Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 638 (23.4.1937)
- Date
- 1937-04-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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9k \Stimme y. t>. s. 20 S Nr. 638 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 33. April 1937 1t. Ifar 3697 10. Jahrgang ELISABETH BERGNER IN „MELO" OPERN-, ELITE-, ST AFA-, VOTIVPARK-KINO Manifest der Exekutive der Zionistischen Organisation An das jüdische Volk ln aller Well Juden! Zlonlslen! Vierzig Jahre sind verflossen, seit auf den Ruf Theodor Herzls die Delegierten des I. Zionistenkongresses, die Vertreter des jüdischen Volkes in allen Ländern seiner Zerstreuung, zusammentraten und vor der ganzen Welt dem Fortbestand des jüdischen Volkes, seiner Not in der Galuth und seinem Streben nach politischer Erlösung in seinem Lande feierlichen Ausdruck gaben- Das jüdische Volk, das bis dahin der Konzentration und Einheit ermangelte, schuf sich damals ein groß angelegtes organisatorisches Werkzeug. Die Judenfrage wurde aus dem Bereich der Wohltätigkeit, der philantropischen Tätigkeit einzelner herausgehoben und zur Sache der Allgemeinheit, zur Angelegenheit internationaler Politik. : - Lang und schwer war der Weg, den wir zu gehen hatten, aber, die Aufbauarbeit stockte nicht einen Augenblick, bis die historische Stunde kam und die Balfour-Deklaration und nach ihr die Bestimmungen des Völkerbundmandates die politischen Grundlagen legte für eine umfassende Siedlungsarbeit in Palästina und für eine große und weit verzweigte Tätigkeit in den Ländern der Galuth. Die Anstrengungen der wagemutigen Pioniere und die Hilfsbereitschaft der gesamten Judenheit vollbrachten das Wunder des Aufbaues des Landes aus seiner Zerstörung und der Renaissance des jüdischen Volkes. - Mehr und mehr wird Erez Israel zur Heimstätte für Tausende und Abertausende von Juden. Die jüdischen Massen kehren zum Pflug und zur Sense zurück, zur werktätigen Arbeit, zu jeder produktiven Kulturarbeit Erez Israel, das 2000 Jahre zerstört daniederlag, füllt sich mit jüdischen Siedlungen; seine verlassenen Städte werden wieder bevölkert und neue Städte aufgebaut Immer neue Lebens-, Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten werden für Juden geschaffen, die die Not der Galuth zu Boden drückt, die mit grausamen Gesetzen des Hasses und der Anfeindung ringen. In dieser schweren Zeit der Not, in der in vielen europäischen Ländern den jüdischen Massen dje Gefahr der wirtschaftlichen Vernichtung und des Unterganges droht und ihre Augen sehnsüchtig auf Palästina gerichtet sind, ist auch der Himmel Palästinas mit Wolken von Feuer und Blut bedeckt Wiederum versucht der Feind unseres Aufbauwerkes seine Kräfte in Werken des Terrors und der Zerstörung.. Zu dem blutigen Kampf in der Galuth ist der schwere Kampf in der im Aufbau begriffenen Heimat hinzugekommen. Wie eine eiserne Mauer hält jedoch der jüdische Jischuw im Lande und mit ihm die Zionistische Organisation den verbrecherischen Angriffen und dem Zerstörungswerk stand, ja, inmitten dieser Angriffe geht er an neue Aufbauarbeiten heran. Wir sind an einem Wendepunkt angelangt Entscheidende Kämpfe stehen uns und unserer zionistischen Arbeit bevor. Gebot der Stunde ist es deshalb, in diesem schweren Ringen die Kraft der Zionistischen Organisation, die unserem Volke den Weg zum Schaffen und Aufbau in politischer und kolonisatorischer Tat gebahnt hat, zu erfassen ti zu steigern. Die Zeit ist gekommen, wo es gilt, den Bereich der Zionistischen Organisation zu erweitern, damit sie alle Teile des Volkes umfasse und zusammenschließe und seine gesamte Kraft bei der Verteidigung unseres Rechtes auf den Aufbau der nationalen Heimstätte in die Wagschale werfe. Die Zelt ist gekommen, in der es gilt, den zionistischen Schekel zum Wahrzeichen der Nation und zum Ausdruck ihres Willens zu machen, zum Symbol ihrer Bereitschaft für den Kampf um die Verwirklichung des zionistischen Ideals. Durchdrungen von der Verantwortung in dieser entscheidungsvollen Stunde rufen wir zur Schekel-Aktion für das Jahr 5697, das Jahr des XX. Kongresses, auf. Der XIX. Kongreß war die bisher größte Tagung des jüdischen Volkes in der Galuth: eine Million Schekelzahler sandten ihre Vertreter zu diesem Kongreß. Die. Zahl der Schekelzahler für den XX. Kongreß muß die des XIX. noch Ubertreffen. Dann Werden die Abgesandten der Millionen des jüdischen Volkes die Netze der feindlichen Anschläge zerreißen und mit vervielfachter Kraft den Weg bahnen zum schnellen Aufbau der nationalen Heimstätte und zur Erlösung des Volkes. Jerusalem, Nissan 5697 (April 1937). Der Präsident der Zionistischen Organisation: Chaim Weizmann. Die Zionistische Exekutive: D. B e n-G urion, S. B r o d e t s k y, I. L. Fischmann, I. Grünbaum, E. Kaplan, F. Rottenstreich, M. Shertok. Zionist sehe Ortsgruppe Oraz — festsaa* der Israelitischen Kultusgemeinde Samstag, den 24. April 1937, halb 9 Uhr abends Dr. OSKAR GRUNBAUM, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich: 99 WAS GEHT IN PALÄSTINA VOR?“ Die Sitzung des Aktions-Comitees Jerusalem, 21. April. (JTA.) Am 20.. d. wurde im Gebäude der Jewtisb Agency in Jerusalem die ordentlicihe diesjährige Session des Aktions-Comitee« der Zionistischen Or^ ganisation eröffnet. Der Präsident des A. Cg M. M. Ussischkin, gedachte in bewegten Worten der weit mehr als 100 jüdischen Todesopfer der letzten Unruhen in Palästina. Er hielt sodann den seit der letzten A. C.- Sessii'on verstorbenen zionistischen und jüdischen Führern Dr. Josohua Thon, B e i- 1 i nson, Ahron o w i t z, Dr. . Nathan Birnbaum il a. ,m. tiefempfundene Nachrufe. Zu den politischen Fragen de« Tages übergehend, betonte Ussischkin, daß das Hauptproblem, vor welches die zionistische Bewegung gestellt ist, die Abhängigkeit der politischen Entwicklung von dem Urtedls- Die wirksame Zahnpasta 8 I 1 Spruch. der Königlichen Kommission sei; es (muß darauf bestanden werden, daß dieses Urteil der jüdischen Sache voll gerecht ward®. Es wurden sodann Telegramme vom Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dok tor Chaiim Weizmann, und vom politischen Referenten der Exekutive, Prof. Selig B r o d e t s k y, verlesen, in welchen diese das Bedauern aussprechen, infolge der politischen Entwicklung inLon don bleiben zu müssen und der A. C.-Session nicht beiwohnen m können. Der Präsident der Exekutive, David Ben Gurkra, referierte über die gegenwärtige politische Situation des Zionismus. Seine Mitteilungen wurden durch das Mitglied der Exekutive und Repräsentanten der Jewish Agency in Genf, Dr. Nahum Go 1 d m an n, ergänzt, der die internationale politische Situation umriß. Der Leiter des politischen Departments der Exekutive in Jerusalem, Mosche Shertok, wohnte der ersten Sitzung nicht bei, er traf erst am Mittwoch ans London in Jerusalem ein. Die hebräische Presse widmet der A. C.- Sitzung längere Leitartikel, in denen zum Ausdruck gebracht wird, daß trotz der Unruhen das jüdische Aufbauwerk ungehindert fortgeschritten ist; das Aktion® - Comitee müsse alle konstruktiven Kräfte des Jischuw und der Diaspora zwecks erfolgreicher Lösung des Palästina-Problems organisieren. Militärverstärkungen für Palästina Jerusalem, 19. April. (JTA.) Die arabische Presse meldet, daß kn Regierungshause unter dem Vorsitz des High- Commissioners Sir Arthur Wauchopo eine Konferenz der Polizei- und Militärkommandanten abgehalten wurde, die der Sioherheitslage im Zusammenhang mit dem Neibi-Musa-Fest gewidmet war. Nach Jaffa, Nabkus, Hebron und in die Gebirgsgegenden wurden große Abteilungen Soldaten zur Aufrechterhaltung der Ordnung entsandt. In Nazareth stationieren 200 Soldaten in voller Bewaffnung und mit Radiostation versehen. „Falastin“ meldet, daß aus Ägypten mehrere Detektive eingetroffen seien. Aus Port Said wird telegraphiert, daß dort ein englisches Kriegsschiff größere Militärabteilungen Infanterie aus England ausgeschifft hat. Der größere Teil der Truppe ist für Palästina bestimmt. Moderne Brudibandagen absolut beschwerdefreil Fachfirma Bandagen-Mlkolasdi, Taborsfr. II Misrachi an Dr. Weizmann Warschau, 19. April. (JTA.) Das Zentralkomitee des Misrachi in Polen sandte an den Präsidenten der Jewish Ageucy, Dr, Chaim Weizmann, nach London die folgende Depesche: Wir lehnen jede Teilung Erez Israels entschieden ab. Schützet die Unversehrtheit unseres Landes und kämpfet energisch für sie. High Commissioner amnestiert drei Tlberias-Juden Jerusalem, 19. April. (JTA.) Der High Commissioner Sir Arthur Wauohope bat die drei Juden ans Tiberias, Eiijahu Schoschan und Josef Habdu, die zu zwei Jahren, sowie Oansenti, der zu einem Jahr Gefängnis Im Zusammenhang mit den seimanzeitigen Unruhen in TMm POTwrUttt wurden, be- Billige und bequeme Pfingstfahrt mit der „Czernowltzer Allg. Zeitung11 nach Polen u. Czernowitz Abfahrten: 2. ,13. u.25. Hai 1937 Auskünfte und Anmeldungen: ausschließlich im Reisebüro „Marlen« brücke1*, Wien, I., Rotenturmstraße 26 Telephon R 24-2-86/87 Christentum vor der Entscheidung „Ein schwarz-gelber Katholik und Weltkriegesoldat“ schreibt dem „Neuigkeits- Weltblatt“: „Als schwarz-gelber Katholik empfinde ich es als Kultimschand-e, Rassenhaß au propagieren, noch dazu in einem katholischen Blatt, dazu eignen sich die betont nationalen Blätter viel besser. Mit dem Antisemitismus fängt es an und mit dem Kampf gegen unsere Kirche hört es auf! Traurig, daß es noch Christen gibt, die diese. Zusammenhänge noch nicht begriffen haben.“ Das ist die Stimme eines einzigen, und es ist ein absonderlicher Zufall, daß das genannte Blatt, das in der Anklage gemeint ist, sie veröffentlicht. Sicherlich werden viele Leser durch die Äußerung zum Nachdenken gebracht, denn es ist wirklich unter jedem Gesichtspunkt traurig, daß es noch Christen gibt, die die Zusammenhänge zwischen Hakenkreuz und Antichrist nicht begreifen und mit sympathisierender Verständnislosigkeit der Agitation noch Vorschub leisten, die den re-ichsdeutsohen. Watamsmus nach Österreich verpflanzen will. Der Rassenhaß, den der Nationalsozialismus predigt und ausüibt, ist gewiß zunächst in seiner antijüdischen Steilung programmatisch begründet. Er will das Judentum diffamieren,, erdrosseln und ausrauben. Aber er führt, konsequent zu Ende gedacht, au dem Angriff auf das Christentum, das auf dem Boden der jüdischen Bibel steht und stehen bleiben muß, wenn es sich nicht selbst verleugnen und aufgeben will. Auch die Bestrebungen, zu einer deutschen Glauibenskirche zu gelangen, rütteln an den geistigen Grundlagen des Christentums, insbesondere des römisch-katholischen, das seinen UniversalismuiS festhalten muß. Der Nationalsozialismus hat vor der Machterhaltung, dann während der Kämpfe um das Saargebi-et und auch später noch Versprechungen in Menge gemacht, sich an das Konkordat halten zu wollen. Aber Versprechen ist eins und Halten ein anderes, und die mehr als merkwürdigen Abstimmungen über die Gemeinsohatfts- oder Bekenntnisschule, die den sonstigen Abstimmungen ira Dritten Reich gleichwertig sind, zeigen, welche Begriffe draußen über Loyalität an der Macht sind. Die Katholiken Deutschlands sind fast schon mundtot gemacht worden und ihre Führung zeigt sich ratlos gegenüber dieser vom Staat organisierten und geförderten Abfailbewegumg. Die Katholiken außerhalb Deutschlands sehen dies, aber sie halten sich vor allem an das antijüdische Schlagwort. Ob sie nun hoffen, durch Überschreien die Gefahr von eich abwenden zu können, oder ob auch sie vollbewußt der Rassentheorie sich anschließen und so das Essentielle ihres Glaubens preisgeben, mag eine Doktorfrage bleiben. Die Tatsache besteht, daß der militante Judenhaß in Österreich von führenden katholischen Persönlichkeiten gerne gesehen wird, zumal er sich ein wirtschaftliches Mäntelchen umhängt, und daß die in katholischen. Kreisen sich regenden Widerstände zurückgedrängt werden. Ein bekannter katholischer Redner, der sich gegen den Widersinn der antisemitischen Pauschalhehze in VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6