Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 633 (6.4.1937)
- Date
- 1937-04-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054389--6589-3062458- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
OCR text
Nr. 633 Wien, Dienstag, 6. April 1937 IS* Nissan 5697 10. Jahrgang “Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Ein indisches Palästina als Dominion? Wie der Londoner richtet, beabsichtigt Kommission, die zur Zeit in London ihre Sitzungen abbält, zur Befriedung Palästinas eine radikale Lösung vorzuschlagen. Man beabsichtigt nämlich, Palästina in zwei Teile zu teilen, einen jüdischen und einen arabischen. Es lagen zwei Teilungsvorschläge vor. Der eine sehe die Schaffung zweier unabhängiger Staaten vor, ein sich selbst regierendes jüdisches Dominion im Britischen Empire und einen unabhängigen arabischen Staat. Der andere Plan sehe eine Teilung Palästinas in zwei autonome Kantone nach dem schweizerischen Vorbild vor, wobei die augenblickliche Mandats Verwaltung aufrechterhalten werden würde. Nach dem ersten Plane würde den Juden, roh gesprochen, das gesamte Küstengebiet von der Bucht von Akko im Norden bis nach Gaza im Süden übergeben werden. Das Gebiet, das im Osten bis zum See von Galiläa und im Norden bis zur syrischen „Daily Herald“ be-1Grenze gehen würde, Wete für eine M11die Untersuchung»-11 i o n Juden Siedlungsmöglichkeiten. Zur Zeit seien etwa 400.000 Juden in Palästina. { Die Araber würden das gesamte übrige Palästina einschließlich Transjordaniens erhalten. Es sei möglich, daß der Emir von Transjordanien die Ober- Agency wird erklärt-, man könne zu den Plänen der englischen Unteren chungBkommissdon noch nicht Stellung nehmen, da es sich zunächst um völlig unbestimmte Gerüchtre handelt. Man müsse auch bedenken, daß mam hier zwei oder auch noch mehreren Altemativvorschlägen gegenüberstehen wird, über die zunächst das englische Kabiherrschaft über ganz Arabisch-Palästina ernett zu entscheiden hätte. Dieses halten würde. Für Jerusalem und andere werde jedoch sicherlich noch einmal mit christliche Stätten sei eine Sonderregelung *j,er a r a fr ® s c h e n und jüdischen vorgesehen. Sie sollten i n t e r n a t i o n allsiert und zu einem britischen Mandat vom Völkerbund gemacht werden. Der Hafen von Haifa soll wegen seiner strategischen Bedeutung eine neutrale Zone unter britischer Kontrolle werden. Die Palästina-Kommission habe sich aber noch für keinen der beiden Pläne endgültig entschieden. Unannehmbar... Soweit die Meldung des „Daily Herald“, *der andere Nachrichten gegenüberstehen, wonach die Stellungnahme der Königlichen Köanmdssion auch nicht in vagen Umrissen zu erkennen ist. Es wäre auch schwer an,zuoehmen, daß die Kommission ihre Absichten verlaufcbart, noch ehe ihr Bericht in den Händen der Regierung ist. Allerdings bestehen in den Kreisen des Kabinetts und der Palästina-Verwaltung Unterströmungen, die das schwierige Problem durch eine nationale Sektionierung oder Kantonisierumg zu lösen glauben. Der Bericht des „Daily Herald“ scheint sich als ein Versuchsballon-daraistellen, bei dem erprobt werden soll, wie die Juden und die Araber auf einen solchen Plan reagieren würden. Es ist aber auch zu berücksichtigen, daß Palästina Mandatsgebiet ist und daß ohne Zustimmung des Völkerbundes eine so tiefgreifende, staatsrechtliche Änderung nicht erfolgen kann. Ob eine solche Zustimmung (bei der gegenwärtigen internationalen Lage austandekäme, darf wohl bezweifelt werden. ■ Daß die Jewish Agency , den Gedanken einer Teilung Palästinas atolehen muß, ist wohl selbstverständlich. Er würde keine Erleichterung bringen, vielmehr die allgemeine Situation des Judentums noch erschweren. Palästina ist ungefähr so groß wie Belgien und die Siedlungsmöglichikeit, die doch schon jetzt so großen Schwierigkeiten begegnet, würde durch eine Teilung auf ein kaum noch erträgliches Ausmaß herabgesetzt werden. Nicht zu vergessen der historischen und religiösen Motive, die die Haltung des Zionismus bedingungslos bestimmen. Ein Zwergstaat mit kaum zwei Millionen Einwohnern wäre zudem politisch wie wirtschaftlich ein ohnmächtiges Objekt der englischen Politik, für die heute mehr als je der Weg nach Indien bestimmend bleibt. Ebenso wäre der Status des Dominions für das ganze Judentum untragbar, weil das jüdische Land vollständig in alle nur denkbaren Konflikte des Imperiums bineingozogen würde. Und der Völkerbund? Von seiten einer Persönlichkeit, die itbor die Stimmung in den Völkcrbundikreisen genau unterrichtet ist, geht uns der folgende Bericht zu: Genf, 8. April. Gegenüber den englischen Meldungen über Vorschläge der Königlichen Untersuchungskommissiion, Palästina in autonome Gebiete zu teilen, wird in Völkerbundkroisen erklärt, diese Meldungen müßten zunächst mit großer Reserve aufgenouwnen werden. Es ist vou zwei Alternatlvvorschlägen die Rede: der eine Vorschlag, Palästina in autonome Kantone nach Schweizer Mußte r zu gliedern, sed schon wiederholt aufgetaucht, aber von zionistischer Seite als unannehmbar bezeichnet worden, weil dadurch - die Reibungsfiächen noch außerordentlich vermehrt Würden. Man könne, so wird hier gesagt, auch nicht ein kantonales System in einem Lande mit politisch völlig ungeschulter Bevölkerung mit der Schweizvergleichen, in der der demokratische Geist seit mehr als vier Jahrhunderten herangereift sei. Wenn von einer Neutralisierung Jerusalems in diesem Zusammenhang die Rede ist, eo würde dies der Tatsache entsprechen, daß Jerusalem die heiligen Stätten dreier Religionen umfaßt. Die Neutralisierung des Hafens von Haifa würde sich auf die militärischen Interessen Englands gründen. Der andere Vorschlag, den nach dieser Darstellung die Königliche Untersuohungskommission machen wird, die Schaffung eines unabhängigen jüdischen Staates als englisches Dominion einerseits und eines arabischen Teiles, der zu Transjordanieu geschlagen wurde, würde auf jüdischer Seite zweifellos mehr Anklang finden, allerdings nur unter der Voraussetzung, daß dieser Zwergstaat genügende Siedlungsmöglichkeiten in heute noeh brachliegendem Gebiete umfassen würde. Es hängt hier alles von der geographischen Abgrenzung der Gebiete ab. Von der Genfer Vertretung der Jewish Bevölkeru ng Fühlung nehmen. Ferner habe auch der Völkerbund, beziehungsweise seine ständige Mandatskommission ein wichtiges Wort mitzusprechen. Auf Wunsch des englischen Regierungsvertretere hat diese Kommission die Beratungen der Lage in Palästina mehrmals vertagt, weil der englische Bevollmächtigte und auch der Ratspräsident in Aussicht gestellt haben, die Mandatsmacht werde, nachdem der Bericht der Untersuchungskommißsion vorliege, bei der nächsten Tagung der Mandatskommission, die für den 30. Mai angesetzt ist, eine Darstellung der in Palästina durch die Unruhen entstandenen Situation geben können. Es gilt aber als wenig wahrscheinlich, daß dannschon auch die verschiedenen praktischen Vorschläge der Königlichen Kommission zur Debatte gesteht werden können, denn diese werde erst im Laufe des Aprii ihren Bericht fertigsteilen können. In der nächsten Zeit ist eine neue Qu ote für die Einwanderung fällig, doch dürfte die englische Regierung ihre Entscheidung zunächst noch hinauszögern, bis ihr der Bericht der Untersuchungskommisßion vorliegt. Die jüdische Einwanderung ist auch nach den Unruhen nichtzum Stillstand gekommen. Sie betrug aber 1936 nur etwa 30.000 Seelen gegen 61.000 im Jahre 1935 und war in den letzten Monaten besonders gering, nämlich etwa 1000 gegen 4000 bis 5000 in der selben Zeit des Vorjahres. Mode und Geschmack finden ihren Ausdruck in unseren neuelngetroffenen Frühjahrsmodellen Unsere AUSWAHL u. PREISE sind das Ereignis der Saison L%/_ ILTABORSTRASSE 8a Zionistenkongreß voraussichtlich 3. August in Basel London, 1. April. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird der XX. Zionistenkongreß am 3. August, voraussichtlich in der alten Kongreßstadt Basel, eröffnet werden. Die Eröffnung der Tagung des Council der Jewish Agency ist für den 15. August festgesetzt. Unabhängige Arbeiterpartei zur Lage in Palästina Glasgow, 1. April. (JTA.) Der Partei tilg der. Unabhängigen Arbeiterpartei hat auf seiner in Glasgow abgehaltenen Tagung am 30. März die Lago in Palästina erörtert. Auf Antrag der Exekutive wurde eine Resolution angenommen, in der dem Bedauern über den neuerlichen Ausbruch blutiger Unruhen in Palästina Ausdruck gegeben wird. Es wird erklärt, daß das Blutvergießen von Terroristengruppen ausgeht, die von den a r a b i s o h o n Feudalherren aufgoreizt werden. Die jüdischen und arabischen Arbeiter und Bauern werden aufgefordert, allen Versuchen reaktionärer Elemente im jüdischen und im. arabischen Volk, Feindschaft zwischen Juden und Arabern zu erregen, sowie den angeblich von Zeit zu Zeit auch von englischen Behörden ausgehenden derartigen Versuchen Widerstand zu leisten. In der Debatte wurdo von einigen Rednern gegen Teile der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas der Vorwurf erhoben, daß sie mit dem britischen Imperialismus verbündet (?) seien. Die Resolution wurdo mit einer kleinen Mehrheit angenommen. Der Vorsitzende, Abg. Maxton, sprach sein Bedauern darüber aus, daß die Entschließung keine stärkere Unterstützung gefunden habe« CPMO^ EUTE. OPERN. 8-: in tem FLU.STSPIEL- WElTEKFOLd EINEMONDÄNE OESEUSCHAFfS- KOAAO'DIE Mit REGINALD OWEN W- S VAN DYKE ffliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiniiiiiiiiiiimiii^iMiiiiiiiiiiiiHimD Arierparagraph und Verfassung Nach einer Depesche aus Genf hat dag rumänische Komitee des jüdischen Weltkongresses im Namen der rumänischen Judenschaft das Völkerbundsekretariat und die Signatarmächte des Minoritätenschutzabkommens, das auch Rumänien unterzeichnet hat, auf clas neue rumänische Gesetz „zum Schutze nationaler Arbeit“ foingewiesen, das den Staatsbürgern rein rumänischen! Blutes eine bevorrechtigte Stellung auf dem Arbeitsmarkte einräumt. Die Meldung ist in dieser Form nicht richtig. Es handelt sich um einen vom Handelsminister ausgearbeiteten Entwurf an die Kammer, der für das Recht auf Arbeit und Beschäftigung die „Formula Etnica“ aufstellt, derzufolge in erster Linie reine Blutrumänen zu berücksichtigen sind, während für die anderen Völ* kerschaften, die Minderheiten, nur ein sehr gering bemessener Prozentsatz eingeräumfc wird. Der Entwurf ist noch nicht Gesetz, ist auch noch nicht verhandelt worden, da auch in den Regierungskrisen sehr gewiclw tige Bedenken außenpolitischer Art bestehen, die sich auf den unbedingt zu er-? wartenden Konflikt mit dem Völkerbund und auch auf die Möglichkeit von handelspolitischen Repressalien in angrenzenden Staaten, insbesondere in Ungarn, beziehen.: Aus diesem Bedenken heraus hat die rumä* nische Regierung in der Angelegenheit des Grenzschutzgesetzes die Meinung des gesetzgebenden Rates eingeholt und hier, ist eine Vorentscheidung getroffen worden, die wohl auch für das Gesetz zum Schutz der nationalen Arbeit mit der ethnischen Formel bestimmend sein wird. Es handelt sich um den Gesetzentwurf, welcher mit der Begründung der Stärkung des rumänischen. Elements an den Grenzen die Enteignung eines Grundbesitzes von über 25 Hektar; vorsieht, wenn dieser Grundbesitz in Händen eines Angehörigen einer Volksgruppe sich befindet. Der Vertreter der Regierung, hat unmittelbar nach Einbringung des Ent-. wurfes von sich aus erklärt, daß die Regie* rang einen solchen Antrag ablehne. Der Form halber wurde der Entwurf jedoch an den gesetzgebenden Rat geleitet, der dazu nunmehr amtlich Stellung genommen hat.; Sein Bescheid bedeutet eine glatte Ablelw nung des Entwurfes, mit der Begründung", daß der Hinweis auf die völkische Zugehörigkeit (Formula Etnica) verfassungswidrig sei und dem Friedensvertrag von Trianon und den Minder* heitenseliutzver trägen wider* spreche. Im einzelnen wird diese Stellungnahme begründet mit Art. 5 der Verfassung, Art. 8 des Minderheitenschutzver* träges, und Art. 63, Abs. 3 bis 4, des Frie* densvertrages von Trianon. Diese Begründung hebt von neuem diei Bedeutung des Minderheitenschutzes hervor, und dies gilt nicht nur für Rumänien, sondern auch für andere Staaten, in denen unter dem Druck antijüdischer Parolen der jüdischen Bevölkerung das Recht auf Arbeit’ und Beschäftigung bestritten wird. Nicht nur in Rumänien, sondern auch in Oster* reich sind solche Strömungen an der Arbeit und versuchen durch die Schaffung einer Volksbewegung die Gesetzgebung zu beeinflussen. Der Antisemitenbund hat sieh der Aufgabe gewidmet, und sein geschäftsführender Obmann Peter setzt in der bekannten Linzer „Neuen Zeit“ auseinander, daß der Antisemitismus aus der Illegalität heraustreten müsse. Das soll wohl heißen, daß. die Bestrebungen, dem Juden das Brot vom Mund zu nehmen, bisher geistiger Besitz der illegalen (nationalsozialistischen) Parteiorganisationen gewesen ist.. Das ist nicht richtig. Der Brotneid ist oino über diese Kreise hinausreiehende Seuche, deren rasclio Verbreitung allerdings eine ITauptsorgo nationalsozialistischer Konspiration bildet, die sich den Umstand zunutze macht, daß dio Gesetze gegen Aufreizung, Boykott und Rufmord völlig in Vergessenheit, geraten sind. Wird von jüdischer Seite an diese Tatsache erinnert, «o gibt man von