Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 649 (8.6.1937)
- Date
- 1937-06-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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9k ^Stimme v. «.«. 20 8 Nr. 649 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienstag, 8. Juni 1937 39« Siwan 5697 10. Jahrgang ülber (len neuen politischen Kurs stattfinden, doch wird die Regierung, wie die arabische Delegation erfährt, unbekümmert darum ihre Plane in die Tat Umsetzern Deshalb sind Verhandlungen über das neue System nicht nötig. Die Ausnahmsgesetze noch in Kraft Jerusalem, 6. Juni (JTA.) Das Appellationsgerioht in Jerusalem hat die Berufung eines Arabers, der in der ersten Instanz wegen Waffenbesitzes zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war, mit der Begründung abgewiesen, daß die am 24. März erlassenen Ausnahmegesetze noch in Kraft sind. * Das System der Blutrache Der Zusammenbruch der europäischen Moral ist dieser Tage offenkundig geworden. Alle Mächte haben ihre Kapitulation vor den Methoden des Dritten Reiches vollzogen und clie Anerkennung der nackten Gewalt ausgesprochen. Sie stimmen zu, daß der letzte Rest des Völkerrechtes zertreten wird und sind damit einverstanden, daß das Prinzip der Blutrache als gleichwertiger Faktor in das politische Zusammenleben ausgenommen wird. Weil ein spanisches Regierungsflugzeug auf Palma ein deutsches Kriegsschiff bombardiert hat, beschossen fünf deutsche Kriegsschiffe den Hafen von Almeria. 150 Personen, zumeist Frauen und Kinder, wurden getötet. Dabei ist die spanische Behauptung, daß das Flugzeug bei Palma von den Deutschen beschossen worden ist, bisher nicht widerlegt. Jedenfalls hat Deutschland, ohne ein Ergebnis einer Untersuchung abzuwarten, gehandelt und die Blutrache vollzogen. Die nationalsozialistische Praxis, die sich Politik nennt und von den europäischen Staaten als solche zur Kenntnis genommen wird, besteht überhaupt nur aus Rache. Weil in New York ein Kardinal die deutschen Schauprozesse kritisiert und den Reichskanzler Hitler einen österreichischen Tapezierer nennt f*~ das ist in dem Deutschland der Arbeit eine unqualifizierbare Verunglimpfung — bricht Berlin die Beziehungen zum Vatikan ab, um so einseitig das Konkordat aufkündigen zu können. Es ist immer irgend ein Anlaß da und wenn er fehlt, so wird er erfunden. So kn Falle des Richters Brodsky, der zum Juden gestempelt wurde, um die Nürnberger Schandgesetze begründen zu können. t)er Bankerott der Zivilisation hat damit begonnen, daß der vom Dritten Reich Inszenierte Judenmord geduldet wurde. Daß dies geschah, daß jede primitive Rechtlichkeit und Loyalität über Bord geworfen werden durfte, hat jene lange Reihe von Vertragsbrüchen begründet, 'die man als den essentiellen Inhalt des nationalsozialistischen Systems anseben darf. Erst wurden die Juden aus der staatlichen Gemeinschaft hinausgestellt, dann kamen mit der Auflösung der Parteien die Vermögens- und Hauskonfiskationen, dann die wider jedes Gesetzlichkeitsgefühl eingerichteten Konzentrationslager, in denen angebliche Staatsfeinde festgehalten werden — von 1933 bis heute! — ohne daß sie vor einem Richter gestellt werden, dann die Ausbürgerungen und Enteignungen. Dies war innenpolitisch. Nach außen gab es die bekannten Akte gegen Österreich, die Drohungen gegen Litauen, die Hetze gegen die Tschechoslowakei, die Okkupation Danzigs, die merkwürdige Art des Nichtzahlung an alle Welt und schließlich die Organisierung einer internationalen Spionage und Hetze gegen England und Frankreich. Es greift eines ins andere. Man hat den Anfang geduldet, weil er nur gegen die Juden ging, man hat die Kampagne gegen das Christentum teilnahmslos mitangesehen und so hält man jetzt dabei, sich der Vendetta zu beugen, ja sie sogar als Grundlage für ein Kompromiß gelten zu lassen. Und doch ist Almeria nur ein Signal an die Welt, das Aviso, das ihr ihr Schicksal ankündigt, wenn... Es ist ein gerader und erschreckend logischer Weg von den Boxheimer Dokumenten über die Ermordung des Kanzlers Dollfuß bis Cuernica umd Almeria, der Weg der Blutrache. Noch keine Entscheidung über Palästina London, 6. Juni. In einer neuer Hohen Erklärung hat der Kolonienminister im Unterhaus festgestellt, daß bezüglich Palästinas noch keinerlei Entscheidungen vorliegen. Die Ungewißheit, die bis zum Abschluß der Arbeiten der Königlichen Kommission besteht, dauert an, und diese leidige Tatsache verhindere den Beginn neuer Arbeiten zur Erschließung des Landes. Erklärung des Vizeblirgervneisters Auster London, 6. Juni. (JTA.) Der Vizebtirgermeißter von Jerusalem Daniel A u ß t e r wendet sich in einem offenen Brief an den „Manchester Guardian“ gegen die Bestrebungen, in der künftigen Palästinapolitik Jerusalem als Heilige Stadt unter britisches Mandat zu stellen und von dem jüdischen Siedlungsgebiet zu trennen. Er erklärt: Jerusalem und seine jüdische Bevölkerung, die ein Fünftel der jüdischen G es am tb e v ö 1 k er u n g Palästinas daretellt, von dein jüdischen Gemeinwesen losreißen,' hieße nicht nurdieses von dem historischen Zentrum und Heiligtum des jüdischen Volkes trennen, sondern auch es eines sehr beträchtlichen und bedeutsamen Bevölkerungßteiles berauben. Mitteilungen eines arabischen Politikers Jerusalem, 6. Juni (JTA.) „Felestin“ veröffentlicht einen Brief des jetzt in Amerika weilenden Mitgliedes der inoffiziellen arabischen Delegation Dt. Izzat T a n n o u s, in dem er sich mit den Plänen einer Teilung FEIGENKAFFEE KOSTET DAS 1/4 kg Paket GROSCHEN Palästinas befaßt und die Ansicht äußert, daß die englische Regierung die Richtlinien ihrer künftigen Palästin-apolitik ohne Rücksicht auf die Empfehlungen der Königlichen Kommission und die Meinung des Parlaments festlegen werde. Die Frage einer Teilung Palästinas, schreibt Dr. Tannous, ist nach dem Lärm der ersten Zeit in Vergessenheit geraten. Die englische Presse hat aufgehört, darüber zu schreiben. Obwohl der Bericht der Königlichen Kommission streng geheim gehalten wird, herrscht in den Londoner politischen Kreisen die Meinung, daß die Vorschläge des Berichtes nicht verwirklichtwerden würden. Von zuverlässiger Seite hat man der arabischen Delegation mitgeteilt, daß die Regierung ihren Bericht allen Ministern und Unterstaatsekeretären vorlegen und ihn dann ins Araibische und Hebräische übersetzen lassen wird. Inzwischen wird die Regierung den künftigen politischen Kurs in Palästina festlegen. Ende Juni oder anfangs Juli wird sie den Bericht veröffentlichen und ihre künftige Politik bekanntgeben. Sowohl der Bericht als auch die Erklärung über die neue Palästinapolitik werden der Mandatskommission übergeben werden. Im Parlament wird eine Debatte Im Gegensatz zu den aus London und Jerusalem vorliegenden Meldungen berichtet der „Morgen“ aus Genf, daß Palästina im Laufe des Septembers zu einem selbständigen jüdischen Staat erklärt werden wird, der noch in diesem Jahre in den Völkerbund aufgenommen werden soll. Die Verhandlungen zwischen Außenminister Eden und Professor W e i z m a n n seien in der abgelaufenen Woche beendet worden. Hauptstadt des jüdischen Staates werde Haifa werden, während Jerusalem zu einer Freistadt unter einem englischen Oberkommissär erklärt werden wird. Die Zuteilung des Landes soll ln einer Weise erfolgen, die allen jüdischen Wünschen Rechnung trägt. Der Plan soll am 12. August in Genf vorgelegt werden. Palästina soll danach für 25 Jahre vom britischen Militär besetzt bleiben. Eine Bestätigung dieser Meldungen des „Morgen“ liegt nicht vor. Es ist auch hervorzuheben, daß über Verhandlungen. Weizmanns in London nichts bekannt geworden ist. Weizmann hat sich übrigens seit längerem in Meran zur Kur befunden und wurde erst gegen Ende Mai wieder in London erwartet. Ussischkin gegen den Teilungsplan Im „Haarez“ ruft Ussischkin zur Einleitung eiiner energischen Aktion gegen den Teilungsplan noch vor Erscheinen des Berichtes der Königlichen Kommission auf. „Sollten die Juden von die Wähl gestellt werden: Teilung in zwei Staaten, oder die Schaffung von Kantonen innerhalb e i n e s Staates“, erklärt Uesdeöhkiu, „so würde ich die zweite Alternative wählen. Was das jüdische Volk seit vierzig Jahren erträumt, ist nicht ein Sonderstaat, sondern die Versammlung seiner zerstreuten Teile in Erez Israel. England hat zwar die Macht, uns diese Lösung auf zu zwingen; es würde jedoch einen Verrat der Jahrtausende alten nationalen Hoffnungen bedeuten, wenn die Durchführung eines solchen Unternehmens mit unserem Einverständnis erfolgte.“ Im weiteren Veriaiif des Aufsatzes erbringt Ussischkin den Beweis für. die Undurehführbarkeiit des Planes, und zwar aus politischen, strategischen, sowie wirtschaftlichen Gründen. Schlanke Linie, meine Dame, erreichen Sie nicht durch Hungern. Kuranstalt „Helia“, Fleischmarkt 7, erreicht es verläßlich durch physikalisch-kosmetische Methode. Ein Friedensvorschlag des Landesverbandes Die Schekelpropaganda ist zu Ende gegangen. Traditionsgemäß hat der Zionistische Landesverband, die stärkste zionistische Organisation in Österreich, auch den Löwenanteil an Schekalim aufgebracht. Im vorigen kongreßlosen Jahr rund 3100 und heuer nach dem Stand der Abrechnung bei Blattschluß rund 7700 Schekalim. Diese Zahl wird sich im Laufe des heutigen Tages wahrscheinlich noch erhöhen. Der Zionistische Landesverband kann daher mit vol- Unterhaus und Kommissionsbericht London, 4. Juni (JTA.)* Im Unterhaus wurde bekanntgegeben, daß für die Erörterung des Berichtes der Kgl. Kommission für Palästina eine besondere S i t z u n g anberaumt werden wird. Der Abgeordnete Litnn brachte die Frage des Kommissionsberichtes zur Sprache, indem er durch den Antrag1, das Budget des Kolonienministeriums um 100 Pfund zu kürzen, eine Debatte eröffnete. Er erklärte, er habe erfahren, daß ein besonderer Tag für die Erörterung von Palästinaangelegenheiten im Unterhaus angesefczt werden soll, sobald der Bericht der Kgl. Kommission in den Händen des Kabinetts sei. Kolonieiimiiiister 0 r m s b y-G o r e unterbrach den Redner mit der Bemerkung, daß er n.ooh nicht im Besitze des Berichtes sei. Er höre von Lord Peel, daß der Bericht i n der dritten J im iwoche unterzeichnet werden wird. Daraufhin stellte der Abgeordnete Lunn fest, daß der Bericht, der den Abgeordneten noch nicht vorliege, wie er erfahre, vor dem Ende der Session erörtert, und daß ein besonderer Tag zu diesem Zweck festgesetzt werden wird. Abg. Mander fragte, ob der Minister nicht vor der Entscheidung der Regierung über ihre künftige Palästiuapolibik die Veröffentlichung des Berichtes der Kgl. Kommission veranlassen wolle. Minister Ormsby-Gore antwortete, er sei n i c h t i ii der Lage, seiner ausführlichen Antwort vom 24. Mai zu diesem Gegenstand etwas liinzuzuftigen. Er verneinte auch die weitere Frage des Abgeordneten, ob er im Besitz neuer Informationen über den Termin der Veröffentlichung des Berichtes sei. Anmeldeschluß 21. Juni fär die Reise nach Züridi-Paris-Riviera ■welche der Klub „Erez Israelsf in der Zeit von 1. bis 15. August veranstaltet. Preis Wien bis Wien S 298.—, Verlängerung an der Riviera pro Woche S 60.—. Anmeldungen täglich von 12 bis 1 Uhr, /., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2-Jfl, und jeden Montag von 21 bis 22 Uhr im Caf6 KonstcndinkOgeL ler Beruhigung in die Wahl gehen, für die er alle Vorbereitungen getroffen hat. Die allgemeine schwierige jüdische Situation und die schwierige Situation Erez Israels, die mehr denn je eine geschlossene zionistische Front erfordert, haben jedoch den Zionistischen Landesverband veranlaßt, den verschiedenen zionistischen Gruppen einen Verzicht auf die Kongreßwahl vorzuschlagen. Das ist nach den Bestimmungen der Wahlordnung möglich, wenn nur eine Liste eingereicht wird. Der Zionistische Landesverband hat hiebei den Vorschlag gemacht, daß die Aufteilung der Mandate auf die verschiedenen zionistischen Gruppen dieselbe sein soll wie beim letzten Kongreß. Er hat mit diesem Vorschlag ein großes Opfer gebracht, da die Organisation des Landesverbandes seit dem letzten Kongreß an Mitgliederzahl bedeutend zugenommen hat und infolgedessen ein viertel Mandat für den Landesverband gegenüber den drei Mandaten hei der letzten Wahl unschwer zu erreichen ist. Von den zionistischen Gruppen hat bisher der Verband der Judenstaatszionisten in dankenswerter Weise seine Zustimmung zum Verzicht auf einen Wahlkampf gemäß den Vorschlägen des Landesverbandes erteilt. Diese Zustimmung des Verbandes der Judenstaatszionisten, der beim letzten Kongreß nur ein Mandat erlangt hat, ist um so dankenswerter, als den Judenstaatszionisten zur Erlangung des zweiten Mandates bei der letzten Wahl nur wenige Stimmen gefehlt haben. Wir wollen hoffen, daß alle zionistischen Gruppen dem Friedensvorschlag des Zionistischen Landesverbandes zustimmen werden, durch den am besten dem inneren Frieden und der schwierigen außenpolitischen Situation der Zionistischen Organisation Rechnung getragen, wird*