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Die Stimme · 1937-04-20 · Heft 637 (20.4.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 637 (20.4.1937)
Date
1937-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9k ^Stimme V. b. b. 20 8 Nr. 637 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienstag, 20. April 1937 « 9. IJar 3697 SO. Jahrgang Die Szegediner Rede Nun ist die polnische Evakuierungstheorie auch nach Ungarn gelangt. Der Ministerpräsident Daranyi hat in einer Rede in Szegedin sich gegen die antisemitische Demonstrationen gewendet. Er verurteilte sie, aber nur in der Form. Die Zahl der Juden, sagte er, sei in Ungarn tatsächlich viel zu groß im Verhältnis zu allen anderen Ländern und dieses Mißverhältnis werde auch noch durch einen ständigen Raumgewinn der Juden im ungarischen Wirtschaftsleben gesteigert. Die Judenfrage und besonders die Gewinnsucht der aus Galizien eingewanderten Juden irritiere natürlicherweise das ungarische Volk. Es liege daher vor allem im Interesse des bodenständigen und auf einer höheren Kulturstufe stehenden ungarischen Judentums, sich nicht mit diesen eingewanderten Juden zu identifizieren. Die Regierung werde mit allen Mitteln dieser Einwanderung einen Riegel vorschieben und auch die Tätigkeit der Neueingewanderten auf den gesetzmäßigen Rahmen beschränken. Knapp vorher hatte Daranyi in seinen außenpolitischen Betrachtungen die Rechte der ungarischen Minderheiten in den Nachbarstaaten, also in der Tschechoslowakei, in Rumänien und in Jugoslawien, energisch verteidigt und deren gesetzliche Regelung gefordert; Dieses Postulat ist bereits in den Minderheitenbestimmungen erfüllt, auf die sich die ungarische Minorität in der Tschechoslowakei wiederholt gestützt hat. Die Juden Ungarns haben unter dem Druck der Assimilanten auf diesen Schutz ver zichtet und in der Überbetonung ihres magyarischen Patriotismus jede Sonderregelung von sich gewiesen. Ihre Situation von heute ist die Quittung der Mehrheit für dieses Verhalten. Die Doppelgeleisigkeit der ungarischen Politik, die für ihre Minderheiten allen Schutz fordert, den sie der jüdischen Minderheit im Lande verweigert, wird freilich außerhalb Ungarns nicht verstanden werden, und es wird notwendig sein, den Völkerbund als den Garanten der Minderheitengesetze zu fragen, ob eine solche einseitige Außerkraftsetzung eines internationalen Vertrages zulässig ist. Der Ministerpräsident hat die volle Schale seines Unmutes über die Ostjuden ausgegossen, die auch in Ungarn mit aller Schuld belastet werden. Die antisemitische Praxis der „rechtsradikalen Extremisten“, von denen sich die Regierungspolitik offiziell distanziert, macht allerdings diese Unterschiede zwischen bodenständigen und eingewanderten Juden nicht, wie schon früher, zur Zeit des Hejjas, in den Wäldern von Orgovany und Kecskeraet bewiesen worden ist. Aber die ungarische Assimilation hat dieses Schlagwort von den „Galizianern“ erfunden, in der Hoffnung, den Haß von sich abzulenken. Alle Erfahrungen der früheren Jahre und der weiteren Entwicklung, von Tisza Eszlar bis zur Gegenrevolution zeigen, daß der ungarische militante Antisemitismus sich gegen alle Juden wendet. Daraus wäre der Schluß zu ziehen gewiesen, daß sich das ungarische Judentum zu einer einheitlichen Front zusammenschließt. Aber die offiziellen Führer der ungarischen Juden haben stets nur ihr Claninteresse im Auge gehabt und sich den Vogel Strauß zum Vorbild genommen. Im übrigen beschränken sie sich auf eine Politik der Nadelstiche gegen die Zionisten in Ungarn, und manche „hochgeborene Exzellenzen“ mosaischer Konfession versteigen sich bis za Denunziationen, Auch Ungarn hat so seine Naumann-Juden, die es dem Antisemitismus leicht machen. Das würde die Regierungspolitik zu einem guten Teil erklären, aber nicht rechtfertigen. Es ist ein krasser Undank, den die magyarische Intelligenz begeht. Ungarns ganze Entwicklung ist von jüdischer Tatkraft gefördert worden. Durch jüdische Arbeit ist Budapest zu einer großen und modernen Stadt geworden; Juden, und unter ihnen sehr viele aus Österreich eingewanderte, haben die Industrie Ungarns geschaffen, Ungarns Handel und Gewerbe in die Höhe gebracht und die Finanzorganisation Ungarns ist ohne jüdische Korsettstangen undenkbar. Mit dem Ungemach, das Ungarn nach dem Kriege widerfahren ist, haben die Juden nicht das geringste zu schaffen und die so viel zitierte Kommune war nicht von Juden, sondern von den in Not und Hunger heimgokommenen demobilisierten Soldaten getragen. Die nationalistische Politik, die Ungarn seither getrieben hat, konnte ihm nirgends Sympathien wecken, weil sie eben sofort ihre Gefühle an der jüdischen Minderheit austobte. Ungarn hat als erster Staat Konzentrationslager geschaffen, als erster Staat den Numerus clausus an den Hochschulen gesetzlich festgelegt; dieses Vorgehen hat ihm mehr geschadet, als es zugeben will. Gömbös hat die Fehler eingesehen, ebenso wie Stephan Friedrich Graf Bethlen und Eckhardt. Aber die Geister lassen sich nicht bannen und sie sind heute, dank dem deutschen Einfluß, stärker als früher, und ihre Regsamkeit wäre den Herrschenden gefährlich, wenn sie sich nicht auf die Juden ableiten ließe. Das ist der tatsächliche Sinn der Rede Daranyis, und das jüdische Problem ist wieder um ein Gefahrenzentrum reicher. Wauchope gegen Teilung und Kantonlerung? Jerusalem, 19. April. In englischen und jüdischen Kreisen verlautet, daß der High Commissioner Sir Arthur Waucbope ein Gegner der Kantonißierung sowie jeder anderen Teilung Palästinas sei und diese «eine Meinung während seiner letzten Beratung mit dem Vorsitzenden der Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, zum Ausdruck gebracht habe. Diese Informationen, die hier begreifliches Aufsehen erregt. haben, konnten noch nicht mit Bestimmtheit auf ihre Authentizität geprüft werden. „Alle werden unzufrieden sein“ London, 18. April. (JTA.) „Great Britain and the East“ nimmt zu den Vermutungen Uber die bevorstehende Entscheidung der Königlichen Kommission Stellung und erklärt, die Forderungen der Juden und die der Araber seien miteinander unvereinbar und ee sei zu erwarten, daß keine der beiden Parteien mit dem Bericht der Kommission zufrieden sein wird. Wenn die Regierung einmal ihre neue Politik erklärt haben wird, dann werde ein jeder wissen, woran er ißt. Die Beseitigung der Ungewißheit werde an sich ßchon ein Segen Cofrooli sein. Weder Proteste noch Gepolter oder Drohungen dürften die Mandatarmacht zu einer Änderung dieser Politik veranlassen. Diese werde vielleicht sogar nach anfänglicher Beetüzung von beiden Seiten zunächst insgeheim und dann offen begrüßt werden. Lösung auf lange Sicht Jerusalem, 19. April. „Haböker“ meidet aus London, daß an den Beratungen über das Palästinaproblem auch die Ministerien für Äußeres und für Landesverteidigung teilnehmen. Lord Peel habe mit Eden und Lord Halifax längere Beratungen abgehalten, während Sir Horace Rwmbold mit dem Kriegeminister Duff Cooper und Minister Thomas Inskip konferiert habe. Laut „Haboker“ ist das Projekt der Teilung Palästinas in zwei Staaten, wovon der eine als jüdisches Dominion dem British Empire angeschlossen werden soll, nicht mehr aktuell; dagegen habe man in den erwähnten Konferenzen über folgende drei Pläne beraten: a) Teilung Palästinas in drei Kantone, einem jüdischen, einem arabischen und einem unter britischer Herrschaft stehenden neutralen Kanton; b) Beschränkung der jüdischen Einwanderung und des Bodenkaufis akicif fünf Jahre; c) Abkommen zwischen den Regierungen Palästinas und Transjordaniens, demgemäß den Juden die Möglichkeit gegeben werden soll, gewisse Gebiete in Transjordaniem zu kolonisieren; Voraussetzung wäre hiebei, daß die Juden Kapitalien in bestimmter Höhe in die Entwicklung Transjordaniens investieren. Laut „Haboker“ werde die bevorstehende Lösung des Palästinaproblems der Beginn einer Politik auf weite Sicht der britischen Regierung im Nahen Osten sein; eben deswegen interessieren sich für die Lösung außer dem Colonial Office auch die Ministerien für Auswärtiges und für Landesverteidigung. Lord Peel zu Leon Blum „Haboker“ weiß weiter zn melden, daß der Vorsitzende der Königlichen Kommission, Lord Peel, sich in diesen Tagen nach Lady Readlng: In Palästina herrscht Optimismus London, 16. April. (JTA.) Die Entschlossenheit der Juden, die gegenwärtigen politischen Schwierigkeiten ln Palästina au überwinden und das Aufbauwerk fortzuführen, kam in den Ansprachen zum Ausdruck, die bei der für den Oberrabbiner Palästinas Tsaac Herzog (bisher Dublin) in London veranstalteten Absohiedsfeier gehalten wurden. Als erster Redner erklärte Prof. Selig Brodetsky, Dr. Herzog werde in politischer Hinsicht eine schwierige Aufgabe au lösen haben. Über die Zukunft des politischen Lebens Palästina® könne niemand etwas aussagen. Viele Gerüchte darüber, was ui Palästina geschehen werde, seien im Umlauf. Abei wie immer diese Gerüchte lauten mögen, und was immer uns bevorstehen sollte, eines sei klar: kein Jude in Palästina und vermutlich nur sehr wenige Juden außerhalb Palästinas hätten etwas von ihrer Überzeugung aufgegeben, daß wir au Recht nach Palästina gegangen sind und in Palästina blei beowerden. Keinerlei politische Schwierigkeiten und keine Hindernisse würden die Verwirklichung des Jüdischen Natdonalheim® verhindern. Laidy Reading, ffla sw kurze® son einer Palästinareise zurückgekebrt ist, betonte, sie habe nicht den Eindruck, daß Palästina ein Land in Not sei. Sie habe aus Palästina den Geist des Optimismus mitgebracht, der die Menschen dort beherrscht. Es gebe keine Pogromstimmung in Palästina, keine Furcht, sondern größtes Selbstvertrauen. Die Menschen seien sicher, daß sie durchhalten werden. Sie seien auf Schwierigkeiten gefaßt. Sie scheuen nicht Gefahr und sogar nicht den Tod, denn sie wissen, daß nichts die Errichtung de® Nationalheims aufhalten kann. Sie vertrauen auf ihre Kraft, ihre Fähigkeit und ihre Mission. Gegen eine Teilung Palästinas, die al® „Vivisektion des Landes“ bezeichnet werden müßte, wandte sich der Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz. Er glaube nicht, daß die britische Regierung sich diesen Gedanken auch nur einen Augenblick lang zu eigen machen werde. Was den Vorschlag betreffe, Palästina mehr oder minder in jüdischen und arabischen Händen zu belassen, aber ihm das Herz, Jerusalem, herauszureißen, um daraus eine internationale Stadt zu machen, so sei dies zu gräßlich, «da daß man * bi Betracht fliehen könnte. Paris begibt, um mit dem französischen Ministerpräsidenten Leon Blum Fragen zu besprechen, die mit der Lösung des Palästina-Problems im Zusammenhang stehen. Der Protest des Weltverbandes Jerusalem, 15. April. (JTA.) Das palästinensische Zentralkomitee des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten hat eine Erklärung veröffentlicht, in der der Genugtuung über den von dem Präsidenten des Aktionskomitees, M. M. Ussischkin, und dem Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive, David Ben Gurion, gegenüber den angeblichen Plänen einer Teilung oder Kantonisierung Palästinas eingenommenen Standpunkt Ausdruck gegeben wird. In der Erklärung heißt es, daß der Weltverband der Allgemeinen Zionisten in dem Kantonisierungsvorschlag den schwersten Angriff auf die historischen Rechte der Juden erblicken, und daß er geeignet sei, das Mandatssystem za untergraben. Ausschaltung des Unterhauses? London, 16. April. Die Frage, ob dem englischen Parlament Gelegenheit geboten werden wird, zu dem Bericht der' Königlichen Kommission über Palästina Stellung zu nehmen, bevor die Regierung eine endgültige Entscheidung trifft, ist noch immer ungeklärt. Einer eindeutigen Beantwortung dieser Frage, die von dem Abgeordneten Geoffrey Mander in der Unterhaussitzung vom 14. April dem Ministerpräsidenten Stanley Baldwin vorgelegt wurde, ging dieser au® dem Wege, indem er erklärte, er könne sich hierüber nicht äußern, bevor nicht der Bericht der Königlichen Kommission vorliege. Als der Abgeordnete weiter fragte, ob der Ministerpräsident die Zusicherung geben könne, daß deT Bericht früher als jemand anderem den Mitgliedern des Hauses zugänglich gemacht werden wird, wurde er vom Ministerpräsidenten aufgefordert, diese Frage für eine kommende Sitzung anaumelden. Aktions-Komitee ohne Weizmann London, 18. April. (JTA.) In zionistischen Kreisen glaubt mau nicht, daß es dem Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, möglich sein wird, an der Sitzung des Aktionskomitees in Jerusalem teilzunehmen; Dr. Weizmann, so heißt es, werde ebenso wie der politische Referent der Exekutive, Prof. Selig Brodetsky, im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen in London zurückgehalten. Wahlen zur Assefat Haniwcharim verschoben Jerusalem, 16. April. (JTA.) Der Jüdische Nationalrat Palästinas (Waad Leumi) hat beschlossen, die Wahlen zur Jüdischen Nationalversammlung (Assefat Haniwcharim) um ein halbes Jato zu verechd0b@&

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