Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 649 (8.6.1937)
- Date
- 1937-06-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054405--6725-3062610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wiw> Dienstag, 8. Juni 1887. — Nr. 649. 01« «TIMM« «•ff# 9 Begegnung in fremdem Land Es war in einer Zeit, die noch nicht, unter der wirtschaftlichen und kulturellen Krise litt wie die heutige, in der man von einem Adolf Hitler und seiner Bewegung noch wenig wußte und in der Antisemitismus und Judenhaß noch nicht überall ihre Orgien feierten. Damals wußten viele Juden — und auch ich war darunter — noch nicht, welch festes Band uns alle umschließe und daß unser Volk, in der ganzen Welt verbreitet, doch nur ein einziges Volk eei. Es ist also schon einige Jahre her, daß ich das folgende kleine Erlebnis hatte, aber ich erinnere mich noch heute recht gut daran. leb hatte damals eine Reise nach Frankreich ge macht — meine Maturareise — und hielt mich dort längere Zeit in einer Kleinsbadt auf. Es war eine echte französische Provinzstadt mit engen, schmutzigen und winkeligen Gassen ohne jegliche Kanalisation, mit schmalen, ein stückigen Häusern, deren Bewohner einen ebenso schmutzigen und fremdartigen Eindruck machten wie die Häuser selbst. Die Leute sprachen ein häßliches und unangenehm lautes Französisch, von dem man nur wenige Worte verstehen konnte, und man batte den Eindruck, in eine andere Kultur, ja in eine ganz fremde Welt gekommen zu sein. Gerade in die Zeit meines Aufenthaltes in dieser mir so völlig ungewohnten und unbekannten Umgebung fiel der Jahrzeittag nach meinem Vater, den ich auch in der Fremde in gebührender Weise begehen wollte. Da ich nun vom Bestehen einer jüdischen Gemeinde in B. — so hieß nämlich die kleine Stadt — gehört hatte, machte ich mich auf, den Tempel zu suchen. Nach langem Herumfragen fand ich endlich die Straße und das betreffende Haus, das man mir als Tempel bezeichnet hatte. Überzeugt, daß ein Irrtum vorliege, denn das Haus unterschied sich nicht im geringsten von den andern dieser Gasse, klopfte ich zögernd an. Nach kurzer Zeit öffnete sich die Tür und ein älterer Mann fragte nach meinem Begehr. Er mochte schon hoch io die Fünfzig gewesen sein, hatte einen grauen Bart und auf dem Kopf ein Käppchen und sah mich mit seinen dunklen Augen forschend an. Ich stotterte einige Sätze auf Französisch, daß ich gekom men sei, den Tempel zu besichtigen und hier zu beten, daß ich ein Jude aus Wien sei. usw. Da hellte sich sein Gesicht plötzlich auf und mit einem freundlichen „Entrez sUl vous plait“ führte er mich in die Stube. Er entschuldigte sich, tjaß er nicht Deutsch verstünde, aber er freue eich sehr, einen jungen Wiener Juden au sehen, denn er wisse, daß ©ine schöne und große jüdische Gemeinde in Wien existiere, 'doch habeer noch nie mit einem Mitglied dieser Gemeinde gesprochen. Selten kämen Österreicher nach B-, aber noch nie habe einer seinen Tempel, aufgesuoht; Wien kenne er nur aus den Zeitungen. Bald stellte es sich heraus, daß er selbst der Rabbiner von B. war und zugleich auch der Wächter und Aufseher dieses Tempels; die Gemeinde sei wohl arm und nicht groß, aber ee seien gute Juden, und er besonders nehme regen Anteil am Aufbauwerk in Palästina. Und wie wir so sprachen und uns über jüdische Fragen in der ganzen Welt unterhielten — zwei Menschen, die sich vorher nie gesehen batten —, da fühlte ich: hier spricht ein französischer Jude zu einem österreichischen, Jude zu Jude, und trotz der Verschiedenheit der Sprachen, des Milieus und des Alters spürte ich, dieser Mann gehört zu dir, es ist ein Mann deines Volkes, Das sind ganz andere Bande, die dich zu ihm ziehen als au den anderen Franzosen, welcher GeseJlschaftssohiohte sie auch immer angehören mögen! So unterhielten wir uns lange Zeit und es herrschte eine eigentümlich befreundete Atmosphäre zwischen uns. Später stellte er mich seiner Familie vor, und zum Schluß zeigte er mir den Tempel. Es war nur ein kleines Bethaus im ersten Stock mit bescheidener Einrichtung, aber sehr hell und reim. Mit Stolz zeigte es mir der Rabbiner, und ich kam mir mitten in dieser fremden Stadt wie zu Hause vor: da leuchteten die Zehn Gebote an der Decke, es brannte das Ewige Licht und auch die Thorarollen waren eingehUlll und verwahrt wie bei uns. „Das ist das Rüstzeug unseres Volkes in der ganzen Welt, überall, wo Juden wohnen*1, sagte er ernst. Nach der Besichtigung de» Gotteshauses verabschiedete ich mich herzlich wie von .einom Freund. Nachdenklich ging Ich nach Bause und raals kam es mir zum erstenmal zu Bewußtsein: wir sind ein Volk, in der ganzen Welt verstreut, hundert Sprachen sprechend, aber doch e i n Volk. Denn dies hatte mir der Rab biner von B. bewiesen Leopold Sieberd SocaU tyUd&ielH Die ausgezeichnete jüdische Sängerin singt im Rahmen der Wiener Festwochen am 10. Juni im Kleinen Musikvereinssaal „Lieder der Völker“. Zum erstenmal werden in einer offiziellen Veranstaltung auch unsere musikalischen Schöpfungen vorgetragen. Frau Goldstein singt neben italienischen, rumänischen, russischen und französischen Volksliedern eine Reihe hebräischer Lieder (das Obaluzlied „Paked Adonai“, einen yemenitischen Gesang, das Gebet „Elohai ad scbelan nozarti“ und das Kinderlied „Bubati“), sowie ein jüdlsch-spaniolisches Lied. Es ist erfreulich, daß so die Werbekraft der Kunst in den Dienst der jüdischen Sache ge stellt wird. Vec beuntUeczige. Hielt Aus den hebräischen Sagen. Deutsch von Chawah Teichmann. I. Als Moses einmal seine Herde in der Wüste weidete, lief ein Schäflein fort, und Moses jagte ihm nach, um es zu fangen. Doch das Schäflein lief immer rascher, und Moses konnte es nicht einholen. Endlich blieb das Schäflein bei einem Bache stehen und trank gierig. „Mein armes Schäflein“, sagte Moses, „umsonst jagte ich dir nach und ermüdete ich dich, du warst doch nur durstig! Nun werde ioh dich auf den Armen zurücktragen.“ Moses nahm das Schäflein auf seine Arme und trug es zur Herde zurück. Da rief eine Stimme aus dem Himmel: „Moses, mein Moses! Ich sehe deine Liebe und dein Erbarmen für deine Herde. Und deshalb sage ich dir, du wirst ein treuer Hirte meines Volkes Israel sein und es ln das Land führen, das ich ihm verheißen habe!“ H. Wieder weidete Moses seine Herde am Fuße des Berges Cboreb, als er ein jämmerliches Gezwitscher hörte. Er blickte auf und sah, wie ein mächtiger Adler ein Vöglein verfolgte. Und schon schlug der Adler seine scharfen Krallen in dae zarte Körperchen. „Du sollst nicht morden!“ schrie Moses mit bebender Stimme; und als der Adler dies hörte, ließ er sein Opfer fallen und flog davon. Das arme Vöglein saß zitternd zu Moses’ Füßen. Moste hob das Vöglein auf, wärmte es mit «einem Atem und nach einer Weil« hatte sich das Vöglein von seinem Schrecken erholt. Während Moses sich mit dem Vöglein beschäftigte, kam der Adler zurückgeflogen und auf sreinen Fittiche® hatte er sei®« Küchlein gebettet. Dies© legte er vor Mose« hin und, mit fragenden Äugen starrte er Moses an; „Schaue, Mensch Gottes, warum entziehst du meinen Kindern die Nahrung?“ Moses hört die vor Hunger traurig piepsenden Küchlein, blickt auf das Vöglein, das am ganzen Körper zittert und tiefes Mitleid erfaßt sein Herz. Da nimmt Mose« ein Messer aus der Tasche, schneidet ein Stück Fleisch aus seinem Arm und gibt es den Küchlein zu essen und das arme Vöglein tränkt er mit seinem warmen Blut. Ignaz Zollichan Herr Otto Klein in Prag schreibt uns: Gestatten Sie mir einige Ergänzungen zu Ihrem letzten Aufsätze über Zollsohan. Bi« zum Erscheinen seines Werkes waren auch Kreise, die nicht gerade zu den Antisemiten zählten, von der geringeren geistigen Leistungsfähigkeit des jüdischen Volkes überzeugt. Auch die Juden selbst setzten dieser Meinung nur geringen Widerstand entgegen, ja sie glaubten vielfach an ihre Richtigkeit. Zollscbans Buch bewirkte einen derartigen Umsturz in dem Denken der gebildeten Kreise, daß von einer Minderwertigkeit der Juden nicht mehr gesprochen wurde, zumal der Begründer der Germanentheorie Ludwig Wilser da« Buch Zollscbans mit Worten höchster Anerkennung bedachte. Diejenigen Rasaentbeoretiker aber, bei denen tendenziöse Absichten vorherrschten, «chwiegen das Werk tot, darunter auch Ohamberlain und mit ihm die ganze deutschnationale Presse. Auch die heutigen G ermanen fcheoretiker brachte Zollsohan mit seiner Forderung, die Rassen frage vor ein internationales wissenschaftliches Forum zu bringen, in Verlegenheit. Sie griffen ihn deshalb maßlos an und gingen sogar so weit, daß sie leugneten, die Minderwertigkeit anderer Rassen auch je nur behauptet zu haben. Sie konnten Zollsohan die wissenschaftliche Bedeutung um «o weniger absprechen, als sie ihr Wortführer Hans Günther ausdrücklich anerkannt hatte. Ing. Joseph Loewy ln Wien In Wien traf zu mehrtägigem Aufenthalt der 'bekannte ziioniißtieche Pionier Dtipd.-Ing. Josef Loewy ein. In ihm begrüßen wir einen der ältesten und bekannten Zionisten, der «eit Jahren auf kolonisatoris ch e m Gebiet als hervorragender Fachmann gilt. Ing. Joseph Loowy kann auf eine Reihe von Leistungen in Eneiz Israel blicken., die entweder seiner Initiative entstammen oder durch seine Mithilfe geschaffen wurden. Insbesondere aber wurde sein Name während der letzten zwei Jahre häufig genannt, wo er im Verein mit Dr- S. E. S o s k i n in Naharia buchstäblich aus einer Sandwüste eine blühende Mittelstandskolonie geschaffen hat, die heute im Mittelpunkt regsten Interesses und allgemeiner Bewunderung steht. Mit Rücksicht darauf, daß Naharia trotz der Kürze der Zeit fast vollkommen ausverkauft ist, hat sich die Nahariar$mall-Holding, deren Vorsitzender Ing. Joseph Loewy ist, zu weiteren umfangreichen Landkäufen entschlossen, um dae erfolgreich begonnene Werk der jüdischen Mittelstandskolonie auf privatgenoesene ohaf tlicher Grundlage fortzusetzen. \fieczip Johet Dt. iUügu-Ueim Wir Juden haben eine® trefflichen Ausdruck für Wohltätigkeit: Z e d a k a, der sie einfach als erfüllte Gerechtigkeit erscheinen läßt. Ein Rundgang durch das Dr.-Krüger-Hehn überzeugt, daß die erhabene jüdische Sozial» ethik, die schon vor Jahrtausenden das Recht aller auf ein menschenwürdiges Dasein und auf ein entsprechendes Tätigkeitsfeld ausgesprochen und zu verwirklichen gesucht, hier ihre schönste Verkörperung' gefunden hat. „Heim für schulentwachsene verwaiste oder verlassene jüdische Mädchen“ — äußerlich erinnert nichts an der Anstalt an deren humanitären und karitativen Charakter, dafür strahlen uns aus den schönen, großen, lichten, peinlich «auberen Arbeits» und Wohnräumen jene Liebe und Wärme entgegen, welche auch die Lehrpersonen erfüllt. Vor allem aber Frau Krüger, die Witwe nach dem Gründer des Heimes, Qbermedizinairat Dr. Samuel Krüger, die als gute Genius des Hause«, bei den vielen Mädchen die Mutterstelle einnimmt und Respekt,- Dankbarkeit i\;id Ergebenheit erntete. Ein gesunder Grundgedanke durcbwlrkt die Institution und bestimmt ihren Charakter: den Zöglingen wird nichts demütigend als „Almosen“ gegeben, «ie erarbeiten sich ihre Daseinsberechtigung vielmehr selbst. Der Gedanke der produktiven Fürsorge wie auch jener tagen geradezu den Eindruck einer Fabrik hinterläßt, wenngleich die munteren Mienen der an Nähmaschinen oder Zeiohenbretten arbeitenden, mit Küchen- und Haushaltgeräten hantierenden Mädchen diesen ernten Eindruck Lügen strafen. In Wirklichkeit ist ja das Ganze nichts anderes als eine riesige Schule, worin halbwüchsige, aber auch erwachsene Mädchen, aus verschiedenen Gescllschaftsschiohten wie aus verschiedenen Ländern stammend, die große „Hachscharah“, die Taugllehwerdung für das harte Leben mit fröhlichem Eifer durchführen. Da gibt es eine höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe, welche alle Kenntnifise vermittelt, deren eine werktätige Frau bedarf, eine Fachschule für Schneiderei, ein« Kindergärtnerinnen-Blldungsanstalt und noch viele andere Lehreinrichtungen und Kurse — viele tausende Mädchen sind in den vierzig Jahren zu tüchtigen Menschen herangebildet worden, die sich im Leben prächtig bewährt haben, neuerdings haben auch einige Mädchen in Palästina Wirkungsstätten gefunden. Die Jubiläum » aus Stellung, die vor kurzem eröffnet wurde, gibt einen guten Begriff sowohl von den pädagogischen Fähigkeiten der Lehrerinnen als auch von dem Arbeitswillen der Schülerinnen, die mit den einfachsten Mitteiiu wahre Kunstwerke hervorbringen. Die jungen Schneiderinnen haben ihre geschmackvollen Erzeugnisse ausgestellt, die Modezeichnerinnen an den Wänden ihre der Arbeitsschule sind so dominierend, KJeiderentwürfe angebracht. Hier wie auch bei daß da» große Hau« ln Oec Holzgas»« aa lüufr | wn letadea Actata der Kindergärtnerin* Jüdische Künstlerspiele II., Praterstraße 34, Tel. R 45-4-84 In den Jüdischen KünstlerspieleD gelangt morgen, Dienstag, den 8. Juni, Uhr abends, anläßlich des Ehrenabends von Jenny Lovic die musikalische Komödie „Die weiße Blume“ einmalig zur Aufführung. Ab Mittwoch, den 9. Juni, tritt Leo Reuß wieder täglich (mit Ausnahme Samstag) in Kobrins „Zurück zum Volk“ auf. Der Gast spricht in diesem Stück bekanntlich den ganzen Text seiner Rolle jiddisch. „Die Sendung Semaels“ wird Samstag, den 12. .Juni, 1^9 Übr abends, im Rahmen einer Sondervorstellung zum ietzten Mal gespielt. Da eine weitere Aufführung nicht mehr möglich ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig Karten zu sichern. Hilda DuJitzkaja, die beliebte jüdische Sängerin, wohnt jetzt IV., Mühlgasse 9, Telephon A 87-803. „Das Volk des harten Schlafs“, dieser neue Roman des Prager Dichters Oskar B a u m erscheint im Laufe des Monats im Verlag R. Löwit, Wien-Jerusalem. Hier hat ein Erzähler von europäischem Niveau ein fast unbekanntes Stück Weltgeschichte mit fesselnden Konflikten, die aus der Gegenwart geschnitten scheinen, zu einem Dokument von bleibender Bedeutung gestaltet. Subskriptionspreis vor Erscheinen für das in Leinen gebundene Exemplar S 8.40, nach Erscheinen wird der Preis auf S 10.50 erhöht. Der Jüdische Buchclub bringt als drillen Band seiner mit großem Beifall aufgenommenen Pwbldloatiomn eine Heuausgabe der alten, längst vergriffenen Prager Legendcnsammhmg ,,Sippwrim“. Diese Neuasusgäbe vereinigt die Schönheit und Phantastik des Volksmärchens und der Volkssage mit dem historischen Schicksal, das das jüdische Volk auf seiner Wanderschaft quer durch den Erdteil erfuhr. Das Buch führt den Titel „D ie goldene Gasse“ und ist von dem berühmten Maler Friedrich Feigl mit Zeichnungen von hoher Schönheit und visionärer Kraft bereichert worden. „Die goldene Gasse“ gehl den Mitgliedern des Jüdischen Buchclubs in den nächsten Tagen zu. Sie wird den vielen Freunden des Jüdischen Buchclubs bestimmt willkommen sein und neue Werbemöglichkeiten bieten. Melden auch Sie sich beim Jüdischen Buchclub an, nur S 8.— vierteljährlich. IFleischmarkt 1, Telephon R 21-4-25. *+*<•**#%#*• Alles was ihr tut, sollt 'ihr nur ms Liebe km. (Maimonides) * Die Erfahrung lehrt über und über, daß die Menschen nichts weniger in der Gewalt haben als ihre Zunge. (Spinoza, „Die Ethik“) * Jedes Ding kann zufällig die Ursache der Hoffnung oder der Furcht sein. (Spinoza, „Die Ethik“) * Der höchste Stolz und der höchste Kleinmut sind die höchste Unkenntnis seiner selbst. (Spinoza, „Die Ethik“) Was nennt ihr Wahrheit? Die Täuschung, die Jahrhunderte alt geworden. Was Täuschung? Die Wahrheit, die nur eine Minute lang gelebt hat. ('Spinoza) nen, die allerlei Spielzeug, der Kinderpsyche entsprechend, anfertigten, wie schließlich bei den kunstgewerblichen Produkten, die besonder« schön geraten sind, seien Geschmack und Formwille lobend anerkannt! Di© jugendlichen Arbeiterinnen beweisen aber auch durch' das Werk ihrer Hände, daß dieses Haus nicht allein ©ine Stätte der Arbeit ist, sondern daß auch Kunstempfinden und Kunstgenuß hier ihr Heim haben, und sie dürfen sich mit Recht auf einen Spruch S a 1 o m o n i s berufen: „Siehst du einen behend in seiner Arbeit, der wird vor den Königen stehen und nicht vor den Unedlen.“ Au« Anlaß des vierzigjährigen Bestandes wurde von der Leitung' des Heimes eine kleine würdige Feier veranstaltet, zu der die Gattinueu des Bundespräsidenten Mildas und des Bürgermeisters Schmitz sowie zahlreiche Vertreter der Behörde®, der Kultusgemoinda und der jüdischen Institutionen erschienen waren, die den Leitungsmitgliedern und dem Lehrkörper herzlich gratulierten. Von den Reden, die gehalten wurden, hinterließ einen besonders starken Eindruck die Ansprache der greisen Frau Dr. Ullmann, die seinerzeit an der Gründung des Krüger-Heimes mitgewirkt hatte, und die nun mit ebenso klugen wie gütigen Worten Rüokschau haltend und in die Zukunft weisend, den ailgemeinmensohiichen W e r t der Institution bervorhob und ihro Rode in den Worten gipfeln ließ: „Das wichtigste Kapital des Staates ist dor Mensch!“