Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 634 (9.4.1937)
- Date
- 1937-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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9k ^Stimme v. t>.«. 20 s Nr. *34 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Frtitag. 9. April 1937 M. Nluan »697 10. Jahrgang Der Tag der jüdischen Pflicht Die Meldungen über eine Änderung des staatsrechtlichen Standes Palästinas wiederholen sich, ohne aber an Wahrscheinlichkeit zu gewinnen. Es liegt keine Bestätigung der Nachricht vor, daß die in London tagende Königliche Kommission vorschlagen will, eine Dreiteilung des Landes vorzunehmen, wobei die Küste und das Gebiet von Haifa bis Tiberias als jüdischer Sektor mit Dominioncharakter eingerichtet werden soll, während Haifa als Militärhafen und das Gebiet von Jerusalem Mandatsgebiet bleiben und der Rest als arabischer Sektor mit einer mehr oder minder starken Bindung an Transjordanien einzurichten wäre. Eine solche Maßnahme würde politisch und wirtschaftlich zu einer unabsehbaren inneren Verwirrung führen und in keiner Weise den leider bestehenden Konflikt abschwächen. Niemals könnte und dürfte der Zionismus auf Zion verzichten, niemals könnte er einer Schrumpfung des Siedlungsgebietes zustimmen und niemals könnte er sich bereit finden, die jüdische Bevölkerung in Jerusalem und in anderen Städten, mag sie auch noch so gering sein, aus seinem Schutz zu entlassen. Es sind Projekte, in verschwiegenen Zimmern der Regierung am ölberg ausgebrütet, Verlegenheitspläne einer Bureaukratie, deren Unfähigkeit, Einsichtslosigkeit und Pflichtvergessenheit die Komplikationen bis an die Katastrophe . hat heranwachsen lassen und die nun nach technisch-geographischen Auskunf tsmitteln - greift. Die Kommission in London hat nichts vorgeschlagen und wenn sie es täte, so müßte erst noch die Londoner Regierung die Sache prüfen und wenn diese sich dafür entschiede, so wäre noch die Mandatskommission und das Plenum des Völkerbundes zu passieren, wobei auch die Jewish Agency als eine völkerrechtlich anerkannte Instanz, ihr Wort zu sprechen hätte. Diese Gerüchtinflation steht wahrscheinlich auch in Zusammenhang mit den anderen Vorgängen im nahen Orient, wo sich um den Sandschak Alexandrette und um das Petroleumgebiet von Mossul neue neuralgische Felder gebildet haben. Vielleicht hofft der Emir von Transjordanien in diesem Durcheinander von Problemen und Verhandlungen König eines mit seinem Land zu vereinigenden arabischen Palästina zu werden und dem Mufti die Kalifatswürde streitig zu machen. Unverrückbar bleibt in diesem Sabre-Gestrüpp der Standpunkt der Juden, die im Bewußtsein ihres guten Rechtes und ihrer.Leistung jedes Projekt zurückweisen, das ihren politischen Besitzstand zu schmälern geeignet ist. Aber um wieviel stärker hätte ihre Position sein können, wenn das jüdische Volk in der Golah die Pflichten der Zeit besser erkannt und erfüllt hätte! Gerade in diesem Zeitpunkt, 40 Jahre nach dem ersten Kongreß, 20 Jahre nach der Balfour- Erklärung, wird dieser Mangel offenbar. Hätte das jüdische Volk den Ruf der zionistischen Organisation nach Mobilmachung aller politischen, geistigen und materiellen Kräfte befolgt, so wäre heute nicht eine halbe Million Juden in Erez Israel, sondern wir hätten schon in Volk und Land die Mehrheit. Die Assimilation, die dem Judentum nichts zu sagen und nichts zu geben hat, konnte sich doch hindernd geltend machen und durch die immer wieder auftauchenden Territorialphantome auf die Stimmung wirken, trügerische Hoffnungen wecken und wertvolle Energien an Phantastereien verschwenden, die an der wahren und einzigen Arboitsfront in Palästina Großes ätten bewirken können. Mit den Mitteln, tfe aus der jüdischen Masse kommen, ist sicherlich Bedeutendes erzielt worden, dem die respektvolle Anerkennung der Welt zuteil geworden ist. Aber die zionistischen Fonds und die zionistische politische Führung mußten sich nach dem Grad von Opferfreudigkeit einstellen, der in den Sammlungsergebnissen sich ausdrückt. Es sind Städte und Dörfer errichtet worden, 100.000 jüdische Menschen wurden in die landwirtschaftliche Urproduktion eingeführt, die wirtschaftlichen Schlüsselstellungen in jüdische Hände gebracht. Aber die Aufgabe wird immer größer, die Zeit immer dringender. Die breite Barriere des Emek mi Beth Alfa ad Nahalal ist nicht zu überwinden, aber es ist heute dringendste Notwendigkeit geworden, Galiläa und den Negev zu stärken und in festen nationalen Besitz zu führen. Insbesondere sollten die letzten Unruhen bedacht werden, die sich in der Hauptsache gegen das ungeschützte und jüdisch zu wenig besetzte Gebiet von Tiberias bis Metullah richteten. Wenn die Pioniere ihr Leben für „El jiwneh hagalil“ einsetzen wollen, so muß das im Volk verstanden werden. Wir wollen nicht, daß unsere Jugend gezwungen bleibt, auf Wache zu stehen und das Gewehr zu tragen, sondern wir wollen, daß die jüdische Bevölkerung so erstarkt, daß ein Angriff lieber unterbleibt. Unsere Jugend, das sind unsere Kinder, die Söhne und Töchter der in der Golah lebenden, leidenden, mißhandelten jüdischen Nation, für die Erez Israel das Zentrum aller Hoffnungen geworden ist. Unser Volk will seine Kinder nicht nach Amerika, nach Ecuador. Madagaskar oder Angra Pequena' auswandern sehen, sondern nur nach Palästina, dem jüdischen Land, wo sie in Sicherheit sich der Aufgabe widmen können, die sie zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben, an die sie ihren Enthusiasmus, ihr ideales Fühlen und ihre Schaffensfreude setzen. Das wird schwierig, wenn nicht das Volk, die Eltern der Jugend, Seele und — Tasche öffnen. Am Sonntag und Montag werden in Wien die Beauftragten des Jüdischen Nationalfonds alle jüdischen Haushaltungen besuchen und Beiträge für diesen Fonds verlangen, der das freie Land kauft und es als Eigentum der Nation festhält. Auf diesem Land werden Juden angesiedelt. Je mehr Geld, desto mehr Siedlung. Je mehr Geld, desto stärkere Verbindung von uns mit Palästina, vom Exil mit der neuen Freiheit, desto stärkere Einwirkung Palästinas in geistiger und auch politischer Hinsicht auf die Golah. Die jüdische Jugend erwartet, daß das jüdische Volk seine Pflicht tut. Die Denkschrift der Jewish Agency an die Kommission Der volle Text des von der Jewish Agency der Kgl. Paläs tin akommieeion unterbreiteten Memorandums wurde am 1. April veröffentlicht. In dem Memorandum wird die Aufmerksamkeit der Kommission auf eine Reibe entscheidender Momente gelenkt, im besonderen auf die Frage der Gültigkeit, der wahren Bedeutung und der praktischen Anwendung des Prinzips, wonach es Pflicht der Mandatarmacht ist, die Zulassung jüdischer Einwanderer im vollen Ausmaß, in dem Palästina sie aufzunehmen wirtschaftlich in der Lage ist, nicht allein zu dulden, sondern zu erleichtern. Es wird aufgezeigt, daß eine vernunftgemäße Interpretation de® von England dem jüdischen Volk gegebenen Versprechens oder des ziir Verwirklichung dieses Versprechens übertragenen Mandates eine Rechtfertigung der Beschränkung der Einwanderung nach Palästina durch Hinweis auf irgend ein anderes Moment .als das der Aufnahmefähigkeit ausschließt. Wenn die Mandatarmaoht ihre Verpflichtungen dem Geiste wie dem Buchstaben nach erfüllen will, so muß sie sich anstrengen, Raum für jüdische Einwanderer zu schaffen, indem sie energisch alle Hilfsmittel Palästinas entwickelt, eine Verpflichtung, die bisher unvollkommen erfüllt wurde, zum sichtbaren Nachteil nicht nur* der Juden, sondern aller Teile der Bevölkerung. Indem die Juden verlangen, daß die eindeutigen Intentionen der Balfour-Deklaration und des Mandats ehrlich verwirklicht werden, geht es ihnen-nicht allein um die Verteidigung abstrakter Rechte. Sie stehen unter dem Druck furchtbarer zwingender Notwendigkeit. t>ie Balfour-Deklaration wurde von den Juden in der ganzen Welt dankbar begrüßt,. weil sie von ihrer Durchführung einen Ausweg aus einer schon damals in verschiedenen Ländern untragbaren Lage erwarten konnten. Die Lage der Juden in vielen Teilen der Welt ist seitdem noch verzweifelter und die Notwendigkeit einer Abhilfe noch dringender geworden. Nachdem in dem Memorandum die in Deutschland und Polen herrschenden unerträglichen Verhältnisse geschildert werden, wird betont, daß die Frage der Einwanderung der Juden nach Palästina nicht nur eine Frage der Schaffung eines Ventile für Emigration ist. .Millionen Juden, die unter Verhältnissen leben müssen, welche fast jenseits des für Menschen Tragbaren sind, bedeutet die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina und der Gedanke, an diesem Bau mitwirken zu dürfen, einen unermeßlichen Trost. . Was sie vor Verzweiflung rettet, ist der Gedanke, daß es wenigstens ein Land gibt, in dem die Juden eine Heimat haben — ein Land, in dem sie frei und aufrechten Hauptes leben können. Angesichts dieser Tatsachen fordert die Jewish Agency, daß jene Bestimmungen des Palästina-Mandates, die die Sicherung dor Errichtung des Jüdischen Nationalheims im Geisto der Balfour-Deklaration zum Inhalt haben, voll verwirklicht werden. Schließlich wird in dom Memorandum der Standpunkt der Jowish Agency zu einer Anzahl wesentlicher Fragen, die jetzt von der Kommission behandelt werden, wie folgt klargestellt: 1. Es ist die Pflicht der Mandatarmacht, aktiv die Errichtung des Jüdischen Nationalheims zu fördern und insbesondere nach besten Kräften die jüdische Einwanderung zu erleichtern. 2. Es ist das Wesen der Balfour-Deklaration und des Mandates, daß den Juden nicht nur erlaubt werden soll, sich in Palästina in vollem Ausmaß seiner Aufnahmefähigkeit anzusiedeln, sondern daß sie yakttreinigend Die Zahnpasta! hiezu ermutigt werden sollen. Bei fairer und ehrlicher Interpretation der von England übernommenen Verpflichtung kann ein anderer Maßstab als der der Aufnahmefähigkeit des Landes nicht angewandt werden. 3. Es ist die Pflicht der Mandatarmacht, jede Anstrengung zu machen, lim die Aufnahmefähigkeit Palästinas sowohl durch energische Entwicklung und wirtschaftliche Nutzung seiner Bodenschätze, als auch durch aktive Förderung der palästinensischen Industrie zu erhöhen. 4. Die Entwicklung von Selbstverwaltungsinstitutionen sollte unter Berücksichtigung der im Lande herrschenden Verhältnisse und gemäß dem Prinzip, daß zwischen Juden und Arabern auf keiner Seite eine Beherrschung des anderen Platz greifen soll, erfolgen. 5. Nachdem dieses Prinzip anerkannt ist, wird die Jewish Agency bereit sein, wie sie auch bisher immer bereit war, Mittel und Wege zu erörtern, um harmonische Beziehungen zwischen den beiden Rassen auf der Basis ihres gemeinsamen Interesses an dem Wohl des gemeinsamen Heimatlandes zu schaffen. Für ein ungeteiltes Palästina Neue arabische Gerüchte Jerusalem, 7. April. Eine Beiruter arabische Zeitung behauptet, daß gewisse arabische Kreise, angeblich im E inve r s t ä n d n i s mit den Zioaieton, bemüht seien, die Einteilung Palästinas in zwei Kantone herbe Lzuf Uhren: Der eine Kanton, der das Küstengebiet umfassen soll, werde als jüdischer Kanton eingerichtet werden, der zweite soll an Transjordanien angesüMossen, trotzdem aber in gewissem Umfang gleichfalls für jüdische Einwanderung geöffnet bleiben. Die Zeitung behauptet, daß dieser Plan von Emir Abduila unterstützt werde und auch Anhänger in einflußreichen englischen Kreisen habe. Weiter wird behauptet, daß auch der Mufti für diese Lösung eintrete und sie anläßlich seines Besuches in Mekka König Ihn Saud empfohlen habe. Richtige Senkfußeinlageit Fachfirma Bandagen-Mlkoiasch, Taboistr. ZI Erklärungen Ben-Gurions und Ussischkins Tel-Aviv, 6. April. (Palcor.) In einer Konferenz des Palästina-Misrachi in Tel-Aviv erklärte B e n - G u r i o n, die Gerüchte über den Inhalt des Berichtes der Königlichen Kommission seien unbegründet. Es sei unmöglich, mit Bestimmtheit zu wissen, ob die Kommission einen Plan der Kantonisierung Palästinas in Erwägung gezogen habe. Die arabische Presse mache die Juden für das Auftauchen dieses Planes verantwortlich. Tatsächlich seien die Juden gegen die Kantonisiening Trans jordaniens, die im Jahre 1921 in Vorschlag gebracht worden war, gewesen: um so weniger seien sie bereit, einer Verschiebung der transjordanischen Grenze VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 |nach dem Westen zu zu stimmen.! In einer Pressekonferenz in Tel-Aviv gab der Präsident des Keren Kajemeth, , U s s i s c h k d n, seinem Zweifel an der Ricli- , tigkeit der Gerüchte über die bevorstehende Teilung Palästinas in Kantone Ausdruck und erklärte, daß die Araber niemals ihre Zustimmung geben würden. Obwohl die Zionistische Organisation noch keinen Beschluß in dieser Frage gefaßt hat, müsse er persönlich energisch gegen den Vorschlag einer Teilung des Landes protestieren. „Einheitliche** Schedule? Jerusalem, 6. April. Das Organ der Arbeiterpartei „Dawar“ teilt mit, in Jerusalemer politischen Kreisen sei das Gerücht verbreitet, daß die Palästinaregierung oder einer ihrer Vertreter der Königlichen Kommission eine durchgreifende Änderung der EinwanderungSTegelung vorgeschlagen habe. Die Einteilung der Einwanderer im verschiedene Kategorien soll fortfallen. Statt dessen soll eino einheitliche J a h r e s e i n w a n d e v u n g s q u o t e oiugefiihrt werden, innerhalb welcher die Einwanderer der verschiedenem Kategorien zu