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Die Stimme · 1937-06-11 · Heft 650 (11.6.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 650 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Vier bis xum 13. Juni den Schekel erwirbt, hat das Wahlredit bei der Kongreßwahl am 1. Juli. Nützet die kurze Zeit! Erwerbet und verbreitet den Schekel! Nr. 6§0 Wien, Freitag, 11. Juni 1937 * 3. Tamus 5697 10* Jahrgang 5Stimme JÜDISCHE ZEITUNG RIVIERA Wochen-Arrang. 8 Tage S DALMATIEN-ÄÄ .(hlä POLEN*»""™#«.* Sonntag PARIS "Sonderzug (hin und zurllck) S 135-- 42"- 86'- ,.ORBIS“ REISEBÜRO I., Kärntnerstr. 41 Telephon: R21*5-78 Phantasien rings um die Teilung Die Sensation hat sieh ras eh verflüchtigt. Eine ganze Reihe von Zeitungen hatte aufgeregt uaid mit Anwendung der fettesten Typen verkündet, daß England am 12. August in Genf den Judenstaat proklamieren werde, der noch vor Ende des Jahres in den Völkerbund aufgenommen werden soll. Die Verhandlungen zwischen Eden und Weizmann seien vor einer Woche in einer den jüdischen Forderungen günstigen Weise abgeschlossen worden; Haifa werde die Hauptstadt des jüdischen Staates, der eine Verfassung nach dem Muster des Irak erhalten soll. Jerusalem werde unter englischem Mandat verbleiben. Die Nachricht, deren Unwahrscheinlichkeit eklatant ist, hat für einige Minuten Aufsehen erregt. Aber sie ist dann den Weg aller Seeschlangen gegangen und ruht wieder in den Papierkörben. aus- Ihre Wirkungen aber werden-wir leider noch lange verspüren. Es wäre wohl der Mühe wert, zu untersuchen, ob die sommerliche Phantasie sich’ hier mit bösem Willen verbunden hat, um den Zionisten eins am Zeug zu flicken. Die Zeitungen, die die Nachricht dem Publikum vorsetzten, gehören samt und sonders einer Richtung an, die zum Judentum nur Matrikel be Ziehungen unterhält und ansonsten allen jüdischen Bestrebungen nur die kalte Schulter zeigt. Alle diese Blätter wollen vom Zionismus nichts wissen und sie haben ihm erst von dem Augenblick an etwas mehr Freundl'iclikeit gezeigt, als sie auf etwelche Abonnenten in Tel-Aviv hofften. Sie bringen sehr gerne Schmockreportagen reisender Enthusiasten über das neue Palästina; die riesenhafte Leistung des Zionismus, der in kaum zwanzig Jahren ein braches Land in Städte, Dörfer, Äcker und Gärten, in eine Kulturstätte mit Hochschulen und Volksschulen und Kindergärten verwandelt und der Tausende von Stadtmenschen wieder mit dem Boden verbunden und eine psychische Umformung einer Nation durchgeführt hat, können diese armseligen Zaungäste der deutschen oder magyarischen Nation nicht einmal ahnen, obzwar such ihre Sympathie für die Heimstätte seit Hitler und Hejjas verstärkt hat. Die zionistische Weltanschauung, ihre Ideologie und ihre vorbehaltlose Ablehnung jedweder Form der Assimilation bleibt diesen Menschen fremd und unheimlich und ihr Judentum gibt sich, insoweit es sich äußert, in der Erfindung oder Kolportage der sogenannten jüdischen Witze kund, blutiger Verhöhnungen dos jüdischen Lebens, die dann von den christlichen Zuhörern als das wahre Bild jüdischer Art mit Behagen genossen werden. Es ist in den letzten Jahren eine neue Art jüdischer Journalistik entstanden, die früher deutsch oder polnisch oder magyarisch arbeitete und sich in ihrer jetzigen Unters tamMosigkeiit dem neuen £ug im jtt- Friedensvorschlag des Landesverbandes abgelehnt Wie wir in unserer letzten Nummer mitteilten, hat der Zionistische Landesverband für Österreich mit Rücksicht auf die schwierige jüdische Situation in der Galuth und insbesondere in Erez Israel den wahlwerbenden zionistischen Gruppen in Österreich den Vorschlag gemacht, durch Einreichung einer einheitlichen Kandidatenliste die für den 1. Juli anberaumte Kongreßwahl überflüssig zu machen. Hiebei hat der Zionistische Landesverband das große Opfer auf sich genommen und trotz der allseits anerkannten numerischen Stärke seiner Mitgliederschaft auf einen Mandatsgewinn verzichtet und den Vorschlag gemacht, daß sich die wahlwerbenden Parteien auf die Zahl der Mandate einigen, die von ihnen bei der Kongreß wähl 1936 erzielt wurden. In unserer letzten Nummer gaben wir bekannt, daß der Verband der Judenstaatszionisten den Friedensvorschlag des Landesverbandes angenommen hat. In der Zwischenzeit ist vom Verband der Radikalen Zionisten ebenfalls eine zustimmende Antwort eingelaufen. Überraschenderweise hat nun die Vereinigung Binjan Haarez, wie wir knapp vor Blattschluß erfahren, den Beschluß gefaßt, den Friedensvorschlag des Landesverbandes abzulehnen. Dadurch ist die Durchführung von Wahlen unvermeidlich geworden. Wir können von diesem Beschluß der Vereinigung Binjan Haarez nur mit Bedauern Kenntnis nehmen und wissen uns darin in unserem Urteil einig mit der großen zionistischen Öffentlichkeit. Der Zionistische Landesverband wird zu der neugeschaffenen Situation sofort Stellung nehmen, hat aber mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit bis zum 1. Juli den für alle Fälle vorbereiteten Wahlapparat in Tätigkeit gesetzt. COFROOLI M ALZ-u. FEIGEN KAFFEE Eine Vertrauensmännerversammlung des Landesverbandes hat den Beschluß gefaßt, für den — inzwischen eingetretenen — Fall des Scheiterns des Friedensvorschlages mit dem Verband der Judenst aa t szioni s ten und womöglich auch mit Misrachi einen nationalen Block zu schaffen, um der Zersplitterung der Parteien entgegenzuwirken. Wir werden in unserer nächsten Nummer zur neuen Situation ausführlich Stellung nehmen. Wir erinnern jedoch alle Zionisten schon beute daran, daß es noch bis zum 13. Juni möglich ist, den Schekel zu erwerben. Wer bis zum 13. Juni den Schekel erwirbt und im Büro des Zionistischen Landesverbandes abrechnet, hat das Wahlrecht. Nützet noch die letzten Tage für eine intensive Schekelagitation aus! Der Zionistische Landesverband hat im heurigen Jahre 8665 Schekalim verrechnet, das sind um 1148 mehr als im letzten Kongreßjahre. Mit den im vergangenen Jahr erzielten 3101 Schekalim—hatder Landesverband in der laufenden Kongreßperiode 11.766 Schekalim abgeliefert und damit einen Rekord aufgestellt. Von den im heurigen Jahre abgegelieferten 15.869 Schekalim hat der Zionistische Landesverband daher rund 55 Prozent der Schekalim aufgebracht. Während alle anderen wahlwerbenden Gruppen heuer Rückgänge aufzuweisen haben, hat der Zionistische Landesverband als einzige Organisation einen Zuwachs an Schekalim zu verzeichnen. Da aber noch nicht alle Mitglieder des Zionistischen Landesverbandes ihrer Pflicht nachgekommen sind, ergeht hiemit der Appell: Erfüllet eure Pflicht der Organisation gegenüber! Jeder muß bis spätestens 13. Juni den Schekel erwerben und abführen. Meldet euch sofort zur Wahlarbeit! Wir haben den Frieden gewollt. Da uns der Kampf aufgezwungen wurde, wollen wir den Kampf mit aller Kraft aufnehmen und bis zum Siege führen. dischen Leben anzupassen versucht. Die zionistischen Forderungen wurden früher totgeschwiegen oder herabgesetzt. Heute bieten sie Futter für Sensationen und Zeilengeld, wobßi noch das hysterische Ubertreibungsstreben mitspielt. Da hat so ein Mann in Genf im Lesesaal des Völkerbundhauses in ein paar jüdische Zeitungen himeingesohaut und darin etwas aus der Polemik gegen die als Fühler ausgesandien Teilungspläne gelesen. Palästina soll, so heißt es, in einen jüdischen und einen arabischen Sektor geteilt werden, wobei beiden der Sitz im Völkerbund zugesagt wird. Da ist also die Sache: Die Zionisten wollen den Judenstaat, England akzeptiert die Forderung uind wild dies am 12. August feierlich kundtun. Da hätte doch der Mann im Lesesaal seinen politischen Verstand in Aktion setzen müssen. Ist diese Lösung des Problems überhaupt möglich1? Palästina ist doch von den Siegerstaaten dem Völkerbund übergeben worden, der dann der britischen Regierung das Mandat erteilt hat. Eine so tiefgreifende Änderung des staatsrechtlichen Status ist demnach einerseits am die Zustimmung der Juden, anderseits an den Beschluß des Völkerbundes auf Antrag der Mandatskommission gebunden. Juden und. Araber lehnen ab, Verhandlungen zwischen Eden und Weizmann haben nicht stattgefunden, zumal Weizmamn seit Monaten in Meran weilte, und in der Mandatskommission sitzt Italien, dessen Presse just jetzt scharf Front gegen den Zionismus macht, der als eine im Dienst britischer Expansionstendenzen wirkende Bewegung hingestellt wird, was er nie war und nie sein kann. Das Palästinaproblem, wie es sich nach den arabischen Unruhen darbietet, kann nicht anders als auf der Grundlage des Völkerbundmandates einer Lösung entgegengeftlhrt werden, indem mit der schärfsten Klarheit das Ziel des Mandates, die Errichtung des nationalen Heimes für das jüdische Volk herau/sgestellt wird. Diese Zweckbestimmung läßt auch den Auswieg eines jüdischen autonomen Zwergstaates als ausgeschlossen erscheinen, da das jüdische Volk dm keine Verkleinerung des Siedlungs- und Lebensraumes einwilligen kanfn. Es ist und bleibt das Ziel der zionistischen Ra-1 ANLÄSSLICH DER WIENER , Wll FeSIWOCHENJ'jtfjm!.. VdmmA MYANA fjjY / :hweden*kino TEl*A49'0‘60>KE<HNN 130.000 Schekalim in Palästina Jerusalem, 7. Juni (Palcor.). In einer Sitzung der Exekutive der Palästina- Arbeiterpartei wurde angekündigt, daß es trotz ungünstiger wirtschaftlicher Bedingungen gelungen ist, 130.000 Scher kalim im Lande abzusetzen, wovon 95.000 von Mitgliedern der.Arbeiterpartei erworben wurden. M Ä LZ - ü. F E I GE N KAF F E E J!! Erklärung Cianos an Oberrabbiner Prato Rom, 7. Juni. (JTA.) Der italienische Außenminister Graf C i a n o hat den Oberrabbiner von Italien,. Professor Davido Prato, in längerer Audienz empfangen. Oberrabbiner Prato berichtete dem Außen- Som mer reisen nach POLEN und CZERNOWITZ Nächste Abreisetermine: 13. und 27. Juni Ferienreisen ab 4. Juli jeden Sonntag. D Zug, Platzkarten, aufgelöste Rückfahrt möglich. Leitung: Dr. S. Tocker, Auskünfte und An meldungen: „In die Welt“, W. M. Renner, Wien, IX., Liechtensteinstr. 2. Tel. A 14 504. (Nächst Schottenring) minister, daß die in der letzten Zeit in maßgebenden italienischen Zeitungen erschienenen antisemitischen Artikel unter den Juden Italiens starke Beunruhigung hervorgerufen haben. Graf Ciano erwiderte, daß in den Beziehungen der italienischen Regierung zu den Juden keinerlei Änderung eingetreten sei. Richtige Leibbinden und Stützmieder als Resultat umfassender Erfahrung Fachfirpia Bandagen-Mlkolaschi Taborstraße 22 litiik, eine so starke jüdische Siedlung in Palästina zu schaffen, daß sie sich politisch und wirtschaftlich aus eigener Kraft erhalten und einerseits durch Aufsaugung jüdischer Massen aus den Kerkerländern, anderseits durch direkte politische Einwirkung die Judenfrage mildern kann. Es ist darum eine traurige Zeiterscheinung, daß der Kampf, den wir führen müssen, durch das Getue der Assimilantenclique noch mehr verschärft wird. Nachrichten wie die vom letzten Montag über den 12. August in Genf bleiben leider nicht unbeachtet. Sie werden nicht als bloße Sensation gewertet, sondern schaffen eine böse Stimmung, verursachen Gegenbewegung und führen den gegen unsere ernste Sache anstilrmemden Feinden neue Argumente zu. Wahrscheinlich ist dies der Sann jener Nachrichtenfabrikation und wir lernen wieder, daß die Assimilation unser äiigtstw Msti int,

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