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Die Stimme · 1937-05-27 · Heft 646 (27.5.1937) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 646 (27.5.1937)
Date
1937-05-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Wien, Donnerstag, 27, Mal 1087. — Nr. 646. Oll «TIMM l«1t« 7 Sckekefoedcaufec Letzter Abrechnungstag 1. Juni. Alle Hefte müssen bis 8 Uhr abends im Landeskomitee verrechnet sein. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAj Jüdische Kulturstelle 1., Franz-Josefs-Kai 3. Telephon R 28-2-36. Jüdisches Kulturtheater: Täglich,, 20 Uhr: „Jud Süß“, Schauspiel in fünf Bildern (nach Lion Feuchtwanger), von Ashley Dukes. Deutsch von L. Dämmert. Regie: Rudolf Weiß. Sonn und Feiertags: Nachmittagsvorstellung von „Jud Süß“ bei kleinen Preisen. Beginn 15.30 Uhr. — Sektion für bildende Kunst: Anmeldeschluß für die Reise zur Weltausstellung 30. Mai. — Ausstellung Erwin Singer in der Jüdischen Kulturstelle. Ganztägig geöffnet und frei zugänglich. — Jüdische Volkshochschule: Hebräisch- und Englischkurse. Vorträge über Jüdisches Brauchtum und Jüdische Kulturgeschichte. — Jüdische Kunststelle: Ermäßigte Karten für sämtliche Theater und Konzerte. Neuanmeldungen ganztägig. — Jüdische Leihbücherei: Neuerscheinungen, Judaica, Kinderbücher. — Jeder Jude zahlt als Stamm-Mitglied der Jüdischen Kulturstelle nur S 1.50 jährlich. Hachscharah beim Hechaiuz Haklal Zlonl In das arbeitsreiche Feld des Hechaiuz Haklal Zioni fällt auch die Aufgabe, junge Menschen, die vom Arbeitsprozeß au&ge schaltet, zum Nichtstun verurteilt sind, die als Handelsangestellte keine Aussicht auf Anstellung ■haben, Lernende, die wegen Verarmung ihr Studium aufgeben mußten, Ausgebildete, die als Juden keine Arbeitsplätze finden können, einem produktiven Beruf zuzuführen und ihnen die Möglichkeit eines Fortkommens in Palästina zu geben. Junge Menschen, die nur mit Entsetzen und Verzweiflung an ihre Zukunft denken, tragen schwer an diesem Los, ihr Geist wird ebenso müde und schlaff wie ihr Körper, der sich unter der Last eines solchen Lebens beugt wie unter einer schweren Krankheit. Er zerstreut sich bei leerer Unterhaltung, wie der Kranke gegen seine Schmerzen das schlafbringende Morphium nimmt. Die jungen Juden, die in dieser Situation waren und an unsere Bewegung Anschluß gefunden haben, haben sich von dieser Last befreit, als sie auf Hachscharah fuhren. Daß sie es selbst als Befreiung empfanden, zeigt, wie sehr sie sich wünschten, bei der ärztlichen Untersuchung für kräftig und gesund genug für die Landarbeit befunden zu werden. Anfangs fürchtete ich, bei diesen Untersuchungen viele zu finden, die zu schwach sind. Aber die Jungen, die gestern noch schlaff und blaß waren, zeigten sich kräftig und gesund, da sie auf eine Besserung hoffen konnten. Alle, die bereits einige Monate Landarbeit geleistet hatten, waren in ausgezeichneter körperlicher Verfassung. Gut entwickelte Muskulatur, starker Bau der Knochen und breiter Brustkorb zeugten von der Wunderwirkung der körperlichen Hachscharah. Unter denen, die zum erstenmal mittun wollten, war nur einer, der wegen Schwäche und Unterernährung zurücbgestellt werden mußte, ein Zeichen, daß die Pflege und Liebe, die dem heranwachsenden Menschen in der jüdischen Familie oft unter schweren Opfern zuteil wird, sich in schlechter Zeit bezahlt macht. Das Leben des Landarbeiters, der meist im Freien ist, kräftigt den Körper, das Erlernen der schweren Arbeit erzieht für das spätere Leben. Das Leben in der Gemeinschaft fördert die sozialen Gefühle, die bei arbeitslosen Jugendlichen ins Wanken kommen. Und welche Befriedigung, nach langer Arbeitslosigkeit gerade an einer schweren Stelle seinen Mann gestellt zu haben, sich dabei Kost und Quartier zu verdienen und einige Schilling ersparen zu können! So ist eino große Zahl von Jugendlichen auf die verschiedensten Gutshöfe hinausgefahren. Auch an dieser Stelle sei den Besitzern und Verwaltern gedankt, daß sie unsero Chaluzira unter günstigen Bedingungen aufgenommen haben. Für jungo Juden, die jetzt noch nicht fähig sind, die schwere Arbeit auf dom Land zu leisten, ist insoforne gesorgt, daß sie auf einor Hachscharah praktisch Obst- und Gemüsebau und Hühnerzucht erlernen können. Auch sie werden durch diese Arbeit im Freien so gekräftigt werden, daß zu hoffen ist, daß sie bei nächster Gelegenheit hinter den anderen nicht werden zurückstehen müssen. Dr. Otto Löwy. Ein blinder Rezitator. Einen vornehmen und begabten Künstler »teilte Dr. Alfred Werner dem jüdischen Publikum vor: Doktor Max G e f f n e r, der als Blindenlehrer und Leiter DIE KINDER-STIMME REDIGIERT VON LILIAN GRÜNWALD Sine WqmUcühq. Die niemals in einem Jugendbund gewesen sind, wissen nicht, wie schön eine Wanderung sein kann. Aber diese will ich auf den Geschmack bringen, und ihnen eine unserer Wanderungen schildern. Schon am Abend vorher hat man alles vorbereitet. Die Goiserer geschmiert, Rucksack und die Kleider, sowie den Proviant zurechtgelegt. Denn wir machen uns alles selber. aV _ - '___v i rasa Am nächsten Morgen springt man um 7 Uhr früh aus dem Bett. Und komisch: wenn man zur Schule aufstehen soll, ist man sooo verschlafen, aber am Sonntag ist davon keine Spur. Nach der Morgentoilette, die ja, weil die Mutter nicht zusieht, nicht lange dauert, packt man Essen und Sportsachen ein, sagt.Adieu, und zieht los... Am Treffpunkt gibt es freudige Begrüßung. Wir sind stolz darauf, wenn alle anderen Leute an unserer gemeinsamen Uniform sehen, daß wir Zionisten sind! Dann wandern wir los. Ein Bursche hat eine Mandoline mit, auf der er ein hebräisches Wanderlied spielt, und bald singen wir alle im Takt mit. Und es kommt gar nicht darauf an, ob einer eine gute oder eine weniger , gute Stimme hat. Wir wollen ja keine Solisten, sein, sondern wir wollen unsere gemeinsame Anschauung, unsere gemeinsame Freude und unser gemeinsames Erleben in diesen hebräischen und jüdischen Liedern ausdrückem. Ein Lied nach dem anderen wird angestammt, und wir werden gar nicht müde, bis plötzlich einer oder eine mit einem Hungerlied beginnt. Und richtig, jetzt merken wir es alle: wir haben einen Riesenhunger! Der Führer sagt zwar pflichtbewußt: „Geh* nm noch ein Stückerl weiter“, aber er wild überstimmt, wenn’s gut geht, und noch obendrein verhaut, wonn’s schlecht geht. Dann gehen die Chaweroth (Mädchen) ans Eesenmachen. Bei uns ist das nämlich so, daß wir alles gemeinsam essen. Jeder gibt sein von zu Bause mitgebrachtes Essen in der „Küche“ ab, und dort wird für alle hergeriohtet. Und da solltet ihr sehen, wie gern die Burschen uns Mädels auf einmal haben. Sie wollen sich nämlich einhauen, damit sie recht gut belegte Brote; bekommen. Und die Mädels müssen aufpassen, weil die „verfressenen Chawerim“ sonst alles menläuft.. Und endlich, nachdem schon alle heiser sind, fällt das entscheidende, endgültig letzte „Leteawon“, und alle beißen mit, Begeisterung, wie wir es zu Hause nicht kennen, in die Brote. Dem ersten folgen natürlich noch weitere, und es ist festgestellt, daß die Burschen bei jeder Mahlzeit durchschnittlich sechs Brote (über den ganzen Laib), die Mädchen dagegen nur drei Brote (wegen der Linie?) essen. Aber es gibt auch Ausnahmen, und zwar Cha,- werotb, die sieben Brote essen, um wenigstens so die Überlegenheit der Frauen zu beweisen. Nachher kommt natürlich ein Match. Darüber gibt es Diskussionen. Die Burschen wollen Fußball und die Mädels Hand- oder Völkerball spielen. Meistens werden die Verhandlungen in der Form beendet, daß von jedem Spiel ein Match geliefert wird. Häufig spielen wir gegen andere Jugendbünde, die wir dank unserem sportlichen Training überlegen schlagen. Dann wird nach dem Spiel für die siegreiche Mannschaft ein Makkabi-Kiatsch gemacht, was eine hohe Ehrung ist. Die Burschen lassen sich dann gern bewundern und erzählen jedem, der es ja oder nicht hören will, wie fabelhaft sie ■gespielt haben. Nach dem sportlichen Teil sind alle so ziemlich ,yhin“, und wir ruhen uns aus, spielen Gesellschafte- oder Pfadfinderspiele, oder laseen uns einfach in der Sonne braten. Diese heilige Ruhe wird nur manchmal von dem Stöhnen eines Führers oder einer Führerin unterbrochen, die an einem Stilen Plätzchen von ihrer Kwuzah (Gruppe) wegen irgend eines „Verbrechens“ verhaut werden. Die Versöhnung folgt zwar sogleich, aber dem Führer sind auf alle Fälle farbige Flecken als Ersatz für Verdienstorden zurückgeblieben. Es folgt dann das Mittagessen, hei dem zirka dreimal soviel als heim Gabelfrühstück verzehrt wird; und dann machen alle was sie wollen. Einige spielen Ball, andere trainieren Leichtathletik, die „Geistigen“ lesen und wieder andere Erzählen 'sich Neuestes und Allerneuestes vom Bund, was auch ungerechterwedse als Tratsch bezeichnet wird. So bilden sich Gruppen und Grüppchen, bis plötzlich einige eine „Horah“ beginnen. Sofort schließen sich alle anderen an, der Kreis wird immer größer, bis er den ganzen Lagerplatz umschließt. Eine Melodie nach der anderen wird gesungen, und wenn uns eine besonders gefällt, so singen wir sie immerfort. Während des Tanzens werden alle entbehrlichen Kleidungsstücke ausgezogen und weggeschleudert, der Schweiß rinnt vom Gesiebt, aber wir merken es nicht. Wir tanzen und singen, und sind vollkommen glücklich. Nach. und nach setzen einige aus, die dann außenstehen und im Takt klatschen. Und auch diese leben in der Horah mit, als ob sie mit* tanzten. Zum Schluß bleiben noch wenige, die Unentwegten. Sie beginnen jetzt eine „Fliegende“ (eine Art Tellerreiiben mit fünf Leuten), bei deren Ende meistens alle am Boden liegen. Inzwischen haben die anderen Aus geruhten eine neue Horah begonnen, und so geht es bis niemand mehr kann. Man ist zwar müde, aber so schnell und freudig wird nie mehr das Blut id unseren Adern fließen. Wenn es zu dämmern beginnt, holen wiir Holz für das Lagerfeuer, das einen würdigen Abschluß für diesen, ganz uns jungen Menschen gehörigen Tag bildet. Ein großer Holzstoß wird geschlichtet. Ringsum werden die Rucksäcke der jüdischen Blindenbibliothek tätig ist und nun in der Jüdischen Kulturstelle als Vortragsmeister debütiert hat. Dr. Geffner trug aus der Braille-Schrift (Blindenschrift) Dichtungen jüngerer jüdischer Autoren, Stücke von Bialik, Auerbach, Rosenfeld, klassische Gedichte und humoristische Skizzen (Gronemann, Kyber) vor und erwies sich als feinsinniger Interpret. mögliche verschwinden lassen. Besonders gefährdet sind Schokolade und Marmelade. Bis das Essen bereitet ist, setzen wir uns alle in einem Kreis nieder, jeder bekommt ein Brot in diie Hand, das er aber noch nicht essen darf, und das „Leteawon“ beginnt. (Leteawon heißt Mahlzeit.) Und dieses Wort wird in vielen Melodien gesungen, bis schon allen heim Anblick dtis pten Eesena das Wasser im Munde aueam- Schülerhort „Central" II., TABORSTRASSE 8B Qymnastlk Tennis Handbeil Wann« und kalte Dueohen. Eigener aobattiger Ruheplatz mit Liegestühlen für zarte Kinder in der nächsten Nähe des Hortes. Tel. U 14-908 von 1 bis 2 Uhr schön hingelegt, und wir setzen uns nieder. Zwei Burschen haben Feuerdienst. Sie entfachen das Feuer und haben dafür zu sorgen, daß es nicht, erlischt. Erat ist die Flamme nur klein und züngelt furchtsam am Reisig empor, aber bald lodert, sie so hoch, daß man geblendet. wegschauen muß. Ponet ist es ganz dunkel um uns und schweigend fühlen wir den Zauber der Natur. Und plötzlich, aus dieser Stimmung heraus, fängt irgendwer ein Lied an. Aber diesmal ist, es kein munteres Wanderlied, oder eine Horrahmelodie. Nein, diesmal ist es ein Lied, das uns daran erinnert, daß wir in der Galuth, in einem fremden Land leben, während Erez Israel a,uf uns wartet. Auf dich und mich, auf jeden von uns, und wir fallen ein, und singen inbrünstig mit. Und jedes Lied läßt uns mehr den Alltag und seine Kleinigkeiten und Sorgen vergessen. Im Geiste und mit dem Herzen sind wir jetzt in „unserem Land“. Aber wir sind nicht traurig, weil wir noch nicht dOTt sind. WiT sind ja jung und hoffen. Und aus den Besinnungaliedern werden Hoffnungslieder. Heilige Versprechungen, „unser Land“ zu bebauen und dem jüdischen Volk eine Heimat zu geben. Wir schmettern unser Versprechen in die Luft, und die lodernde Flamme ist wie ein Rufzeichen, das unsere Versprechen und Hoffnungen bestätigt. Es ist spät geworden, wir brechen auf und gehen durch den Wald. Es ist ganz dunkel und wir bilden eine lange Kette. Einer gibt dem anderen die Hand, damit wir niemanden verlieren. Jetzt schütteln wir alle ernsten Gedanken ab, und beginnen zu blödeln. Die Burschen wollen uns Mädels einreden, daß wir uns fürchten, aber wir beweisen unseren Mut und Schneid und lachen mit ihnen. Bald sind wir auf der Landstraße und jetzt marschieren wir flott weiter und sind bald bei der Straßenbahn. Und wenn wir diesen Tag überdenken, so sind wir zufrieden. Wir wissen, daß wir für eine Woche neue Kraft geschöpft haben, neue Kraft, um uns für unser Lebensziel, den Aufbau des jüdischen Staates, verzuibereiteii. Schoschannah Wagschal. * Tiere, die den Durst nicht kennen Jetzt, wo es so warm geworden ist und ihr nicht genug Wasser und Eis bekommen könnt, werdet ihr recht staunen, daß es Tiere gibt, die fast ohne Wasser auskommen. Vor allem weiß man von den Lamas in Patagonien und von einer Gazellenart im Fernen Osten, daß sie in ihrem ganzen Leben keinen Tropfen Wasser kosten. Auch ein Papagei, der fünfundzwanzig Jahre lang im Londoner zoologischen Garten saß, rührte Wasser niemals an. Einige Gelehrte glauben sogar, daß auch der Hase Flüssigkeit nur in Form des Taues zu sich nimmt, der auf dem Gras haftet, das der Haea zum Futter sucht. Schließlich gibt es in Frankreich Kühe, die fast niemals Wasser trinken und die deshalb doch nicht weniger Milch als andere Kühe geben. (Etwas Flüssigkeit werden sie wohl in der Form bekommen, als ja die Stallfütterung mit Wasser angemacht wird, aber das ist eben alles. Wie würde euch das. schmecken?) Rätselecke Wanderrätsel Eogogryph. Vorn mit einem K. Steht ein Unmensch da; Setzt du statt des K ein H, Steht ein großer Feldherr da. * Salomo sang mich in göttlicher Weise. Zwei Zeichen hinweg: ihr seht mich aim Greise. Auflösung des Rätsels aus Palästinakunde. Name — Geflügel filBly Ort — Nahalal tt Name — Bananen b'Bö Ort — Gau gohmuel £

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