Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 644 (20.5.1937)
- Date
- 1937-05-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Solte 2 DIB STIMMI Wien, Donnerstag, 20. Mai 1037. — Nr, 644. Die Reichskonferenz Am Freitag ist in London die britische Reiehskonferenz zusammengetreten, die Versammlung der leitenden Männer eines Weltreiches, das durch nichts anderes zusanimengehnlten wird als durch den freien Willen. Dieses britische Imperium, das man gerne gemäß der altrömischen Staatsidee als einen Einheitsstaat ansieht, ist eigentlich nur ein Kompromiß. Die im Jahre 1920 aufgestellte Norm erklärt: „Das britische Imperium ist wesentlich, wenngleich nicht formell, auf positive Ideale gegründet; freie Institutionen sind sein Lebensblut, freie und freiwillige Zusammenarbeit ist sein Instrument.'4 Hier wird also die Idee einzelstaatlicher Freiheit mit überstaatlicher Zusammenarbeit vereinigt und so der Grundsatz der Demokratie, daß das Wohl des Bürgere und das Gedeihen der Gemeinschaft einander wechselseitig bedingen, ins Weltformat übertragen. Diesen Grundsatz hat Baldwiu in seiner Eröffnungsrede mit demonstrativer Klarheit nochmals verkündigt, indem er als höchste Werte der Zusammenarbeit und der gemeinsamen Verantwortung die Freiheit und die Freiheit des Denkens, Redens und Gewissens definierte. Das ist eine deutliche Stellungnahme gegenüber den auf dem Kontinent immer weiter greifenden Theorien, die sich auf die Unfreiheit des Einzelnen gründen und das Gedeihen der Gemeinschaft nicht von seinem freien Willen, sondern von dem Zwang und der Unterordnung unter ein mystisch verklärtes Führertum abhängig machen und — konsequent au Ende gedacht — zur machtpalit'ischen Expansion, zur Intoleranz und zur Reglementierung des Daseins führen. Sie sind immer mißtrauisch, fühlen sich ewig bedroht und darum auch selbst die Verkörperung der Unfreiheit, Daraus ergibt sich dann weiter die ewige Angst vor inneren Spannungen und das Bestreben, durch immer neue Gewaltakte gegen Minderheiten jeder Art den Bestand, eines einheitlich denkenden und fühlenden Organismus vorzutäuschen. Diese ewige aggressive und offensive Haltung stellt aber auch die Demokratien unter Druck, zwingt sie zum Kompromiß mit dem Militarismus, und so hat auch Baldwin als die Hauptpunkte der Konferenz die Aufrüstung und die Landesverteidigung auf stellen müssen. Die Gemeinschaft der freien Gliedstaaten erklärt sich einverstanden, einen ungeheuerlichen militärischen Apparat zu konstruieren, der gemäß dem Gesetze vom Geltungswillen ein bestimmender Faktor der Politik zu werden bestrebt sein muß. Dieser Zwangslauf der Entwicklung wirft seinen Schatten auf das Imperium und damit aaich auf alle Gebiete, die mit ihm verbunden sind, wie Kolonien, Protektorate, Interessensphären und Mandatsländer. Damit beginnt auch das Interesse des jüdischen Volkes an einer Gestaltung, die für seine Zukunft vielleicht von schicksalhafter Bedeutung werden kann. Es ist wahrscheinlich, daß ein hochgerüstetes Imperium den Frieden wird wahren können gegenüber Strömungen, die nicht vor Ethik, wohl aber vor Flugzeugen und Riesenkanonen Respekt haben. England hat auch "wirtschaftlich Kraft genug, seine Autorität durohzusetzen. Aber wenn die anderen nicht so lange warten, bis Armee und Marine zum vollen Grad der Notwendigkeit ausgebaut sind? Und die weitere Frage, die zu stellen ist, wird noch dringlicher angesichts der Tendenzen, die staatsrechtliehen und ethnischen Komplikationen einfach durch Teilung des Landes in einen jüdischen und einen arabischen (und einen englischen) Sektor zu lösen. Es wird behauptet, daß dieser Plan noch durch Angliederung Palästinas als Dominion an das englische Weltreich ergänzt werden soll. Dieser Gedanke hat in manchen jüdischen Kreisen schon früher Sympathie gefunden und insbesondere die Revisionisten haben die Wedgwoodsche Parole vom siebenten Dominion aufgegriffen. Aber in dem grellen Licht der Tagespolitik zeigt sich das Gefährliche solcher Konstruktion. Denn das Judenland als Dominion würde vielleicht alle Vorteile, sicherlich aber noch mehr alle Nachteile dieser Stellung empfinden. Man sage nicht, daß dies vielleicht Zukunftsmusik ist. Der Ablauf der Dinge vollzieht sich heute in einem atemlosen Tempo und niemand von uns hätte noch vor einem Jahre gedacht, daß unser Problem eich in solcher Fassung präsentiert, wie dies jetzt geschieht. Unsere Pflicht ist heute freilich dieselbe, wie sie immer war, aber sie ist härter — und es ist eine merkwürdige Fügung, daß wir wieder in einem seelischen Konflikt mit England stehen. Als Charaberlain Herzl das Uganda-Projekt vorlegte, sagte der Kongreß nein, mußte er nein -agen. Wenn uns heute England die Unabhängigkeit innerhalb seines Gefüges anträgfc, so müssen wir wieder mit nein ant- JUDEN! Wieder einmal 8lnd wir zum Kampf aufgerufen. Die Mandatarmacht drosselt die Einwanderung nach Palästina, und es droht die Teilung des Landes. Aus dem Jischuw ertönt der Ruf: Wir nehmen die Kriegserklärung an! Der Präsident des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, der soeben aus Jerusalem hier eingetroffen Ist, verkündet die Botschaft: Das ganze Volk muß mobilisiert werden! Wir erleben schicksalsschwere Tage. Von unserem Verhalten ln diesen Tagen hängt viel ab. Wir müssen zeigen, daß hinter dem jüdischen Palästina das jüdische Volk steht. Darum muß die kommende Kongreßwahl eine machtvolle Demonstration werden. Verrat treibt, wer nicht kommt, wenn das Volk mobilisiert ist! Der Jischuw hat Blut eingesetzt, setzen wir den Schekel ein! Die Delegierten des XX. Kongresses müssen mit dem Mandat der Massen des Volkes nach Basel gehen! Auf zur Sdiekelarbeil! Keiner schließt sich aus, jeder folgt dem Ruf* Das Volk ist mobilisiert! Worten. Wir können unser eigenstaatliobee Leben nicht auf eine Formel stellen, die uns in doppelter Hinsicht gefährdet: indem einerseits für uns nicht das jüdische, sondern das britische Interesse bestimmend Wir empfohlen! sein soll und indem anderseits in jedem Land der Welt, das möglicherweise mit England kollidiert, Juden leben. Das muß der Zionismus vor der 'britischen Reichskonferenz auesprechen. Proteststurm gegen Sdtedule Die Drosselung der jüdischen Einwanderung nach Palästina, die in der „Bewilligung“ von 770 ArbeiterzertiSikaten für die Mo* nate April bis Juli zum Ausdruck kommt, hat einen Proteststurm der Juden in Palästina und in der Diaspora provoziert« Bei der Jewish Agency und der Zionistischen Exekutive langen stündlich Kundgebungen aus aller Welt ein, in denen die schärfste Gegen* aktion gegen das Vorgehen Englands gefordert wird. Das ganze System eine Farce i Jerusalem, 13. Mai. (JTA.) Die Veröffentlichung der Bewilligung der neuen Schedule hat im Jischuw tiefe Enttäuschung hervorgerufen. Die Tatsache, daß die Regierung entgegen der Feststellung der Kommieeion zur Erforschung der Aufnahmefähigkeiten in Palästina, daß es für 8000 . neue Arbeiter schon jetzt Arbeitsmöglichkeiten gibt, nur 770 Zertifikate erteilt hat, wird als. politischer Akt aufgefaßt. Bekanntlich hat die Exekuive der Jewish Agency von der Re-„ gierung für April bis Oktober 11.000 Zerti-i 1 flkate verlangt. Eine von der Regierung11 daraufhin eingesetzte Kommission zur Feststellung der Lage des palästinensischen Arbeitsmarktes, die aus einem Juden und zwei Arabern bestand, hatte ihrerseits dargelegt, daß 8000 neue Arbeiter sofort Arbeit finden könnten. Die Zionistische Exekutive veröffentlicht folgende Erklärung: „Die Exekutive der Jewish Agency protestiert gegen den Beschluß des High Commiffsioners, die Arbeiter-Schcdule" für die Zeit vom 1. April biß 31. Juli 1937 mit 620 anziusetzen. Diese Zahl steht sowohl zu den Außwandeningsbedürfnieeen der Diaspora als auch zu den Bedürfnissen Palästinas nach Arbeitskräften in krassem Widerspruch. Die Jewish Agency hatte um 11.250 Zertifikate für den Zeitraum von 6 Monaten angesucht — eine Ziffer, die auf genauen Schätzungen beruht, hei deren Aufstellung ein Vertreter der Regierung sich beteiligte. Die Regierung bat der Agency mitgeteilt, daß die Festsetzung der Schedule ausschließlich unter Berücksichtigung der ökonomischen Momente auf Grundlage des Prinzips der Aufnahmefähigkeit erfolge; die Agency muß jedoch in der von der Regierung angewandten Methode eine vollständige Negierung dieses Prinzips erblicken. Die Unterteilung der Schedule streicht die Ungerechtigkeit noch weiter heraus. l>io Jewish Agency hatte um 700 Zertifikate für Einwanderer angesucht, die mit Hilfe der vom Central British Council for German JewTy aufgebrachten Mittel in fo estehendenlandwirtschaftlichen Siedlungen und Haohsoharah-Zentren absorbiert wenden sollten; diese Zertifikato , F-E!:Q;£;’N; k S wurden außerhalb der für allgemeine Arbeitszwecke benötigten Schedule angefordert. Für diesen Zweck sind in der vorliegenden Schedule 400 Zertifikate bestimmt worden, so daß nur 220 für die Befriedigung der Bedürfnisse des allgemeinen Arbeitsmarktes zur Verfügung stehen. Auf diese Weiße wird das ganze System der Arbeiter-Sohedule zu einer Farce. Die Jewish Agency sieht sich zu ihrem Bedauern außerstande, eine Schedule von 220 Zertifikaten anzunehmen, da sie nicht , in der Lage ist, winzige Bruchteile unter sämtlichen Arbeitszweigen in Palästina und den mehr als 40 Auswanderungsländern der Diaspora zu verteilen. Die Jewish Agency wird die Reduzierung der Einwanderung auf ein solches Maß mit größter Entschlossenheit b e kämpfen. Die Agency ist überzeugt, daß das jüdische Volk in der ganzen Welt sie in ihrer Stellungnahme unterstützen und sich in. der jetzigen schicksalsschweren Stunde mit aller Entschlossenheit den harten Beschränkungen wddersetzen Vir«d, dio in der jetzt festgesetzten Sehe dule zum Ausdruck gelangen.“ Herrscher es auf dem britischen Thron als Auszeichnung und Ehre betrachten wird, Ihm auf dem wahren Wege der Gerechtigkeit zu felgen und das Israel gegebene Versprechen nicht zu brechen. Wir hoffen, daß in der Lebenszeit des Königspaares und in der unsrigen die Wiederauferstehung Israels in seinem historischen Land im Umfange seiner historischen Grenzen verwirklicht werden wird.“ Protest der PaUSstina-Piesie ,.Palest.ine Post“ erklärt in einem Leitartikel, der Grundsatz, daß die Einwanderung der Aufnahmefähigkeit des Landes entsprechen soll, sei von der Regierung über Bord geworfen worden. Es könne kein Nationalheim in Palästina errichtet werden, wenn die Arbeitereinwanderung auf einem so lächerlich geringen Umfang eingeschränkt wird. Mit Recht werde von den Gegnern des Mandats in dieser Sehedulo da-s Anzeichen der bevorstehenden Liquidierung des gesamten Systems erblickt. Das Organ des Arbeiterverbandes, der „Dawar“ schreibt, mit dieser neuen Schedule habe die Regierung den Juden den Krieg erklärt. Der Jischuw und die gesamte Judenheit nehmen diese Herausforderung an. Sie erkennen, daß in der neuen Schedule die Absicht zum Ausdruck kommt, die jüdische Arbeit in die Periode vor Beginn der organisierten jüdischen Einwanderung nach Palästina zurückzuwerfen. „Haarez“ bezeichnet die Schedule als einen p h a r a o n i s c h e n Erlaß und eine Beleidigung für die Judenheit und das Palästinamandat. Es sehe in jeder Hinsicht so aus, als ob die Absicht bestehe, das jüdische'Volk in der ganzen Welt gor ade am Vorabend clor Krönung zu provozieren. Wir werden, schreibt das Blfttt, die Zukunft der Judenheit niemals für einen Kirchhofsfrieden eintauschen. Wir werden nicht unseren Hals hinhalten, um uns von der Regierung erdrosseln zu lassen, genau so wenig, wie wir uns dazu hergegeben haben, uns von Aufrührern hinschlachten zu lassen. PENSION ECKSTEIN-StniMlill neu renoviert Shertek beim Die Ehre des britischen Throns... Auf der Festversaronümng in Tel-Aviv, die aus Anlaß der Krönung König Georgs VI. veranstaltet wurde, verlas Bürgermeister Rokach folgende an den König gerichtete Huldigiingsdepesch c*: „Das jüdische Volk wird stets das Andenken des glorreichen Königs Georg V. gleich dem des Königs Cyrus hochhalten. Er hat der Judenheit ihre dritten Freiheltsakte geschenkt. Wir hoffen und glauben, daß jeder Zum Zionistenkongreß — zur Pariser Weitaus* Stellung — an die Riviera führt die Gesellschaftsreise, die der Klub Erez Israel in der Zeit vom 1. bis 15. August veranstaltet. im Preise von S 298 sind inbegriffen: Die Fahrt drittel Klasse Schnellzug Wien- Wien, die Verpflegung, beginnend mit dem Nachtmahl in Basel und endigend mit dem Mittagmahl an der Riviera Unterbringung in zweibettigen Hotelzimmern mit fließendem Kalt- und Warmwnsser, Gepäcks! ra Import© von urvl zu den Bahnhöfen, Trinkgelder und sonstige Abgaben. Gegen Aufzahlung von S 60 kann der Aufenthalt an der Riviera um eine Woche verlängert werden. Da in einem späteren Zoitpunkt die Quartierbeschaffung, vor allem in Paris, auf Schwierigkeiten stieße, ist eheste Anmeldung empfohlen. Auskünfte Montag von 19 bis 20 Unr im Klub Erez Israel, II., Pratemtraß© 18, Tel. R 42-407 und täglich von 12 bis l Uhr im Zionistischen Landesverband. I. Marc- Aurelatraßa 6, Tel. U 22-2-11. Jerusalem, 18. Mai. (JTA.) Nach der Bekanntgabe der neuen Arbeiter-Einwandenmgsschedule für die Monate April bis Juli 19.37 hat der Leiter dee politischen Departements der Exekutive der Jewish Agency, Mosche Shcrtok, den High Commissiorter Sir Arthur Waiuchope besucht und mit ihm eine mehrstündige Besprechung abgehalten. Schlanke Linie, meine Dame, erreichen Sie nicht durch Huugcrn. Kuranstalt „Helia“, I., Flcischmarkt 7, erreicht es verläßlich durch physikalisch-kosmetische Methode. Falsche Friedensschalmeien ertönen immer dann, wenn dio Allgemeinen Zionisten davon abgelenkt worden sollen, daß ihre Mittelstüudlor und Chaluzim in Erez Israel benachteiligt werden. Die dabei am lautesten nach dem Frieden schreien, sind die ärgsten Friedensstörer. Laßt euch nicht weiter Sand in die Augen streuen! Sendet Delogierte zum Kongreß, die für eure zionistischen Interessen eiutreten! Damit dient ihr am besten dem innerzionistischen -Frieden. Daran müßt ihr denken, wenn ihr den Schekel erwerbt, und am I. Juli, am Tage der Kongreßwahl. ICoüft md i/eefceUet fltek Schdccd / »MM» i