Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 625 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054381--6519-3062380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
<• Nr. 6*5 Wien, Freitag, 5. März 1937 * Xt Adar $697 IO. Jahrgang % JÜDISCHE ZEITUNG Billigen bequeme ORBIS-OSTERFAHRT nach POLEN u. czEimiTZ ABFAHRT: 2 4. MARZ 1937 Auskunft und Anmeldungen; POLNISCH** VäRAEHRiBURO „ORBIS1* I., Kärntner.traB- 41 ( U-6 1») OESTeRREJCHISCHES VERKEHRSBURO FrlBdrichslraBe 1 («27-nOu) . Graben m ( 29 o B ) Die Organisierung der Ar*>e!l Die österreichische Investitionsanleihe 1937 dient der Aufrüstung der Arbeit, für welche diie Regierung ein großzügiges Programm aufgestellt hat. Zu seiner Bedeckung werden 180 Millionen Schilling im Anlei h e;w e g e aufgebracht. Nach dem Prospekt werden 4X>%ige Schuldverschreibungen zum Kurse von 90 aufgelegt und auf eine Laufzeit von 30 Jahren abg es teilt, die in den ersten zehn Jahren als unkonvertierbar erklärt sind. Der Dienst der neuen Investitioneanleihe bewegt sich dank der Geldflüssigkeit, dar Marktlage und der Befestigung des Staatskredits in normalen Grenzen. Der Zinsfuß von 4% % bessert sich beim erwähnten Kurse von 90 und der Amortisationschance auf 514%. Mit solchen Konditionen ist der Staat auch befähigt, von allen Reizungen Abstand zu nehmen, dem Schilling zu seinem Rechte zu verhelfen und mit der Goldwertsicherung endgültig zu brechen. Er folgt dem Vorbilde, das er schon bei den Goldpfändbriefen .und -den;. Versicherungspoliizzen geschaffen hat. Die Finanzverwaltung darf damit rechnen, daß sie auch ohne Goldversprechen vollkommen kreditwürdig ist' und daß die Anleihe bereitwilligst aufgenommen ward. Sie hat vereint mit der Nationalbank an der Wertbeständigkeit des Schillings nicht rühren lassen. Der Aufruf der Regierung zur Beteiligung an der Investitionsanleihe trägt mithin eine einladende Marke, er vermittelt die Erkenntnis, daß die Zeichnung der Anleihe nicht allein ein Bekenntnis der Treue und Liebe zum arbeitswilligen Volke bedeutet. Sie weckt ebensosehr d'ie Zuversicht, an der Schöpfung fruchtbringender Werke zur wirtschaftlichen Hebung des Landes und Modernisierung seines Verkehrs beizutragen. Neuheit „Ille 0.06 mm** Führer’« Stahlwarenfabrik, Wien IV. Um die jüdischen Massen Von Dr. Oskar Grünbaum Es gibt ein wichtiges Problem der zionistischen Organisation, das im Argen liegt. Das ist die zionistische Propaganda, die durch die Exekutive kaum beeinflußt wird. Die zionistische Exekutive hat auch einen psychologisch hervorragenden Augenblick für die Propaganda fast ungenützt Vorbeigehen lassen. Das war der Eintritt der Katastrophe der deutschen Juden. In einer Zeit, in der die Massen aufgerüttelt waren, beschränkte sich die Zionistische Exekutive auf die Erez-Israel-Propaganda und vernachlässigte fast ganz die zionistische Galuthpropaganda. Alles ging diesbezüglich nach dem alten Leisten des laissez faire laissez passez, alles blieb den zionistischen Gruppen überlassen. So war es nicht wunderzunehmen, daß die Zionistische Weltorganisation keine wesentliche numerische Stärkung in einer Zeit erlebte, die — wie keine zweite — alle Voraussetzungen für einen großen Erfolg zionistischer Propaganda für sich "hatte. Seit dein letzten Kongreß hat sich die Situation noch verschlechtert. Die Exekutive war durch ihre laufende Arbeit und durch die Unruhen in Palästina mit Arbeit überlastet. Gerade in dieser schweren Zeit machte sich in der Galutb der Mangel einer zentral geleiteten und zielbewußten Propaganda unangenehm bemerkbar. In Österreich zum Beispiel kreuzten einander in diesem Winter eine Keren Kajemeth- und <jie Mifal-, Bizzafon-Äktion trotz eines Beschlusses des Zionistischen Organisation unmöglich mache, die nötigen Mittel für eine zentral geleitete mündliche und schriftliche Propaganda aufzubringen. Die Zionistische Organisation hat schon so viel, der Mehrheit des Volkes unmöglich Erscheinendes möglich gemacht, daß sie auch eine zentral geleitete, intensive Propaganda in der Galuth wir.d aktivieren können. Diese Propaganda wird sieh durch vermehrte Eingänge für die Fonds und durch den Zuwachs von Mitgliedern der Organisation bezahlt machen. Die Kosten werden übrigens nicht übermäßig groß sein, da die mündliche Propaganda zu einem großen Teile von den Propagandisten der Fonds wird geleistet werden können, durch die zentrale Leitung der Propaganda sogar besser als bisher. Die Propaganda wird in der Galuth im Einvernehmen mit den zionistischen Organisationen zu leisten sein, die bisher — Ausnahmen bestätigen nur die Regel — nicht bewiesen haben, daß sie es verstehen, eine gute zionistische Propaganda zu machen. Von den zionistischen Gruppen in Österreich zum Beispiel entfalten nur der Zionistische Landesverband und die ihm angeschlossene WIZO eine nennenswerte Propaganda. j Der Zionistische Landesverband hat trotz seiner noch unzulänglichen Propaganda. in der Zeit von ungefähr Mitte November 1936 bis Ende Februar 1937,. also in dreieinhalb Monaten, 517 neue A. C., wonach die Mifal Bizzaron-Aktion durch keine andere Aktion gestört werden darf. Dazu kam noch gleichzeitig eine Aktion für die Hebräische Universität. Dieser anarchische Zustand mußte jede der drei so wichtigen Aktionen zwangsläufig beeinträchtigen. . Liegt so die mündliche Propaganda im Argen, so ist es mit der schriftlichen Propaganda noch schlechter bestellt. Die Informierung seihst der Mitglieder des A. C. ist dürftig, die zionistischen Zeitungen sind in der Regel auf das Fingerspitzengefühl ihrer Redakteure angewiesen und eine zionistische Broschürenliteratur, die auf die ideologische Beeinflussung jener jüdischen Kreise hinzielt, die vom Zionismus keine oder nur nebulöse Vorstellungen haben, fehlt ganz. Man wende nicht ein, daß der notorische und durch die Unruhen in Palästina außerordentlich verschärfte Geldmangel es der Mitglieder in Seinen Wiener Bezirkssektionen aufzuweisen, während die WIZO einen Zuwachs von fast 300 Frauen verzeichnet. In dieser Zeit , wurde als 18. Sektion die Bezirkssektion Schiittel gegründet und zwei Sektionen (Innere Stadt und Breitensee) haben neue Heime eröffnet. Sieht man sich aber sonst in Wien um, so muß man festeteilen, daß bei den anderen zionistischen Gruppen, obwohl sie die gleiche Propagündamöglichkeit haben — in Wien gibt es doch über 170.000, Juden — die Mitgliederzahl so ziemlich stagniert. Dieser Zustand wird sich erst dann zuim besseren wenden, wenn sich auch die anderen Gruppen zu einer Propagandatätigkeit auf raffen, und eis ihren Anhängern begreiflich machen werden,, daß nur auf Mitglieder und nicht auf Mitläufer Wert gelegt wird. Die diversen Mitläufer haben, zumindest in Österreich, nicht mehr die Möglichkeit der Ausrede, sie würden erst dann organisierte Zionisten Wichtige Mitteilung für Palästina-Touristen V erlautbar utig Uber einverständlichen Antrag der Zionistischen Bezirkssektion Prater und des von dieser Sektion nach den Wahlen in die Jüdische Gemeinde gegründeten Sektors Schüttei, der bereits über 100 Mitglieder aufweist, hat das Zionistische Landeskomitee in seiner Sitzung vom 2. März die Errichtung einer eigenen Bezirkssektion Schütte] bewilligt. Damit verfügt der Zionistische Landesverband für Österreich in Wien über 18 Bezirkssektionen. l Zionistischer Landesverband für Österreich; Dr. Pokorny m. p. Dr. Gritnbaum m. p. Dr. Berger m. p. Moderne Bruchbandagen absolut beschwerdefren Fachfirma Bandagen-Mikolasch, Taborstr. 22 Waff enverbot in Transjordanien Die transjordanische Regierung hat der Gesetzgebenden Versammlung ein Gese'tzprojekt untorbreitet, wonach das Waffentragen in den n a h e d o r p a 1 ä s t i n e nsischen Grenze liegenden Bezirken .verboten werden soll. Bei den von Triest abgehenden Schiffen der italienischen Linien ist auch in diesem Frühjahre wieder eine starke Nachfrage nach Palästina zu beobachten. Es ist daher wichtig, sich rechtzeitig Plätze zu sichern. Neben den ständigen Abfahrten — jeden Mittwoch — und jeden zweiten Samstag, wird auf die ermäßigten Gruppenfahrten hingewiesen, die als auch auf die S t r a ß o über. In einigen Städten kam es in den letzten Tagen zu antisemitischen Ausschreitungen. In der hauptsächlich kalvinistisehen Stadt Debreezin wurden die Fenster in. mehreren von Juden beiwohnten Häusern eingeschlagen. Eine Gruppe Demonstranten rasto sogar mit Automobilen durch die Straßen und griff die jüdischen Läden und die von Juden bewohnten Häuser aus Schleudern an. An vier jüdischen Tempeln wurden die Fenster eingeschlagen. Eine polizeiliche Radfahrer- „Pesea ehr eise“ am 16. März.und als „F r il h j a h r s i n f o r m a t i o n s r e i s e“ am 13. April ab Wien geführt werden. Gute Plätze und alle Auskünfte: Palestine Express Vertretung, Reisebüro City, Dr. I. H. Körner, Wien, L, Kohlmarkt 8, Tel. U 26-4-29 — Italienische Schiffahrtsgesellschaften, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. U 47-5-60. E Patrouille kam noch zurecht, um wenigstens das fünfte Gotteshaus zu schützen. Die jüdischen Studenten bleiben den Vorlesungen fern, so daß Innerhalb der Mauern der Universität verhältnismäßig Ruhe herrscht. In Ödenburg demonstrierten die Studenten der dortigen Montan- und Forsthochschule gegen den Film „Ritterliche Angelegenheit“, wobei dio. Pfeiikrouzler ihnen assistierten. Mit .Riesenbuchstaben wurden auf das Straßenpflaster dio Worte gemalt: „Jüdisches Kapital, jüdischer Geist, jüdische Darsteller!“ Antisemitische Straßenkrawalle in Ungarn Budapest, 2. März. (JTA.) Die von den livnmitMmi n.iiK.tmhfwlo Unruhe ff r e i f f NACH EREZ ISRAEL von Triest und Genua mit den vorzüglichen Dampfern -MARCO POLO“, „ESPERIA“, „GALILEA“, „GERUSALEMME“ ZU PESSACH 23 PROZENT ERMÄSSIGUNQ AUSKÜNFTE: ADR AT.CA“ s.«. Generatagenturi Wien, I«, Kärntner« ring 6 und alle Reise&liros •iimimiiiimimiiimmmmimiiiiitiiiiiiiiiiiiminmiiimiimiiiiiiiMmuuujiimmmiiiiiiHiiinnnni werden, wenn sich die verschiedenen zionistischen Gruppen nicht mehr in den Haaren liegen würden. Der Zionistische Landesverband bat seit Jahren konsequent, wo es nur tunlich war, gehässige und unsachliche Angriffe, die gewöhnlich in einem argen Mißverhältnis zur numerischen Stärke der angreifenden Gruppe standen, ignoriert und diese Krähwinkel-Quertreibereien dadurch ad absurdum geführt, daß er unbeirrt produktive Arbeit leistete. Das ist das Geheimnis seines Erfolges. Der Zionistische Landesverband hat auch immer, wo es tunlich war, gemeinsamen Aktionen das Wort geredet. Er hat auch die Initiative zur Schaffung einer paritätischen Koordinierungskommiss i o n der verschiedenen beim Kongreß vertretenen Gruppen ergriffen, um so die zionistische Arbeit und Propaganda zu verstärken. Er unternimmt diesen Versuch, . um zu einer weiteren Konsolidierung der Verhältnisse in der Zionistischen Organisation beizutragen. Mit Landespolitik wird sich die Koordinierungskommission nicht zu befassen haben. Sie soll eine zionistische Arbeitsstätte sein undrein zionistischer Propaganda dienen, nicht aber eine Plattform für parlamentarische, politische, ideologische und weltanschauliche Kämpfe, die heim Kongreß und im täglichen Leben Palästinas auszutragen sind. 1 Der Zionistische Landesverband hat in der Jüdischen Gemeinde durch eine jahrelange und friedliche Kooperation seiner Mandatare mit den Mandataren anderer zionistischer Gruppen, die dem „Zionistischen Klub“ angehören, den Weg gewiesen, wie gemeinsame zionistische Arbeit geleistet werden kann: Durch Ausschaltung politi-. scher und weltanschaulicher Differenzen, die mit der gerade zu leistenden Arbeit nichts ziu tun haben und durch die Konzentration der Arbeit auf jenes Gebiet, auf dem die einzelnen Gruppen ein gemeinsames Programm haben. In gleicher Weise wie der „Zionistische Klub“ in der KultuSgemelnde wird die Koordinierungskommission die Mögt Üchkeit haben, erfolgreich zu arbeiten, wenn sie sich auf das Gebiet der rein zionistischen Propaganda, der Fonds, der beruflichen Umschichtung und der Hebräisierung konzentriert und nicht den Versuch unternimmt, für die Austragung von Differenzen weltanschaulicher und zionistisch-politischer Natur eine Plattform zu bieten. In erster Linie aber muß sich die Koordinierimgskommission der zionistischen Propaganda widmen. Die Zahl der organisierten Zionisten in Österreich muß vervielfacht werden. Auch in anderen Ländern liegen die Verhältnisse ähnlich. Wohl überall steht die Zahl der zionistisch organisierten Juden in einem Mißverhältnis zur Zahl der Juden. Es wird gewiß immer einen Prozentsatz von Juden geben, die einer organisatorischen Erfassung ausweichen werden. Große jüdische Massen aber sind für dio zionistische Organisation erfaßbar, wenn man sich nur um sie bemüht. Die Methoden und das Tempo der Propaganda worden sich den Verhältnissen in den einzelnen Ländern anpassen müssen. Sache der Zionistischen Exekutive muß es aber sein, durch eine schlagkräftige zentrale Propagandastelle ün Einvernehmen mit den Fonds die Rieht-