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Die Stimme · 1937-04-16 · Heft 636 (16.4.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 636 (16.4.1937)
Date
1937-04-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 636 Wim, Freitag, 16. April 1937 . Sljar S*97 10. Jahrgang Stimme JÜDISCHE ZEITUNG zeigt Simone Simon in MATURA Nadh dem berühmten Bühnen* stüdc von Ladislaus Fodor AB HEUTE: ELITE-, OPERN-KINO Eine Rede des Bundeskanxlers Dae Organ des Bundeskanzlers Schuschnigg, „Sturm über Österreich“, setzte tudi kürzlich für die Einhaltung der Minderheitengeeetze ein. Das Blatt bemerkt, es könne gar nicht bestritten werden, daß die Minderheitsgesetzgebung auch von jüdischen Kreisen beansprucht wurde; es müsse aber festgestellt werden, daß dieses Eingreifen der Juden ein Segen war, da die Siegennächte wenig von Minderheitsrechten ■wußten und wissen wollten. Nun hat der Bundeskanzler am Mittwoch in Eisenstadt eine "Rede gehalten, in der er es unter anderem als Absicht' der 'Regierung bezeichnete, eine vorbildliche Minderheitenpolitik zu betreiben, deren Ziel es sei, daß die Minderheiten sich in Österreich wohl fühlen. Weiters hat der Bundeskanzler-jedwede Anßchlußpropaganda abgelehnt und sehr entschiedene und deutliche Worte über die gegen Österreich gerichtete Sabotage durch die Bevorzugung der Presse aus dem Dritten Reich gesprochen. In-diesem Urteil ist auch ein Teil der heimischen Presse in der Provinz einzubeziehen, die sich in letzter Zeit in offenen Denunziationen der staatstreuen Organe ergeht und so tut, als unterstünde sie. bereits dem Goebbels-Amt in Berlin. Was diese Presse in bezug auf die Verhetzung gegen die Juden leistet, ist mit Preßfreiheit nicht mehr zu vereinen. ZirfcuIaTaxtSkel mit willkürlich und falsch zusanwnengefcragenen«. Ziffern über die Juden schaffen eine ununterbrochene Beunruhigung, die den Absichten der Regierung, einen ungestörten Aufbau der Wirtschaft durchzuführen, schnurstracks zuwiderlaufen. Die Agitation richtet sich, ohne daß gegen sie eingeschrittep wird, gegen die jüdische Bevölkerung und sie wird von Leuten betrieben, die sich sonst nicht genug gegen Räuscbalangriffe auf die - Kirche, oder das deutsche Volk entrüsten können.. Da sind sie alle beisammen, das Wiener „Montagsblatt“, das „Deutsche Volksblatt“ (herausgegeben von dem aus Prachatifcz zugereisten Günther), die. „Volkspresse“ (hera/usgegeben von dem inzwischen sehr bekannt gewordenen Herrn Krukenhauser, geschrieben von einem Dr. Vogel, der in der Woche antisemitisch, am Sonntag, wo er für den „Sport- Montag“ arbeitet, nichtantisemitisch ist), die „Neue Zeit“ in Linz usw., die. alle eifrig bestrebt sind, eine antijüdische Stimmung zu schaffen, wobei.sie den Balken im eigenen Auge verschweigen. Diese Blätter,, die sonst nichts von Wert zu berichten wissen, sind ausschließlich mit den Juden beschäftigt und Antisemitismus ist ein Geschäft wie jedes andere. Es macht sieh bezahlt. Diese Tätigkeit wird noch unterstützt durch die reichsdeutschen Blätter, insbesondere die „Essener Nationalzoitung“, die eine eigens für Österreich fabrizierte Ausgabe herausbringt. Keine Hand rührt sich gegen diese Vergiftung, die den Zweck hat, die öffentliche Meinung Österreichs anschlußbereit zu machen. Die hinter dieser Presse steckenden Kreise sind im Dienste des Nationalsozialismus und dje Judenhetze ist die Tarnung für Ziele, die dem Lobensinteresso Österreichs abgrundtief widersprechen. Hoffentlich wird die Rede des Bundeskanzlers an den Stellen, die für die Staatsführung, fttr*österreichs guten Namen und für Österreichs Kredit verantwortlich sind, verstanden und beherzigt werden. Denn jede Aufreizung zu Rechtsbeugung und innerem Haß ist Hochverrat. Kantonisierung, nicht Teilung? London, 12. April (JTA.). Der politische I daß der französische Ministerpräsident Leon Korrespondent des „Evening Standard“ be- Blum, der mit Dr. Weizmann befreundet lumptet, Informationen zu besitzen, daß der j ist, an den aktuellen zionistischen Problemen Rorieht der Kgi. Kommission für Palästina) einen starken Anteil nimmt. j c. -t gegen den 20. Mai veröffentlicht werden wird. Der Präsident der Jewish Agency, Dr. Weizmann selbst — so erklärt der Korrespondent weiter — rechne damit, daß die Kgl. Kommission eine Kantonisierung Palästinas als Lösung des jüdisch-arabischen Problems, keineswegs aber eine Teilung des Landes und Anschluß eines Teiles an Transjordanien, empfehlen wird, ►Schließlich teilt der Korrespondent mit, GUMMISTRÜMPFE FürImPFINDLKHE FACHFIRMA Bandagen-Miko'asch. Taborstr. 22 — Sei klug...! Kaufe COFROOLI Malz und Felgenkaffee! „Agency d’O r i e n t“ meldet aus A mm a n, der Hauptstadt Transjordaniens, daß im Zusammenhang mit den Plänen der Kantonisierung Palästinas eine gemischte jüdisch-arabische Konferenz unter dem Vorsitz eines Engländers zusammentreten wird, die Vorschläge, betreffend Umfang und Grenzen der einzelnen Kantone.zu unterbreiten, haben wird. Die Kantone sollen ein gemeinsames jüdisch-arabisches Parlament haben. Ein Fememord in Palästina Tel-Aviv, 14. April. In Ramat-Gan bei Tel-Aviv ist vor kurzem der aus Deutschland stammende Ingenieur Jakob Z w a nger erdrosselt und erstochen aufgefunden worden. Die Untersuchung führte zu der sensationellen Feststellung, daß die Mörder, ein gewisser Scheinzwit und ein Mann namens Müller, Agenten der deutschen Geheimpolizei waren. Geheime Radiostation In ihren Wohnungen in Ramat-Gan fand man in die Wände eingemauerte Mikrophon- Anlagen zur Festhaltung von Gesprächen. Die Anlagen standen in Verbindung, mit einer Radiostation, deren Einrichtung aus dem Auslande gebracht wurde. Zwanger wurde beseitigt, yeeil er von diesen Installationen wußte. In den Wohnungen der Verhafteten wurden auch chiffrierte Notizen und Briefe gefunden. . Die . Verhafteten heißen Scheinzwit und. Müller. Scheinzwit, der Jude sein soll, stand in Verbindung mit dem Deutschen Nachrichtenbüro, dessen Jerusalemer Zentrale ein Bulletin in arabischer Sprache herausgibt. Es wurde weiter festgestellt, daß Ing. Zwanger zuerst erdrosselt und daß ihm erst nach Eintritt des Todes die Stiche zugefügt wurden. Die unter der unmittelbaren Aufsicht der Palästinaregierung stehende polizeiliche Untersuchung erstreckt sich auf verschiedene Punkte im Lande. Man erwartet weitere sensationelle Enthüllungen im Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Mord. Es verlautet, daß der ermordete Jakob Zwanger sich auch viel mit Recherchen nach den Waffenschmuggeleien befaßt hat und deshalb beseitigt worden ist Zahnpasta Verhindert Araber gegeneinander Jerusalem, 13. April. (JTA.). Der Terror gegen den gemäßigten Teil der arabischen Bevölkerung Palästinas hält unvermindert an. Samstag wurde der Vizebtirgermeister von Tiberias, Ibrahim J u s s u f, auf dem Rückwege von einer Hochzeit in dem arabischen Dorf Schafraam erschossen. Jussuf, der von Beruf Rechtsanwalt war, hatte sich geweigert, an dem Streik der ar ab isc Len Stadt verwalt u n gen teilzunehmen. — Urteile selbst...! COFROOLI Malzkaffee hat 100 Kaffeebohnen im % kg Paket beigemischt und kostet trotzdem nur 80 Groschen! Ein zweiter Araber wurde am Sonntag zwischen den Siedlungen Jarkona und P et ach Tikwa tot aufgefunden. Vier Araber, unter ihnen zwei Führer von Streikkomitees in Dörfern bei Jerusalem, wurden beim Verlassen der Omar- Moschee angeschossen. Zwei wurden schwer verletzt. V»., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTRASSE 6 Die Ermordung der Frau Engelhardt Über die bereits mltgeteilte Ermordung der Frau Mali Engelhardt wird noch gemeldet: In der am Jarkonfluß gelegenen Siedlung Jarkona, nördlich von Petach Tikwa, wurde die 38jährige Kolonistenfrau Mall Engelhardt, als sie in den Stall ging, um das Vieh zu füttern, von Terroristen angeschossen. Sie wurde durch, eine Kugel schwer verletzt. Wie später im Krankenhaus von Petach Tikwa festgestellt wurde, hat es sich um ein Dum- Dum-Ge schoß gehandelt. Die deutschen luden - Geißeln Berlin, 14. April. Die Gestapo hat im Einvernehmen mit dem Reichspropagandaminiisfcerhun und dem außenpqlitischen Amt sämtliche politischen Versammlungen und öffentlichen Sportveranstaltungen der jüdischen Organisationen auf 60 Tage verboten. Den ausländischen Journalisten gegenüber wurde diese Maßnahme damit begründet, daß wegen der anti-deutschen Aktionen in Amerika in Verbindung mit der La Guardia-Angelegen heit und wegen anderer anti-deutscher Kundgebungen in den Vereinigten Staaten Vergeltung geübt werden soll. Es wurde weiter erklärt, daß das Verbot wieder aufgehoben werden würde, wenn im Ausland die „falschen“ Berichte über Deutschland in der Presse und in öffentlichen Veranstaltungen nacht mehr lanciert werden. Itaufl uud vecfceäel (Ufr Schekel! Der 365« Tag Man kann über die Allgemeinen Zionisten im Zionistischen Landesverband für Österreich sagen was man will. Eines muß aber jedermann zugeben: Die Allgemeinen Zionisten erhalten die Organisation. Sie wirken propagandistisch und sind die größten Spender für die Fonde und die eifrigsten Sammler und Propagandisten für den Schekel. So ist das Verhalten der Allgemeinen Zionisten vorbildlich, aber nur an 364 Tagen im Jahr. Bekanntlich hat aber das Jahr noch einen Tag, den 365. Tag und an diesem Tag ruhen sich viele Allgemeine Zionisten zionistisch-politisch aus. Das ist der ^ag der Kongreßwahl. Ausgerechnet an diesem Tage bleiben sie zu Hause. Mit der Regelmäßigkeit eines Präzisionsinstrumentes reagieren die Allgemeinen Zionisten auf jedes zionistische Ereignis mit selbstloser Arbeit und großer Opferbereitschaft. Warum schlafen die Allgemeinen Zionisten am Tage der Kongreß wähl? An diesem Tage wird doch entschieden, wer ihre Interessen und die ihrer Kinder beim Kongreß vertreten soll. Wollt ihr Allgemeine Zionisten euch wieder einmal Menschen anvertrauen, die dann beim Kongreß gegen euch und für die Verewigung de« Zertifikatenunrechts, für die Benachteiligung des Mittelstandes und die Fortdauer des Schekel-Mißbrauches stimmen? Ihr habt kein Recht, euch nach dem Kongreß über das euch ständig zugefügte Unrecht zu beklagen, wenn ihr es trotz wiederholter Warnungen immer wieder verschuldet, daß ih. TV. Tage der Kongreßwahl. Hause bleibt, statt zur Wahl zu gehen und eure Freunde zur Urne zu bringen. Bald kommt wieder der 365. Tag, der Tag der Kongreßwahl. Wollt ihr weiter die Melkkuh für fremde Interessen abgeben, wollt ihr euch wieder einmal durch Schmeicheleien betören lassen, um nach dem Kongreß wieder als die Düpierten dazustehen? Daran denkt schon jetzt! Eure Losung muß lauten: Jeder von uns erwirbt den Schekel! Jeder von uns verkauft mindestens zehn Schekalim! Jeder von uns bringt wenigstens zehn Wähler zur Urne! Wir brechen diesmal mit einer schlechten Tradition. Der 365. Tag muß den Sieg des Allgemeinen Zionismus bei der Kongreßwahl sehen! Kongreßwahl 5697 Die Hauptwahlkommission für die Durchführung der Wahlen zum 20. Zionistenkongreß hat sich konstituiert. Zum Vorsitzenden der HWK. wurde Dr. Josef Grünberger (Allgemeiner Zionist), zum Vorsitzenden-Stelivertreter Jozeiach Hersehkowitz (Bny Haarez), zum Sekretär Fritz Richter (Verband der Judenstaatszionisten) gewählt. Wir bringen eine wichtige Bestimmung des Wahlreglements zur Kenntnis. Der Stichtag für die Ablieferung und Bezahlung der Schekalim ist der 3. Juni 1937. Dieser Stichtag gilt für die Bestimmung der Zahl der Delegierten zum Kongreß. § 13, Abs. 2 des Wahlreglements bestimmt, daß nur soldhe Schekelzahler das Wahlrecht ausüben dürfen, für deren Schekel der entfallende Betrag bis zum Stichtag, spätestens jedoch bis 10 Tage nach dem Stichtag, das ist am 13. Juni 1937, eingegangen ist. Einzelne Schekelzahler und sogar Schekelzahler ganzer Ortschaften, bei denen diese Bedingung nicht zutrifft, sind von der Wahlberechtigung auszuschließen. Diese strenge Bestimmung muß unter allen Umständen eingehalten werden. Der Termin vom 3. Juni, beziehungsweise vom 13. Juni, kann auf keinen Fall verlängert werden und bleibt unter allen Umständen ln Kraft. Das aktive Wahlrecht steht nur den Schekelzahlern des Kongreßjahres 5697 am.

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