sie darauf bedacht, daß dje Schaffung neuer Staaten nicht zu neuer raseischer oder religiöser Unterdrückung führe; ihre Staatsmänner halben darauf bestanden, daß in die Friedensverträge, durch die die Unabhängigkeit Polens geschaffen wurde, Bestimmungen zum Schutz der Rechte der Minderheiten eingefügt wurden. Es kann uns darum nicht gleichgültig sein, wenn die jüdische Minderheit jenes Landes dadurch eine Horabdrückung ihres Status erleidet, daß die Regierung es unterläßt, ihre Vertragsverpflichtungen zu erfüllen, oder wenn die Juden barbarischen Angriffen ausgesetzt sind, die zur Tötung und Verwundung zahlreicher unschuldiger Bürger führen.“ Kundgebungen ähnlicher Art wurden von zahlreichen englischen Kirchenfünsten und Politikern, an ihrer Spitze die Erzbischöfe von Canteibury und York, an die Versammlung gerichtet. Der Bischof von Durham erklärte in einem Schreiben, ear könne es nicht glauben, daß der polnischen Regierung der ungünstige Eindruck gleichgültig bleiben wird, den das Wiederaufleben fanatischen Judenhasses in Polen auf die öffentliche Meinung macht. Keine Nation könne es sich leisten, dauernd das Gewissen der Welt herauszufordern, und für keinen Staat gebe es dauernde Sicherheit ohne das Wohlwollen seiner Nachbarn. Es wurden Resolutionen gefaßt, in denen die polnische Regierung aufgefordert wind, die Juden unverzüglich in ihre vollen Bürgerrechte ohne jede Diskriminierung ednzusetzen und es ihnen so zu ermöglichen, in Harmonie an dem Fortschritt und der Entwicklung Polens mitzuarbeiten. Eine besondere Resolution richtet sich gegen die Duldung der judenfeindlichen Ausschreitungen an den Hochschulen. Der Wortlaut der Entschließungen wurde dem englischen Premierminister Neville C h a m b e r 1 a i n, dem Außenminister Anthony E d e n, Mitgliedern des Parlaments und dem polnischen Botschafter in London übermittelt. Manchester Guardian: „Barbarisch.,." London, 14. Juni. (JTA.) „Manchester Guardian“ schreibt im Leitartikel au der vom Warschauer Kreisgericht veröffentlichten Urteilsbegründung im Chatzkelewicz- Prozeß: Es ist eine der größtem Leistungen der modernen Justiz, den Grundsatz, daß eine ganze Gemeinschaft für die Sünden eines einzelnen verantwortlich zu machen sei, a'bgesohafft zu haben. Ein Zurückgreifen auf diesen Grundsatz kann daher nicht andere als barbarisch bezeichnet werden. Die These des Staatsanwalts wurdo jedoch vom Gericht unterstützt und die jüdischen Zeitungen, die Proteste gegen die Urteilsbegründung veröffentlicht häbon, wurdon konfisziert. Eine solche Tyrannei seitens einer Behörde, unmittelbar nach den Ausbrüchen illegaler Tyrannei in Brest-Litowek, muß dem guten Ruf Polens im Ausland beträchtlichen Schaden bringen. Die Juden im deutschlitauischen Grenzgebiet Kowno, 15. Juni. (JTA.) Bis vor kurzem haben die deutschen Juden im deutsehlitauis.chen Grenzgebiet unter verhältnismäßig besseren Bedingungen gelebt als die Juden in den anderen. Teilen Deutschlands. Die Bewohner, des Grenzgebietes haben auf Grund sogenannter . Grenzübertrittsscheine das Recht, ohne besondere Formalitäten die Grenze zu überschreiten, wobei jeder* sechs Mark mit sich führen darf. Diese Bestimmung hat es dien deutschen Juden im Grenzgebiet (Eydkunen, Tilsit usw.) ermöglicht, täglich nach Litauen zu gehen und dort Nahrungsmittel zu beschaffen, _ die in Deutschland nicht zu haben oder jedenfalls Im „Ring der Altherren-Veribände“ hielt Meir Großmann, der Präsident der Judenstaatspartei, einen Vortrag, der eine fundierte Polemik gegen jene Gruppen innerhalb der zionistischen Bowagung war, die durch Horzeusträgheit zur Mechanisierung und Verflachung des Zionismus beigetragen haben. Man dürfe die Herrschaft des Apparates über den Geist nicht zulaesen, man müsse neue Leute außbilden und der Heranwachsende a Generation das Betätigungsfeld schallen. Großmanu hob die paradoxe Erscheinung hervor, daß es uns, dom Volk der Publizität, an tüchtigen Publizisten und Propagandisten für unsere Idee mangle! Aber die jüdische Intelligenz gibt noch immer nicht ihre Kräfte für die Bewegung zur Rettung des Volkes her, sie hat noch immer nicht ihre Situation erkannt. An der Harvard - Universität in Amerika zum Beispiel gibt es unter den achthundert jüdischen Studenten bloß achtunddreißig Zionisten! Weshalb läßt aber die zionistische Geisteselite diese beschämende Interessen- und Gedankenlosigkeit unserer Volksgenossen zu?! Weshalb erhebt, sie sich nicht wie ein Mann, um den Zionismus vor Verflachung und Niedergang zu schützen?! Wir unterschätzen leider unsere eigene Kraft, die Macht, unseren Willen durohzusetzen. Wer hätte es früher einmal für mögsebr teuer sind; außerdem konnten säe sich mit rituell geschlachtetem Fleisch versorgen. Schließlich hatten säe die Möglichkeit, die Verbindung mit der großen jüdischen Welt aufrechtzuerhalten, indem sie dort jüdische Zeitungen und Bücher lasen, die gegenwärtig in Deutschland verboten sind. Anläßlich eines Besuches im Grenzgebiet konnte nun dier JTA-Vertreter foststeileii| daß die lokalen deutschen Behörden die Verlängerung der Gültigkeit der Grenzübertrittscheine von Juden verweigern, Im Laufe der nächsten Wochen wenden auf diese Weise alle in jüdischen Händen befindlichen Grenzübertrittsscbeine ihre Gültigkeit verlieren. Die litauische Regierung beabsichtigt, bei den deutschen Behörden diesbezüglich Vorstellungen zu erheben. lieh gehalten, daß wir dreihundertfüufzigtauseud Juden nach Erez Israel bringen würden, daß wir Siedlungen, Städte, Hafenanlagen aufbauen könnten! Damit ivaudte sich Großmann dem Problem der beabsichtigten Teilung Palästinas zu. Wir dürften unter keinerlei Umständen in die Zerstückelung des Heiligen Landes einwilligen und uns mit dem Pflästerchen einer papierenen Souveränität die unheilbare Wunde üborkloben lassen. Denn haben wir einmal zu diesem Geschenk ja gesagt, dann gibt es für uns weder Vorwärts noch Zurück. Ein Zwergteritorium, das höchstens zweieinhalb Millioneil Juden aufnehmen könnte, würde aber alles andero als die Lösung der Judenfrage bedeuten. Womit können wir gegen die Gefahr ankämpfen? War müssen England zeigen, daß wir nich gewillt sind, uns unser Rocht so billig abkaufen zu lassen, daß wir auch imstande sind, „to be very, very unpleasaut“ und daß wir uns zu verteidigen wissen. Wenn Kampf sich als nötig erweisen sollte, dann dürfen wiir davor nicht zurilckschrocken. Meir Großmann hält es zwar nicht für wahrscheinlich, daß der Teiluugsplan realisiert wird, doch müsseu wir für alle Eventualitäten gerüstet sein. Am 17. April 1986 — dem Tag des Ausbruchs der Unruhen — hat der „bequeme Zionismus“ zu bestehen aufgehörtl Dr. A. W, VOR IHREM URLAUB. ■ * kommen Sie am Samstag, den 8. Juli 1087 sum GARTENFEST der ZlonteUsohen BecirbseekUon „BRKlTtiNSKE“ im Praehtgarteu de« Etablissement« „Ottakringer Brau“, XIIL Hiefyinger Heuptatr. (nächlt dem Hietzlngfrplatz). — Prominente Kunftkrttlt«. — Tun«. „Zionismus vor der Entscheidung"