Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1937-03-09 · Heft 626 (9.3.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 626 (9.3.1937)
Date
1937-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054338-3054382--6528-3062390
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Preisausschreiben! 9k Lesen Sie auf Seite 2 die Ankündigung der Werbeaktion der „STIMME" Es sind wertvolle Bücher preise zu gewinnen ^Stimme Nr* 6*6 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienstag, 9. März 1937 *6. Adar 5697 10« Jahrgang Neuheit „llfe 0.06 mm«* Puh rer's Stahlwarenfabrik, Wien. IV miuiiiiminiiiiimumiinmimimmiiiiiiiiiimiiriiimiiniiiiiimiiiiiimiiiiiniinimnnimmiiimiimi Nach Brodsky — La Guardia Das Dritte Reich veranstaltet wieder eine Affäre. Der New-Yorker Bürgermeister La Guardia, soll vor der Frauensektion des amerikanischjüdischen Kongresses, eine Rede gehalten haben, in der er gesagt haben soll, es wäre gut, wenn man im Rahmen der New-Yorker - Weltausstellung eine Sdhreokenskammer eihrichte, in der die Figur eines „braunhemdigen Fanatikers“ gezeigt,' wird. Diese Äußerung hat das Dritte Reich durch sein Nachrichtenbureau in eine bessere Form gießen lassen. Es wird verbreitet, La Guardia, habe gesagt, er werde die . Figur jenes . braunhemdigen Fanatikers zeigen,- der jetzt den. Weltfrieden bedroht Aus der Chamade ist eine .Fanfare gemacht worden. Denn mit der ursprünglichen Fassung der Rede ließe sich nichts anfangen. Die umredigierte New- Yorker Depesche ist aber als Beleidigung Hitlers zu werten, der sich von seinem Kabinett nach dem Tode Hindenburgs hat Zaum Staatsoberhaupt bestellen lassen. Und so wurde zuerst durch den Botschaftsrat Thomson bei der Washingtoner Regierung protestiert. Staatssekretär Hüll hat durch den Abteilungsleiter Dünn das Bedauern aussprechen lassen, für den Fall, daß' La Guardia tatsächlich die Person des Reichskanzlers beleidigt habe. Zugleich betonte jedoch Herr . Dünn das Recht der freien Meinungsäußerung in den Vereinigten Staaten, das jedem Staatsbürger verfassungsmäßig garantiert sei und als ein Teil des Nationaleres gewertet werde. Die vom Berliner Propagandaamt instruierte Presse ist in das vorgeschriebene Wutgeheul ausgebrochen. La Guardia ist ein schmutziger Talmudjude, ein Mann aus der Unterwelt, ein Obergangster, ein jüdischer Revolverraann; Amerika ist ein Staat, in dem 12 Millionen Menschen im Straßengraben verrecken usw. Die gesamte deutsche Presse übenschlägt sich in solchen Angriffen: die Artikel tragen deutlich die amtliche Punze. Es ist der gleiche Lärm, der seinerzeit um die Angelegenheit des Richters Brodsky entstanden ist. Damals war aus einer Urteilsbegründung des New-Yorker Richters gegen Kommunisten, in der der Standpunkt der Angeklagten umschrieben wurde, ein Satz herausgerissen und in die Behauptung umredigiert worden, der Richter habe die Hakenkre-uzfahne eine Piratenflagge genannt. Die Fesstellung des Washingtoner Staatsdepartements, daß Brodsky kein Jude ist und daß seine Äußerung entstellt worden war, wurde in Deutschland nicht zur Kenntnis der aufgehetzten Bevölkerung gebracht, und Hitler begründete seine Nürnberger Rassengesetze ausdrücklich auf die Beleidigung des Reiches durch den Juden Brodsky. Wird jetzt etwas Ähnliches geplant? Daß man sich in Deutschland auf regt und die Stimmung künstlich verschärft,, ist selbstverständlich. Es gehört zur Diktatur, daß sie ewig mißtrauisch ist und immer herumxhorcht, wie man über sie spricht,. Die deutsche Diktatur ist besonders nervös und hellhörig. Sie ist rein auf Propaganda gestellt, zieht immer Vergleiche zwischen sich und anderen Systemen, teilt Werturteile aus und befaßt sich natürlich auch mit den Personen, die aus diesem oder jenem Grund in Berlin nicht genehm sind, und denen Beziehung zum Judentum angelastet werden kann. Der russische Außenminister Litwinow, den man immer als Finkeistein anspricht, gilt als jüdischer Hauptbolschewik, als blutiger Jude; der Botschafter Rosenberg, der mit dem Vornamen Marcell heißt, eme Aufruf der Zionisten Polens erscheint in der deutschen und in der ihf rassenmäßig hörigen österreichischen Presse immer mit dem Namen Moses, was in diesem Falle einigermaßen zu entschuldigen ist, um einer Verwechslung mit Alfred Rosenberg, deinrussisch-deutschen . Mythenerzähler, vorzubeugen. Was ist. in der deutschen Presse über Dollfuß zusammengeschriebeö worden, was über Masaryk! Die Empörung über die „lendenlahme Haltung“ Washingtons, die der. „Angriff“ des Herrn Goebbels ausdrückt, wird auch; damit begründet, daß die Boykottbewegung in den Vereinigten Staaten Ergebnisse gezeitigt, hat, die dem Dritten Reich sehr unangenehm fühlbar geworden sind. Es wird große Boykottaktion einsetzen soll, für die aie Rede des Bürgermeisters das Stichwort gegeben habe. Das ist selbstverständlich unwahr. Aber weshalb toben denn eigentlich diese : Presseorgane gegen den jüdischen Boykott? Sie durften doch nicht erwarten, daß das Judentum irgend welche Sympathien für das Dritte Reich hegen soll, für jenes System, das sich in seiner antijtidischen Propaganda nicht auf Deutschland beschränkt, sondern auf der ganzen Welt zum Pogrom hetzt. Es ist das natürliche Recht des gesamten jüdischen Volkes, seine Meinungen in der Form zu äußern, die ihm entspricht, und die Mittel anzuwenden, die es für zielführerid hält. Übrigens wird in den behauptet, daß am 15. März eine neuerliche Vereinigten Staaten die Boykottbewegung Der Zeichner der 4 V* % *gen österr. Investitionsanleihe bezahlt für S 100.* Nennwert nur S 94*« und verzinst daher sein Geld mit Dt* Anleihe let m flndclsf eher« nicht von Juden, sondern von den katholischen Verbänden geleitet, und die Katholiken der ganzen Welt stimmen in der Beurteilung der braunen Moralinsanity mit den Juden überein, und mit allen ehrenhaft denkenden Menschen. „Unsere älteste und letzte Hoffnung“ Warschau, 7. März (JTA.). Die politische Deklaration der 12. Landeskonferenz der Zionisten Kongreßpolens lautet in ihren wesentlichen Teilen: Die Situation des jüdischen Volkes bekräftigt neuerlich die zionistische Wahrheit, daß es keine andere Lösung der Judenfrage gibt, als die Schaffung einer selbständigen jüdischen Gemeinschaft in dem historischen jüdischen Land, in Erefc Israel. "Weder Schwierigkeiten noch Opfer werden den entschlossenen Willen der jüdischen Massen brechen oder bengen, den Weg nach. Zion zu gehen. Mit Dank stellt die Konferenz fest, daß die Exekutive der Jewish Agency im Ver^ lauf der letzten schicksalsschweren . Geschehnisse erfolgreich ihre Mission erfüllt hat. Die Exekutive hat mit W ü r.d e. und V’e rantwortung unsere Notwendigkeiten und Forderungen gegenüber der Mandatarmacht vertreten. Das jüdische Volk in Polen erklärt feierlich, daß jeder Versuch einer Lösung der Schwierigkeiten in Palästina, auf Kosten der fundamentalen jüdischen Rechte auf den entschiedensten Widerstand des jüdischen Volkes stoßen wird; eines Volkes, welches für seine gerechte Sache, um seine älteste und zugleich letzte Hoffnung kämpft. Die Resolution fordert freie Einwanderung, das Recht auf freien Erwerb von Boden, spwie dias Recht auf Sicherung von Leben und Arbeit in Palästina. Das 15.000-Tonnen-Schiff- „PROVIDEHCE" eröffnet am 19* März dieneue französische Linie Konstantza—Halle Fahrpreis von 2*7« bis 13 Pfund Kampf um Demokratie In dem auf die Lage der Juden in Polen sich beziehenden ToU der Resolution wird ausgeführt, das jüdische Volk verwerfe mit Entschiedenheit das System kommunistischer Diktatur, weiche in der Praxis Untergang des Judentums bedeutet, aber es lehne auch den Faschismus ab. Nur unter den Einrichtungen einer wirklichen Demok r a t i e, deren elementare Grundlagen Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit sind, ist eine freie Entwicklung der jüdischen Gemeinschaften überall in der Welt möglich. Deswegen ist der Kampf fÜT Demokratie ein Bestandteil des Kampfes um die Existenz des jüdischen Volkes. Dann heißt es: Die vom ersten Premier der Regierung des Marschalls Pilsudski abgegebene Losung des Kampfes gegen den Antisemitismus wird von der heutigen Regierung verleugnet; an ihre Stelle trat die Losung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Exterminierung der jüdischen Bevölkerung. Im Scheine dieser Evolution erweist sich in ihrer ganzen Furchtbarkeit die Verwüstung, die die. Politik der jüdischen Verbündeten dieses Regimes ängeiriehtet ■ hat. Gegen „Evakuierung“ Die jüdische Gemeinschaft in Polen wird niemals auf die ihr durch - Verfassung und internationale Verträge zugesich erteil Rechte als Bürger Polens- und als vom Völkerbund anerkannte gleichberechtigte nationale Minderheit verzichten. Anderseits wird keinerlei Macht imstande sein, die Verbundenheit der jüdischen Gesellschaft mit dem Staat und ihre Bereitschaft zur Mitarbeit am Aufbau und der Verteidigung eines starken Polens, welches auf Volkshorrschaft, sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit / aller Bürger basiert, abzuschwächen. Bei aller Anerkennung der Notwendigkeit einer Auswanderung aus Polen, auch von Elementen der' jüdischen Nationalität, protestiert die Konferenz gegen die Projekte einer Massenausstoßung von Juden aus Polen als Lösung der Judenfrage, sowie gegen die künstliche Hinausstoßung der Juden aus dem wirtschaftlichen Leben Polens, wodurch die Juden zur Massenemigration gezwungen werden sollen. Die Konferenz fordert, daß die Regierung gegenüber dem ökonomischen Leben .der Bürger verschiedener Nationalität strengste Objektivität wahre. Die Konferenz sieht einzig in der Anerkennung der national-kulturellen Autonomie der jüdischen. Minderheit die Lösung des jtidisch-polnischen Kulturproblems. Die Versuche, für Juden in Polen ein Ghetto zu schaffen, werden auf den entschlossensten Widerstand der jüdischen Gesellschaft stoßen. Hartglass — Präsident der Z. O. In Polen Warschau, 4. März. (JTA.) Die XU. Landeskonferenz der Zionistischen Organisation für KongreßpoleD wählte zum Präsidenten der Organisation den früheren Abgeordneten Adv. Apollinary Hartglass. y Richtige Leibbinden gJpL und Stülzmieder als Resultat unpassender Erfahrung yy Fach Irma 1 ' Bandagen-Mikolasch, Taborstraße 22 Ein denkwürdiges Jubiläum Im August werden es 40 Jahre her sein, daß Theodor Herzl den ersten Zionistenköngreß nach Basel einberief. Der zwanzigste /Zionistenkongreß, der heuer im August — wahrscheinlich wieder in Basel — stattfinden wird, muß eine grandiose Heerschau der zionistischen Bewegung sein. Wer sich zur zionistischen Bewegung bekennt, muß dies durch die Erwerbung des von Theodor Herzl , geschaffenen Schekels zum Ausdruck bringen und darüber hinaus an der Verbreitung des Schekels mitarbeiteju Ohne Schekel gibt es kein Wahlrecht zum Kongreß. Erwerbt und verbreitet den Schekel! Meldet euch zur Schekelarbeit in den Bezirkssektionen des Zionistischen Landesverbandes! Nissan — Monat des Schekels Jerusalem, 6. März. Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat den Monat Nissan zu einem „Monat des Schekels“ proklamiert. Die Aktion wird auf Massenversammlungen in verschiedenen Ländern eingeleitet werden. Angesichts des Kongreßjahres wird mit einem großen Erfolg der Kampagne gerechnet. . Wauchopes Rückkehr nach Palästina London, 4. März. (JTA.) Der vor einiger Zeit auf Ersuchen des Koloniennilnistere Ormsby-Gore in London eingetroffene High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, soll, wie in den der Leitung der Jowish Agency nahestehenden Kreisen auf Grund zuverlässiger Informationen versichert wird, angesichts der Lage in Palästina in nächster Zeit wieder auf seinen Posten zurüokkohren. Für Oesterreichs Unabhängigkeit Wie amtlich mitgeteilt wird, haben die ersten fünf Tage der ersten Woche der Zeichnungen für die Investitionsanleihe Österreichs ein Ergebnis von 59 Millionen Sohilling erbracht. Dieser Betrag ist zum größten Teü von kleinen und kleinsten Zeichnern beigesteuert worden. Heute beginnt die zweite Woche und sie wird wohl das Tempo der Anmeldungen beschleunigen. Die Anleihe ist zur Belebung der Wirtschaft, zur Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten und damit zur Sicherung der Unabhängigkeit Österreichs bestimmt. Dieser Zweck erfordert es, daß jeder das Seine tut, tun die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und alle Hoffnungen der inneren und äußeren Feinde des Staates zunichte zq machen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.