Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 627 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preisausschreiben! Lesen Sie auf Seite 2 die Ankündigung der Werbeaktion der „STIMME". Es sind wertvolle Bficherpreise m gewinnen Nr. 6*7 Wien, Freitag, 1*. März *937 *9« Adar 5697 *0. Jahrgang l'Stimme JÜDISCHE ZEITUNG BilliieiLbiqiienis ORBIS-OSTERFAHRT nach POLEN U. CZERNOUITZ ABFAHRT: 2 4. MÄRZ 193 7 . Auikunft und Anmeldungen: POLNISCHES VERKEHRSBURO „ORBIS** l„ KBrntriemtraBo 41 (? 21-6-7M OESTERREICHISCHES VERKEHRSBURO L, FrledriehetreBe 7 (B 27-600) i„ Graben 20, (ü 29-0-65) Hakenkreuz gegen Minderheitenrecht Das Problem Ist in der heutigen quälenden Form eine der vielen fehlerhaften Schöpfungen der Friedenskonferenz. Vor dem Kriege hat man eine Minderheitenfrage nur in recht eingeschränktem Maße gekannt. Sie trat nur gelegentlich in die Diskussion, wenn zum Beispiel die Konstruktion des magyarischen Einheitsstaates, der Türkei oder Rumäniens behandelt wurde. Erst di© in Versailles vorgenammene Grenzziehung hat viele Millionen Menschen in Minderheiten verwandelt und damit allen Zufälligkeiten des politischen Lebens der Mehrheitsvölker preisgegeben. Um dieser Entwicklung wenigstens einigermaßen eine Schranke zu setzen und fjir die Minderheiten ©ine Beschwerdestelle zu schaffen, hat der Friedenskongreß hauptsächlich auf Antrag Wilsons die Schutzbestimmungen ausgearbeitet und sie unter die Garantie. des neu errichteten Völkerbundes gestellt. .Gleichzeitig verpflichteten eich die rieugeschaffejnen kleinen assoziierten Staaten, diese' Bestimmungen in ihre Grundgesetze aufzunehmen. Wilson hatte mit seinem Antrag in der Hauptsache den Forderungen entsprochen, die, gemeinsam von Louis Brandeis namens des amerikanischjüdischen Kongresses und den Führern des Komitees der jüdischen Delegationen erhoben wurden. Diese Postulate ergaben sieh mit zwingender Kraft aus den Erfahrungen, die man mit der Behandlung der bekannten Beschlüsse des Berliner Kongresses durch Rumänien gemacht hatte, aber auch aus den Sorgen, die der nach dem Krieg neu auflebende Chauvinismus der jungen Nationen hervorgerufen hatte. Die von den jüdischen Vertretern vorgelegten Entwürfe waren so gefaßt, daß sie generell jede nationale oder konfessionelle Minderheit unter den Schutz des neuen Rechtes stellten, und vor allem haben die deutschen Minderheiten in Polen und in der Tschechoslowakei die Wirkung dieses Schutzes genossen. Sie haben auch vpn dem Beschwerderecht Gebrauch gemacht, und gerade in den jüngsten Tagen hat Henlein die Anrufung des Völkerbundes in öffentlicher Rede angekündigt. Es ist ein starkes Stück nationalsozialistischer Verdrehungskunst, weun nunmehr der Leiter der Stuttgarter „Arbeitsstelle für auslandsdeutsche Volksforschung“, Dozent Dr. Bayer, in einer Publikation über den Minderheitenschutz ausführt, „daß dieser Versuch — wir zitieren wörtlich — ein raffl- Zionistischer Kongreß anfangs August Jerusalem, 9. März. (JTA.) Die Exekutive der Jewish Agency hat die Herren Dr. Franz Kahn, Mährisch-Ostrau, zum Leiter, und Dr. Fritz U11 m a n n, Karlsbad, zum stellvertretenden Leiter des Büros des XX. Zionistenkongresses berufen. Ort und Zeit des XX. Zionistenkongreeses wird das am 13. April in Jerusalem zusammentretende Aktionskomitee der Zionistischen Organisation festsetzen. Auf die Tagung des A. C. folgt, ebenfalls in Jerusalem, eine Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency. Als Kongreßland steht immer noch die Schweiz im Vordergründe. Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency und Leiter des Organisationsdepartmente der Exekutive, Jizchak Grünbaum, erklärte auf einer Konferenz aller zionistischen Zentralkomitees, die in Warschau abgehalten wurde, daß der XX. Zionistenkongreß in der ersten Woche des August eröffnet werden und eine Woche dauern wird. Die Tagesordnung ist noch nicht festgesetzt. Nach Schluß des Kongresses wird der Council der Jewish Agency zusammentreten. Im Namen der Exekutive proklamierte Grttnbattm den Monat Nissan als den Schekelmonat. Richtige Leibbinden und SUUzmieder als Resultat umfassender Erfahrung Kachfinna Bandagen-Mlkolasch, Taborstraße 22 Wieder Ruhe in Jerusalem Wie bereits berichtet, haben sich am 5. und 6. März in Jerusalem blutige Vorfälle ereignet, die vorübergehend zur Verhängung des kleinen Belagerungszustandes führten. Am Samstag kam es zu einem Angriff von Arabern auf eine Gruppe jüdischer Spaziergänger, die sich auf dem Wege von Rechavja nach Newe Schaanan, beides hauptsächlich von Juden bewohnte 'Jerusalemer Vorstädte, befand. Die jüdische Gruppe wurde von den Arabern mit Steinen Billige u. bequeme OSTERFAHRT mit der „Cxernowitxer Allg. Zeitung** nach Polen u. Czernowitz Abfahrt: 24. März 1937 Auskünfte und Anmeldungen: ausschließlich im Reisebüro „Marienbrilcke*S Wien, I., Rotenturmstraße 26 Telephon R 24-2-86/87 bombardiert, einige Mitglieder der Gruppe wurden getroffen und zwei Juden erheblich verletzt. Wie später mitgeteilt wurde, fand man an der Kampfstelle einen durch Schüsse getöteten Araber. Neben ihm befand sieb sein Sohn, der verletzt war. Es konnte bisher nicht festgestellt werden, unter welchen Umständen die Tötung des einen und die Verletzung des andern Arabers vor sich gegangen sind. Es steht durchaus nicht fest, ob Juden daran beteiligt waren. Einige Araber behaupten, daß zwei Juden geschossen hätten. Die Zeitungen melden, daß ein jüdischer Chauffeur den Sohn des erschossenen Arabers in ein Krankenhaus1 führte, während ein Araber einen der durch Steinwürfe verletzten Juden rettete. Seit Samstag ist es in Jerusalem zu keinen weiteren Zwischenfällen gekommen. In Regierungskreisen wird erklärt, daß die Sicherheitsmacht die Lage beherrscht. Die Untersuchung über die Samstag-Ereignisse wird energisch fortgeführt. Waad Leumi mahnt zur Disziplin Jerusalem, 8. März. (Paloor.) Der Waad Leumi hat einen Aufruf an den Jischuw veröffentlicht, in dem dieser ermahnt wird, die Ruhe zu wahren und keine Gewaltausbrüche zuzulassen. Die jüdische Bevölkerung wird daran erinnert, daß die unprovozierten Überfälle des vorigen Jahres die Selbstbeherrschung des Jischuw nicht zu erschüttern vermochten; es wird darauf hingewiesen, daß die kürzlichen Vorgänge geeignet seien, einen erneuten Ausbruch von1 Unruhen hervorzurufen, wenn die verantwortlichen Kreise nicht alles anwendon, um die nationale Disziplin zu wahren. Billard — das billigste Vergnügen! Für nur 1*50 wöchentlich lard oder Kegelbillard gratis spielen. _ Turniere mit schönen Preisen in Vorbereitung. Imciliiitlfiei VVnf nmaial«* Einer der prominentesten Billardmeister erteilt ImUSlvSlllUS UfBltSl JTiGflf Auskünfte: Ca!ö Ralittundhof, VI., Wallgasse 16, Tel. B 28-2-34 hach EREZ ISRAEL yon TrieBt und Genua mit den vorzüglichen Dampfern n n MARCO POLO“, „ESPERIA“ GALILEA“, „GERUSALEMME“ ZU PESSACH 25 PROZENT ERMASSIGUNG AUSKÜNFTE: „ADRtATtCA“ s. a. Generalagentur s Wien, l«, Kärntner" ring 6 und alle RelsebUros ... Erfolglose Prämien-Ausschreibungen Jerusalem, 10. März. Es wird festgestellt, daß sämtliche Belohnungen, die die Palästinaregierung seit Ausbruch der Unruhen im April v. J. zwecks Ergreifung von terroristischen Mördern auegesetzt hatte — es handelt sich insgesamt lim eine Summe von 65.000 Pfund —, bis jetzt zu keinem Resultat geführt haben; keiner der Mörder wurde entdeckt, so daß die gesamte Summe im Staatsschatz verblieb. Zwischen Jaffa und Tel-Aviv Zwischen Jaffa und Tel-Aviv versammelte sieh am 6. März eine Menge aufgehetzter Araber, die eine drohende Haltung gegen Juden und Engländer einnahm. Eine Militärabteilung erschien rechtzeitig an Ort und Stelle und trieb die Demonstranten auseinander. Der Verkehr zwischen Jaffa und Tel-Aviv wurde für den ganzen Tag eingestellt, am nächsten Tag aber wieder aufgenommen. Osterreise m Polen Abreise 24. März — billig, bequem, D-Zug Auskünfte: Df. S. TOCltGr „In die Welt“ W. M. Renner IX., Liechtensteinstraße 2, Tel. A 14-504 (nächst Schottenring) ~- Verbannte Terroristen Die in den letzten Tagen in Haifa verhafteten arabischen Terroristen, unter denen sich angesehene nationalistische Funktionäre befinden, wurden laut Beschluß der Regierung für ein halbes Jahr aus Palästina verbannt. Die Deportierten müssen Geldsummen erlegen als Garantie dafür, daß sie nicht vor einem halben Jahr nach Palästina zurückkehren. Im Zusammenhang mit den Unruhen in Tiberias wurde der Vorsitzende des lokalen Arabischen Nationalen Ausschusses, S i d k y T a b b a r i, durch den Distriktskormmissär mit administrativer Verbannung für ein halbes Jahr nach Ramallah und zur Leistung von 200 Pfund als Bürgschaft für gutes Betragen in Zukunft verurteilt. In der Begründung dieses Befehls wird erklärt, Tabbaris Tätigkeit habe den Anstoß zu den Unruhen in Tiberias gegeben. Damit wird also die Behauptung des Ministers Ormsby Gore widerlegt, daß Revisionisten in Tiberias provoziert hätten. Atfentäfer geständig Jerusalem, 10. März. Der 17jährige Araber, der von dem schwerverwundeten Stanislaw Sluga als sein Angreifer wiedererkannt wurde, hat seine Schuld gestanden. Er habe das Attentat auf Sluga verübt, da er ihn in einer jüdischen Plantage arbeiten sah und ihn deshalb für eiuen Juden gehalten habe. niertes, weil schwer in seiner Bedeutung erkennbares Werkzeug zur Vernichtung des deutschen Volkes war und ist.“ Womit wird dies begründet? Die Verträge, sagt Bayer, sprechen nicht von einer völkischen Minderheit im Sinne einer Gruppe, sondern immer nur von einzelnen, die zu einer Minderheit gehören. Dies sei das individualistische System, die Situation des Juden, dessen Existenzform die Zerstreuung ist. (Bayer verwendet hier das Wort Galuth.) Geht man diesem Gedankengang nach, so gelangt man zu einer Konklusion, die jeden Schutz illusorisch macht. Denn die Auffassung der Minderheit als einer geschlossenen völkischen Gruppe läuft auf die j Konstituierung eines kulturellen Verbandes. hinaus, der für seine internen Institutionen' einen Schutz erhält, den sie gar nicht brauchen, der aber die Beziehung des einzelneu zum Staat völlig außer Acht läßt. Wirk-, sanier Schutz muß irgendwo beginnen. Die | rein kulturellen Einrichtungen der deutschen I Minderheit sind nirgends in Frage gestellt, insoweit sich nicht hinter ihnen der Irredentismus sammelt. Es ist nicht die Schuld der Verträge oder des Völkerbundes oder des Judentums, daß die deutschen Kulturvereine überall einen kaum noch getarnten nationalistischen Charakter tragen. Seit der Herrschaft des Dritten Reiches, das seine Minderheiten im Ausland für seine politischen, wirtschaftlichen und . militärischen Zwecke im Sinne des nationalsozialistischen Programmes mißbraucht, hat sich die Lage der deutschen Minderheiten tatsächlich verschlimmert. Sie werden überall und speziell in den befreundeten Ländern wie Polen, Rumänien, Jugoslawien, Italien, mit höchstem Mißtrauen beobachtet. Aber gerade durch das von jüdischen Sachverständigen vorgesclilagene individualistische System wird der deutsche Bürger geschützt, sowohl als Angehöriger seiner Nation als auch als vollberechtigter Steuerzahler. Denn die bekannte Bestimmung, daß niemandem aus seiner Zugehörigkeit zu einer Minderheit ein Schaden erwachsen darf, ist das Wesentliche der Frage. Jeder, der aus Gründen seiner Abstammung oder seines Glaubens zurückgesetzt wird, kann an den Völkerbund gehen und die Wiederherstellung seines natürlichen Rechtes und Schutz egon Unsachlichkeit oder listige Umgehung der Verfassung entsprechen. Schon die Existenz einer, sei es auch nur platonischen Bestimmung wirkt vorbeugend. Es gehört in die Praxis von Entstellungen und Verleumdungen des nationalsozialistischen Systems, wenn jetzt ein solcher brauner Scholast aus einer klaren Rechtslage neue Anwürfe und Beleidigungen der Juden herausarbeitet. Tausende deutscher Männer und Frauen haben durch diese Errungenschaft des „individualistischen“ Judentums Schutz vor Peisekutiouen gefunden. Abor das Dritte Reich, das ja die von StTesemann seinerzeit übernommene Verpflichtung, die Schutzparagraphen seinerseits in die Verfassung einzusetzen, gebrochen hat, geht in seinem Haß so weit, daß es seine eigenen Angehörigen ausliefert. Die Minderheiten, die auf den individuellen Schutz verzichten — so wie dies leider die Juden in Ungarn und in der Türkei getan haben —, wissen nicht, in welches Unglück sie taumeln. Bei den letzten Kultuswahlen in Wien ist ja auch von Seite der Union mit dem Phantom des „Fremdenrechtes“ operiert worden. Dank der Wählerschaft ist dieser Schlag abgewehrt worden. Aber von deutscher Seite wird jetzt, mit ungleich besserer Organisation, ein Attentat vorbereitet. Deutschland ist nicht im Völkerbund, und es sabotiert alles Gute, das die Genfer Institution geschaffen hat. Es liegt im Zuge dieser Vergiftungspolitik, daß auch das Recht der Minderheiten mit Gasbomben aus dem Stuttgarter Arsenal beworfen wird.